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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-19 · 51 (19.12.1924) · p. Seite 822

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
Seite 822 (sequence 10)
Language
German
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822 Lejser Urp. Eine Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie. Der bekennte Maler Lesser Ury, der jahrelang um seine Anerkennung ringen, mußte, ist heute zu vollem Erfolge gelangt. Wenn ihm die Räume der staatlichen Galerien bisher verschlossen waren, so lag das nicht all antisemitischen Tendenzen der Verwaltlmg-, hatte man doch Max Liebermann stets volle Ehrung zuteil werden lassen, lind wenn die Kritiker der großer: Tageszeitungen sich zurückhaltend verhielten, so war das ein Beweis, wre wenig „jüdisch voreingenommen" trotz allen antisemitischen Geredes diese Blätter sind. Es war eben d i e Zeit für das Werk dieses vorwärLsstürnienden, neue Wege schreitenden Künstlers noch: nicht gekommen. Nachdem aber in- Mischen die Knust selbst große Wandlungenerfahren-, wurde Ury mit einem Schlage anerkannt, geschützt und berühmt. Dieser groye Aufstieg begann ntit der glänzenden Ausstellung im Salon C-astirer, und es ist interessant, daß zuerst gerade die Arbeiten Urys, die schnt Jahrzehnte vorher entstanden waren, besondere Zustinnuun-g fanden, und daß Las „Neue ' auch jetzt noch erst zaghaft um<* tastet wurde. Dann -aber kam die große I u b i l ä u nr s an s st e i l u u g zum sechzigsten Geburtstage des Meisters in den Räuinen der Berliner Sezession, die ihn zum Ehrenmitglied ernannte; und diese Ausstellung nt ihrer Reichhaltigkeit nach jeder Richtung hin, in der Fülle der Meisterwerke, die alle Gebiete malerischen Schaffens umfaßtem, wurde zu einem vollen Lebe n s e r f o l g e des K ü n ft - l e r s. Da konnten auch die Pforten der staatlichen Galerien nicht mehr verschlossen bleiben. 31 adjiD c ui Geh ei rural I u st i, der Direktor der Natwncckgrckerie, bereits vor einiger 'Zeit drei Werke Urys für die Staatsgalerie erworben hatte, sind setzt zwei große Räume im ehemaligen Kronprinzenpalais für einr Sonderausstellnng der letzten Arbeiten Urys hergerichtet worden. Ury, der ohne jede Berechtigung von Nationaljüdischer Seite als zionistisch gerichtet bezeichnet wird, wie man auß dieser Seite mit solcher Etikettierung nur zu schnell bereit ist, ist innerlich mit dem Judentum eng verbunden. Aus diesem starken jüdischen Empfinden heraus sind jene großen Werke entstanden, die bekunden, wie tief ych dieser Meister in die biblische Welt einzusühlen vermochte. Wir denke:: da an das Bild „Der betende junge David", der mit feinen zmn Himmel erhobenen Händen Hilfe sucht und findet, die den riesenhaften Goliath zu einem Nichts herabsinken läßt, ein herrliches Symbol zugleich für Israels Geschichte, oder den gewaltigen Moses, der mit mächtig aufgereckten Armen die Finsternis auf Aegypten herabzieht, wie auch an das größte biblische Werk Urys: ^eremia, wie e-m schwerer Fetsblock lastend auf dunkler Erde, doch' im Ausblick zu den ewigen Sternen voll Mut und Hoffnung sich zu» wendend .dem untrüglichen Stern seines Herzens, der ihm den dunklen Pfad der Zukunft hell und freudvoll macht. — Und dieser echt jüdische Mann ist zugleich ein echt deutscher Mann, ein glänzender Betveis wiederum .für die Synthese deutschen und jüdischen Denkens und Empfindens. Ein deutscher Meister nicht nur in seiner künstlerischen Art, sondern auch in den Schwingungen seiner Seele. Wer seine großen Grunewaldbilder kennt, besonders sein schönstes Herbstbild, den Grunewaldsee in: Abendwehen, oder die Bilder holsteinischer Seelandschaften, der weiß, wie tief sich dieser Maler in die Seele der deutschen Heimat einzufühlen wußte. Und ein Zeichen dieses kerndeutschen Empfindens sind auch die Rheinbilder, die jetzt, als Ergebnis der diesjährigen Sommerfahrt des Künstlers, in der Staatsgalerie ausgestellt sind. Da wird der alte Vater Rhein in seinen Schönheiten von Meisterhand uns von neuem nahegeb rächt. Ury ist noch länge kein „Alternder", das Zeigen diese Bilder in ihrer Frische und in der Kraft ihres Ausdruckes. Und wer die Bilder des Meisters steht, die augenblicklich in der Berliner Sezession ausgestellt sind (eines wurde bereits von der Stadt Berlin angetanst), wer besonders das farben- S""hende und doch so far'benrrschte, faszinierende Bild „Der NollendorMatz" sicht, der weiß, daß hier eine ungebrochene, immer neuen Zielen zu strebende Kraft uns noch viel Großes und Schönes erhoffen läßt zur Ehre des deutschen Namens und des deutschen Judentums. L. Lesser Ury in feinem Atelier. Topnbee - Hatte Berlin. Eine segensreiche Wohlfahrts-einrichtung Berlins, die Tohnbee-Halle der Berliner Logen U. O. B. B. feierte am 8. Dezember den Tag ihres Zwanzigjährigen Bestehens. Die Tohnbee- Halle, benannt nach einem bekannten Philanthropen, der seinerzeit ähnliche Volksstätten ins Leben gerufen hat, öffnet an ihren Abenden die Pforten allen, bis. wie es stets der Fall ist, Ueberfüllung vielen den Zutritt unmöglich macht. In vorbildlicher Weise wird hier den Mühseligen und Beladenen ohne jedes Entgelt nicht nur körperliche Erwärmung und Labung geboten, sondern durch gute volkstümliche Vorträge aus allen Wissensgebieten, durch vortrefiliche literarische und künstlerische Darbietungen wird auch dem inneren Menschen eine Erhebung und Erholung zuteil, die ihm vor dem Elendsschicksal der Seele bewahrt, unter dem Druck sozialer Not zu erstarren und zu verkümmern. Die TvYnbee- Halle war während des Krieges tagsüber auch als Kriegsküche eingerichtet, in der täglich Hunderte unentgeltlich oder zu einem minimalen Preis Verpflegung fanden. Die Jubiläumsfeier wurde durch den Festgesang Halleluja von Hummel eingeleitet, den Herr Oberkantor Wilhelm Friedmann mit klangvoller Stimme meisterhaft vortrug. Dann hielt der verdienstvolle Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der Tohnbee-Halle, Kommerzienrat Maximilian Stein, die Festrede, in der er Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Tohnbee-Halle schilderte und den Damen und Herren, die sich seit Jahren in der Tohnbee-Halle tatkräftig betätigten, wie auch allen Gönnern und Förderern, die durch ihre finanzielle Unterstützung diese Einrichtung auch in den schwierigen Zeiten aufrechterhalten, dankte. Der künstlerische Teil wurde von bewährten Kräften bestritten. Möge dem segensreichen Werke weiteres Blühen und Wachsen beschieden sein. J. L. chi-dpatt ennolz u Der MM

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