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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-19 · 51 (19.12.1924) · p. Seite 817

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
Seite 817 (sequence 5)
Language
German
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----- 817 Einige wohlgemeinte Vertagungsanträge von Berlin, Gleiw i tz und vier r h e i n i s ch - w e st f ä l i s ch e n Sektio n e n, die vor der endgültigen Abstinnnnng eine Untersuchung der gegen Donanland erhobenen Beschwerderl durch einen unparteiischen Ausschuß bzw. einen Versuch schiedsgerichtlicher Beilegung itub jedern; falls Aufschub bis Zn einer erhofften Beruhigung der Gemüter anstrebten, wurden fast einstimmig abgelehrrt. Bei der Abstimmung über den Hauptantrag selbst ergaben sich 16 6 3 S t i m m enfür b c n A u s sch l u ß , n n r 19 0 d a g e g e n. Der völkische Geist hat also auch im Alpenverein gesiegt. Donanland wird sich das Feld seiner alpinen Betätigung fortan außerhalb des großen deutsch-österreichischen Verbandes suchen müssen. Ob die Erwartung, mit der Steinitzer (München) die Ausschließung den .Widerstrebenden mundgerecht machen wollte (damit sei die völ- 'kische Frage im Alpenverein erledigt, weil nach einer Abmachung in Nosenheim, die Völkischen keine neuen Anträge ans Ausschluß der Juden mehr bringen dürfen), sich verwirklicht -- das scheint mehr als fraglich. Leider liegen Anzeichen dafür vor, daß die Völkischen, durch ihren „Erfolg" ermutigst nun in' einzelnen 'Sektionen, unbekünnnert nur jene Abmachung^ den Ansschluß der Juden betreiben wollen. Es wäre verkehrst solchen Vorstößen gegenüber kampflos das Feld Zu räumen. Unsere Freunde muffen, eben jo wie die Sektion Donauland, ihr Recht im Alpenverein verfechten und es den Gegnern nicht ersparen, durch klare Beschlüsse Farbe Zn bekennen. Vielleicht siegt dann auch bei jenen, die diesmal „um des Friedens willen", vielfach unter Hintanstellung ihrer besseren Ueber- Zengnng, den Völkischen nachgegeben haben doch die Erkenntnis, daß d e m 1t n r e ch t n a chgebe u, c b e n f o s ch lecht i st, a l tz 11 n- X c ch t tun. W. L. Zum EhKuukkafeft. Wieder erstrahlen die Lichter am blinkenden Leuchter. Andachtsvoll drängt sich die Menge der Beter im heiligen Hanse des Herrn. Voller Erwartung sammelt sich die in frommem Verbauen geeinte Familie, Eltern und Kinder, Freunde und Verwandte, alle Parteien und Richtungen reichen sich brüderlich die Hand, beseelt von dem festen Glauben an die höchsten Ideale ihrer Gemeinschaft. Wäre es nur ein kriegerischer Erfolg, ein Siegesfest, das hier gefeiert würde, längst wäre sein Namen und Andenken verblaßt und vergehen wie das so vieler ungleich bedeutenderer Ereignisse in der Geschichte der Völker. Israel, die friedlichste der Nationen, hat n:enmls daran gedacht. Tage Zn feiern, an denen im schweren Kampfe das Blut von Menschenbrüdern geflossen. Vom heiligen Geist erfüllst haben die weisen Männer, welche die Feier des Festes geboten, den Kern des Geschehens ersaßt. Chanukka, Weihe fest, nannten sie es. Rohe Gewalt, des wahn sin ns tollen Tyrannen Faust hatte es versuchst nicht bloß die Leiber Zu knechten, sondern auch den Geist Zu unterdrücken. Der heilige Tempel, das Bethaus aller Völker, die Stätte, welche durch ihre sinnigen Symbole die innigste Gemeinschaft der menschlichen Seele mit ihrem Urquell, der Gottheit, kündete, war besudelt und entweiht durch den Schandhötzen des brutalen Machtgedankens. Mit der dauernden Beugung des Geistes wäre alle Schönheit und aller GlanZ, alle Zartheit und Innigkeit, alles kühne Ringen und edle Streben aus der gottverlassenen Welt geschwunden. Sie wäre Zum Tummelplatz der Gelüste der uugebändigten, schrankenlosen Willkür geworden, die keinen' Herrn über sich kennt und duldet.;; Das war es, wogegen sich die l e tz l e K r a f t des jüdischen Volkes in seinen heldenhaften Vertretern, den Makkabäern, aufbäumte. In diesem Zeichen kämpfen und siegten sie. In diesem Geiste feierten sie das Weihefest. Der Dämon der Unreinheit, des Zügellosen Herrentums war wieder einmal gebannt. Wert öffneten sich die Pforten des hehren Zionstempels, und einzog der König der Ehre, der Herr der d Heerscharen. Wieder konnte sich der unendliche Lichtstrorn heiliger, ehrfurchtgebietender Gedanken und Lehren segenspendend über die ganze Welt verbreiten. Der erhabene Tempel der Webt lvar von neuem geweiht. Ist es nicht das gleiche Zeichen, in dem wir heute das hehre Fest begehen? Noch immer steht draußen unerschüttert die Trutzburg der Gewalt, und auch drinnen unter den Besiegten und Geknechteten brüstet sich als Gegenpart zähneknirschend und wutentbrannt der racheheischende Machthunger, sucht sich durch Rechtsbeugung und Niederwerfung des noch Schwächeren schadlos zu halten für seine Ohnmacht gegenüber dem Stärkeren, möchte am liebsten den lichtspendenden E Gott der Welt, dessen Gnade und BarncherZigkeit in gleicher Weise waltet über jeglicher Kreatur, entthronen und an seine Stelle den alten Streitgolt der Herden setzen. Zwischen beiden, einsam fast, ein kleines Häuflein, feiern wir getrost, beseelt vom alten Makkabäergeiste, vertrauensvoll das Fest .Weihe, singen: „Feste Burg unseres Heils, Dir nur geziemet Preis!" Leuchte, Licht des Go-ttesgeistes, langsam Zu immer höherem ManZe dich entfaltend, bis zur Vollendung! „Wir feiern es nicht nur für uns, wir feiern es mit für euch, ihr Menschenbrüder, harrend des Tages, wo der Geist der Weihe die ganze Welt erfüllen wird, harrend des Meuschheibs-Chanukta. Hofs m a n n. Der besuch öee baperrschen Hotels. E s i st a n der s g eH> o r b e n! In jüdischen -Kreisen wird es mit Recht als Beleidigung empsunden, wenn von ch r i st l i ch e r Seite Verfehlungen, die einZelne Juden begangen haben, der j ü d i s ch e n A llgemeinheit zur Last gelegt werden. Ebenso wird es mit Recht als verletzend betrachtet, wenn Handlungen, die Anstandsgesühl und Ai! gemeii untere sie beweisen, als von geschäftlichen Vorteilen diktiert yingestellt werden, sobald sie von jüdischer' Seite ausgehen. Weil diese Empfindungen richtig sind, müssen wir uns selbst vor . Verallgemeinernrrgr.un.d Vorurteilen hüten. Weil früher in Nt ü n ch e n, dem Miesbacher Bezirk und anderen Sommerfrischen jüdische Gäste über antisemitische Aenßeruugen und Handlungen zu klagen hatten, darf man nicht im Bausch und Bogen die ge > amten H v t e l s im b ii yeri s ch e u H o chlaud verurteilen, oder ( ihre energischen Proteste gegen die Hitlerei und andere antisemitische Auswüchse als „vom'' geschäftlicher: Vorteil allein beeinflußt" hiusielleu. Man darf nickst — wenn einzelne Häuser Grund Zu Beanstandungen geben — all c Hotels meiden. (Die Abneigung gegen bayerische Hotels ging sogar soweit, daß selbst Häuser, deren Besitzer Juden stich wie das ParkboteL in Bad Tölz oder das Hotel Grüuwald in Parternirchen, gemieden wurden.) Im Gegenteil! Es ist eine Anstandspflicht, gerade die Häuser und Hotels ausZusnchen, die auch in den Zeiten, wo die Hochflut des Antisemitismus tobte und genügend christliche Besucher anwesend waren, für die Juden eingetreten sind. Man denke an die großen Häuser in Neichenhall, Berchtesgaden, Bad Tölz, Oberstdors, Hohenschwangau und vor allem Garmisch-Partenkirchen. In Berchtesgaden und Garmisch-Partenkirchen sind von völkischer Seite gerade die Besitzer der größten Betriebe am heftigsten angegriffen worden, weil sie öffentlich gegen den Anlijenchlsmus austraten. Die Verhältnisse sind im allgemeinen ruhiger und mancher Fremdenort im Gebirae ist durch Schaden klüger geworden. Die Gegenden Zu besuchen, wo früher Juden nicht gern gesehen wurden, besteht auch heute noch kein Grund. Dagegen sollten dre BeZrrre und Häuser, 'denen von jüdischer Seite nichts vorZuwevsm, wieder t ihre alten Gäste finden. Ein al.tes Münchener Mitglied. EefahruKgsK nnw GbrrLshrers. Wer hilft? Ti- Erziehung unserer Jugend zu positiven Staatsbürgern macht in der Nepndlik leider nur allzu bestyriEw Fortschritte, -iin den Deutsch- und GeschichtKstmrden wird leider noch viel zu wenig auf unser junqeS Staarsgebiidc hingeiviesen. Un> so mehr versuchen es deshalb die staatsfeindlichen Parteien, sich die singend zu erobern, und nur zu sehr haben sie, immer mit 'bem.SBayr* -eichen des Halenkrcuzes, Ersvlg damrt. Unsere Jugend rst nun einnial stolz auf Abzeichen, und so werden Hakenkreuz, Jringdo- und D. N. J.-Abzeichen nicht so schnell bei unseren Schülern verschwinden. Daß an manchen Schulen der Terror so weit geht, die anderen Schüler, die solchen Bereinen nicht aiigehören. zu boykottieren, ist nur allzu wahr. Ein Staat, dev nicht eine unbedingt zuverlässige Beamtenschaft sich heranzubiloen weiß, kann deshalb auch nicht zur Ruhe kommen. Als der jetzige Kultusminister sein Amt antrat, hat er es als seine oberste Ausgabe angesehen, die Schule Zu entpolitisieren. Aber was ist bis jetzt geschehen? Ein Erlaß ist herausgekommen, der den Schülern die politischen Abzeichen in der Schule verbietet. Trotzdem werden sie an manchen, ja sogar an vielen Anstalten ruhig weiter getragen. Marl sieht es eben nicht. Vom Lehrer verlangt man aber auch, daß er außerhalb der Schule erzieherisch wirkt. Allein mit diesem Erlaß ist ihm. die Handhabe dazu schon genommen; denn außerhalb der Schule dürfen die Jungen ruhig mit Hakenkreuzen und Jungdo-Abzeichen erscheinen, ohne daß der Lehrer dagegen einschreiten darf. Und das geht denn auch tatsächlich nach der Uhr. Bis 1 Uhr werden die Abzeichen unter dem Rock getragen und nach 1 Uhr o f f e n s i ch t l i ch zur Schall. Ebenso spielt das Ehrhavd-Lied bei Ausflügen mitunter eine große Rolle. Der Lehrer, der seinen Gedanken nachhängt, hört es natürlich nicht oder freut sich womöglich noch darüber. Wird er dann von einem jüdischen Schüler, der vielleicht infolge seiner inneren Erregung nicht die rechten Worte zu finden tveiß, darauf aufmerksam gemacht, so erhielt der Junge, obwohl Primaner, dafür". . . eine Ohrfeige! Solange solche Zustände herrschen, auch deutschvölkische Lehrer während des Unterrichts ost die Objektivität vermissen lassen, so lange kann es auch nicht besser werden» Wie sollen sich auch die Kinder anders verhalten,, deren Eltern — von den AnMärun gsve r sammln ngen de ntschvölkischer Lehrer her — dieses Gift weiter Verbreiten? Denken wir daran, daß diese von Haß und Verhetzung getriebene Jugend später einmal berufen sein soll, die höchsten Stellen ein* znnehmen. Sollen also unsere Kinder und Kindeskinder noch inehr unter diesem geistlostn Antisemitismus leiden? Videant consules. Finsterwalde (N.-L.). Studienrat Dr. M. D e u t sch kran.

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