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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-19 · 51 (19.12.1924) · p. Seite 816

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
Seite 816 (sequence 4)
Language
German
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Der Rampf im Deutsch-Gesterreichifchen ^lpenverein. Die Zwistigkeiten, die sich infolge der Ausschlußdrohung gegen „Donauland" im Deutsch-Oesterreichischen Alpenverein allenthalben entwickelt haben, sind unseren Lesern ans den Tageszeitungen bekannt geworden. Wir haben bisher in diesem Kampfe strikte Zurückhaltung geübt; nicht etwa, weil wir die Bedeurung dieser Auseinandersetzungen verkannt hätten, sondern weil wir die Angelegenheit als rein alpine ansahen, die die jüdischen Mitglieder des Alpenvereins als Mitglieder des Älpenvereins mit aller Energie zu betreiben hatten, aus Selbstachtung und mit dem ernsten Willen, neuen Zersetzungen unserer deutschen Volksgemeinschaft als vaterländischem f Unheil aufs schärfste zu begegnen.' Wir wollten nicht ohne zwingende Not aus dieser Vereinsangelegenheit eine politische Angelegenheit machen. Nach den jüngsten Ereignissen in Berlin und München können wir solche Zurückhaltung nicht mehr üben. Heute veröffentlichen wir unsere Stellungnahme zu den Berliner Vorgängen sowie einen Bericht unseres Münchener Korrespondenten über die entscheidende Sitzung vom 14. Dezember. Die Berliner Sektionssitzrmg und ihre Folgen. Bekanntlich hat man in Oesterreich Zunächst den Versuch gernacht, Juden aus dem Alpenverein überhaupt au szu schließen, und hat dadurch veranlaßt, daß Juden und Christen in Oesterreich, die diesem Versuch sich entgegenstemmten, die Sektion D o n a n - l a u d gegründet haben, welche, wie übereinstimmend von alpiner Seite bestätigt wird. Hervorragendes auf alpinem Gebiet geleistet hat. Donauland ist am 14. Dezember in der Hauptversammlung des Deutsch-Oesterreichischen Älpenvereins in München angeschlossen worden. Die Sektion Berlin hat vorher durch ihren Vorstand erklärt, sie werde gegen den Ausschluß stimmen, würde indessen, wenn der Ausschluß beschlossen wird, sich damit abfiuden. Hiergegen setzte eine starke Agitation innerhalb der Mitgliedschaft der Berliner" Sektion ein. Am 27. November fand in Berlin eine Versammlung der Sektion des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins statt. In dieser Versammlung referierte der bekannte Politiker Rechtsanwalt Wolsgang Heine. In der Disknssion trat ihm der Sanitätsrat Dr. H e u s l e r bei, der mit Nachdruck seine „arische Abstammung" betonte. Heusler stellte den Antrag: 1. Die Sektion Berlin erkennt nach wie vor keine statutenmüßigeu Gründe an, die dem Gesamtverein das Recht geben, den Ausschluß der Sektion Donauland zu vollziehen . . . 2. Die Sektion Berlin sieht in dem Ausschluß der Sektion Douauland nicht die Verhütung der Zersetzung und des Zerfalls des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins, sondern deren Beginn. Eine erhebliche Schwächung des Gesamtvereins, wenn nicht sein gänzlicher Au seinander fall .sowie unerträgliche Zustände im Hüttenwesen würden seine Folge sein. 3. Die Sektion Berlin fordert die bedingungslose Zurücknahme des Antrags auf den Ausschluß der Sektion Donauland und behält sich im Falle des Ausschlusses alle weiteren Maßnahmen hinsichtlich ihres Verhältnisses zum Gesamtverein vor. Dieser Antrag, der nur von Christen in der Versammlung besürworbet wurde, ist am 27. Nolnrnber mit 544 gegen 366 Stimmen angenommen worden. In der Nummer 226 der „Mitteilmr-gen der Sektion Berlin des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins" vom Dezember 1924, die kurz vor der Münchener Tagung erschienen, berichtet der Vorstand über diese Versammlung in einer Weise, die an sich schon alles eher^ ist, als eine ruhige Protokollierung von Vereinsvorgangen. In fettem Druck fügt er dem Berichte die' folgende Erklärung der: „Wie stellt sich nunmehr der Vorstand zu den Vorgängen? Der Vorstand ist überzeugt, daß am 27. November nicht die Mehrheit der Sektion gestimmt, sondern daß eine in ihrem Kerne aus jüdisch-völkischen Elementen bestehende Minderheit lediglich dadurch, daß die anderen Mitglieder zu interessenlos gewesen sind, einen nicht berechtigtent Erfolg erzielt hat. Alls diesem Üeberraschuugsersola zieht diese Minderheit schon jetzt Schlüsse für die Zukunft und glaubt, dem Vorstarrde Vorschriften machen zu dürfen. Wandte sich doch Herr Ministerialrat Dr. B a d t bereits an den Vorst-a-nd mit dem Ansinnen, cm dem Abstnnmungsgeschäfte in München Leilzunehmen, mit eine Kontrolle -des Vorsitzenden aus-zunben. Aus all diesen Vorkommnissen sehen wir uns verpflichtet, offen Zu ^erklären, daß wir unsererseits gegen jedes weiters Dordrängcrr des jüdischen Elementes Stellung nehmen müssen nnd Stellung nehmen werden. Wir wollen, soviel an uns biegt, nach wie vor mit unseren jüdischen Mitgliedern in Frieden leben, wehren uns aber gegen eine jüdischvölkische Minderheit, die unsere Sektion in ihr Fahrwasser bringen will. Wir werden den Kampf gegen jene aufnehmen, der durch die Neuwahlen im März entschieden werden wird. Wir Litten die Mitglieder, die zum Vorstands halten, der Sektion gerade jetzt treu zu bleiben und uns in unserem Kampf mit ihren Stimmen zu unterstützen. Wir müssen uns auf die Unterstützung dieser Mitglieder verlassen können, ihre Jnteressenlosigkeit muß aushöven, sonst geht unser wertvoller HÄttenbesty, unsere Bibliothek nsw. in die Hände der jüdisch-völkischen Minderheit nnd die Sektion Berlin in ein nen zu bildendes Kager jüdischer Sektionen über." Es ist notwendig, diese Erklärung niedriger zu hängen. Es wird niemand, der Vorstand ausgenommen, ernstlich glauben, die Anträge HenZler seien nur> von Juden angenommen. Wer gibt dem Vorstande aber das Recht (wenn er schon in einer sonderbaren Verkennung der Vorgänge, für die uns nach den uns vorliegenden Berichten jedes Verständnis fehlt, von einer jüdischen Minderheit spricht, die den Beschluß herbeigeführL hat), weiterhin zu erklären, daß es sich um jüdisch-völkische Elemente handelt, welche den Beschluß ermöglicht haben? Wir wissen ganz genau, wie groß die Zahl unserer engeren Freunde ist, die für diesen Antrag gestimmt haben und die sich auf das energischste verbitten müssen, als eine jüdisch-völkische Minderheit bezeichnet zu werden. Wenn schon die einzelnen Sektionen im Alpenverein sich damit äbfinden werden, daß jeder Sektion es überlassen bleibt, den Aricrparagraphen einzusühren, so haben die Mitglieder der Sektion Berlin, die sich im Gegensatz zu so vielen Sektionen, und insbesondere zu den Nachbarsektionen der Mark, gegen die Aufnahme des Arierparagraphen gewehrt haben, ein Recht darauf, ihren Standpunkt im alpinen Interesse und nicht bloß im jüdischen Juteresse auch fernerhin in dieser Sektion gewahrt zu sehen. Aus den Bergen ist Freiheit! Es ist schwer, keine Satire zu schreiben. Wir hoffen, daß unsere Freunde innerhalb der Sektion Berlin und innerhalb der übrigen Sektionen weiter ihre Pflicht erfüllen werden. Die Münchener Tagung vom 14. Dezenrber. Die HauPwersammlnnH des Deutschen und Oesterreichischeu Älpenvereins in Rosenheim hat bekanntlich im letzten Sommer die „verjndete" Sektion Donauland bei Meldung zwangsweiser Ausschließung ausgefordert, „freiwillig" ihren Austritt zu erklären. Da Donauland den angesonnenen Selbstmord verweigerte, mußte am 14. Dezember eine außerordentliche Hauptversammlung in München über den vom Hauptausschuß m i t allen gegen eine S tri m me beantragten Ausschluß entscheiden. Während man noch in Rosenheim der Sektion Douauland allseitig ihre einwandfreie alpine Betätigung bestätigt hatte und nur darin, daß sie sich gegen den Willen der völkischen Sektionen im Verein behauptete, den erforderlichen beharrlichen Verstoß gegen die Interessen des Vereins sah, hatte inzwischen der Houptausschuß zur Ergänzung dieser doch allzu dürftigen Anklage einige nach der Rofenheimer Tägung entdeckte Verfehlungen (insbesondere eigenmächtige Weganlagen unter Ern* griff in fremde Arbeitsgebiete und Erwerb der Mainzer Hütten ohne förmliche Zustimmung des Hauptausschusses) in Rundschreiben an alle Sektionen bekanntgegeben. Einen dieser Anklage- Punkte ließ er fallen, weil er sich, als aus bloßen ZwischenLrägereien beruhend, als unhaltbar erwiesen hatte. Die übrigen ließ er der Versamnrlung vortragen, obwohl sie Douauland in der Hauptsache mit sehr einleuchtenden Gründen bekamvfte. Verschiedentlich wurde aber selbst von Gegnern Donaulands zugegeben, daß diese Verstöße nebensächlich seien und daß man den Ausschluß deshalb wolle, nur die völkffch gesinnten österreichischen Sektionen znsriodenznstellen und so den Frieden und die Einigkeit im Verein wiederherzustellen. Mit anerkennenswerter, wenn auch rauher Offenheit, gab dies der Redner der Sektion Braunschweig zu, der an die Spitze seiner Ausführungen den Satz „right or wrong — my couniryr stellte. Er übersah dabei, daß auch der rücksichtsloseste Engländer diesen Grundsatz politischer Moral nur gegen den Feind seines L a n d e s anwendet und nicht gegen den eigenen Landsmann, mit dem er nur über innere Streitpunkte in Mein ungsverschiedenhei Len geraten ist. Vergeblich bekämpfte der Vertreter von Essen diese einseitige Einstellung kurzsichtiger Fanatiker mit dem Hinweis, darauf, gerade im besetzten Gebiet verabscheue man die Selbst-- zerfleischung der Deutschen und habe die Unentbehrlichkeit d e r de u L s ch e n I u d e n im n a L i o n al en A b w eh r k a m p s erkannt. Vergeblich, daß auch der Obmann des Alpenvereins Prag, der doch gerade durch die den „Donauländern" zur Last gelegten Geöietsübergriffe beeinträchtigt sein sollte und deshalb gewiß nicht einseitig für Donauland Partei nahm, betonte, daß in diesem von den Tschechen bedrohten Verein 'oder willkommen fei, der sich zum Deutschtum e k e n n t, — es raste der See und wollte Mn Opfer haben. Als vollends Ministerialrat Dr. B a d t aus Berlin durch seine mit Ironie gewürzten Ausführungen den Völkischen unbequem wurde und zuletzt gar, um die Versammelten vor einem Fehlurteil zu warnen freilich in arger Verkennung der geistigen Einstellung seiner Zuhörer — den Namen „Fechenbach" aussprach, da brach ein Lobender Wutanfall aus, wie man ihn seit den ersten Zeiten der Revolution, als der Arbeiter- und Soldatenrat in den gleichen Räumen getagt hatte, im Deutschen Theater wohl nicht mehr erlebt hatte. .

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