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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-19 · 51 (19.12.1924) · p. Seite 818

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
Seite 818 (sequence 6)
Language
German
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818 Der Auftakt zu -en Larrössverbanöswahlen. Die H a u P tv v r sta n d s s i tz u n g besonders stark besucht. — Völlige U e b e r e i n st i m ° m u n g in der S t e l l u n g n a h m e zu den ~~ Wahlen. Schr. Berlin, 14. Dezember 1924. ■r Es ist Sitte, daß Haupkvorstandssitzungen in den verschiedensten Körperschaften unter Ausschluß der Öffentlichkeit Lagen! Schade! Die aus allen Teilen des Reiches, besonders aber aus Preußen> gutbesuchte H an p L v o r st a n d s s i tz u n g des Centralvereins aru Sonntag im Logenhaus hatte sonst manchem Gegner, der sich in den letzten Wochen die Finger wund ge- . schrieben hatte, um glaubhast zu rnachen, int C. V. krisele cs ob der Landesverbandswahlen, eine" bitterböse Enttäuschung gebracht. Rach dem Verlaus der Hanptvorstandssitzung werden die Herren Artikel-- schreiber, die in geradezu rührender Besorgnis um das Wohl und Wehe des Centralvereins jede Woche mindestens einmal die angeblichen Fieberkurven seststellten, das Thermometer für den eigenen häuslichen Bedarf in Gebrauch nehmen müssen. Wie wenig sensationell die Wahlen zum Landesverband aus die Tagesordnung U)irften, zeigte sich sofort zu Beginn der Sitzung, die von dem ersten Vorsitzenden des Centralvereins, Herrn Justiz-- rat Brodnitz, mit Worten bet Begrüßung eingeleitet wurde. Ein Antrag, nicht erst den Bericht über die Wahlarbeit entgegenzunehmen, sondern sofort die Referate über die Landesverbandswahlen halten zu lassen, wurde gegen eine Stimme des Antragstellers abgelehut. So konnte die Tagesordnung eingehakten werden und Syndikus Dr. Wiener zunächst die Bilanz der ' KentraLVereins-ArbeiL während der letzten Reichstagswahler? : in eiustündigem Vortrag ziehen. Trockenes Zahlenmaterial, das die ' ungeheure Summe von Wahlarbeit des Centralvereins erläuterte, wurde durch Statistiken und Abbildungen lebendig. Wir können stolz auf unsere Wahlarbeit im Aufträge und im Namen des de u f f ch e n I u d e n t um s sein! Ein Spezialist mtf deur Gebiete der; Wahlen zunr Preußischen Landesverband jüdischer .' ' Geurcßnden, der stellv. Vorsitzende des Centralvereins, Justizrat Sonnen selb, gibt sachkundige Aufklärung über die Bedeutung der Wahlen. Die Wahlparole des Centralvereins sei diktiert von der Notwendigkeit,'; den Kampf um Vaterland und Judentum mit gleicher Starke 51t; führen. Sie stelle, ohne irgendwie einer Zionistenriecherei das Wort zu Freden, klar fest, daß wir für die Religionsgemeinde und gegen die Volksgemeinde k ü nt pfe n. Eine Listenj Verbindung mit der Naumann-Partei sei unmöglich. Die Ausstellung : eigener Listen würde eine Zersplitterung zur Folge haben, denn wir i hätten mit religiösen Parteien in Wettbewerb treten müssen, deren . Vertreter wir zum erheblichsten Teil in unseren eigenen Reihen 'haben. I Allein in seinen Anschauungen steht Rechtsanwalt Foerder ’ (Breslau). Man hält seine persönliche Ansicht, die Zionisten hätten die These vom „Gast im Wirtsvolk" längst ausgegeben, für eine Utopie. i Nach Foerder besteigt Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) die . Tribüne. In Dortmund sei der erste Antrag eines zionistischen : Repräsentanten, die Schaffung eines Kulturamtes gewesen. Be- ' gründet worden sei der Antrag mit Schlagworten aus der Schrift von Simonsohn über die V 0 l k s g e m e i n d e. Als erster Redner in der nunmehr einsetzenden Aussprache > nimmt Dr. Jsmar Fre u n d das Wort, um auszuführen, daß dem , C. V., nachdem er auf eigene Listen verzichtet habe, jetzt nichts anderes! übrig bliebe, als seinen Einfluß auf die Auswahl der Kandidaten in; den religiösen Parteien geltend zu machen.! Scharf weist Rechtsanwalt Dr. Herzfeld (Essen) nach, daß die . Parole des Centralvereins grundsätzlich ausrechterhalten werden müsse.? Die „Aufregung" im Lande, von der bisher niemand etwas gemerkt j habe, würde Wirklichkeit werden, wenn unsere Parole aufgehoben! wird. Die Einstellung der Zionisten sei und bleibe! n ati 0 na ljü d i sch. Die religiösen Interessen müßten die ein-! zigen des Verbandes sein, die in den Kommissionen wie im Plenum j «eine Rolle spielen würden. j Auch Geheirnrat Falkenheim (Königsberg) hat nichts von j einer Beunruhigung im Lande vernommen. Höchstens seien ihm ver-; einzelte Ansichten zu Ohren gekommen, daß man hier und da in Cenj tralvereinskreisen den Zionisten zu vertrauensselig gegenj übersiehe, wenn sie geschickt ihre letzten Ziele zu verhülle n wissen. LL^ Auch Rechtsanwalt Dr, Krombach (Essen.) ist mit der Tendenz der Wahlperiode einverstand'-n. Für die Noligionsgerueiude und gegen die'Bolksgeiueiude und damit gegen die zionistischen Bestrebungen gehe die Wahlperiode, die er allerdings mehr positiv gefaßt wissen möchte. Der Vertreter Thüringens, Herr Kann, weist darauf hin, daß angesichts der einmütigen Stimmung für die Nichtigkeit und Zlveckmäßigkeit der vom Centralverein ansgegebenen Wahlparole irgendeine andere Formulierung, wie die '"von Krombach angeregte, zu falschen Deutungen Anlaß geben könnte. Direktor Dr. Holländer weist an einem praktischen Beispiel nach, wie das wahre Antlitz der Zionisten anssieht. Als jüngst in einer Großgemeinde die Frage aufgetaucht sei, ob eine neue Synagoge für die orthodoxe Richtung erbaut werden sollte, sei auch die Rede auf die Pflege der deutschen Kultur gekommen. D a g e g e n habe .sich der Vorsitzende einer Zionistischen Ortsgruppe mit großer Heftigkeit gewandt. Er (Holländer) sei jetzt anderer Meinung als früher, und sei er bekehrt durch Vorgänge im neutralen Jugendverband, wo über dem Pvogramrupunkt „Pflege der Vaterlandsliebe" tagelang debattiert worden sei. Rechtsanwalt Löweustein (Aachen) stellt fest, daß seit 191-3 keine Aenderung der zionistischen Politik eiugeireten sei. Eine Aenderung der Richtlinien des C. V. sei daher nicht nötig. 11 n - beirrte Pflege der deutschen Gesinnung" kl und bleibe der Leitgedanke des C. V. Nach der Nachmittagspause wird die Redezeit auf 5 Minuten beschränkt. Nacheinander nehmen Dr. N a t h a n (Berlin), H c r z b e r g (Hannover), Kammergerichtsrat Wolf (Berlin), Dr. Mainzer (Frankfurt a. M.), Dr. Hildesheimer (Berlin), Syndikus Dr. Wiener (Berlin), Rabbiner Dr. Brau n s ch w e i g e t (Oppeln), Justizrat Brodnitz (Berlin), Rechtsanlralt Dr. Fleischer (Schneidemühl), Rechtsanwalt Dr. Alexander (Krefeld) und Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin), der sich, wie feine Vorredner/nicht nur aus prinzipiellen Gründen, sondern aus heiligen Ueberzeugungsgrüuden für die Richtlinien des Centralvereins emsetzt, das Wort. Noch ein kleines Hin und Her zwischen F 0 e r d e r und F l e i - scher, und die langersehnte Abstimmung kann beginnen. Gegen ein halbes Dutzend Stimmen- (anwesend waren 67 Hauptvorstan'd smitgli eder) wird als der einmütige Wille des Hmrptvorstemdes ein Antrag Sourrerrfeld-Werl zum Beschluß erhoben, der arLch für den größten Gegner des Ceniralvereins eindeutig feststem, daß jede LlvLnderrmg der Wahlparole des Centralvereins abgelehnt wird- Um jedes Mißverständnis, das sich hier rrnd da ernaeschlichen hat, M vermeiden, wird ferner drrrch Beschluß klargelegt, daß jede LLsterrverbindrrAg mit dem Verband rrattorralderttscher Inden abgelehnt wird. Klare Wahlparolen sind für alle Teile ehrenhaft. Der <£♦ V. fordert: „F ü r D e u t s ch t n m u n d I u d 0 nt u m V' Die natiormLjüdische Parole Lautet: „Für Volks ge mein de und Ratio u a l j u d e u i u nt"! Mit ungeschwüchter Aufmerksamkeit hörten die Delegierten das Referat des Direktors Dr. Holländer: „Vorbereitungen zur Vevbarrdöwahl", das durch die Ausführungen der Herren Dr. M a i n z e r (Frankfurt am Main) und Dr. Charig (Hannover) ergänzt wird. Auch hier völlige Einigkeit über Weg und Ziel in der A u s s p r a ch e, an der Stern (Berlin), Schweriner (Berlin), Dr. L ö w e n - stein (Aachen) und Dr. Frennd (Berlin), teilnehmen. Als „n e u e M ä n net" werden in den Hauptvorstand Tapezierermeister Ludwig Wolf, der verdienstvolle Vorsitzende des Berliner jüdischen HandwerkervereinZ, Rechtsanwalt Dr. Bernhard Kahn und Bankier Julius Schwarz, ferner als korrespondierendes Mitglied Na-bbiner Dr. Kaelter (Danzig) gewählt. Mit einem umfassenden Programm des Herrn Direktors Dr. Holländer für die Wirrierarbeit, dem die 'Herren Dr. Mainzer (Frankfurt), Mittelschullehrer Stern (Berlin), Dr. Weil (Berlin), Dr. A l ex a n d e r (Krefeld), Gutsbesitzer Sandel 0 wski (Norgehnen), Prediger Dr. Lehmann (Berlin), Dr. Herzfeld (Essen), Dr. Löwen stein (Aachen) und Dr. T i e tz jr. (Berlin) restlos z u st i nt men, wird die Tagung des HaupLvorstandes beendet, nachdem in eine I u g e n d k 0 m nt i s s i 0 n die Herren Tietz, Markus, Ster n. Lehmann (Berlin) und Helmuth Nathan (Hamburg) gcwähll worden sind.

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