Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- Seite 801 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Motz leine Ausführungen mit dem Bekenntnis, daß er nicht Haß, sondern Liebe Predigen wolle, und eintrete für volle Humanität gegenüber allen Ällenschen. Pirmasens i. d. Pfalz hat unseren hervorragenden Mitkämpfer, Heren Professor Dr. G o ld st ei n , jüt den Borabend der Wahlen gebeten, vor breiteste OessentlichkeiL über das Judentum als. Kasse und Nation zu sprechen. Dr. .Ludwig Holländer, Direktor des C. V., hat in den letzten 14 Tagen verschiedentlich in Verlir?, ferner in BrmsEschweig, Stettin, VieLefelD, Krefeld, &imbuve, Frankfurt atu Main, Wiesbaden, Augsburg, München und Nürnberg die deutschen Juden an ihre Pflicht gemahnt und auf die besondere Bedeutung der Neichstagswahlen für das Vaterland und für uns hingewiesen. Aus Wunsch unserer Freunde in Chermritz sprach in einer vom Jugendverein cinberuseuen Versammlung unser Hauptvorstandsrnitglied. Justizrat Kirschner (Berlin), vor der jüdischen Gemeinde über das Thema: ..In letzter Stunde." In Hamburg sprach der bekannte Leipziger Philosoph Hans Driesch auf Einladung des C. V. im großen Hörsaa! des Völkermuseums über „R a s s e n und Menschheit"' und wies tu geistvollen Ausführungen nach, daß der Antisemitismus nur auf dem „Anderssein" beruhe. Diesem „Anderssein" werde das Rassenkleid tmgego-gcn: dm genreiniames Ideal europäischer Ethik müsse die Brücke bilden Zu einem srnchtbaren Zusammenarbeiten. Es liegen uns Zurzeit noch keine abschließenden Gerichte aus den einzelnen Landesverbänden vor über die von dort eingoleitete Verjammlungstötigkeit. ChsssiöifchL LegSnökK. Der Chassidismus sollte für den uuvorelngenommcnen europäischen Betrachter doppelte Bedeutung haben: als Manifestation ostjüdischen .inneren Lebens und als tue letzte große religiöse Bewegung des Abendlandes überhaupt. „Um die Milte des 18. Jahrhunderts von Podolien und Wolhynien ausgehend, um die Jahrhundertweude die Judenheit Oes ganzen polnischen Reiches www Nordvstungarns und Oer Moldau umfassend, seit der Dritte des 19. Jahrhunderts un Geist zwar erstarkt, aber noch heute als .zahlenmäßig mächtiges Gebilde st'st bestehend" (Buber). ist nur erstaunlich wie cd dem die fernsten Negerkulte in seine Kreise cm* beziehenden Westen - b\i in die. r.euefte Zeit fast ganz verborgen .bleiben konnte Vor allem dem deutschen Nachbarn! Erklärlich aus den sattsam bekannten unsachlichen Tendenzen; zum Test aber auch aus Orr schweren Zugänglichkeit der Quellen jener Bewegung. . Dieser EnJchuldigungsgrund gilt nicht mehr seit Martin Vubers verdienstvoller Sammlung und Darstellung der chassi di scheu Dokuurente. zumal sie von ihm. in vollendeter, von jeglicher esoterischen Bröteutwn freien Form dargeboten werden. Der , td}ön 1907 er* schien-enen „Legende des Baulichem^ ließ Vnbcr neuerdings die Ee- Ichichtsn aus dem Leben. Oes bedeutendsten unter den. Jüngern des Stiftersfolgen,. nämlich des „großen Maggid" (d. i. Predigers) Rabbi Döv Bär von Meie ritsch und dem Leben seiner Schüler und Schülerschüler (M. Buber, „Der große Maggid und seine Nachfolger", Frankfurt o. MI, Verlag Rülten u. Üoerüng). Den Legenden gibt ~Det Herausgeber ein fafx hundert Seiten um- I fassendes Geleitwort mit. in dem Sinn und Schicksal der Lehre sowie! ihrer Verkünder, der Zaddikim (d. u Gerechten), in großen Zusamrnerchängen ausgedeutet wrrd. Man-möchte diesen Liefen und weiten Hintergrund, als Folie nrcht missen, aber Buber hat die aus Volksbüchern und persönlichen Mitteilungen geichöpften Anekdoten mit einer so bezaubernd klaren iLirnplizität erzählt, daß sie schon durch sich selbst als bedeutende menschliche und religiöse Dokumente wirken. Psychologisch interessant geistvoll pointiert mögen fie freilich nicht sein; man muß sich innerlich daraus etwa so einstellen, nne aus die Fioretti des Iran^von Aifissi, sich entspannen wie ber den Gieichuissen des Tjchuang-Lie oder auch bei der ruhevollen Prosa des späten Stifter. Dann aber wird man — wie bei den Chinesen oder bei Stifter —- erstaunt inne, welche Lebenskraft auch m dem Sanften wirkt, welche Glur auch der „edel reinen Wachskerze" eignet, aus wieviel Widersprüchen selbst der Geschlossenste zummmengesetzt ist und was für ein Stolz auch aus der Demut des Auserwühlten blüht. Zn solchem Sinn gelangt nur. wer die Welt einmal bejaht und durchdrungen hat. „E'ne große Weltfreude m Gott" erfüllt denn auch dte Seele des Maggrd und seiner Nachfolger. Getreu der Weisung ihres Meisters Baak schein erfüllen sie ihren Dienst m Der Welt bis zur Todesstunde. Mal um Mal rmt dem Fremden rmgend und es Mal um Mal ernlebenO rn den Dienst des göttlichen Namens. Ohne aut das Fremde, das Böse loszufchlagen. sondern, wie des Maggid Sohn Abraham ''ck)erzt. nach dem Muster des Preußenkönigs Friedrich, rn strategischem Rückzug auf die göttliche Urkraft! Der wahre Femd der Hemmende, ist ja gar nicht der unbedenklich frohe Sünder, dessen urkrästiges Behagen an seiner Sündhaftigkeit einmal das Herz des Rabbi Jakob Jizchak mit Freude übermaltigte, sondern der grämlich schwermütige und vor allem der gehobene Mensch, der den Schwachen beschämt. ..Beschäme ich dich?" iprach der Zaddi'k, „so muß ich dich um Vergebung bitten. Sollte mans denken, daß hier von dem Lubliner Rabbi nur cm Sprung zu Fontane ist? ..Die Juden haben ein Ge'etz oder einen Spruch, wonach es als ganz besonders strafwürdig gilt, einen Mitmenschen zu beschämen. und ich finde, das ist ern kolossal kemes Gesetz/' Also steht m „Frau Jenny Treidel" zu lesen. Noch „seiner" aber, als was Oie Zaddikun lehren, ist. wie sie leben, was sie find.. Wundervoll konzentriert kommt das Zum Ausdruck durch d:e m einen Satz gepreßte Anekdote des Rabbi Leib. der. dem Lame der Gewässer folgend, über die Erde wanderte. um die Seelen Lebender und Torer zu "erlösen: „Daß ich zum Maggid fuhr, war nicht, um Lehre von ihm zu hören: nur um zu sehen, wie er die Schuhe ausziehr und wie er sie schnürt." Es ist das Verdienst Bubers die Legenden von den 17 „Gerechten" Io ausgewählt und Oargestellt zu haben, daß ihr Wekeu und Weg sich darin ausspricht und zum mindesten un Umriß manchmal sogar der ganze Ausbau eines Lebens sichtbar wird. Da ziehen sie an uns vorüber, wahrhaft remdrandteske Gestalten der einsam Verzückte und Oer erdnahe Volkstümliche, der Deuker und der Vergewaltige, der wundersame Narr Gottes und der praktische Organisator,, der Seher und der Helfer, trotz individueller Prägung doch alle verbunden durch das große Erlebnis der „Umkehr"; äußerlich wohl isoliert un östlichen Ghetto und doch .in große Raum-, und ZLUzusammenhänge hinemgestellt. aut jener Länderbrücke von Osten nach Westen wo —- gerade tn dem halben Jahrhundert der Ausbreitung ihrer Lehre, von Friedrich ll. bis zu Napoleon, dessen Triumph uns Sturz der Rabbi Israel aus das Jahr geweissagt haben soll — Kämpfe um Sein oder Nichtsein von Nationen lobten wie das Ringen von Brust gegen Brustaut,dem Steg über die Beresina. Eine wundermme Ironie der Geschichte: aus den blutgetränkten Schlachtfeldern des Nationalismus sproßt jene seine Blüte ostjüdischen Seelenlebens. - Kern Wunder .daß sie aus diese m Boden ntdjt dauernd Kraft zu ziehen vermochte. H a n s P o e s ch e l München), Kranke welche eine fettreiche Nahrung brauchen, haben in Ramogen d<e idealste, telchtbekörnmhchste Kost Druckscnriiten unverbindlich und frei durch Deutsche EUlSIchwerke A.~G., Sviingenberg (K.). i I I MAwelT AKT.' <3E sT AJNZ£Q^Vi/EINQRSNWERE} u.l.lKÖ^rAB^iK ^MAJNZ. - BERLIN S.W. 66. UNOENSTR.^ TEX^QÖHHQPfL 697+> vaysi&yssy. m-ffia MW mmmt WM VTEI>IBRAMI> FABIAN OIE DEUTSCHE UIERT-ZI6RRETTE