Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 1 (7.1.1937)
- Date
- 1937-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der südafrikanische Board of Deputies über die jüdische Einwanderung Der südafrikanische Jewish Board .of Deputies hat als Entgegnung;auf die im Zusammenhang mit der Neuregelung, der - Einwanderung entfaltete Propaganda für vollständige Ausschaltung von Juden bei der Einwanderung eine Erklärung „an die Bürger Südafrikas" veröffentlicht, in der er seine Grundsätze über jüdische Einwanderung nach Südafrika darlegt. In der Erklärung wird festgestellt, dass .'die südafrikanische Judenheit ebenso uwie andere Teile der südafrikanischen Bevölkerung dafür eintritt, dass nur der beste Einwanderertypus ins Land kommt. Sie begrüsse es daher, dass eine Qualifikation der einzelnen Einwanderer auf Grund persönlicher Charaktereigenschaften, wirtschaftlicher Stellung, Beruf und .kulturellen Niveaus gefordert wird. Dagegen könne sie der Auffassung nicht zustimmen, dass den Interessen der südafrikanischen Nation gedient wäre durch unterschiedliche. Behandlung von EinwanderungsbewTerbern auf Grund von Rasse oder Religion. Die jüdischen Bürger Südafrikas würden mit allen gesetzlichen Mitteln dem Bestreben, Juden als Juden von der Einwanderung auszusein i.essen, entgegentreten. Es wird sodann in Abrede gestellt, dass es zwischen den nichtjüdisehen und jüdischen Bürgern Südafrikas einen Interessenwiderstreit gebe. Die Behauptung, der jüdische Einwanderer besitze keine Anpassungsfähigkeit, wird zurückgewiesen. Es gebe kein Gebiet des nationalen Lebens in kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Sinn, auf dem die Juden sich mit der nichtjüdischen Bevölkerung nicht völlig identifiziert hätten. Anfängliche kulturelle Unterschiede zwischen dem Neueinwanderer und der alteingesessenen Bevölkerung verschwänden sehr rasch und seien bei der nächsten Generation nicht mehr zu bemerken. Die Religionsverschiedenheit habe auf diesen Prozess keinerlei Einfluss. Auch die Vaterlandsliebe des Juden für sein Geburts- oder Wahlland könne ehrlicherweise nicht bestritten werden. Wie in anderen Ländern, so hätten auch in Südafrika die Juden in einem ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprechenden Ausmass dem Lande gedient. Was die jüngste, Einwanderung von Juden aus Deutschland betreff e,so habe weder der Board noch eine andere jüdische Organisation unterschiedslose jüdische Einwanderung ermutigt. Gegenüber der wirklichen oder vorgegebenen Furcht, die Einwanderer aus "Deutschland könnten eine Gefahr für das Land sein, stelle der Board fest, dass es sich um Männer und Frauen von guten Charaktereigenschaften und hoher physischer und erziehungsmässiger Eignung handle, die sich für Südafrika als Gewinn erweisen würden. Schon in der kurzen Zeit ihres Aufenthalts im Lande hätten viele von ihnen'neue Industrien und : neue' Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen, die der älteren südafrikanischen Bevölkerung zugute gekommen seien. Der Board könne nicht ief genug die Tätigkeit derjenigen beklagen, die augenscheinlich die jüngste Einwanderung von Juden aus Deutschland benutzen möchten, um Missstimmung gegen die jüdische Bevölkerung zu schaffen. Die Juden hätten nicht den Wunsch, der Union neue Schwierigkeiten zu bereiten; sie seien im Gegenteil bestrebt, im Geist gegenseitiger Toleranz und Verständigung mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern zum Wohl des gesamten südafrikanischen Volkes zusammenzuarbeiten. ..Scüwar* TmH Ingenkur Goldstrauss berufen werden. * Demnächst wird in Warschau eine Monatsschrift, „Die Gemeindezeitung", erscheinen. Das Blatt wird den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen der jüdischen Gemeinden Polens dienen,und sich dabei jeder parteimässigen Stellungnahme enthalten. Den juristischen Teil des Blattes wird ein bekannter Fachmann, der Rechtsberater der Warschauer jüdischen Gemeinde, Advokat I. Grünstein, leiten. Wann und wo finden Sie Rat? Landesverband Hannover Hannover Brannschvreig Büdesheim Osnabrück Nachrichten aus Polen Der Sejmabgeordnete Budzynski, der, wie bereits gemeldet, von acht jüdischen Reserveoffizieren wegen seiner gegen die Ehre der gefallenen jüdischen Soldaten der polnischen Armee gerichteten Angriffe im Sejm zum Duell gefordert worden war, hat sich dem Zweikampf •entzogen. Die beiderseitigen Sekundanten unterzeichneten ein Protokoll, in dem Budzynski erklärt, er habe in der beanstandeten Sejmrede derartige Angriffe nicht erhoben, und die Presse habe seine Aeusserungen entstellt wiedergegeben. Nachdem jedoch auch die Prüfung des Verhandlungsprotokolls ergeben hatte, dass Budzynski die fraglichen Aeusserungen getan hat, schob er die Schuld auf die Parlamentsstenographen, die sich daraufhin entschlossen haben, ihrerseits Budzynski w-egen der Beeinträchtigung ihrer Berufsehre gerichtlich zu belangen. * Nachdem mit Jahresbeginn das Schächtverbotsgesetz in Kraft getreten ist, sind die Kontingente des zur rituellen Schlachtung zugelassenen Viehs durch die zuständigen Behörden festgesetzt und bekanntgegeben worden. Hierbei ergaben sich für die jüdische Bevölkerung neue Härten. So hat der Warschauer Magistrat das ursprünglich vorgesehene Kontingent um 50 Prozent gesenkt. Die Bevölkerung ist daher in stärkerem Masse auf den Konsum von Geflügel angewiesen. Die Preise für Rindfleisch sind um mehr als 20 Prozent, die für Geflügel um mehr als 30 Prozent gestiegen. * Die Einsetzung eines Regierungskommissars dn die Warschauer Gemeindeverwaltung ist nunmehr Tatsache geworden. Gleichzeitig hat sich das von uns gemeldete Gerücht bestätigt, dass dem Vorsitzenden des Verbandes jüdischer Händler, Mauricy Meist, das Amt des Regierungskommissars übertragen werden würde. Gleichzeitig ist ein zwölfgliedriger Beirat eingesetzt worden, dessen Zusammensetzung amtlich noch nicht bekanntgegeben worden ist. Es heisst jedoch, dass in ihm u. a. Senator Trockenheim, Kaminer, Runro, der Vertreter der Aguda Davidowicz, Dr. Soloweitschik, Advokat Malkin, Advokat Kaliski und die Vertreter des Frontkämpferverbandes, Ingenieur Meldungen aus Holland Von unserem H.- Berichterstatter Anlässlich der Hochzeit der holländischen Prinzessin J u 1 i a n a finden in verschiedenen Synagogen in Amsterdam und Den Haag Festgottesdienste statt, bei denen die Rabbiner Ansprachen halten werden. * Die Königin Wilhelmina . ernannte J. Limburg, Den Haag, zum Kommandanten im Orden von Oranje Nassau und S. van Z w a - nenberg in Oss zum Ritter im Orden „van de Nederlandsche Leeuw". Der Minister für Wirtschaft und Schiffahrt, G e 1 i s s e n, und zwei andere Ministerialbeamte, Dr. van Rijn .und Dr. Hirschfeld, erschienen persönlich bei van Zwanenberg, dem Inhaber der bekannten Konservenfabrik, um ihm Mitteilung von dieser Auszeichnung zu machen. * Bei der Etatsberatung der Nederlandischen Israelitischen Hoofdsynagoge in Amsterdam wurde sehr ernsthaft auf die verschlechterte Finanzlage hingewiesen. Die vorgeschlagene Steuererhöhung wurde jedoch abgelehnt, und man will versuchen, mit den bisherigen, relativ geringen Beträgen, die eine Gesamteinnahme von 280 000 Gulden ergeben, auszukommen. * Die älteste Synagoge in Holland, die aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist geschlossein worden. Die Synagoge gehört der aschkenasischen Gemeinde in Rotterdam. Sie besitzt als besondere Eigentümlichkeit einen Glockenturm. Die Schliessung erfolgte, weil die Mehrzahl der Gemeindemitglieder in andere Stadtteile von Rotterdam verzogen sind, wo eine neue Synagoge erbaut werden soll. * Unter Begleitung von Hans Krieg gab Dora G e r s o n einen eignen Chansonabend im vollbesetzten Amsterdamer Musieklyceum. Der Abend war eine Veranstaltung der Centralen Kunst Organisatie. * . Nach einem von der Amsterdamer aschkenasischen Gemeinde veröffentlichten Bericht beträgt die Seelenzahl der Gemeinde Ende 1935 64 385 gegenüber 65 328 zu Beginn des Jahres. Es wurden 434 Ehen geschlossen und 13 Ehen religiös geschieden. 2206 Juden haben sich 1935 in Amsterdam niedergelassen, 3237 sind fortgezogen. Diese Zahlen hängen eng mit der Zu- und Abwanderung von Juden aus Deutschland zusammen. Geboren wurden in der Amsterdamer Gemeinde im abgelaufenen Jahre 792 Kinder. An den Religionsschulen waren 1644 Schüler gegenüber 1721 im Jahre 1934 eingeschrieben. Georgstrasse 14, II. Montag bis! Freitag, 11—13 Uhr, sonst nach Vereinbarung. bei Rechtsanwalt Tannchen»- Theatenvall 16. 13,: Januar, löYz—Yiy, Uhr, Gemeindehaus, Am Lappenberge-.: 12. Januar, lö1^—17^ Uhr, Klubzimmer der Synagoge, Ro-. landstrasse. Diese Sprechstunden werden von dem neuen Syndikus des Landesverbandes Haimover, Dr. Rudolf H. Heimansohn, wahrgenommen. ______ Die Geschäftsstelle des Landesverbandes Mitteldeutschland des Jüdischen Centrai-Vereins e. V. befindet sich ab 1. Januar 1937 Leipzig C 1, Humboldtstrasse 4, ptr.; Fernsprecher, wie bisher, 12038._ Zahlen über die jüdische Wasdenmgsfeewegfing Der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden hat eine Meldestelle für Binnen- und Auswanderung errichtet, über deren Erhebungen im ersten Quartal ihrer Tätigkeit (Juli—September 1936) jetzt Max Birnbaum im „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden Preussens" berichtet. Obwohl die süddeutschen Landesverbände ein ähnliches Meldewesen noch nicht durchführen konnten und auch sonst die Ergebnisse noch nicht lückenlos vorliegen, so ergaben sich doch Zahlen, die bemerkenswerte Aufschlüsse über die Wanderungsbewegung der Juden in Deutschland geben. Für den genannten Zeitraum sind 2043 Fälle der Binnenwanderung und 3268 Fälle der Auswanderung (einschliesslich der. Abmeldung „auf Reisen" und „unbekannt"), insgesamt also 5311 Wegzüge verzeichnet worden. Bei näherer Untersuchung ergibt sich daraus, dass etwa 10 Prozent der in den kleineren Gemeinden lebenden Juden im Laufe eines Jahres ihren Wohnsitz wechseln dürften. Von den 2043 Binnenwanderern gingen in dem untersuchten Vierteljahr nach Berlin 439, nach Breslau 62, nach Frankfurt a. M. 220, nach Köln 82, nach Düsseldorf 37, nach Essen 16, nach Hannover 22, nach ' dem .sonstigen Preussen und Norddeutschland 785, nach Hamburg 109, nach Leipzig 24, nach dem sonstigen Sachsen 50, nach Bayern 60, nach Württemberg 20, nach Hessen 67. Der Verfasser berichtet sodann über die Berufs- und Altersgliederung, den Familenstand und die Staatsangehörigkeit der Binnenwanderer. Während bei der Binnenwanderung im wesentlichen eine Bewegung aus den kleineren Gemeinden in die grösseren zu verzeichnen ist, tragen die grösseren Gemeinden den Hauptanteil an der Auswanderung. Allein die sechs Gemeinden mit mehr als iOOOO und die drei . Gemeinden mit mehr als 5000 jüdischen Seelen .in Preussen haben 60 Prozent aller Auswanderer gemeldet. Die Verluste, die die Grossgemeinden dureh Fortzug leistungsfähiger Steuerzahler erleiden, übersteigen den Zugang aus der Binnenwanderung, so dass auch sie dem algemeinen Schrumpfungsprozess unterworfen sind. __ K.J.R. Der litauischen Regierung wurde eine Denkschrift überreicht, in der die Forderung nach Einführung der Koscherfleiscbkontigentierung erhoben wird. Wie geht es den 100000 jüdischen Farmern in USA? Unter dem Protektorat der jüdischen Agrikultur-Gesellschaft tagte kurz vor Jahresende in New-York eine Konferenz jüdischer Farmer. Auf der Tagesordnung stand obenan: Geflügelzucht. Die ist eine komplizierte Wissenschaft, über die es eine gewaltige Bibliothek gerade in Amerika gibt, und eine Spezialität sehr vieler jüdischer Farmer Amerikas (in Palästina jüdischer Einwanderer aus Deutschland) und in den USA ist es seit einiger Zeit gang und gäbe, über die Not der Geflügelzüchter zu klagen. Woraus der und jener dann ein triftiges Argument gegen die Umschichtung ableiten zu können meint. Um so bemerkenswerter war die New- Yorker Tagung, bei der ein Farmer erklärte: „Man schreibt in den Zeitungen, dass es uns schlecht geht und dass wir Not leiden. Wir haben Schwierigkeiten wie alle Leute in solchen Berufen, aber zu bejammern sind wir nicht. Vielleicht könnten wir eine Resolution fassen, um dies Vorurteil öffentlich zu berichtigen?" Das Vorurteil entstand offenbar aus mangelhafter Informationsmöglichkeit; weiteren Kreisen in Amerika sind ja nur die paar jüdischen Farmer in den Ketskillbergen, in Connecticut und New-Jersey bekannt bei. denen man koscher eine Sommerfrische geniesst; Tatsächlich gibt es aber auch in anderen Staaten viele jüdische Farmer, und obwohl genaue Zahlenangaben vorerst nicht zu bekommen sind, scheint doch die Schätzung auf hunderttausend jüdische Farmer in den USA eher zu niedrig als zu hoch zu sein: hunderttausend Juden, die Farmer und nichts als Farmer sind! Es gibt keinen einzigen nordamerikanischen Staat, in dem nicht Juden Landwirtschaft und Viehzucht treiben. Die Spezialitäten der einzelnen entsprechen weniger ihrer Herkunft als den Möglichkeiten des betreffenden Landes, Bodens, Klimas usw. In auffallend grosser Anzahl findet man jüdische Farmer in den Staaten New-Jersey, Connecticut, New-York, Pennsylvania, Michigan, Ohio. Massachusetts und in Kalifornien. Es ist offensichtlich ein natürlicher Vorgang, dass Juden sich gern da ansiedeln, wo es bereits Juden gibt. Dazu kommt eine Art von Tradition, man wächst gewissermassen mit dem Boden zusammen, und besonders in New-Jersey ist ein solche Sesshaftigkeit vieler Familien schon geschlechterlang festzustellen. Demgegenüber steht der ungewöhnliche Erfolg verschiedener jüdischer Farmer mit der Züchtung von besonderen Bodenerzeugnissen und Tierarten, infolgedessen Reichtum und vielfach Ablösung der zweiten oder dritten Generation vom Boden und Abwanderung in die Grossstadt. In Ohio ist der Weinbau Spezialität, und die jüdischen Weinbauern, die um Cleveland konzentriert sind, heissen da allgemein die „Trauben- Könige". Im Staat New-York ist rings um die Stadt die Zucht von Aepfeln jüdische Spezialität, im Westen des Staates Getreide, in den Bergen Milchwirtschaft;. Patalamet in Kalifornien ist das Zentrum der amerikanischen Geflügelzucht, und wohl die Mehrzahl der Züchter besteht aus Juden. Natürlich ist über diese Art von Farmern grossen Stils mehr bekannt als über die kleinen Anfänger oder die schwer und ohne solchen Erfolg arbeitenden. In Kansas hat ein jüdischer Gutsbesitzer .Fischmann 32 000 acres Weizenfelder. Dieser Mann hatte als Peddler angefangen, dann ein winziges Stück Land erworben und sichvso"„mit seiner Hände Arbeit" als tüchtiger , Weizehzüchter heraufgearbeitet. Sein Jubiläum wurde kürzlich in Kansas als allgemeiner Feiertag begangen. Ein ähnlicher Fall ist Sam H. Bat-" ber, der vor zehn Jahren als Expert für Schweinezucht von der Regierung nach South Dacota gesandt wurde und heute als Präsident des Sämereien-Produzenten-Verbandes eine populäre Figur des Staates ist. In New-Jersey ist die Hühnerzüchterfamilie Stern berühmt,, die auf acht Farmen 15 000 Stück Geflügel züchtet. Im'Staat New-York sind Juden die bedeutendsten Obstzüchter, der bekannteste von ihnen ist Sam Oko, während Ben Bidan in Florida die grösste Zwiebelzucht der USA betreibt. Irving I. Cowder ist schon ein Gelehrter der Geflügelzucht, er betreibt sie durchaus wissenschaftlich, über jedem seiner Käfige ist ein Stammbaum des Huhns mit all seinen und seiner Vorfahren Eigenschaften zu finden, und da seine Hühner auf diese Weise geradezu die Hühneraristokratie der Welt geworden sind, kostet jedes ihrer Eier (die meist nach England zu Brutzwecken geschickt werden) mindestens vier Dollar. Die grösste Sorge all dieser Farmer ist der Nachwuchs. Seitdem es Automobile gibt, hat die Trennung von Stadt und Land eigentlich aufgehört. Der durchschnittliche jüdische Farmer kann sich's leisten, seine Kinder in ein College zu schicken, und obwohl viele von dieser zweiten Generation heute Akademiker, Aerzte, Flieger usw. sind, bleibt doch eine beträchtliche Anzahl dem Beruf der Eltern erhalten, man studiert Agrikultur und erwirbt sich mit pflanzenzüchterischen Arbeiten und Experimenten Diplome und Auszeichnungen. Schwieriger ist es schon, für : die Erziehung im jüdischen Geist zu sorgen. Die einzigen, die es könnten, sind die Farmer selbst. Aber sie tun es nicht. Wohnen schon in einer Gegend genügend Juden, dass es sich lohnen " würde, gemeinsam einen Lehrer zu verpflichten und eine wenn auch kleine jüdische Schule anzufangen; so entstehen häufig sofort Meinungsverschiedenheiten, ob der-Lehrer orthodox,, liberal, Reformjude sei, ob jüdisch- oder amerika- nisch-„national", jiddisch, englisch, links oder ' rechts; unterrichtet werden soll, und das Resultat . ist: überhaupt kein jüdischer Unterricht, keine Verständigung, kein jüdisches Wissen. Während die Regierung sich bemüht, den Farmern zu helfen, die unter der Krise auf dem Weltmarkt schwer zu leiden haben; kann man ^feststellen, dass sich unter den Krisegeschädigten fast keine Juden befinden. Der Grund dafür ist - einfach der, dass nur die wenigsten jüdischen Farmer für den Weltmarkt produzieren. Geschädigt sind vor allem die Weizen- und Rindviehzüchter, die Juden, deren Ländereien sieh vielfach in der Nähe der grossen Zentren befinden, produzieren auch vornehmlich für den Konsum im eignen Land, für den heimischen Bedarf und nicht für das Ausland. Wenn es also den amerikanischen Städtern schlecht geht, haben auch die jüdischen Landleute zu leiden, so war es 1932, aber schon der Anfang einer Binnenlandkonjunktur hilft ihnen auf. Bei Ausbruch der Krise wurden nicht wenige jüdische Industrielle und Grosskaufleute als Farmer für den „heimischen Bedarf" und hatten Erfolg damit, besonders wenn sie mit ihren früheren korporativen Prinzipien arbeiteten. Die allgemeine Entwicklung in der Landwirt- - schaft bevorzugt immer mehr das genossenschaftliche System, wodurch man billiger ein- und besser verkauft. Mindestens 50 000 jüdische Farmer sind Mitglieder von solchen Vereinigungen, und natürlich gibt es auch jüdische Ein- und Verkaufsgenossenschaften von Bedeutung. Aber eben das genossenschaftliche Prinzip des Zusammenschlusses muss sich ja gegen diese Abschliessung auswirken, also nimmt man neuerdings schon Nichtjuden auf. In der Organisation der grossen Genossenschaften haben sich verschiedene Juden hervorragend bewährt, so M. Axelrod, der Präsident der Gerste-Aufkauf-Genossenschaft in Springfield, New Jersey, Präsident Joseph Globus in Massachussets, A. P. Kaplan, der Präsident der Eierverkaufsgenossenschaft der Hudson-Bay. Zusammenfassend muss man sagen: selbstverständlich haben die jüdischen Farmer auch ihre Sorgen, sie 'haben Schulden usw. wie die Städter auch. Aber relativ geht es ihnen nieht schlecht, und mit jedem Dollar,, den sie abzahlen, verwurzeln sie sich ,um so mehr in ihrem Boden. Und sie setzen würdig die Arbeit der zahl- und namenlosen jüdischen Pioniere fort, die seit zwei Jahrhunderten die Staaten urbar machen und zivilisieren helfen. L. H. Führende jüdische Frauen werden am 11. Januar ein vom National Council for Jewish Women of America veranstaltetes Weltrundfunkgespräch überdas Theina „Die Stellung der Frau in der Welt" abhalten. Es werden Ansprachen aus London, den Vereinigten Staaten und Kanada, Paris, Amsterdam, Stockholm, Prag, Italien und Polen übertragen werden,