Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 52 (26.12.1924)
- Date
- 1924-12-26
- Page
- Seite 833 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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f!ufla§r $0000 Ssrlin. 2ö. VeZembrr 192 III. Jahrgang ❖ Hc «inzrlnummrr IS Golüpftnnig VMter füröeurscdlmv^ unölrwerrtum. MonaLsabormement 40 Toldpfenrrig >ryani>c8 lÄUrraVerüns ü«Ärl StaatsvüryerjEckrn vlaudeus srnnsir^s Lsitiinc^ cLss Ou.cksrirm'n.s Verlag und Schristleitung: DerNn SW 63, Ander,str.is. .-. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube S, Berlin 3^68, Lindenstr.V Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Kudvlf Mofle. Berlin 6^19, und deren Filialen- Anzeigenpreise: 0.75 Soldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Audolf Moffes Nvrmalzeilenmeffer Rr. 4- Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder deS Eentral-Verein» 9.40 Soldmark, die 90 nun breite Reklamezeile 4 Soldmark Die Gesinnung macht es! von Lu-wig Holländer. „Unsere Ehe mit anderen Völkern und Kulturen ist eine durch die Umstände des geschichtlichen Verlaufs bedingte, heute in Europa und Amerika gewiß nötige, vielleicht für beide Teile segensreiche Vernunftehe, die in günstigen Fällen sogar zur Lrebesehe werden kann — aber im Himmel ist sie nicht geschlossen, und mit der Liebe hat sie nichts zu tun." Richard Lichtheim. („Jüdische Rundschau." vom 11. Januar 1621.) Nun soll alles nicht wahr sein: Die „Jüdische Rundschau" möchte daS Verlangen nach Umgestaltung, der jüdischen Religionsin die jüdische Dolksgemeinde nicht wahrhaven. In ihrer letzten Ausgabe schreibt sie: „Das Judentum lebendig und stark zu erhalten, in würdiger nnd ausreichender Form für die Bedürfnisse des jüdischen Lebens zu sorgen, die Ehre des Judentums nach außen zu wahren, die Kenntnis des Judentums nach innen zu mehren, den Pflichten der Zugehörigkeit zur jüdischen Gesamtheit zu genügen, dies sind ehrliche Forderungen, für die wir den jüdischen Wühler anrufen." Und weiter! Ueber die Forderung der jüdischen Volksgemeinüe existiere eine große Literatur. Die Erörterung darüber gehöre in das Gebiet der Theorie, nicht in den Wahlkamps. Diese von der „Jüdischen Rundschau" wiedergegebene Formulierung deS Programms der - Jüdischen Volkspartei ist ganz ausgezeichnet. Mit ihr könnten wir uns restlos einverstandenerklären. Es würde also gar nichts schaden, daß nur Vertreter der Jüdischen Volkspartei in das jüdische Preußenparlament gewählt werden, wenn in diesem Programme nicht das Wesentliche verschwiegen wäre., Man kann die Sätze, die hier angeführt sind, sogar als gut und vernünftig bezeichnen; nur schlimmj, daß sie mit dem Programm der Jüdischen Volkspartei nicht ganz übereinstimmen, und daß dieses Programm, wie wir bereits in unserem letzten Aussatz „Warum unsere Wahlparole!" gesehen haben, ganzandereFor Lern n gen aus stellt. Jetzt ist mit einemmal von einem Weltjudentum nicht mehr die Rode; jetzt -wird von der Besteuerung der Gemeinden zugunsten Palästinas nicht mehr gesprochen; alle jene Forderungen, die wir nicht unterstützen können und von unserem Standpunkte aus bekämpfen müssen, sind einfach fortgelassen. Will die „Jüdische Rundschau" einen bündigen Verzicht auf di« schon genügend ausgeführten Program,mpnnkte aüssprechen, so kann uns dies nur recht sein. Zu befürchten aber bleibt, daß die Praxis uns unangenehm überraschen wird, wenn wir glauben, mit diesen Sätzen der Theorie oder deS Stimmenfanges sei das Programm der Jüdischen Volkspartei Umrissen oder gar erschöpft. Ueber das, was uns die Jüdische Volkspartei bringen will» können wir uns genau in den Aufsätzen der „Iü d i» s ch e n Rundschau" .unterrichten. Am 20. September 1921 finden wir dort einen großen Appell „An das jüdisch« Volk in der Verbannung!". Und wir lesen am 2. Juni 1920, wie der Landesverband nach «dem Kopenhagener Programm als deutsche Diaspora des jüdischen Gemeinwesens in Palästina zu einer jüdischen Volks» gemeinde gestaltet werden soll. Der Verfasser dieser keineSweg theoretischen Abhandlung, der bekannte Rechtsanwalt Dr. Victor (Wandsbeck), führt in dieser Studie aus, daß nach seiner Auffassung die Forderung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden, die Gemeinden müßten lediglich Religio ns gemeinden sein, durch die Geschicht« widerlegt wäre. Infolge der Emanzipation und Reformbewegung sei die alte national-religiöse Gemeinde gesprengt und ein -organisatorisches Chaos geschaffen worden. Früher hätten die Gemeinden als Staat im , Staate alle politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Mitglieder verwaltet. Bis zur Emanzipation müsse man daher -die jüdische Gemeinde als national-religiöses Gebilde bezeichnen. Wenn das deutsche Judentum sich jetzt neu organisieren wolle, dann müßten hierfür als, Grundlagen die Arbeitsgebiete gelten, welche die jüoische Gemeind« nach Ausschaltung der Kultusfragen sich bis heute bewahrt habe, nämlich das gesamte Schul- und Erziehungswesen und die immer weiter auszubauenden politischen und sozialen Aufgaben. Daher seien die Bestrebungen aus Umwandlung der jüdischen Gemeinden in w eltli ch e Gem eind e n, V o lks» gemeinden, lediglich die logische Konsequenz der unglücklichen Geschichte. Diese Ausführungenwerden durch Dr. Schwabe in der „Jüdischen Rundschau" vom 13. Juli 1920 in interessanter Weise ergänzt: Ws besondere kulturelle Aufgabe bezetchneten die Zionisten die national-jüdische und hebräische Erziehung der Jugend von Kindesbeinen an. Nach ihnen muß die Hebräisierung mit der Kinderstube beginnen, wobei auch den Müttern durch den hebräischen Kindergarten die Sprache nahegebracht werden sollte. Zionistinnen mit Pestalozzi-Fröbel-Büdung müßten palästinisches Kindergarten- Willst du wählen trag dich ein!