Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 51 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- Seite 815 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277514--01717-2280990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
815 Schärfster Rampf gegen öen Gentralverein. Professor Löwes Herausforderung. Wer die folgenden Auszüge aus der Rede Professor Löwes mit ihren. schwer verletzenden Ausfälle n g egen sast alle jüdischen, religiösen und politischen Richtungen jetzt, wo die Parteien noch gar nicht einmal in die Arena getreten sind, liest, wird mit uns der Meinung sein, daß Herr Prosesfor Löwe' und seine Getreuen gewaltsam einen Wahlkampf erbittertster Art und in so „hochstehender" Weise -herbeisichren' wollen.. Er kann aber sicher sein, daß wir ihm auf diesen^Wege niemals folgen werden. Eine Scheidung der Geister wird und muß 3>ie Wahl am 1. Februar wie jerde Wahl herbeiführen. Wir werden die Aufklärung dafür, jede ehrliche Überzeugung hochachtend, in sachlichem und anständigem Tone und mit reinsten Mitteln darbiet ein Folgende Stellen aus Löwes Rede unterbreiten wir unseren Lesern: „Der Antisemitismus hat sich in den meisten Ländern überlebt. In Deutschland hat eine neue Periode erst vor kurzem begonnen. Man könnte aber damit rechnen, daß auch hier in zweihundert bis dreihundert Jahren vom Judenhaß nichts mehr zu spüren sein wird. Die.wahren Urheber des Antisemitismus sind aber, so merkwürdig es zuerst klingen mag, die „A s s i rni l a t i o ns j u d en". Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wohnten in Deutschland, vor allem in den süddeutschen Gebieten, fromme, aber, gänzlich unwissende Juden („Ämharazzim") im Stil von Herrn Moritz A. Loeb, die stck mit allen Kräften bemühten, die langsam zuwandernden „Polackim", d. h. die aus Westpreußen und der Provinz Posen stammenden Juden, von sich isoliert zu halten. Die Folge davon war, daß gerade diese „Polackim" entweder sich den Christen, von denen sie mit offenen Armen ausgenommen wurden, assimilierten und taufen ließen oder später als deutsche Juden den aus Polen zuwandernden Ostjuden (Planjes) gegenüber dasselbe Manöver machten, wie man es ihnen gegenüber getan hatte. Die Organisation der „Polackim" ist der „Centralverein jüdischer Staatsbürger brutschen Glaubens" oder wie der Verein mit dem langen Namen und kurzen Inhalt sonst heitzen mag. Das Komischste aber ist, daß die Juden, die sich gänzlich deutschnational gebärden, noch weiter aus dem Osten stammen (Naumann-Verein). Man sieht, daß im liberalen Zeitalter die Religion die Juden nicht halten konnte und sich infolgedessen gerade diejenigen, die a u s der schwärzesten Orthodoxie stammten, sich in ihrer Begeisterung für das Neue taufen ließen und zeigen wollten, wie gute Sten sie sind; sie sind die schlimmsten Antisemiten gewesen, ich die, die erst den Antisemitismus gemacht haben. Daß die Regierung die Juden bis noch vor kurzer Zeit von der Anstellung als Beamte bzw. einer Beförderung in maßgebende Stellen ausgenommen hat, konnte man ihr gar nicht übelnehmen. Sie hatte ja nicht nötig, ungetaufte Juden anzustellen, wo doch jeder Jude der Aussicht hatte, besördert zu werden, sofort zur Taufe Imät war... Wenn der heutige (religiöse) jüdische Liberalismus nicht mehr derselbe rst, wie vor 50 Jahren, so Hai er das, ohne es zu ahnen, dem Eirrflutz der Jüdischen Volkspartei zu danken. Dennoch muß weiter gekämpft rver-den, denn religiösliberal'ist antinational,d. h. die Bestrebung, die Geschichte des eigenen Dockes nicht mehr fortsetzen zu wollen. . . Die Krone dieser antitraditionellen Richtung ist die R e f o r m g e m e i n d e, die ihren Gottesdienst nach christlichen Prinzipien eingerichtet bat und sich nur von der Sorge bestimmen läßt, was der Christ, der gelegentlich einmal hineinguckt, dazu sagen würde. Sochaben die Liberalen einen circulus vitiosus der Unwissenheit und der ■Hl ..■■■■■■■'- ui y daraus folgenden Abkehr wo n der Tradition geschaffen. Kiberalrsnms heißt demnach Enkjttdmrg, also schlimmster Antisemitismus ... Der Harrptkampf bei den Landesverbandswahlen mutz sich gegen den CentraLverein richten. Er hat fich iu innerjüdische Dinge, die ihn seiner Grundtendenz nach gar nicht kümmern dürfest, unaufgefordert eingemischt. Die Schuld liegt an den Führern, die ja nicht nur iu jüdischen, sondern auch in deutsch-politischen Dingen man erinnere sich nur an die Kundgebung für Kaiser und Reich — völlige „Ämharazzim" find. Es ist eine Schande, datz man einem Führer wie Holländer, der zum Kampfe gegen die Jüdische Bolksparter und damit gegen das traditionelle Judentum ansfordert, nicht die Gefolgschaft versagt bzw. die Mitglieder in Scharen aus dem Centralverern austreten. Man soll auch bedenken, daß der Centralverein für den Wahlkampf Gelder gesammelt hat, die er nun teilweise für den Kampf gegen die Jüdische Dolkspartei verwendet. Daher schärfster Kampf aller Zionisten gegen den Centralverein, der bei den Aufgaben, die der Landesverband haben wird, nur Opposition gegen alles wahrhaft Jüdische treiben wird . . . Kritsth Zu -rer Monaten Gefängnis verurteilt. Die endgültige Erledigung einer Verleumdung. Endlich ist der Prozeß, den Max Marburg und Dr. Karl Melchior gegen Theodor Fritsch wegen der unerhörten Beleidigungen, die Fritsch teils in Flugblättern, teils in Artikeln des „Hammer" gegen sie erhoben hattet in Hamburg zur Verhandlung gelangt. Fritsch wurde nach ausgezeichneten Plaidoyers der Rechtsanwälte Dr. H. Samson und Vartmng und nach stundenlangen Verteidigungsreden von Fritschs Anwälten Dr. Schröder (Wismar) und Rechtsanwalt Jacobsen, dem Führer der Hamburger Deutschnationalen, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ueber die Verhandlung und die Urteils gründe ist in der Tagespresse ausführlich berichtet worden, so daß wir uns mit der Feststellung des Urteils begnügen können. Die Bedeutung dieser Verurteilung Fritschs für die deutsche Judenheit im allgemeinen geht weit über die Tatsache der Feststellung von Marburgs und Melchiors völliger Unschuld hinaus; denn daß diese Beschuldigungen Fritschs aus der Luft gegriffen und lediglich dern allgemeinen Judenhaß der Herren Fritsch und Genossen entsprungen waren, wußten wir auch ohne diese Verurteilung. Aber zum erstenmal hat sich die Tagespresse mit einem solchen Prozeß befassen müssen, auch die rechtsstehenden Blätter haben über ihn laufend Bericht erstatten müssen. Da das Urteil neben der Gefängnisstrafe noch die Publikationsbefugnis nicht nur im „Hammer", sondern auch in den „Hamburger Nachrichten", dem „Hamburger Fremdenblatt", dem „Hamburger Korrespondent" und mehreren anderen zum Teil rechtsgerichteten Zeitungen ausgesprochen hat, wird das Urteil und damit die Widerlegung der antisemitischen Phrasen endlich einmal auch solchen Lesern bekannt, die sonst nur judenfeindliche Aeußerungen zu Gesicht bekommen und sie als bare Münze hinzunehmen pflegen. Es ist aber noch eine andere Seite zu würdigen. Immer wieder wird behauptet, das internationale Judentum, voran das Haus Marburg, verschachere das deutsche Volk um klingendes Silber. Mit diesem Urteil ist endlich diese unerhörte Verleumdung festgenagelt, und wer sie nachspricht, wird sich gefallen lassen müssen, als Verleumder gebrandmarkt zu werden und das Schicksal des Herrn Fritsch zu teilen. Der 31. Dezember ist der letzte Tag an dem Anmeldungen zur Wählerliste für den preußischen Eimdesvekbimö ßer judtschen Äelnelußen entgegengenommen werden. Groß-Berliner Wähler! Meldet Euch sofort an! Anmeldepostkarten sind bei den Gpnagogenkastellanen und im Gemeindebureau (Berlin N 24, Oranienburger Straße 29/30) erhältlich. — Notfalls genügt eine gewöhnliche Postkarte. Stellt fest, ob die Namen Eurer wahlberechtigten Familienangehörigen in den Wählerlisten stehen. Wähler in Preußen! Alle, die über zwanzig Jahre alt find, find wahlberechtigt!