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Central-Verein-Zeitung · 1937-01-07 · 1 (7.1.1937) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
1 (7.1.1937)
Date
1937-01-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Palästinensische Wirtschaftsfragen Von unserem *-P alä stina-B er ich ter st a tt er als massgebend angesehen -werden können, glücklicherweise keine Bestätigung. Zwar waren auch die letzten Tage nicht ganz frei von Gewalttaten, doch wiesen sie keinen systematischen Charakter auf. Am 30. Dezember wurde der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Adhara im Jemen, Saadia Babli, ermordet. Am gleichen Tage verschwanden' aus dem Jaffaer Zollamt mehrere Kisten Dynamit, worüber sofort eingehende Nachforschungen eingeleitet wurden. Der Siedler Isaak M fs t r i \% k y aus Kirjat Schmuel bei Herzlia wurde von einem Araber leicht verwundet, als er Diebe von seinem Besitztum vertrieb. Am 1. Januar wurden die Autos der Mitglieder, des palästinensischen Sinfonieorchesters auf der Fahrt nach Haifa, wo das Orchester .ein Konzert angekündigt hatte, in Nablus mit Steinen beworfen. Getroffen wurde' niemand. In der Nacht vom 3. zum 4. Januar ist der Stacheldrahtzaun um den Balfourwald in einer Ausdehnung von 400 Meter von arabischen Saboteuren durchschnitten worden. Die Tageszeitung ..Dawar" veröffentlicht eine statistische Tabelle der in den Jahren 1923 bis Ende 1936 von Palästina gekauften und der aus Palästina ausgeführten Bücher. Es wurden in diesem Zeitraum für 297 495 Pfund Bücher eingeführt und für 100 392 Pfund ausgeführt. Von den durchweg in hebräischer Sprache abgefassten Büchern, die aus Palästina ausgeführt "wurden, wurden in Europa Exemplare im Werte von 46 334 Pfund, in Nord, und Südamerika von 30 922 Pfund, in Asien, Afrika und Australien von 23 636 Pfund abgesetzt. Die Ausfuhr stieg von Jahr zu Jahr und hat im vergangenen Jahr den Rekordwert von 13 400 Pfund erreicht. Unter den Ländern, die Bücher nach Palästina einführen, steht Deutschland mit einem Betrag von So 000 Pfund an der Spitze, es folgen England mit 60 000 und Polen mit 25 000 Pfund. Die starke Büchereinfuhr aus Deutschland und Polen beweist, wie sehr die Einwanderer mit den Kulturen ihrer Herkunftsländer verknüpft geblieben sind. Ein weiteres Anzeichen für die kulturellen Bemühungen des Landes ist die Gründung eines .^Institutes für Selbstbildung" bei der Kulturabteilung des Waad Leumi. Das Institut hat sich die Aufgaben gestellt, durch schriftlichen Fernunterricht Bildung unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu verbreiten. Es werden zurzeit Unterrichtsbriefe über Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft verfasst. Der Fernunterricht wird von den besten hebräischen Lehrern Palästinas erteilt. Der bekannte Lexikograph Jehuda G r a sovsky. Verfasser des neuen grossen hebräischen Wörterbuches, ist von der Stadt Tel-Aviv zum Ehrenbürger ernannt worden. * Unter dem Vorsitz von Professor Selig Brodetsky fand in Krakau eine zweitägige Beratung des Aktions-Comites des Makkabi- Weltverbandes statt, an der Delegierte aus Palästina, Litauen, Bulgarien, Rumänien, England, Oesterreich, der Tschechoslowakei, Deutschland, Frankreich und Polen teilnahmen. .Es wurde beschlossen, die 3. Makkabia im April 1938 in Tel-Aviv abzuhalten. Veranstalter wird auch diesmal der Makkabi-Weltverband sein, und nur die ihm ancehörenden Vereine sind zur Teilnahme berechtigt. Jedoch werden Einladungen auch an die ausserhalb des Makkabi stehenden Sportverbände Palästinas. Betar und Hapoel ergehen. # Am 30. Dezember ist bei Afule ein Flugzeug mit sechs Passagieren abgestürzt. Der Beamte der Irak-Petroleum Company Popper und ein Ingenieur der gleichen Firma kamen dabei ums Leben. Drei Engländer und der Flugzeugführer wurden verwundet. Aufstrebende Stadt Tel-Aviv, 30. Dezember 1936. Die Stadt Tel-Aviv kann in den letzten Wochen mit Stolz auf eine Reihe neuer Errungenschaften blicken, die das ungebrochene Vor.wärtsstreben dieses jungen Gemeinwesens versinnbildlichen. Im Vordergrund der Ereignisse stand das erste Konzert der von Bronislaw Huberman gegründeten Palestine Orchestra Association unter Leitung von Toscanini. Es hatte zwar nicht an Bedenken gefehlt, ob es sich in dieser Zeit, in der kaum die Mittel für Linderung dringlicher Notstände aufgebracht werden können, ein solcher Aufwand rechtfertigen Hesse, ob die Scheidung von mehr und weniger zahlenden Hörern in zwei verschiedenen Konzerten der Zeit entsprechen. Aber der glänzende künstlerische, gesellschaftliche und organisatorische Erfolg der ersten Abende, nicht zuletzt die Kunst und die Persönlichkeit Toscaninis, schwemmten alle Bedenken hinweg. An zwei aufeinander folgenden Abenden war die neue Konzerthalle auf dem Messegelände, die 2400 Menschen fasst, überfüllt, für das dritte Tel-Aviver Sonderkonzert standen die Menschen trotz Regen und Sturm stundenlang in endloser Schlange auf der Strasse nach Karten an. die Konzerte in Haifa und Jerusalem sind längst ausverkauft und die Direktion hat sich schliesslich dem öffentlichen Verlangen, wenigstens für das erste Jerusalemer Konzert eine Rundfunkübertragung zuzulassen, nicht länger entziehen können und auf den Dörfern und Kolonien versammeln sich an diesem Abend die Bauern und Arbeiter zum gemeinsamen Empfang. Der High Commissioner erschien mit den Spitzen der englischen und jüdischen Behörden zum Eröffnuneskonzert in Tel-Aviv. Auf ganz anderem Gebiete liegt das zweite grosse Ereignis, die Eröffnung des Leichterhafens von Tel-Aviv und der Beginn der Orangenverschiffimgen von dort aus. Allerdings musste bald danach in Tel-Aviv ebenso wie in Jaffa der Hafenbetrieb wegen der schweren Stürme unterbrochen werden. Ein dritter Schritt Tel-Avivs auf dem Wege zur Grosssladt ist der Reschluss der Stadtverwaltung, dpr grossen englischen Gasgesellschaft Close Brs. die Konzession zur I\rrirhtung eines Gaswerks und der erforderlichen Röhrenleitungen zur Versorgung der Häuser mit Heiz- und Kochgas zu erteilen. Seit drei Jahren laufen die Bemühungen um Verwirklichung eines solchen Planes. Mehrere Gruppen arbeiten an dem Projekt, darunter auch die Tel-Aviver Palestine Trust Co.. die jetzt mit der englischen Firma zusammenwirken wird. Die Konzessionäre haben der Stadt eine Kaution von 30 000 LP gestellt. Die Investionen werden auf 500 000 LP veranschlagt. Und schliesslich noch ein kleines, aber für den aus der europäischen Grossstadt kommenden Einwanderer besonders sinnfälliges Zeichen des technischen Fortschrittes: Der zweistöckige rotlackierte ..Leyland"-Autobus, der im Frühjahr auf der Messe zu sehen war und dann ein halbes Jahr unbenutzt, in der Garage stand, ist seit acht Tagen auf der längsten Autobuss(recke innerhalb der Stadt, die von der Messe durch Ben Jehuda- und Allenbystrasse zum Alija- Platz führt, in Betrieb. Die Orangenernte Die Aussichten für den Absatz der Orangenernte beginnen sich zu bessern. Die Erlöse zeigen eine leicht steigende Tendenz. In den ersten vier Wochen der Saison wurden allein nach England 1,12 Millionen Kisten verschifft. Die ersten Transporte trafen auf dem dortigen Markt nochmit den Ausläufern der südamerikanischen und südafrikanischen Saisonverschiffungen zusammen, was natürlich die Aufnahmer. fähigkeit des Marktes minderte. Jetzt" aber kann die Saison in diesen entfernteren Konkurrenzländern als beendet gelten und der spanische Wettbewerb ist infolge der inneren Verhältnisse dieses Landes geringer als sonst. Wenn es aber auch bisher gelungen ist, grössere Mengen abzusetzen als im gleichen Zeitraum früherer Jahre, so bleibt doch auf lange Sicht die Erschliessung erweiterter Absatzmöglichkeiten durch Massnahmen der Handels- und Zollpolitik sowie durch verbesserte Organisation des Vertriebs das entscheidende Problem. Dass sich durch konzentrierte Bemühungen etwas erreichen lässt, beweist die Entwicklung des Grape-Fruit-Geschäftes. das trotz der niclit sehr günstigen Marktlage weiter ausgedehnt werden konnte. Mit Recht aber ist vor der königlichen Kommission immer wieder betont worden, dass trotz aller Bemühungen um Verarbeitung steigender Mengen zu Fruchtsäften und Konserven, trotz aller Kollektivpropaganda und ähnlicher Massnahmen, auf die Hilfe der staatlichen Wirtschaftspolitik nicht verzichtet werden kann. In diesem Jahr rechnet man, trotz der nicht unerheblichen Sturmschäden, mit einer Gesamternte von annähernd zehn Millionen Kisten. Gegenüber der vorjährigen Saison, in der insgesamt nur 5.9 Millionen Tonnen verschifft wurden, bedeutet das einen gewaltigen Sprung. Aber man darf nicht vergessen, dass eigentlich auf Grund der erhöhten Anbaufläche schon 1935/36 eine Steigerung um rund 1.5 Millionen Kisten gegenüber der vorangegangenen Saison erwartet worden war. Aber' infolge der ungewöhnlichen Hitzeschäden blieb damals das Ergebnis sogar um' beinahe anderthalb Millionen hinter der Vofjahrsziffer zurück. In diesem Jahre nun werden, nicht nur die anderthalb Millionen Kisten Zuwachs, die schon früher fällig gewesen und nur wegen aussergewöhnlicher Umstände nicht in Erscheinung getreten waren, sondern nochmals weitere anderthalb Millionen aus weiteren neuen Plantagen, die inzwischen zur Erfragsfähigkeit herangereift sind, auf den Markt kommen. Der Gemüsebau Es ist in den letzten Monaten viel getan worden, um den Antrieb, den der jüdische Gemüsebau durch die Unruhen erfahren hat, zu unterstützen und die dadurch eingeleitete Entwicklung weiter zu fördern. Die Pflege dieser intensiveren Form der Bodennutzung ist nicht nur mit Rücksicht auf die gesicherte Versorgung der jüdischen Stadt, sondern auch auf die möglichst dichte Besiedlung des Landes notwendig. Der Gemüseverbrauch, des Landes — einschliesslich der von den Juden weniger produzierten Volksnahrungsmittel Kartoffel und Zwiebel — wurde bisher auf etwa 00 000 to im Werte von rund 600 000 LP geschätzt Davon entfielen ungefähr 60 000 LP auf die jüdische Produktion, 150 000 auf die Einfuhr und der Rest auf die palästinensischen Araber. Um den jüdischen Anteil an der Gesamtbelieferung zu vergrössern, müssen nicht .nur neue Produktionszweige aufgenommen, sondern namentlich zu allen Jahreszeiten Erzeugnisse des jüdischen Gartenbaues auf den Markt gebracht werden. Eine Steigerung der jüdischen Produktion auf etwa 45 000 to würde eine Anbaufläche von rund 19 000 Dunam erfordern, wozu aber nur rund 12 000 Dunam Boden erforderlich Östren, da erhebliche Flächen mehrmals im Laufe eines Jahres bepflanzt und abgeerntet werden können. Unter dem Einfluss des arabischen Streiks bat sich die Anbaufläche des jüdischen Gemüsebaues bereits auf mehr als 5000 Dunam vergrössert. Die Intensivierung der Produktion erfordert natürlich auch geldliche Aufwendungen für vermehrten Einsatz von Saatgut und Arbeit, rationellere Schädlingsbekämpfung usw. Der Investi.tionsbedarf beträgt bei " bestehenden Wirtschaften mit: ausreichender Wasserversorgung 10 LP,, ohne ausreichende Wasserversorgung 15 LP pro Dunam. Neben den Spezialinstituten für. landwirtschaftliche Kreditbeschaffung hat nunmehr auch die gröbste Bank des Landes, die Anglo Palestine Bank, für die Erweiterung des Gemüsebaues einen grösseren Betrag zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt. Sie hat'bisher an 36 Wirtschaften Anleihen im Gesamtbetrage von 21400 LP gegeben. Die Laufzeit beträgt vier Jahre, der Zinsfuss 5 Prozent. Als Kreditsicherheit dienen die Guthaben, welche die Wirtschaften durch die Ablieferung ihrer WTare an die Vertriebsgenossenschaft Tenuva laufend erwerben. Landwirtschaftliche Siedlungen Wie stark der Wille zur landwirtschaftlichen Siedlung in der neueren, nicht zuletzt auch der deutschen Einwanderung wirksam ist, beweist . der schnelle Fortschritt der neuen, von der Rassco (Rural and Suburban Settlement Co) organisierten Siedlung in Herzlia, Bezirk Gimmel. Schon jetzt, wenige Wochen nach Abschluss der Vorarbeiten, und nach Eröffnung des eigentlichen Verkaufs der Siedlerstellen, sind mit 36 Siedlern Verträge abgeschlossen worden, ein ergiebiger Brunnen ist gebohrt, die Kükenzucht ist eingerichtet und der Bau der ersten Häuser in Angriff genommen. Die Vollsiedlungen, neben denen noch eine Reihe von Kleinsiedlungen sowie Hilfswirtschaften vorgesehen sind, umfassen drei Wirtschaftszweige einschli^ssJirh. Viehzucht. Abgesehen von den Vorbedingungen auf dem Gebiete der persönliäen Eignung und der landwirtschaftlichen Ausbildung, muss freilich aus finanziellen Gründen der Kreis der S; > - lungsanwärter auf solche Interessenten beschränkt werden, denen ein gewisses Mindestkapital zur freien Verfügung steht. Auch hier wie bei noch manchen anderen Siedlungsvorhaben, macht sich das Fehlen ausreichender Hilfsquellen für wirkliche Aufbaufinanzierung bemerkbar. Es ist zu hoffen, dass. die neuen Massnahmen der Zentralinstanzen, namentlich die Gründung der Palestine Agricultural Settlement Association, die jetzt ebenfalls eine Transferemission herausbringen will, eine gewisse Abhilfe geschaffen wird. Schon jetzt bemüht sich die Rassco Ereigneten Interessenten, denen das volle Kapital nicht zur Verfügung Stent, zusätzliche Darlehen zu verschaffen. Bisher ist das freilich, sowohl nach der Zahl wie nach der Höhe der Darlehen, nur in begrenztem Umfang möglich. v Um so interessanter ist es, dass es auf einem anderen Gebiet der Rassco gelungen ist, ihren Siedlern eine gewisse finanzielle Erleichterung zu verschaffen. Durch eine besondere Kombination konnte der Transferaute.il für den Erwerb von Wohnstälten in der Gartensiedluns: Kiriath Bialik B in der Haifa-Bucht von LP 100 auf LP 225 erhöht werden. Ausser diesem in Reichsmark zahlbaren Betrag müssen LP 100 bar in Pfunden bezahlt werden, während der Rest des Kaufpreises von insgesamt LP 640 für das normale Dreizimmerhäus durch langfristige Hypotheken finanziert wird. 'Allmählich ist ein Recht der Leibeserben auf Nachfolge in das Nutzungsrecht anerkannt worden. Hier ist. die stärkste Fortwirkung des Mangels des eigentlichen Eigentumsrechtes festzustellen. Der Miri-Eigentümer kann zwar bei Lebzeiten sein Recht veräussern, er kann aber nicht testamentarisch darüber verfügen. Aus der letzten Türkenzeit (1913) stammt das heute noch geltende Gesetz über das Erbrecht an Miriboden. Die Erbordnung ähnelt in mancher Beziehung der des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches. Es ist eine objektive Regelung der Besitzfolge in Miri beim Tode des jeweiligen In- Senden Sie mir bis auf Widerruf die C.-W.-Zeit&mg 99 Pfennig für Januar, Februar, März zahle ich bei Vorlage der Postquittung zuzüglich einer einmaligen postalischen Verspätungsgebühr von 20 Pfennigen an den Briefträger. Die Nr. 1 wird mir nachgeliefert. Name:-- Ort:- Strasse :- Ausschneiden und mit 3 Pfg. frankiert (oder auch unfrankiert) senden an: C. - V.• Zeltung, Vertrieb, Berlin W 15, Emser Strasse 42. J 2 Oliva 8141. habers. Es ist gleichgültig, ob der Inhaber palästinensischer Landesangehöriger oder Ausländer ist. Hat also ein in Deutschland Ansässiger sich für spätere Zeiten ein Grundstück in Palästina erworben., so kann ein Testament, das er nach deutschem Recht in Deutschland errichtet, nichts über sein Miriland in Palästina verfügen. Dies folgt seinem eigenen Recht. Die Mirierbordnung gilt ebenso gegenüber einer abweichenden gesetzlichen Erbfolge eines Ausländers. Es findet also eine vollständige Sonderregelung der Vererbung eines Teiles des Vermögens statt. Diese Sonderregelung kann auch auf Vermögensbestandteile übergreifen, die nicht Grundstücke sind. Nach der Succession Ordinance — also einem Gesetz der Mandatsmacht — gilt als Miri und unterliegt somit der festen Erbordnung unter Ausschluss jeder testamentarischen Bestimmung jedes eingetragene Recht an einem Mirigrundstück. Damit sind u. a. Hypotheken an Mirigrundstücken getroffen. Auch über sie kann nicht testamentarisch verfügt werden. Die Erbfolgeordnung für Miri ist in ihren Grundzügen folgende: Erben erster Ordnung sind die Kinder des Erblassers, ohne dass zwischen Söhnen und Töchtern ein Unterschied gemacht wird. An die Stelle verstorbener Kinder treten deren Nachkommen. In der zweiten Ordnung erben die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Die dritte Ordnung bilden die Grosseliern und deren Abkömmlinge. Erben einer vorgehenden Ordnung schliessen Erben einer nachfolgenden aus. Jedoch erben überlebende Eltern (die an sich der zweiten Ordnung angehören) neben Kindern des Erblassers ein Sechstel der Erbschaft. Wird der Erblasser auch nur von einem Elternteil überlebt, so erbt dieses das ganze Sechstel. Der überlebende Ehegatte erbt neben Erbfolgeberechligten der ersten Ordnung ein Viertel, neben solchen der zweiten Ordnung oder neben Grosseltern die Hälfte. Sind weder Erben der ersten und der zweiten Ordnung noch Grosseltern vorhanden, so erbt der überlebende Ehegatte allein. Der Mangel des Vollrechts zeigt sich bei Miri noch in einigen anderen Beziehungen. Der. Mulk-Eigentümer hat wie nach deutschem BGB das Recht über sein Grundstück der Idee nach unbegrenzt nach oben und ebenso unbegrenzt in die Tiefe. Das hat seine Bedeutung für das Verhältnis des Eigentümers zu den auf seinem Grundstück vorhandenen Bodenschätzen. Der Miri-Eigentümer hat im wesentlichen nur ein Recht auf die Oberfläche. Mineralien, die unter Miri liegen, sind Staatseigentum. Bei Mulk liegt das anders. Hier wird neben dem Rechte des Staates an Mineralien ein Anteilsrecht des Grundeigentümers anerkannt. Der Miri-Eigentümer war ursprünglich in der Nutzung seines Landes nicht nur auf die Oberfläche beschränkt, sondern darüber hinaus noch gebunden, sein Land in ganz bestimmter Richtung zu nutzen. Das hing mit der Steuerpflicht zusammen. Miri, das als Ackerland ausgetan war, musste dementsprechend bebaut werden. Daneben kamen auch Verleihungen als Weideland oder zur Bepflanzung mit Weinstöcken u. dgl. vor. Die Benutzungsart wurde in der Besitzurkunde eingetragen. Der Inhaber konnte die Nutzungsart nicht ohne besondere Erlaubnis ändern, das galt ganz besonders für die Umwandlung von Miri- Land in Bauland, ein Fall, der bei Stadterweilerungen häufig eintrat. Erst das türkische Gesetz von 1913 gewährte - die freie Disposition über Miri-Land, wobei ausdrücklich das Recht zur Aenderung des Charakters der Nutzung hervorgehoben ist. Hinzugefügt wird auch, dass der Boden zur Herstellung von gebrannten und ungebrannten Mauersteinen und Dachziegeln verwendet werden darf, sowie, dass Sand und Steine daraus verkauft werden können. Hier ist die Begrenzung der dem Miri-Eigentümer freistehenden Ausnutzung der Bodenschätze ersichtlich. Geblieben ist auch noch die Verpflichtung, das Land — soweit es nicht städtisches Baugrundstück geworden ist — irgendwie tatsächlich zu nutzen. Wird Miri-Land drei Jahre lang nicht bebaut, so kann es Mahlul werden. Das bedeutet, dass der bisherige Inhaber sein Recht verwirkt, und dass der Staat das Land neu ausgeben kann. Für diese Neuvergebung besteht eine bestimmte Ordnung der Anwartschaft. Meldet sich der bisherige Inhaber rechtzeitig, so hat er den Vorzug. Er hat sich dann aber ebenso wie jeder andere in das Recht einzukaufen. Hier kann eine gewisse Gefahrenquelle für den europäischen Erwerber von Land liegen. Es ist nicht ratsam, Miri-Land zu erwerben und es dann liegen zu lassen. Eine weitere Besonderheit des Miri-Landes ist, dass es nicht dazu verwendet werden kann, um als W a q f zu dienen. Waqf ist Land, das als fromme Stiftung Gott gewidmet ist.. Also dasselbe, was in Europa als tote Hand bezeichnet wird. Als frommer Zweck gilt nach moslemitischem Recht auch die Förderung des Wohles der eigenen Familie. Das hat praktisch dazu geführt, dass Waqf neben dem eigentlichen religiösen Zweck auch dem der Errichtung von Fideikommissen dient. Derartige Ländereien sind aus dem Verkehr gezogen. Zur Bestellung von Waqf kann nur volles Eigentum — Mulk — verwendet werden. Für die jüdische Kolonisation hat das seine Bedeutung. Der letzte Bericht der palästinensischen Regierung erwähnt, dass unter der arabischen Bevölkerung für die Bestellung von Waqf agitiert werde, um so das Land gewissermassen gegen Erwerb durch Juden fest zu machen. Eine derartige Möglichkeit besteht für Miri nicht. Nur durch Verfügung der Staatsgewalt kann Miri in Mulk übergeführt werden. Die Befugnis dazu hat jetzt der High Commissioner. Praktisch wird von ihr nicht Gebrauch gemacht. Eine kurze Erwähnung möge für einige weitere Land-Kategorien genügen. M e t r u k i ist öffentliches Land, z. B. Strassenland, Marktplätze usw. Mewat-Land, totes Land, ist Niemands-Land, das weder vom einzelnen noch von der Allgemeinheit in Gebrauch genommen ist. Hierher gehören Gebirgseinöden und dergleichen. Den Gegensatz dazu bildet Mubab, wozu die in Palästina kaum vorkommenden entfernten Gebirgswaldungen gehören, aus denen sich jedermann Holz holen kann. (Weitere Aufsätze folgen.)

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