Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 52 (26.12.1924)
- Date
- 1924-12-26
- Page
- Seite 834 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vurtrrmil vorbereiten. Die Arrfgabs sei die Schaffung der i Lvtfch-hebrLifche» Schule mit Zweisprachigkeit; das heißt Hebräisch und Deutsch als gleichberechtigte Unterrichkssprachen. Die verelendete" Religionsschule müsse so erneuert werden, daß sie eine hebräische und wirMch jüdische Schule werde, und -war keine einfache Religionsschllle, sondern eine Volks- und Erziehungsschule im jüdisch-hebräischen Sinne, eine nationale Gntwicklungsschule. Man müffe in dieser Schweden Mut Hatzen, jüdische Geschichte national darzustellen. Dieses Programm ist deutlich und vom Standpunkte des jüdisch-nationalen- Gedankens aus einwandfrei. Wir hören irmner wieder, daß die Verdrängung der hebräischen Sprache in jüdischen Famrlien durch das „Neuhebräische" erreicht wewen soll. W i r sind die ersten, die für eine Vertiefung der Kenntnisse des Hebräischen eintreten. Aber dieses uns heilige Hebräisch soll unterkeiMN Umständen -die U m g a ngssprache der deutschen Juden werden. Der Unterschied -wischen unserer Aufsassmrg und der oben niedergelegten wird aber vollkommen klar, wenn man das Wesen dieser neuen Schule nach ihrer genauen Schilderung durch die „Jüdische Rundschau" und unsere Auffassung über die religiöse und weltliche Erziehung unserer Kinder nebeneinander stellt. Gewiß gefällt uns auch manches an den heutigen Rvligionsschulen nicht; auch wir möchten ihren Unterricht eindringlicher gestalten und verkennen nicht, daß manche Eltern den bestgesinnten Lehrern Schwierigkeiten bereiten. Aber unsere Religionsschule, wie wir sie wünschen, ist eine Schule, die das deutsche Staatsbewußtsein der Kinder fördern und ihnen eine tiefe religiöse Bildung mit gediegenen hebräischen Kenntnissen aus Grundlage ihrer Verwurzelung mit dem Deutschtum bieten soll. Hier scheidensich d i e Wege; und die „Jüdische Rundschau" sollte nicht immer versuchen, Dinge zu vertuschen, die nun einmal mcht zu vertuschen sind. Wir würden sehr zufrieden sein, wenn die jüdische Rundschau" zugibt, daß sie von diesem Schulprogramm, wie wir es vertreten, nicht nur im einzelnen, sondern auch von seinen Grundsätzen aus das nachdrücklichste abrückt, und erklärt, daß von der Jüdischen Volkspartei eine Bekämpfung dieses Schulprograrmns in Preußen zu erwarten sem wird. Wir finden aber schon bei der Durchsicht des Programms der Jüdischen Volkspartei den alten Satz: „Die Volkspartei erstrebt hebräische Kindergärten und die Ausbildung des jüdischen Kindes über die jüdische Volksschule durch «in hebräisches Gymnasium zu einer hebräischen Universität." Vielleicht haben wir demnach recht, wenn wir die Frage der hebräischen Sprache als lebende, die auch im neuesten Ausruf »er Irdischen Volkspartei verlangt wird, so verstehen wollen, wie du jüdische Rundschau" es bisher immer getan hat, aber scheinbar heute nicht mehr gang will. Die „Jüdische Rundschau" tadelt uus, weil wir in einer unserer letzten Nummern eine Aeuftevung der „Poale Zion" wiedergegeben haben, während die Jüdische Volkspartei mit den „Pools Zion" nichts zu tun haben will. Der Unterschied zwischen der Nusfassung -der „Poale Zion" und der der Zionisten in vielen Fragen ist von uns nie verkannt worden. Soviel wir. wissen, gehört aber der Jüdischen Volkspartei innerhalb der Berliner Jüdischen Gemeinde als Vertreter der „Pools Zion" Herr Dr. Oscar Cohn an, und soweit zu den Landesverbandswahlew die Poale-Zionisten keine eigene Kandidaten aufstellen werden, betrachten sie Wohl die Jüdische Volkspartei auch als ihre Vertretung. Sonst wäre es unverständlich, warum sie in ihrer Zeitschrift „Der neue Weg" ihre Mitglieder dringend ausfordern, sich an der Landesverbandswahl zu beteiligen. Wir können von unserem Standpunkt aus weder die Jüdische Volkspartei noch die Poale Zion wählen und müssen deshalb unsere Freunde über die Gefahren beider Richtungen mit Nachdruck ausklären. Wir wünschten eine Neberbrückung der schiverwiegenden Unterschiede, die uns von den Zionisten aller Art trennen. Aber nicht mit Worten ist diese vorzunehmen, sondern nur durch eine grundlegende Aenderung hinsichtlich der national jüdischen Gesinnung. Wir wissen wohl, daß es eine große Reihe von Männern und Frauen gibt, die sich heute Zionisten nennen-und die die Berechtigung unserer Gedankensührung immer mehr und mehr anerkennen. Aber wir sehen, wie die M asse dev Radikalen di e O be rhand behält, wenn ein sogenanntes Witzblatt, wie der „SchkeMih.!", iw seiner erster» Nummer uns folgendermaßen mit Schmutz bewirft: „SMwr Vetter, Freund und Ahnherr Inda! Wenn die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens MeihmachtSbäume kaufen, weil ttet Brauch bunter Taimenkerzen -ja nicht christlich, forDern Argermamsch fei — 'verstehste?. —" Und weiter: „ . , . . . . . Diese Hottentotten . .fürchten ihn (Juda McÄaibi) wie einen Zaubersetisch und begliaken wie freche Frösche, die da wissen, daß ein smSever Mensch ihnen in tot Sumpf nicht sollgen kann. Me sie in hem stinckekiiden Morast unsere Heiligtümer 'lästern dürfen! Ach, und wie die kultivierten Bürger mit verschränkten Armen stehen und schweigen, teils Verleger, teils befriedigt grinsen." Ebenso wird der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hämisch anMrempelt: ' ‘ „Radiotische Telegramme! _ Me wir von absolut zuverlässigen Seite erfahren, will daß Finanzministerium den Reichsbund jüdische r Frontsoldaten mit einer Luxussteuer belegen. Gs hält ihn nämlich für überflüssig und kann nicht emsehen, warum 'gerade Juden militärische Ermnerungen in unser pazifistisches Zeitalter hineintragen. gebe 'doch! andere Ideale, an denen sich jüdisches Pietütsgefühl betätigen könnte. Das Ministerium wird bald eines besseren belehrt werden. Denn der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist entschlossen, seine Existenzberechtigung zu beweisen, indem er energisch Front macht, und zwar gegen sich selbst." Zwar rückt auch die „Jüdische Rundschau" von dieser neuesten Schöpfung ab; sie ist aber eben eine zionistische Schöpfung und ist von dem Geiste getragen, den wir bekämpfen und den wir nicht in das neue Parlament einziehen lassen wollen. Ob Herr Loewe uns als Pollakim und Amharazztm" bezeichnet, ob der „Schlemih!" uns anspeit oder ob wir wegen unseres unbeirrten Festhaltens an unserm deutschen Vaterland in den meisten zionistischen Zeitungen angeseindet und charakterlos genannt werden — für unsere persönliche Stellung zu den einzelnen Zionisten ist das nicht von Bedeutung. In der Sache aber beweist uns diese fortgesetzte Bekämpfung, daß sie „v o n o b « n" zum mindesten gebilligt und von der Partei, wenn nicht gerade besondere Ausschreitungen vorliegen, gedeckt wird. Auch das könnte uns gleich bleiben, wenn nicht der radikale Geist namentlich solcher ausländischer Juden, welche es gar nicht verstehen können, daß man ein guter Deutscher und Jrrde zugleich sein kann, immer wieder die Oberhand gewinnt und auch! selbst gemäßigte Elements zur Stellung von Forderungen vorwärts drängt, deren Erreichung nur das Judentum schwächen und beeinträchtigen kann. Hitler frei! Di e Be grüßungd e s „V ölkischen Kuriers Hitler ist frei. Seine Bewährungsfrist hat! begonnen. Es ist lehrreich, aus dem Münchener „Völkischen Kurier" zu entnehmen, mit welchen Erwartungen ihn seine Getreuen begrüßen. _ Nach der Meldung, daß Hitlers erster Gang zu Ludendorfs sein werde, schreibt das süddeutsche führende Blatt der Nationalsozialisten: „Verändert wird unser geliebter Führer die Lage finden, seit er der Bewegung entzogen wurde. Damals stand sie, äußerlich machtvoll, vor aller Blick. Diese Macht ist zerschlagen und vernichtet. Die völkische Bewegung ist in- und außerhalb der Paria, mente ohne politische Stoßkraft. Und dennoch ist ihre Macht ge» wachsen, ibre Macht über die Gemüter, über das Denken der Menschen. Der völkische Gedanke als Weltanschauung, als geistige Macht hat seinen Erobernngszng weit über die Grenzen der völkischen Bewegung hinaus angetrete«; er schlug Wurzeln auch in fremde« Ländern; die von «ns vertretene» Gedanken und Grundsätze, unsere Welbanschannng hat ihren Vormarsch angetreten übe« die sränme der Erde, und unsere Idee rüttelt an de» morsche» Pfeilern des absterbenden Zeitalters... Und nun kehrte der Führer uns wieder, der weit mehr einst war und immer noch ist als die Armee und Waffenmacht, über die er verfügte, denn er ist Träger einer Idee, einer geistigen Macht von unwiderstehlicher Siegkrast. . . . Mit der gleichen Urrerschütterlichkeit und Treue aber, mit der er als Träger der Idee Diener seines Gedankens ist, hängen wir an ihm in der Ueberzengnng, daß wir, ihm folgend, Gott «nd dem Vaterland« am treuesten und reinste» dienen." Hitler wird nach Zertungsmeldungen erst nach einigen Wochen wieder in die politische Arena treten.