Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 51 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- Seite 813 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Auflage $0000 Serlin, 10. Dezember 1024 IH. Jahrgang * Nr. 51 Einzelnummer 10 Golüpfennig KStter fürOeolscUdimWl unOluoentum MonaLsabonnement 40 Soldpfennig Staatsvüryer jüEcken Aauveus'?« ^II^Errnsirrs ctss Illclsnrllrns Derlag und Schristlermng: BerNn8^V e8, Lindeustr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594. 3595. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube S, Berlin 8>V 68, Liridenslr.? Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen »Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Eoldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf MosseS Normalzeilenmefser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder deS Central-Vereins 0,40 Goldmark, die SO mm breite Reklamezeile 4 Goldmark warum unsere Wahlparole l von Ludwig Holländer. Von jüdisch-nationaler Seite, angeblich aus dem Kreise unserer Mitglieder, sind in den letzten Wochen vielfach Aeußerungen zusammengetragen worden, welche die Zweckmäßigkeit und dre Notwendigkeit unserer Haltung für die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, die am 1. Februar vor sich gehen, anzweiseln. Die abweichende Meinung von zwanzig bis dreißig Stimmen beweist nichts bei den vielen Zehntausenden von Mitgliedern. Es wird niemals einen politischen Schritt geben, der bei vielen,-vielen Zehntausenden ohne weiteres restlose Billigung findet. Selten aber hat seit Bestehen des Centralvereins ein Schritt seines Vorstandes e r n e solche Begeisterung aus gelb st wie gerade diese seine Parole. Alle diejenigen, welche wie wir auf dem Standpunkt i stehen, daß jede innerjüdische Meinungsverschiedenheit mit besonderer Würde, Versöhnlichkeit und Vornehmheit ausgetragen werden soll, waren sich von vornherein darüber klar, daß eine Wahl, die neu ausgeschrieben wird, von all den Vertretern der verschiedenen Richtungen zur Durchführung ihrer eigenen ausgeprägten Weltanschauung benutzt werden wird und muß. Wollte man das vermeiden, so hätte man eine solche Wahl nicht ausschreiben dürfen. Und wenn gefragt wird, was gehen die Wahlen zum Preußischen Landesverband den Centralverein an, der eine politische Organisation zur Bekämpfung des Judenhasses ist, so muß bei dieser Frage auf die grundlegende Bestimmung im ersten Paragraphen der Satzungen des Centralvereins hingewiesen werden, der folgendermaßen lautet: „Der C en tr a lverei n deutscher Staatsbürger j ü d i scheu Gla nb e n s E. V. b ezwe ck t, di e de nt sche n Staatsbürger jüdischen G l a u b e n s o h n e Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesell scha ftlichen Gleich st ellung sowie in der «»beirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken." Was verlangen von uns die Satzungen, wenn sie von unbeirrter Pflege deutscher Gesinnung sprechen? Sie verlangen eine tatkräftige Ablehnung des Standpunktes einer Politik, die die Zukunft des jüdischen Menschen, der von deutschen Eltern in Deutschland geboren ist, hinfort in Palästina sehen, die die Entwurzelung eines jüdischen Deutschen in Deutschland betreiben und ihm nahelegen will, sein Geburtsland nur als ein .Adoptivv aterland zu betrachten. Man mag nun den Einfluß des Preußischen Landesverbandes für mehr oder weniger groß halten, das eine ist sicher: Beider Ausgestaltung unserer Schule und der Gestaltung des Unterrichtsprograrnrtts wird der Landesverband ein Wort mitreden müssen, wenn er nicht ein zweckloses Luftgebrlde sein soll. Der I üdisch-Nationale hat von seinem Standpunkt aus recht, wenn er sein E r z i e h u n g s P r o g r a m m im wesentlichen also aufsaßt: Die eigentliche Heimat auch des in Deutschland geborenen Juden ist Palästina. Die jüdisch» Religion ist Nebensache, die jüdische Nation ist Hauptsache. Der Wille zum Judentum kann sich auf die Ewigkeit des jüdischen Religionsgesetzes und auf die "Ueberzeugung von der Wahrheit der religiösen Erkenntnis erstrecken. Er muß sich erstrecken auf das Volk „in politischem Sinne". Aus dem (nur von Jüdisch-Nationalen behaupteten) völ» kischen Zusammenhang des Weltjudentums muß er seine Folgerungen ziehen und muß die Geschichte und die Zukunft der Menschheit vom jüdisch-völkischen Standpunkt aus lehren und werten. Mit Recht betont daher der W a h l a n fr u f der Jüdischen Volksparter von seinem Standpunkt aus die Notwendigkeit, dah der Landesverband die preußische Judenheit zu einem wirkenden Faktor innerhalb der Gesamtjudenheit zu machen hat, ferner, daß die hebräische Sprache als lebende Sprache zu Pflegen ist, daß das deutsche Judentum an dem vom Völkerbund gewährleisteten Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina ideell und materiell mitzuarbeiten hat, das heißt, daß st e u e r l i ch e Einkünfte aus den Gemeinden für den Palästinaufban zu verwenden sind. Dom Standpunkt der jüdisch-nationalen Weltanschauung sind diese Forderungen richtig. Was soll man sagen, wenn die noch weitergehende Monatsschrift der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation - Poale Zion „Der Neue Weg in der Dezeinbernummer 1924 den „Israelit", das Zenträlorgan für das orthodoxe Judentum, angreift, Weiler die Pflege jüdischer RÄigiosität, die Zurückführung zur V>!I>II!>I!IIIIIIIIIIIIIIIIII>III!lI!III!IIIIIIII>I!IIIIIIIIIIIIIIII>!IUIIIIII!>IIIlIIII>IIIIIIIIII»»II»»IIZ | Ms öem Inhalt: j | Warum unsere Wahlparole? I s Von Ludwig Holländer. V | Der Kampf im Deutsch-Oesterreichischen | | Alpenverein. Seite sie. g | Der Anstatt zu -enLan-e-verbandswahlen. I Seite sis. 1 Mimonides „Führer der Unschlüssigen". m ü Von Direktor Rosenhain (Berlin). SeiteS23. =§ Von Direktor Rosenhain (Berlin). Seite 323.