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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-19 · 51 (19.12.1924) · p. Seite 821

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
Seite 821 (sequence 9)
Language
German
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wir leider Gottes unsere Kinder diesem Kampfe nicht mehr; .darum heißt es, ihnen zeitig die richtigen .HAssmitte-l in die Hand stl gdben. ' Folgende kleine Begebenheit gab mir viel zu lenken: Ein neunjähriger Junge kam erbittert aus der Schule, nachdem die ganze Mlajse zwei Stvafstnnden verbaißie. Ein jüdischer Klassen'kamera-d hatte eine harmlose Missetat seiner Mitschüler dem Lehrer angegeben. Vor Wut lrveinte -der Kleine imb brachte stockend hervor: „Wenn ich ein BMischer wäre, dann würde ich fagzen: das konnnt daher, weil der ein Ju.de ist, — aber Lveil nur doch Demokraten sind, Ifjage ich: das kommt nur, weit es ein ungezogener Bengel ist." Hier zeigt sich, wie ein zu grundsätzlichem Denkerl erzogenes Kind sehr sjrüh, auch persönlichen Mißstimmungen entgegen, gerecht zu urteilen vermag. Eine solche Einstellung wird auf sein gesamtes Unterscheidungsvermögierl Einfluß haben. Vor unserer heranwachsenden Jugend aber stehen so große Arifgaben, daß jede vernünftige Mutter sich mit allen Kräften bemühen tollte, ihre Kinder vor Vorurteilen Zu bewahren, denn es gelingt nicht allen'Menschen, sich im späteren Leben auf dern Wege der Erkenntnis davon Zu befreien. Herr Hans Wspwsö (Serlm) schreibt: Der Wahlaussall bedeutet für die deutschen Juden einen Fortschritt, der allerdings so kleinerscheint, daß ihn ein Schritt zurück bereits wieder aufheben kann. Man bedenke, über sechs Millionen Stimmen sind einer Partei Zugefallen, die den Wahlkampf führte unter der Parole „Gegen FranZosen- und Jlüdenher-'rschast", deren R-edner zlvar sich von den übelsten Anpöbekeien der Juden freihielten, in deren Presse und Flugblättern sich jedoch kurz vor dem 7. Dezember ein geradezu haarsträubender Arltisemitismus austobte. Die „E. B.- Zeitung" vom 12. Dezember bringt ja einige Kostproben ans dieser Giftküche. So sehr nmi >der Anssassang des Weitsche n Anssatzes „Nach 'den Wahlen" 'beipflichtenmöchte, daß mm’§ bei den DLntschnationailen „nach Tikchv v^ohl anders kiest — —", werden diese aber die Geister., die sie Tiefem, nun leichiben Kaufes wieder loswerden? Daher ist, wie in dem bezeichineten Anffa-tz treffend ausgesührt wurde, der Kamps keineswegs beende t. Nichts wäre verfehlter, als gläubig hoffend die Dinge in natürlicher EniwickLung treiben zu baffen, lind so wie den Schreiber dieser Zeilen feine Wahrnehmungen in der Reihe der Wnhlgefechte immer wieder davon Lirbierzeugt Haber:, daß die Persönlichkeiten des Centrailbereins, in der Großstadt wie in der Provinz, in nimmermüdem' Wirken — oft unter Hintansetzung ihres persönlichen Wohles — sich eingesetzt haben im Kampf gegen die entsetzliche s e e I i s ch e 3)1 a s - s e n e r k r an k u n g weiter Volks kr eise, so kann er doch nicht ganz den Wunsch unterdrücken, daß hier und da in einzelnen Kreisen, die der Arbeit dos Centrallvereins noch gleichgültige oder lau gegenüberstehen, auch etwas inehr aktives Interesse für die Arbsitsgerneinschast derer, die die Wahrrmg der Belange des deutschen Jurdentums zu Heer LebensallfgÄöe gemacht haben, zu finden sein möchte. Fatalismus, Passivität, N ö r g e I f u d) t u n d E i g e nb r ö -t e l e i dürfen keine n N a um h a b e n im D e n i e n derer, die in die Reihen der A b w e h r g e m e r n s ch a s t h i n c i n g e l) ü x e n. > Lernet von:G eg ner, der in zähemEifer du^rch unerbittliche Bearbeit rrng bei den ihm noch immer an hängenden Massen jene Solidarität erreichte, die trotz allem doch wieder eine so st arke Ph al a nx d e s A n t i s e m i t i s m n s g e s ch a f s e n h a t! Helft am Ausbau eurer Organisation, stärkt denen den Rücken, die sich in nie rastender Opferfreudigkeit in die vorderste Reihe stellen! Holt die Säumigen herbei und stellt Persönliches zurück um des großen Zieles willen. Es gilt ja nicht nnr, den d e u t s ch e n I n d e n Zur Freiheit und zum Recht zu Helsen, es geht urn die seelische Befreiung weiter Kreise des deutschen Volkes von jenem entsetzlichen Irrwahn, der vor langer Zeit schon *,bte Schmach des Jahrhunderts" genannt wurde und der noch immer in Derllschland bei großen Volksbewegungen feine traurige Rolle spielt. Helft alle, alle, bie ihr berufen seid, mit an jenem Rettungswerk deutscher Seelen und Gemüter, damit das tieftraurige Wort Jakob Löwenbergs bald nicht mehr zutreffend sein möge: „Als Jude brauch' ich nicht erröten, jedoch als Deutscher schäm' ich mich.-'' Der jüöifthr Mittelstand von eheüem unö von heute. Bon Wilhelm Marcus, Vorsitzender des Jentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands. Die K r e d i t s r a g e hat in den Kreisen des allgemeinen Mittelstandes schon in der Vorkriegszeit eine hervorragende Rolle gespielt, wobei die Kreise des jüdischen Mittelstandes nicht ausgeschlossen waren. Die damals bestandenen D a r l e h n s - und G enossenschaftskafsen ermöglichten es bei bescheidenen Zinsen vielen Handwerkern und Gewerbetreibenden, sich zu erhalten. Dieses Bild hat sich nach Beendigung des Krieges vollständig geändert. Die große Täuschung der Jnslatiousperiode hat selbstverständlich in don Kreisen, bie am wenigsten Substanz besessen haben und denen Kredite von Banken überhaupt nicht gewährt wurden, eine g r o ß e N o t h e r v o r g e x u f e n. Tausende von Existenzen ringen um ihr tägliches Brot und können sich nur noch erhalten, wenn ihnen von denen, die dazu in der Lage sind, Hilfe gebracht wird. Bisher selbständige Betriebe sind durch vollständige Mittellosigkeit in ihrem?Fort bestand bedroht, und es ist umnötzlich, allen denen, die die Absicht haben, sich selbständig zu machen, zu Helsen. Was ist mm zu tun, um vorzubeugen, daß ein großer Teil unserer Glaubensgenossen, und wahrlich nicht die schlechtester:, vor weiterer Verelendung bewahrt bleiber:. Einige mutvolle Förderer unserer Bewegung haben mit Hilfe der Verl in e r I ü d i s che n Gem e i n b e eine D a x I e h rrskasse ins Leben gerufen, die unter den augenblicklichen Verhältnissen natürlich nicht soviel Mittel heranfchafsen konnte, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Da mau aber die um ihre Selbständigkeit ringenden Streife jetzt in der größten Not nicht verlassen kann, unb weil sie einen Anspruch darauf haben, daß ihnen gehoben wird, ist es notwendig, daß man ihnen langfristig rückzahlbare Kredite verschafft, \ Zu diesem Zweck müssen alle Schichten des Judentums an dieser Hilssattion teilnehmen, indem sie der Darlehnskasse Mittel, wenn auch nur leihweise, zur Verfügung stellen, um das begonnene Hilfswerk sortsetzen zu können. Es bat] auch nicht übersehen werden, daß ohne produktive Hilfe eine große Anzahl von Familien der Wohlfahrtspflege zur Last fallen würden, für die ja dann trotzdem entsprechende Mittel ausgebracht werden müssen. Die Existenzschwierigkeiten des Mittelstandes wachsen von Tag zu Tag, und viele unserer Glaubensgenossen, die vor dem Kriege geglaubt haben, ihre Söhne unbedingt Kausleute und Akademiker werden zu lassen, sehen ein, daß heute die produktive Arbeit in Handwerk und Gewerbe die größte Gewahr für eine Existenz bietet. Auch diesen produktiv tätigen Kreisen muß durch eine große Aktion der Darlehnskasse geholfen werden, damit sie wieder in der Lage find, Werkstätten und Betriebe errichten zu können, um sich fo und ihre Familie anständig zu ernähren. Wir hoffen, daß dieser Appell besonders bei den Berliner Inden großen Anklang finden wird und sie uns schnell die nötigen Mittel zi:r Verfügung stellen werden. Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Beutsehlands und des Auslands LcrUr, SW 39, Lerrüalerner: Straße 46-49 / Breslau | Chemrütz / Dresden i Düsseldorf / Erfurt / Frarrliurt a. M. } Halle (Saale) / Hamburg st Hannovee fufn o. Rh. | Leipzig j Magdeburg / Mannheim f München I Nürnberg f Stuttgart / Amsterdam ( Prag j Wien / Budapest j Warschau / Basel j Zürich.

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