Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- Seite 802 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277513--01703-2280975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
802 Zrauengeöankeu über Nanzeireüen. Nachstck-eude kritische Gurken 'über Künzelreden verSsfentlicheu wir ln der Hoffnung, mit diesen tum wahrem sittlichen Ernst getragenen Betrachtungen dem jüdisch-religiösen Leben ohne Unterschied der roligwsen Richtung dienen zu können. Wir haben unser geschätztes Haupt- Vorstandsmitglied Herrn Rabbiner Dr. Levi (Mainz) um ferne Stellung zu den von Frau Rost Graetzer vorgetragenen Beschwerden gebeten, und aeben seinen bedeutungsvollen, den inneren Grund erforschenden Ausstihrungen gleichzeitig Raum. Die Schriftleiwng. Dre hohen Feiertage mit ihrem bestrickenden Zauber von All-. taqsvergessen find vorüber, und das „Wunder des Bersöhmmgstages", das taufende sonst tempelscheuer Glaubensgenossen magnetisch ins Gotteshaus zieht, wo sie unter den alten, heilrgen Melodien den Kontakt mit der ehrwürdigen Tradition wiedersinden — dies Wunder offenbarte sich wie alljährlich! Kann da für einen Kanzelredner etwas Lohnender fein, als diesen aufgeschlossenen Seelen von geweihter Stätte aus „Ein gutes Wort" mitzugeben m den nüchternen Alltag, das die Erinnerung lebendig hält an jenen heiligen Tag, da sie bewußte Juden und so glücklich m ihrer kmderhaft frommen Stimmung waren? Aber wie wenige von unfern Predigern fanden „das gute SOori"? — Oh, sie gaben viele gute Worte, leider viel zu viele! Ta wurde fast stundenlang aus warmen, überzeugten Rednerherzen der an-dachngon Gemeinde ans Gewissen gerührt, wurde ein Bibelwort mit den schönsten Auslegungen umrankt, über den Mangel an Liebe zum Judentum geklagt, «sie großen Propheten unseres Stammvolkes als vorbildlich gepriesen, ernste Mahnungen zur religiösen Erziehung unserer Jugend dcrrangeknüpst! Ja, der Kanzelredner begeisterte sich - aber ach, nicht uns! Denn in einen Vortrag wollte er — froh der ersehnten Gelegenheit, so viele andächtige Zuhörer zu haben — eine Fülle von Gedanken Hineinpressen, wie sie für ein Dutzend Predigten genügt hätte; und lauschte zu Vegmn die gutwillige Gemeinde auch andächtig — die Aufmerksamkeit mußte zerftallern bei der Menge des Gebotenen und durch die Länge der Zeit — hinaus nahm man gar wenig, viel zu wenig im Verhältnis zu den ausgezeichneten Absichten des Redners! Und was für den Versöhnungstag gilt, hat für die andern Feiertage, an denen gepredigt wird, die gleiche Bedeutung! Ich wollte so gern, daß die Herren Rabbiner nicht empört wären über diese werbliche Kritik, denrr sie kommt aus einem tiefreligrösen Herzen, welches aufrichtige Verehrung hat vor dem eifrigen Streben unserer Kanzelredner, die Gemeinde zu erheben und zu belehren, vor ihrer jüdisch-wissenschaftlichen Bildung und ihrem warmen Jnteresie für alle Fragen des Judentums — aber gerade darum müssen diese gegebenen Führer und Leiter unserer Gemeinden dem Umstand Rechnung tragen, daß in dem Zeitalter der Schnellzüge, der Autos, der jagenden ArbeitsNotwendigkeiten nur kurz die Pausen sind, die man der religiösen Sammlung gönnt. Etwas Beschränkung im Stoff, etwas Nnpnfs nng im Ton an ore leider mei st schlechte Akustik größerer Synagogen — dann würde aus dem verhallenden Wort ein inniges, zu Ohr und Herzen sprechendes, dann würden die Herren Kanzelredner nicht mit Befremden das Vor- Bwinden vierer vor dem Beginn der Predigt wahrnehmen, dann rte man nicht so oft das schmerzlich berührende „Gott sei Dank", wenn die allzulange, schwer verständliche Predigt zu Ende ist! Der Alltag mit den durch den Lebenskampf überreizten Nerven der Menschen, zeitigt im gegenseitigen Verkehr so viel Brüskes uno Unverbindliches, erzeugt so viel Mißverstehen imb Verbitterung, dan das Gotteshaus mit feinem Frieden, seiner Abkehr vom Materiellen \o gerade der Ort ist, um ernen Balsam zu träufeln in das durca harte, böse Worte oft verwundete MenjchenherZ —- und dieser Balsam ist „das gute Wort". N o s i G r a e tz e r (Kryschano-witz b. Breslau). *$&■ Wer die Aeberschrift „Fraueng-edanken ülrer Kanzekreden" liest, den überkommt zweifelvolle Spannung: was wird diese Frau §er* klügeln? Aber die Zweifel weichem denn man muß den Gedanken zu stimmen; die Spannung löst sich wohltuend, denn hier wird eine harte Erscheinung unseres synagogalen Lebens in ernstem Interesse ins Auge gefaßt. B e r ech t i g te Kl a g e wird laut; doch muß man die Gründe für den Zustand erkennen. Das Jahrhundert der Juden-Emanzipation?)at eine Korrzentrierung der früher in ihrem Wohnrecht beschränkten Juden 51t größeren Gemeinden gebracht; aus dem in der Regel üblichen zwei- bis dreifachen Minjan in der Betstube, wie wir es heute noch vielfach selbst in zahlenmäßig starken Judengemeinden Ostpreußens finden, ist die umfassende Versammlung, die gottesdienstliche Gemeinde in der großen Synagoge geworden. Wirtschaftliche Veränderungen bedingten eine weite Judenkreise erfassende Umsiedlung vom Lande in die Stadt, politische Ereignisse der neuesten Zeit haben diese Bewegung bis heute noch nicht zum Stillstand kommen lassen: die Folge ist eine fluktuierende Zusammensetzung der gottesdienstlichen Großgemeinde. Die Größe und die.. Unbeständigkeit der Gemeinde erschwerte dem Rabbiner die innerliche. Persönliche Fühlungnahme. Die große Synagoge dieser Art rückt den Rabbiner der Gemeinde nicht nur räumlich fern. Die Unverbundenheit mit der Gemeinde nimmt dem Rabbiner dieMög- Kräftigung und verschafft daS vorzügliche, billige, wohlschmeck Es gibt wohl kein einfacheres, bequemeres und angenehmeres Mittel; keines erfreut sich einer gleich großen und nneincreschränklsn w:s 'omalz. Neben der Hebung des Krn siegest: hls tritt fast immer eine * auffallende Besserung des Aussehens Auffrischung ende Biomalz. Gründliche ein. Man fühlt sich geradezu wie verjüngt. Mit keinem anderen Kräftigungsmittel kann man bessere Erfolge erzielen WaS nehmen die Aerzte. Alle Ersatzpraparate utib Erfenmittel erzielen nicht bi« Wirkung. lvaS Appetitanregung und Kräftigung aniangt, wir Biomalz. In meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz besonders zufrieden. I>r. K. in Cd. mit Biomalz. Meine Frau hat Biomalz sehr gern, besonders in Bier, genommen, und es war eine erfreuliche. namentlich sehr rasche Gewichtszunahme und blrwendeS Aussehen erfolgt. br. mscl. W. Biomalz hat sich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüglich bewährt. Or. Frhr. v. B. PrerS einer Dose Biomalz 1.90 Mark, mit Lecithin 5 Mark, mit Eisen (für Blutarme urrd Dlsichsücheige) 2,20 Mark, mir Kalk extra (Mr Lungenleidende) 2,50 Mark. Hoffmanns Biomalz-Schokolade Tafel 6V Pf. Ausführliche Drucksachen kostenfrei von Gebx. Patermann. Teltow-Berlin H. ■ w w w w v V W 9* «f «vtwvviv?«fVVV9t«tf99IOVlVl«9NV9V99899|^^^«««o«««| PM«« Etflca MinhM „ier Xwsttrkeiler »»«»MW »»«•»*» MMMI »w •0 " MAksg i für Me a.»r - MM WM Nauen er Srrasie 11 /12 - H. Mevs - Telephon 2043 IKERSTEN & TUTEUR, I nTi»/» TO/vVja/i &cuf J%cuüf cCes* TTlacfen Ihi^zzgc^ftrWJe 36, äc&z Otä/lbttcr^iraJ^c ßr modusche ^kuTvm&kJdunq TKCeide* ÜÖäiefen Uacfcen££eu£er Tndrvt&C Peüce /Lute ü/trL&cnKinen, llrites’/cfecdknQ Sj'tn'.LQrdcCLS^taciifjjuq j£5jjfdr%ic^i(£cLrrjn, CcJbe &&nJec*'irX2J°?& führcrtdiri QejchrpJzdciLQualäät^ f urusm&LcÄt tn. dbrCLuimraftZ J