Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 51 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- Seite 814 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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814 -• Thora in Palästina verlangt. Unter der geschmackvollen Neberschrist „Klerikale C h u z p e" schreibt das Blatt: „Im Angesicht einer solch widerwärtigen Gemeinheit (des „Israelit") fällt es schwer, ruhig zu bleiben und den Frankfurter Herren nicht eine gebührende Antwort zu geben, die sie zweifellos verdienen." Wie sehr in diesen Kreisen alles Religiöse im Judentum geradezu gehaßt wird, geht aus einer weiteren Notiz der Zeitschrift hervor, welche die Ueberschrift trägt: „Das Ende .eines M i s r a ch i b l u f s s". Wir bestreiten niemandem das Recht, für eine Weltanschauung einzutreten, die sich auf diese Grundlage stützt. Er mag die zu errichtenden Schulen in diesem Sinne leiten. Er mag es erstreben, auch in den Familien die deutsche Sprache durch die hebräische zu ersetzen, wie es schon ein Teil dev jüdisch-nationalen Führer tut. Er wird das ganze Leben der jüdischen Gemeinschaft gewissermaßen in einen Zustand der Wanderung hineinzuleiten versuchen und muß, von seinem Standpunkt aus, wurzelnde Liebe zur deutschen Heimat auszurotten streben. Der Centralverein ist nun der schwarze Mann, wenn er sich die Freiheit nimmt, in diesen Fragen ganz entgegengesetzt zu denken und infolgedessen seine Freunde zu bitten, am 1. Februar 1925 gegen jeden Nationalismus ebenso zu stimmen, wie er es zum 7. Dezember 1924 verlangt hat. War es am 7. Dezember der deutschvölkische Nationalismus, so ist es am 1. Februar der jüdisch-völkische Nationalismus, ohne damit beide in anderer Hinsicht aus eine Linie stellen zu wollen, als jeder radikale Nationalismus vom Uebel und ein Unglück ist. Infolgedessen wird der Centralverein keinerlei Bestrebungen unterstützen, die völkische Konsequenzen haben. Wir wollen nicht die gesamte Judenheit im politischen Sinne aufgefaßt wissen. Denn es gibt keine politisch geeinte Gesamtjuden h eit. Der heilige Geist der jüdischen Eintracht bedeutet etwas anderes als eine politische Gesamtjudenheit. Auch wir wollen die Erziehung eines vom jüdischen Bewußtsein durchdrungenen Geschlechtes; nur wird diese Durchdrungenheit durch das Bewußtsein der geistigen Zusammengehörigkeit des Judentums erstrebt, die getragen ist von dem Bekenntnis zur jüdischen Religion, durch das gemeinsame Erleben des jüdischen Schicksals und durch Begeisterung für die wahren jüdischen Ideale. Irgendwelche Folgerungen aus diesem Bewußtsein nach der Richtung zu ziehen, daß das jüdische Volk losgelöst von den anderen Völkern ein Eigenleben, sei es politisch, sei es materiell, führen soll, ist eine Forderung, die im schärfsten Gegensatz zu unserem jüdischen Bewußtsein steht. Gewiß muß der Jugend, um mit den Worten der Jüdischen Volkspartei zu reden, das Judentum lebendig und lieb gemacht werden, aber nicht in dem Sinne, daß von der politischen Gemeinschaft gesprochen, sondern daß diese politische Gemeinschaft abgelehnt und der Geist des Judentums als lebendig bezeichnet wird. Das Hebräische muß gepflegt werden, aber nicht das Neuhebräische als Verkehrssprache zwischen den Juden der Welt, sondern das Althebräische als heilige Gebetssprache und verehrungswürdige Sprache unserer un - sterblichen Bibel. Die Verwendung von Stenern für deck jüdisch-nationalenStaatinPalästinalehnen wir ab. Wer Geldmittel geben will, mag sie als Privatperson geben. Wir wollen nicht dulden, daß der Preußische Landesverband seine von ihm selbst sestzusetzenden Kompetenzen (was bisher geschaffen ist, ist lediglich ein Entwurf, über dessen Aenderungen zu sprechen sein wird) nach diesen Richtungen irgendwie ausbaut. Wenn die Volkspartei davon spricht, daß der Kampf gegen die Feinde des Judentums in würdiger Form zu führen ist und nur jüdische Leistung, nicht Beteuerung Achtung erzwingt, so wissen wir genau, was sie damit meint. Bisher hat der jüdische Nationalism"- llck, im Kampf gegen dm Judenhaß neutral verhalten und hat alle jene großen Veranstaltungen mißachtet und verhöhnt, in denen vom Centralverein seit Jahren Fühlung mit christlichen Mitbürgern mit vollstem Erfolg genommen wurde, um durch Aufklärung und Wahrheit Reibungsslächen zu vermindern. Jüdisch-nationale Redner haben dabei sogar in denunziatorischer Weise die Wahrheit entstellt unter Betonung ihrer Fremdheit in Deutschland' und damit der deutsch-völkischen Gedankenführung durch Unterstreichung ihrer jüdisch-völkischen Einstellung reichlichst Nahrung gegeben. Wir sind in der Lage, dafür zahlreiche Beweise zu geben, die bezeugen, daß wir uns hier noch sehr milde ausdrücken. Wir verstehen unter jüdischer Leitung eben etwas anderes als die Jüdisch-Rationalen. Jeder jüdische Mitbürger, der unserem deutschen Volke etwas leistet, ist für uns ein Verkörperer der jüdischen Leistung, nicht nur der, der lediglich im jüdisch-völkischen Interesse den Wiederaufbau Palästinas betreibt. Auch im unpolitischen Wiederaufbau Palästinas kann in unserem Sinne eine wertvolle jüdische Leistung liegen. Sie ist aber nebensächlich gegenüber Der Leistung im deutschen Baterlanve «nd einem vorbildlichen jüdischen Lebenswandel. Ihr wahres Programm in grundsätzlicher Hinsicht enthüllte die Jüdische Volkspartei bisher noch nie in Zeitnngsaufsätzen. Die „Jüdische Rundschau" hat noch) niemals auf die so oft aufgeworfene Frage: „Fühlt ihr Jüdisch-Nationalen euch als Fremde in Deutschland?" eine bündige Antwort erteilt. Sie hat noch niemals auf die Frage, ob jüdisch-nationale Beamte vom Standpunkt der jüdisch-nationalen Weltanschauung im deutschen Staate möglich sind, eine eindeutige Erklärung gegeben, sondern stets geschwankt. Wir wissen ganz genau, daß m den Kreisen der deutschen Zionisten es vielfach Ostjnden sind, die auf eine Entwurzelung unserer Jugend hinarbeiten und durch ihren Druck auch anders eingestellte deutsche Zionisten beiseitegeschoben haben. So sind die Verfasser der Aussätze in den jüdisch-nationalen Zeitungen meist Ostjuden, die uns in ihrer Abneigung gegen uns, die wir uns i als jüdische Deutschs fühlen, nicht genug verdächtigen können. Damit ist selbstverständlich kein Wort gegen die in Deutschland lebenden Ostjuden gesagt, die ein sehen, daß der Eingeborene zu seinem Vaterlands anders steht, als der Eingewanderte zu dem Land seines Aufenthalts. Allerdings kommt solcher hemmungsloser Kampf gegen unser Judentum und unser Deutschtum auch bei deutschen Juden vor, wie uns der bekannte Professor Dr. Heinrich Löwe in einer Versammlung des Neuen jüdischen Gemeindevereins am 10. Dezember 1924 bewiesen hat. Unter dem Thema: „Auflösungserscheinungen im Judentum" setzte er den erstaunten Zuhörern auseinander, es sei eine Schande, daß man einem Führer, wie dem Verfasser dieses Aufsatzes, der „3um Kampf gegen die Jüdische Volkspartei und damit gegen das traditionelle Judentum" auffordere, nicht die Gefolgschaft versage, daß die Mitglieder nicht in Scharen aus dem C. V. austreten usw. Daher schärfster Kamps aller Zionisten gegen den C. V., der bei den Ausgaben, die der Landesverband herben werde, nur Opposition gegen alles wahrhaft Jüdische treiben würde. Selbst wenn man mit der Mehrzahl der politischen Freunde des Herrn Löwe diesen als einen nicht gerade ernst zu nehmenden Politiker ansieht, so muß man staunen, welche Flut von Schmähungen ein angeblich gebildeter Mann, durch den Massenbeisall Hunderter von Ostjuden aufgepeitscht, in sich immer noch steigernder Weise von sich gibt. Wir werden an der VerTeisterung der unüberbrückbaren Gegensätze zwischen uns und den Jüdisch-Nationalen nicht arbeiten und uns nicht von dem Standpunkt abbringen lassen, daß der jüdische Nationalismus und die Jüdisch-Völkischen dem Deutschtum und dem Judentum, wie es mit uns die erdrückende Mehrheit der deutschen Juden auffaßt, feindlich gegenüberstehen und ebenso feindlich den in deutscher Kultur und deutschem Leben eingewurzelten jüdischen Gemeinden. Unsere Freunde werden uns, das wissen wir, bei diesen Wahlen wie ein Mann zur Seite stehen. Jeder, dessen Herz für das deutsche Judentum schlägt, kann am 1. Februar nur für die Listen solcher religiösen Parteien stimmen, die die unbedingteSicherheit dafür bieten,, jüdisch-völkischen Be st reb ungen keinerlei V o r s ch u b z u l e i st e n.