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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-26 · 52 (26.12.1924) · p. Seite 835

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
Seite 835 (sequence 3)
Language
German
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835 wer gehört In -ns Verban-sparlament I Die Wahlen zmn Preußischen Landesvcröandstag stehen bevor. .Soviel man hört, sieht und liest, ist die Auswahl und Aufstellung der Kandidaten das Kampfobjekt Mischen den Parteien: Konservativen, Liberalen und Zionisten. Daß außer der politischen beziehungsweise religiösen Parteistellung aber auch noch andere Momente Zu berücksichtigen sind, tritt anscheinend gänzlich in den Hintergrund. Wenn nicht alles tauscht, werden die G rosig emein den die Abgeordneten stellen, weil sie dazu im Hinblick auf ihre Bedeutung und Kteuerlerstung ein natürliches Recht zu habeu glauben. Es ist ja civä) immer so gewesen: es erscheint ja auch selbstverständlich, daß die großstädtischen Intelligenzen in allen unseren jüdischen Angelegenheiten die Führung in die Hand nehmen und auch Widerstandsslos erhalten. r Es ist ccher durchaus nicht so selbstverständlich, daß es so sein muß, und es ist darüber hinaus auch gar nicht von Vorteil, daß es so war und anscheinend wieder so werden soll. Es liegt in dieser Gepflogenheit eine ungesunde Einseitigkeit, die bei der Behandlung wichtiger und folgenschwerer Fragen sich schon oft bitter gerächt hat. Darum Ware es im Interesse einer allseitigen jüdischen Interessenvertretung unbedingt zu wünschen daß in das künftige jüdische Parlament Vertreter aller Kreise und aller sozialen Schichten der deutschen Zudenheit einziehen: also Vertreter auch der Kleinstadt- und Landgemeinden, denn um deren Wte wird es sich ja bei der Wiederherstellung des jüdischen Lebens und beim Wiederaufbau der Gemeinden in erster Linie handeln. Ferner die Vertreter des Handwerks, die flch, wenn es hoch kommt, gewöhnlich mit einem Konzessionsschulzen begnügen rnüffen und leider auch selbst begnügt haben — und endlich der Beamtenschaft. Diese letztere erwartet von der Landesversamrnlung die endliche Regelung ihrer wirtschaftlichen mrd beruflichen Verhältnisse, und es ist an der Zeit, daß nun endlich mit dem bisher befolgten absolutistischen Grundsatz: alles für das Volk, aber nichts durch das Volk aufgeräumt werde. (GS scheint erfreulicherweise, daß Berlin und Breslau diesem Standpunkt Rechnung tragen wollen.) Dazu kommt, daß gerade die Beamten in den Mittel- und Kleingemeinden die Träger des religiösen Gedankens sind und dazu über eine Kenntnis aller jüdischen Verhältnisse verfügen, die im Interesse der jüdischen Gesamtheit nicht ungenutzt bleiben sollte. „Demokratie" ist in vielerlei Bezichung gerade bei uns Juden leider nur ein Schlagwo-rt gMiebem Nicht zuletzt durch die SchuRl derjenigen Kreise, die am lautesten über „Notahelnwrrtschast* murren, aber nicht -das SeWstHdsüh-l und die Energie ausbrin-gen, die ungesunde Vorherrschaft privilegierter Kreise in gewissen jüdischen Organi- -satinnen zu brechen. Hier, wo es zum erstenmal möglich ist, eine jüdische Vertretung -zu schaffen, die über den örtlüAn Rahmen hinausgeht, sollten die bi Her zurückgesetzten Schichten mit aller Energie fordern, was in den viel bedeutenderen politischen Vertretungen längst Tatsache ist. Sie brauchen nur zu fordern! Me-mand wird den Mut haben, ihren berechtigten Ansprüchen entgegenZutreten. Mit ielschullchre r H. Ster n, * Nachschrift. Wir begrüßen durchaus das Ziel dieser Zw '-schrist. Es geht in der Tat keinesfalls an, daß nur großstädtische Persönlichkeiten in die Vevbandsverfammlung einziehem Tüchtige Männer in den Klein- und Landgemeinden sind vorhanden. Sie gehören unbedingt auf fcak Abgeordnetenlisten. Ebenso dürfen unsere jüdischen Handwerker, die „Frontsoldaten des Friedens", im Landesverband unter keinen Umständen schien. Ihr praktischer Blick wird manchen guten Rat zutage fordern. Verlangt muß werden, daß auch jüdische Lehrer der Klein- und Großgemernden in namhafter Zahl in die Verbandsversammlung einziehen. Sie sind meist die Vorkämpfer, der religiösen Ideale unter schwierigsten Verh-ültniffsn. Sie kennen die Nöte ibeS jüdischen Beamten nur zu gut um nicht dafür einzutreten, daß alle religiösen und wirtschaftlichen Vorlagen die die Verbandsversammlnng erledigen soll, vom Geiste sozialer Gerechtigkeit getragen werden. Schließlich muß dafür gesorgt werden, daß auch die Jugend im Landesverbände Männer findet, die mit jugendlicher Frische und Begeisterung sich -den ernsten Aufgaben, die an den Landesverband hevantreten, hingeben. Das „Jang an Jahren" ist nicht das Aussschlaggebeude: „Jung an Herzen" müssen sie sein,. Was an uns nur liegt, soll mit Eifer 'geschehen, um eine frisch arbeitende Versawmkl'ung, möglichst frei vonr Zopfe «des Bureaukratismus, Zustande zu bringen. Die Schristleitung. Der letzte Tag. Ern dvingerrder Mahnruf. Es geht nicht um den letzten Tag des Weltgerichts, und es geht nicht um den letzten Tag des bürgerlichen Jahres, das in Kürze Zu Ende geht. Ein anderer Tag ist es, der letzte Tag, der 31. Dezember, bis zrr Dem Me vsAjahrigerr deutschen Süden beiderlei Geschlechts m der Wählerliste Znm Preußischen Kirnvesverband jüdischer Gemeinden verzeichnet sein müssen. Der Centralverein hat durch seine Zeitung, durch seine Rundschreiben, durch seine Sendboten überallhin in die preußischen Lande bekanntgegeben, daß in wenigen Tagen die Frist für dir Eintragungen in die Wählerliste Zum preußischen Landesverband abläuft. Wer nrcht in der Wählerliste enthalten ist, kann nicht wählen. Und die Wählerliste für eine Wahl, die zum ersten Male überhaupt vor sich geht, genau herzustellen, ist schwer. Wenn nicht jeder, insbesondere in den Großgemernden Preußens, vor allem in Groß- Berlin, mithilft und sofort seinen Namen und den seiner Angehörigen, möglichst mit Geburtsort und Geburtsdatum, dem Gemeindebureau (Berlin N 24, Oranienburger Str. 29/30) mittels Postkarte mitteilt, so werden viÄe ihre Wahlpflicht nicht ausüben können und es schmerzlich bedauern, daß sie infolge Lässigkeit ihr jüdisches Wahlrecht verloren habeu. I h r H a u s h e r r e n 1 Ihr habt die Pflicht, eure Familienangehörigen zu verzeichnen und anZumelden. Ihr habt die Pflicht, eure Bekannten und Freunde einzutragen, urrd wollt ihr noch ein übriges tun, so verzeichnet die jüdischen Familien in eurem Hause und sendet sie dem Groß-Beruner Gemeindebureau em. Es ist nicht nötig, daß sie es selbst tun, Ihr könnt sie, wenn es nicht anders geht, von Euch aus anmeldeu. Ihr Hausfrauen! Sorgt dafür, daß Euch das schwer errungene Wahlrecht nicht verloren geht. Soll man, falls Ihr Euch nicht vollzählig an der Wahl beteiligt, sagen, Ihr wollt das Wahlrecht nrcht? Keinerlei religiöse Bedenken bestehen, das Wahlrecht auszuüben und politische Gewissenhaftigkeit verlangt, daß eine jede von Euch es aus übt. Ermuntert Euren Gemahl, unbedingt sich anzumelden und feine Freunde und Bekannten sowie die jüdischen Hausbewohner zu verzeichnen. Denkt auch an Eure Freundinnen und Eure Bekannten, die Ihr Zur Anmeldung bringen müßt. UndJhr,Söhne und Töchter! Ihr habt hier Gelegenheit, Euch politisch zu betätigen. Ihr achtet Euer Judentum, Ihr wollt Einfluß auf es haben, Ihr wünscht soziale Gerechtigkeit in hm Gemeinden. Wählt! Tragt Euch selbst ein undgebtnichtnach,bis alle Eure Angehörigen, Freunde und Bekannten in der Wählerliste stehen. Der 31. Dezember ist der letzte Tag. Bis dahin können sich noch viÄe Tausende zur Wählerliste gemeldet haben. Me aufrechten jüdischen Deutschen beiderlei Geschlechts müssen in der Wählerliste st^en. Mörsche Muskm-sönrtfchL. Ein Urteil aus geistlichem SJiun£>& ' Pastor Friedrich L uh r s, ein evangelischer Pastor, der Schriftführer der deutschen EvangÄisckMuth. Synode Südafrikas P a a r i (via Kapstadt), wirbt mit überzeugenden Worten für se-inle deutsche Gemeinde. Er schreibt irn „V e r D e n e r Kreisblat t" (Nr. 297 vom 17. Dezember), wie freudig begrüßt deutsche Zeitschriften und Broschüren dort im fernen Afrika werden und wie sie dazu dielen, .den Zusammenhang nüt dem Mutterlande zu festigen, und er bittet, jeder Deutsche möge ihn durch kostenlose Uebersendung gelesener Zeitschriften unterstützen. „Eine Bedingung", -so fährt er fort, „müssen wir noch stellen. Die Blätter müssen deutsch sein, nicht nur in deutscher Sprache geschrieben. Sie brauchen nicht alle evangelisch zu sein; wir haben gut deutschdenkende Katholiken . . ., ebenso dürfen getrost deutsche jüdische Zeitschriften Dabei sein. Hier im Auslände zeigt mancher Jude sich so treu deutsch; sie wirten mit uns fürs Deutschtum und nehmen darum an unseren Einrichtungen teil." (Von uns gesperrt. Die Schriftl.) Wir hatten an so erfreulicher Betätigung jüdischer. AüslaudZdeutscher zwar nie einsn Zweifel. Sie ist selbstverständlich. Immerhin i st das Vorurteils freie Urteil eines um das Deutschtum verdienten Mannes wertvoll.

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