Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 2 (14.1.1937)
- Date
- 1937-01-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Rahmen, des jüdisch-politischen Lebens. II.. Grossbritannien Die' Engländer halten inmitten einer in Bewegung geratenen Welt auf eine fast, geheimnisvolle Weise ihren sozialen Zusammenhang aufrecht, der immer nieder alle Belastungsproben besteht. Sie packen die grossen sozialen Fragen auf eine nur ihnen eigene Art an und zeigen, dass alle, neu auftauchenden Probleme in den Kähmen des hergebrachten politischen Systems eingeordnet werden können. Sie leben als „individualistische Kollektivisten" ihr eigenes Leben, dem die persönliche Freiheit als das höchste Gut erscheint. Es ist ein Leben mit einem Sinn für fair play und einem grossen Streben nach Objektivität.." Dieser, englische Nationalcharakter hat es.'auch ermöglicht, dass im britischen Weltreich so verschiedenartige Konfessionen und Rassen Platz gefunden haben, die alle das Bewussfsein erfüllt, Glied dieses englischen Weltreiches zu sein und der eng- lischen Völkerfamili'e züzugehören. Die englischen Juden machen hiervon keine Ausnahme. Auch in ihrem politischen Eigenleben finden wir jene fairness. die bei jedem einzelnen die Bereitschaft voraussetzt, G^geii. sätzc im Interesse des. höheren, Ganzen zu überbrücken und sich uneigennützig in' das grosse Ganze einzuordnen. Weit mehr der .praktische Verstand und das praktische. Verhalten. als das Grundsätzliche oder gar das Weltanschauliche ist für alles massgebend. Der englische Jude macht sich über „Ideologien*' kein Kopfzerbrechen, und gerade , dies lässt ihm z. B. den Zionismus iu einem ganz anderen Lichte erscheinen als etwa dem Juden in Deutschland. Das mehr aus dem Instinkt als aus dem Grundsatz erwachsende Handeln des englischen Juden, seine Stetigkeit und seiri-Gleichmass. die die ' Ueberbrückung von Gegensätzen ermöglichen und die ein. Kennzeichen" des Bildungs¬ und Sittlichkeitsideals des gentleman sind, herrschen denn auch im politischen Aufbau der englischen Judenheit vor. Seit dem Jahre 1760 besteht als oberste Vertretung der englischen Judenheit der B o.a r d o f D e p u t i e s of British J e ws. . Seit seiner Gründung bis zum heuiigen'Tage ist er-die anerkannte Gesaratvertretung der Interessen der Judenheit Englands und desbritischen Empire, und bis zum heutigen. Tage denkt kein englischer Jude daran, an dieser Institution, zu rütieln, sie umzubilden oder dabei etwa mit einem Fifty-Fifty-Prinzip zu jonglieren. Der Board hat nicht weniger als 358/Mitglieder (am 1. März 1938), die 94 Londoner Synagogen, 127 Provihzi.alsynagoge'n, zehn Gemeinden, -in den Kolonien ' und i4 sonstige Institutionen vertreten. Männer jeder Gedankenrichtung und Schattierung sitzen in ihm. . Teilweise gehören sie ihm 30 und 40 Jahre an. Sicherlich; sitzt die Elite der englischen Juden im Board und verwaltet.hier eine Tradition, die man eich ,wohl kaum ohne die Prädestination des. Engländers zum Parlamentarismus. denken kann. Einst ist der Board von Sephardim und Aschkenasim gegründet worden, die narb Engin ud nach -der Wiederzulassung unter Crom well von 1654 ab einwanderten. -Er sollte alle-Angelegenheiten regeln, die die englische Judenheit als .religiöse ■ Gemeinschaft berühren, P> befasst sich so nicht nur mit synagogalen und Kultusfragen, sondern tritt auch bei gegebenen Anlässen als Sprecher der englischen Judenheit auf; so z. B. beim 25jährigen Regierungsjubiläum des verstorbenen Königs Georg, bei seinem Tode und bei der Thronbesteigung seiner Nachfolger. Erst jüngst hat der Board angesichts judengegnerischer Kundgebungen mit der Organisierung einer Abwehraktion begonnen. Dabei hat mau die Notwendigkeit, die gesamte Arbeit des Board mehr "als bisher zu konzentrieren, deutlich empfunden. Es sind Stimmen laut geworden, die davon sprechen, dass die repräsentative Körperschaft der englischen Judenheit nicht die Maschinerie zur Verfügung habe, die zur Erfüllung ihrer wichtigen Funktionen notwendig wäre. Gedanken, die bereits seit 1935 immer wieder auftauchen und auch den Board beschäftigt haben. Er konnte aber zu endgültigen Entscheidungen noch nicht kommen, weil die angeschlossenen Organisationen grössere finanzielle Leistungen bisher nicht übernehmen wollten. Präsident des Board of Deputies ist. seit 1933 Neville Laski K. C, Vizepräsidenten sind Lionel L, Cohen und Sir Robert Waley Cohen. Eine dr*r grossen, im Board of Deputies vertretenen. Organisationen, die aber in besonders enger Verbindung mit ihm steht, ist die A n g 1 o J e w is h Associ a t i o n. Sie wurde im Jahse 1871 gegründet, um die Judeu Osteuropas und des Orients in ihrem Kampfe um den sozialen und geistigen Fortschritt und um Menschenrechte zu unterstützen. Board und Association haben ein.gemeinsames Komitee zur Wahrung jüdischer Rechte geschahen, das Joint Foreign C o m m i 11 e e , dessen gemeinsame Vorsitzende Neville Laski und der Vorsitzende der Anglo Jewish Association, Leonard G. M o n t e f i o r e, sind. Die Anglo Jewish Association hat sieben Vizepräsidenten, darunter Sir Osmond d'Avigdor G o 1 d s m i d , den Präsidenten der Jewish Colonisation Association (JCA), der bereits 1926—1933 Präsident des Board of Deputies gewesen ist, sowie den Oberrabbiner des britischen Weltreiches, Chief Rabbi Dr. Hertz. Chief Rabbi Dr. Hertz ist das geistige Oberhaupt der führenden Londoner Gemeinde, der United S y n a g o g u e. Ihr gehören gegenwärtig 19 hauptstädtische, 10 Bezirksgemeinden und 19 weitere Synagogen und Vereine an. Ihre Mitgliederzahl wird auf etwa 12 000 geschätzt, so dass zur- United Synagogue etwa 60 000 Seelen -von den Insgesamt in London lebenden 185 000 Juden gehören. Der Council der United Synagogue ist die Vertretung aller der United Synagogue angehörenden Gemeinden. Sein Präsident ist Lionel de Rothschild, Vizepräsidenten sind Sir Robert Waley Cohen und Sir Isidore. S a 1 m o n. - Neben der United Synagogue besteht in London die 1884 gegründete F e-d e r a t i o n o f S y n a g o g u e s. Ihr gehören 65 Synagogengemeind'--n an, deren Mitglieder zumeist aus dem Osten eingewanderte Juden und Anhänger des polnisch-russischen Ritus sind. Weiter bestellt seit 1657 die S p a n i s h and- Portuguese J e w s' Con gr'e ga t"i ö n , der vier Synagogen angehören, und die Union o f Orthodox He.brew C o n g r e g a t i o n s, die aus 15 Gemeinden und Vereinen gebildet wird, Federatipn und Union haben Vertreter im Board of Deputies: ebenso die United Synagogue. Konservativismus, Liberalismus und Reform als religiöse Kategorien sind auch in England nicht unbekannt. Aber sie haben einen anderen Begriffsinhalt als in Deutschland. Schon 1841 wurde in der West London Synagogue of British Jews die „Reform" gegründet. Die Liberal Jewish Synagogue, die erst 1910 entstand, ist noch fortschrittlicher, so dass in, England die ..Reform" ,.konservativer" ist als die „liberale" Richtung. Der Liberal Jewish Synagogue gehören die oftmals genannten Rabbiner Rabbi M a 11 u c k und Rev. M. L. P er 1 z w e i g an; letzterer ist Leiter der Informationsabteilung beim politischen Department der Exekutive der Jewish Ägency in London. Präsident der Liberal Synagogue ist -Claude - G, Montef i o r e. Alle Gemeinden sind private Vereine. Sie unterstehen keiner staatlichen .Aufsicht. Die Mitglieder zahlen freiwillige Beiträge, unabhängig von jeder gesetzlichen 5te'uerpflicht."Das in England herrschende Prinzip der Selbstverwaltung-, gilt weitgebend auch für die Kirchen. Diese individualistische Geiueinschafts.bil.dung hat aber dem englischen Judentum keinen Abbruch getan. Vielmehr.ist. in ihr das allgemeine englische Kennzeichen wirksam : Individualismus mit kollektivem Verantwortungsbewusstsein zu verbinden. Deshalb sind die Gemeinschaftsreaktionen der englischen Judenheit ' nicht minder stark. Das war nicht nur so zur Zeit, von Sir Moses Montefiore, dem unermüdlichen Helfer der orientalischen Juden .im vergangenen Jahrhundert, sondern so ist es auch heute. Heute ist das englische Judentum'nicht nur fähig zu helfen, sondern ■ auch bereit hierzu. Die englischen Juden haben nach dem Kriege und bis zum heutigen. Tage viel für die Juden in Osteuropa getan. 1933 haben sie den C entral British F u n d zur Hilfe für Juden aus Deutschland geschaffen, und im' vergangenen Jahr waren es führende englische Juden, die das Council f o r German J e w r y gegründet haben,, um damit die in der Geschiente der englischen Judenheit überhaupt grösste Hilfeleistung zu vollbringen. Die Aufgeschlossenheit und Weltoffenheit.der englischen Juden, die sieh .mit. einer grossen politischen Erfahrung verbindet, zeigt sich in vielen' Dingen. So sind englische Juden oft bei . gesamt jüdischen Aufgaben tätig-; .die über England 'hinausreicfietf^;'-''Sir/--©sn'lorid-' d'ÄYjgdor Goldsmid, der Präsident " der JCA, ist-bereits genannt worden. Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Cbaim W e i z m a n n, ist ein englischer Jude, Lord Melchett ist Präsident des Welinsakkabi. Eine besondere Stellung nehmen die englischen Juden zu P a 1 ä s t i n a ein.' Hier verbindet sich in jedem englischen Juden sein Gefühl als Engländer mit seinem Gefühl als Jude. Aber beide stehen nicht in einem Widerstreit. Beide stehen in einem Verhältnis zu- Masaryk ... . ' . erzählt sein" Leben' Sechsundacbtzig Jahre war -Masaryk alt. als er vor wenigen Monaten sein Amt als Präsident der tschechoslowakischen Republik niederlegte, um die wohlverdiente Rübe eines späten Lebensabends zu gemessen.- Es ist ein langer und ereignisreicher Weg. der ihn aus der dörflichen Hütte eines slowakischen Kutschers auf den kaiserlichen Gütern im mährischen Hodonin an die höchste Stelle im Staate führte. Er hatte daher mancherlei zu erzählen, wenn er mit seinem Freund und Bewunderer, dem bekannten Schriftsteiler Capek, in ländlicher Ruhe vor dem Kamin plauderte. Capek hat diese Gespräche getreulieb aufgeschrieben, und - so steht das aus ihnen entstandene Buch anstehe einer Autobiographie, die dem greisen Präsidentenzu schreiben Zeit und Kraff fehlte. Natürlich trägt es das Gepräge seiner Entstehung. Es ist keine fortlaufende Erzählung, sondern eine Aneinanderreihung von .Begebenheiten, die dem alten Manne besonders lebendig geblieben sind, oder denen er einen besonderen Anteil an seiner Entwicklung beimissl, sowie von Betrachtungen, zu denen diese Erlebnisse ihm Auiass geben; Ein grosser Teil des Buchs. -..Denken und Leben" überschrieben, enthält teils aphoristische, teils zusammenhängende Auseinandersetzungen über die politischen, wissenschaftlichen und religiösen Fragen, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigt haben. Ein so bedeutender Mann wie Masaryk hat über all das viel zu sagen, was des Nachdenkens wert ist. Er ist eine' ausgesprochen religiöse Natur. ..Die Religion bemächtigt sich des ganzen M^^-hen" ruft er aus. ..seines Denkens, -Fühlen? und seiner Handlungen, seines ganzen Leben.-: sie bemäcb'fgi sich der Völker und der aanzen CrsHlschaft . . . Nichts" ist so schöpferisch, -nichts so-' umfassend: wie die- Religion" (Seite 235). Aber der Grundbegriff seines ganzen Denkens ist: Humanität. „Wechselseitigkeit. Internationaiität, Weitoffenheit — wir haben dafür ein inhaltvolleres. Wort: Humanität. Die Entwicklung zielt au? Welthumanität ab, auf reines Menschentum" (Seite 323). Das ist um so bezeichnender für ihn, als er ■im Naiionalitätenstreit, im Kampf der Tschechen gegen das Deutschtum, aufgewachsen und hervorgetreten, ist. Aber die Erinnerungen seines Lebens, die er erzählt, zeigen, dass er nie nationalistischer Fanatiker war, und dass er auch den Mut hatte. Lieblingsvorstellungen seiner Nation entgegenzutreten, wenn sie mit der Wahrheit nicht zu vereinbaren waren. Eine Probe bierfür gab er bei dem Kampf um die Königinhofer Handschrift, Auf diese in den - ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts angeblich entdeckte Handschrift stützte der tschechische Nationalismus seinen Anspruch auf eine in graue Vorzeit zurückreichende literarische Kultur. Die deutsche Wissenschaft hat sie — mit Recht — alsbald für eine Fälschung erklärt, aber der Tscheche, der sich zu dieser Auflassung bekannte, galt als Landesverräter. Masaryk hat sich dadurch nicht abhalten lassen, sie in einem jahrelangen Kampf zu vertreten, und er kann heute sagen, dass er damit patriotisch gehandelt hat: „Ich gründete Nationalität und Staatlichkeit ■ auf Moralität" (Seite 71). ..Mir war die Frage der Handschriften eine moralische Frage: wenn es wirklich Fälschungen waren, so mussten wir das vor der Welt eingestehen. Unser Stolz, unsere Erziehung durfte nicht auf einer Lüge beruhen" (Seite 90). Den gleichen Mut beweist Masaryk, als er sich des wegen Ritualmord verurteilten jüdischen Landstreichers Gilsner annahm. Als man in seinen Vorlesungen gegen ihn demonstrierte und ihn am Sprechen verhinderte, schrieb er mit Kreide an die Tafel die Aufforderung, die Demonstranten sollten ihm Beweise und Gründe für ihre Demonstration mitteilen; dann ging er durch den ganzen Hörsaal und verlangte ihre Argumente zu hören (Seite 109). An solchen bezeichnenden Geschichten sind Masaryks Gespräche reich. 'Nur ein ' Satz sei noch, zitiert: ..Als ich schon Präsident geworden war. suchte mich der deutsche Philosoph Fritz Maulhner auf. er wollte nichts anderes, als sehen, wie ein glücklicher Mensch aussehe." Ein glücklicher Mensch —. der Präsident lehnt diese Bezeichnung nicht ab, und wer an ihn den Goetheschen Massstab legt, dass ihm das „Gestern klar und offen" liegen müsse,- wird ihm nicht widersprechen. E. E. Masaryk erzählt sein Leben. Gespräche mit Karel Capek. Aus dem Tschechischen übersetzt von Ca mit! Hoff m a n n. Berlin, Bruno C a sslcrer- V c r 1 a g. 350 Seiten. Vom Tage Die Aegidienkirche in Braunschweig ist nach einer völligen Neuordnung der Sammlung als Vaterländisches Museum - der Oeffentlichkeit wieder zugänglich gemacht worden. Die Beschriftungen entsprechen der" Forderung des braunschweigischen Ministerpräsidenten K 1 a g - ges. dass ein vaterländisches ■ Museum eine nationalpolitische Erziehungsanstalt sein solle. In dem Mittelschiff der Kirche, wo eine Sammlung kirchlicher und höfischer Barockkultur untergebracht ist, ist auch die Hornburger Synagoge unverändert erhalten geblieben. 'Sie trägt die Beschriftung: „Ein Fremdkörper' inder deutschen Kultur. Die äusseren Formen erinnern an heimische Dorfkirchen der Barockzeit, dahinter steht aber die jüdische Welt." * Bei der Einweihung eines Thüringer Aerztehauses in : Weimar hielt. Reichsärzteführer Dr. W a g n e r eine Rede, in. der er nach einem Bericht des „Berliner Tageblattes" ausführte, dass dem Schutz von Biut und Rasse alle anderen Fragen untergeordnet werden müssten. Der weiteren Vermischung mit fremdem Blut hätten die Nürnberger Gesetze Einhalt geboten. Es gebe heute in Deutschland 500 000 Juden, 200 000 Halbjuden und 100 000 Vierteljuden. Schon in der nächsten Generation .werde es keine Halbjuden mehr geben. Viele von ihnen sterben ohne Kinder,aber die anderen Kinder würdeo Vierteljuden sein, für die die Ebegenehmigung eingeführt ist. — Bei diesen Zahlen handelt es sich nicht um 'sogenannte Glaubensjuden, sondern .um alle diejenigen, die ihrer A b s t a m m u n g nach Juden sind. einander, das am besten dadurch gekennzeichnet ist. dass der Präsident der Jewish Ägency und -Zionistischen-Organisation, Dr. Weizmairor-zugleich Präsident der Zionist Federation of Great Britaiu and Ireland ist. Das Interesse für Palästina ist in den letzten drei Jahren bei den englischen Juden'st'ark gewachseh; Es" ist durch die Unruhen und die-gegenwärtige'Lage vieler jüdischer Gemeinschaften noch verstärkt worden. Hierbei gtbt.es keine" Dogifiatik' oder was man üblicherweise Weltanschauung zu nennen pflegt. Es sind in erster .Keihe humanitäre Erwägungen und die jedem Engländer,, und um wieviel' mehr dem Juden, eigene Anhänglichkeit an das Land, .'der Bibel, die. hier mitsprechen.. FrSfcß $UGf»S£e Staatl. geprüft. Heitaeliilfe, Masseur, Krankenpfleger, zugel. zu all. Krankenkass. Spez. Veraltete Ischiasu. Rlieumaerkr. Sportverletzgr.'Fisrurausgl. Entfett.- aiass- Charlottenburg 4. Wilmersdorfer Str. 125. C V-1S48. So bestehen denn viele organisatorische Beziehungen zwischen London und Palästina. Die .Zionistische Weltorganisation hat .lange Jahre ihren. Sitz in.London,gehabt und unterhält auch heule dort; noch eine Reihe von Büros. In London' befinden sich auch, einige, wichtige finanzielle Instrumente für den Palästihaaufbau: die Anglo,'Palest ine Bank, der noch von Theodor Herzl. gegründete Jewish Colonial Trust, der die Anglo Palestiiie Bank kontrolliert,' der Economic' Board' for. Palest]ne u. a. Ausserdem gibt es die'in jedem Lande ^vorhandenen Landesa bteil'ungen der Jewish Äge.ncy,' zu der' Sir Osmaond d'Ayigdor G.öldsmid,. . Neville Laski u. a.;gehören, des Keren Hajessod und. Keren Kajemetli. Es besteht der Zionistische Frauen- Verband, ". die' WIZÖ (Womeivs International Zionist' Organisation)' und die.' Federation' of Women'Zionisls of Great Britatn and Ireland, deren Vorsitzende die in. Berlin bekannte Mrs. I. M. Sief f,- zugleich aber auch eine der Prä- . sidenünneii der WeJi-WIZO ist. Ausser dem Misrachi besteht'noch die Federation of 'Zionist Y'ounth, deren'Vorsitzender Professor S. B rode tsky das politische Department der Exekutive der Jewish Agency in London leitet. ■ Im übrigen spielt sich ein.,.jugendbewegtes" Leben mehr in Kl u..b s und C e n t r e s ab. Klubs geben den Rahmen, für die aller englischen. Politik und auch, der jüdischen .Politik ■ in England zugrundeliegende unablässige Diskussion ab. Es wird'hiervieles dazu getan, dass Meinungen durch Meinungsaustausch" entstehen. - Es ist hier aber auch. Gelegenheit ge-; 3£ geben, an die gesellschaftliche Kultur Ansch-luss zu-finden, die der Engländer so hoch. schätzt. Unter 'diesen vielen jüdischen Klubs seien die A s s o c i a t i o n o f J e w i s Ja Y o u t h und der Anglo PaJ.estinian Cinb genannt. Dem . letzteren gehören auch viele nicht jüdische .Politiker an. -Schirmherrdes Klubs -war bis-zu ..seinem Tode Lord B a 1 f o u r.: Jetzt ist es Lord , Cecil of X h.e lwood, der bekannte. Völkerbundspolitiker. Vorsitzender des Klubs ist der Unterhausabgeordnete James _de R o t h s c h i 1 d. Die Wohlfahrtsvereme sind in. der Federation of Jewish Relief Organisa t i o n s zusammengefasst (Vorsitzender: Chief Rabbi Dr. Hertz), die Brüderschaftsvereine in der Associ atio'ü of Jewish F r i e n d 1 y S o c i e t i e s. In diese Kategorie gehört auch der Verein der polnischen Juden, die F e .d e r a t i .o n o f; P o 1 i s h Jews i n Great B r i t a i n , die entsprechend der zahlreich aus dem. Osten eingewanderten jüdischen Bevölkerung einen starken Resonanzboden und bei den Hilfsaktionen für die polnische Judenheit einen hervorragenden Anteil hat. Ihr Ehrenpräsident ist der im Sommer verstorbene Ehrenpräsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr, Kalium Sokoio.w. gewesen. Zum Präsidium gehören Chacham Dr. G a s t e:r , Professor B r o d et s k y, Rev. M. L. P e r 1 - zwe ig u. a. » . ' . Die Juden in London und in der englischen Provinz, in der an 77 Orten.Synagogengemeinden bestehen, sehen sich heute in einer Situation, . in der ihnen eine grosse' Verantwortung zufällt, und in der sie für die 'gesamtjüdische Politik eine starke praktisch-nüchterne Gestaltungskraft in ihren Menschen bereitstellen sollen. ahzg.. (Fortsetzung folgt) - Der dritte Vortrag in der Serie „Juden 'in W. e 11 s t ä d t e n" hatte ,.L o n d o u" zum Gegenstand. Es sprach Adolf Schpyer. Nach einem kurzen Ueberblick über die Geschichte der Juden in England gab der Redner eine sehr unierrichtende Darstellung der gegenwärtigen Lage der Londoner Juden. Er "schilderte zunächst -'.das jüdische Organisalionswesen, um zur Darstellung der sozialen Einrichtungen überzugehen. Die englischen Juden gehören allen"-" politischen Parteien an, ohne, von geringen Ausnahmen ab- -■ gesehen. Führerrollen innerhalb dieser Parteien innezuhaben. Auch in. der .Tagesschriftstellerei, in der Presse, in freien Berufen und in den Grossbankeu weisen sie keinen unverhältnismässig hohen Anteil auf. Eine starke jüdische Besetzung zeigen lediglich einige Einzelhandels- und Gross"- handelsbranchen. Sehr interessante Einblicke gab Adolf Schoyer dann in das gesellschaftliche Leben und verweilte längere .Zeit bei zahlenmässigen und ■tatsächlichen Angaben über die Eingliederung der aus Deutschland nach England ausgewanderten Juden. Er stellte die Gestalt des traditibnsbewussten Engländers als ein Vorbild, hin,' -das gerade dem Judentum, das gleichfalls der Tradition nicht entbehren könne, zur Heranbildung einer lebensvollen Sicherheit dienen könne. E. R.-J.