Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1924-12-12 · 50 (12.12.1924) · p. Seite 796

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
Seite 796 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277464-2277513--01697-2280969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von NrthliL SchiveeLnee „Die Stunde der Abrechnung, der Vergeltung und der Reinigung". um in der Sprache der „Deutschen Zeitung" zu sprechen, ist vorüber. Die Schlacht ist geschlagen. Auch der böswilligste Gegner wird dem deutschen Judentum und dem Centralverein nicht vor-- werfen können, daß es sich während dieser Wahlschlacht in der Etappe herumgedrückt hat. Der Centralverein war in Front, von: Anfang bis zum Ende des Wahlkampfes in erster Linie, in Kampffront. Seine Führer waren überall da zu finden, wo sich der Kainpf am stärksten um das Panier des Judenhasses zusammenballte. Seine treuen Mitarbeiter im Lande traten in der Aussprache den gefehrlichsten Rednern unserer Gegner entgegen und zeigten der Zuhörerschaft mit großem Erfolg, was w a h r ist, und w t e der deutsche Jude ist. Doch . nur eine kleine Ruhepause ist den Abgekämpften gegeben. Das äußerliche Hakenkreuz liegt zerschmettert am Boden, aber die Hakenkreuzgesinntlug lebt rn der zweitgrößten Parier des Reichstags fort. Also — kern Endkamps, Freunde, soll hier geschildert werden. . von dem man sagen könnte, er leite eine Periode beschaulicher Ruhe ein. Der gigantische Endkamps der ersten Dezembertage kann nur der Anfang zu neuem Ringen für unser „Deutschtum und Indent u m" sein. Unserem Rufe, die Mitglieder des Centralvereins einige Tage vor dem 7. Dezember in Ortsgruppenversammlungen zu sammeln, um in dem Letzten an die Stelle von Wahlmüdigkeit Kampsesstimmung treten zu lassen, wurde in selbstverständlicher Disziplin gefolgt. In Berlin und anderen großen Städten hatten diese Kundgebungen unter dem Motto „Verfassung oder Entrechtung" auch große Massen von Nicht-Centralvereinlern angezogen, weil die Kundgebungen umrahmt waren von künstlerischerl Darbietungen. Im Westen Berlins sang u. a. Frau Bindernagel von der Staatsoper, im Osten konnte ein sechzehnköpsiges Orchester mit der Erstaufführung eines religiösen Musikwerkes „König Davids Harfe" anfwarten, das Stürme der Begeisterung entfesselte. Zündende Ansprachen unseres in seinem Kampfesmut vorbildliü-en Vorsitzenden, Justizrat B r o d n i tz, Packende Darlegungen Wählt,^>aitfch--emokratksch l" «; XXIJ. ' SdjjrUienoiritUSHpell« fl, Derlla SD lt. ."Dernvurze? Hlratz«!4» -' L L». «. Tn.». H. Derllo SV S? mmm WM «WWW mm ME. mm mwm mm Abbildung 1, der Herren Landgerichtsrat Stern und Dr. Solon, auswärts führende Gesangsvortrüge des Herrn Oberkantor Neustadt, ein von Dr. Kübler meisterhaft vorgetragener Weihespruch u. a. gaben den Veranstaltungen des Centralvereins eine Weihe, . daß man die Synthese von Deutschtum und Judentum Lies innerlich erlebte. Wer sich tn ernster Sammlung über die Bedeutung des 7. Dezember für das Schicksal der deutschen Juden klar geworden war, der brauchte erst eine geraume Zeit, sich aus den widerlichen Wahlkampf der vereinigten Jrrdengegner umzustellen. Daß d:e Völ - k i s ch e u die Gosse zu Hilfe nehmen und ihre Propaganda aus den s ch a m l o f e st e n Schmutz einsteüen würden, war uns schon der der Reichstagsauslösung klar. Für selbstverständlich hielten wir es weiter, daß die Deutsch nationalen stark in Antisemitismus machen würden, um die radikalen Wulle-Schäflein in den deutschnationalen Stall treiben zu können. (Der Wahlausfall hat gezeigt, daß das zum Teil gut gelungen ist.) Die wenigen m " uns, die an die gute Kinderstube der Deutschnationalen geglaubt hatten, wurden brtter enttäuscht. Wie schlecht muß es beispielsweise um die Agitatwnskraft der Deutschnationalen Partei gegen die „Deutsche demokratische Partei" bestellt gewesen sein, wenn die Epigonen eines Grasen Posadowski und eines Delbrück ihre Zuflucht zu einem Schandflugblatt: „Wählt D a i L s ch - d e m o k r a t i s ch " haben nehmen müssen. (Wbilduug 1.). Ein Berliner Blatt hat recht, rvenn es den Leuten, die von der Stunde der „Reinigung" gesprochen haben, ins Stammbuch schreibt, daß man so etwas Schmutziges und Erbärmliches, wie die Methoden der gemeinsam operierenden Gegner von links und rechts während dieses Wahlkampfes in Deutschland noch nicht erlebt habe. Der feindliche Generalstab habe nur noch mit Gasangriffen arbeiten lassem Keine Zitatensälschung ser zu plump, keine Lüge zu dumm, keine Verleumdung zu schmierig gewesen, als daß sie nicht in fabrikmäßiger , Massenproduktion erzeugt und trommelscuerartig in die Massen geschleudert worden wäre. Was tausendmal widerlegt wurde, sei zum t a u s e n d u n d e r st e n Male w i e d e r g e k e h r t, als ob nichts gewesen wäre. Eine totgeschlagene Lüge sei sofort durch ein Dutzend neue ersetzt worden. Planmäßig sei der Versuch unternommen worden, jede sachliche Auseinandersetzung zu ersticken. Wer einen Blick auf das Bild wirst, das ein zweites in Millionen von Exemplaren verbreitetes Flugblattschandmal der Deutschnationalen zeigt (Offizier, Michel und Jude), muß sofort erkennen, daß die Deutschnationalen jedem Kampf mit geistigen Waffen aus dem Wege gehen und an die Stelle des Geistes elenden Schmutz setzen. (Abbildung 2.) Bedauerlich und schmerzlich ist es, daß die Deutsche Volkspartei an manchen Orten nicht genügenden Wert daraus gelegt hat, daß ihre Agitatoren von dm Lockungen des Judenhasses sich nicht einfangeu ließen. Dieselbe Volkspartei, die.in einem Flugblatt „Nationale Real pol rtik oder Illusion?" mit tausend guten Gründen gegen die Völkischen zu Felde gezogen ist, hat sich zum 'Beispiel mr ,,Göttinger Tageblatt" gefallen lassen, daß auch für ihre Liste mit folgender Begründung eingetreten wurde: Die Revolution des 9. November war, wie Spengler sagt, die größte Dummheit, welche die Deutschen jemals gemacht haben, oenn sie reißt uns völlig in den Abgrund. Sie ist schuld, daß die -Deutschen als das dümmste Volkin der SGelt verschrien sind, ein Volk, das zugunsten einer Anzahl Stellenjäger, Schieber, Prasser und Juden freiwillig in die Sklaverei geht, für jeden Fußtritt dankt und jeden Ehrgefühls bar ist. .. Der Untergang Deutschlands, dem wir seit sechs Jahren entgegentaumeln, würde besiegelt fein. Die Franzosen, die Juden und die jüdischen Börsensürsten in New Port, welche uns die Dawes-Ketten nm den Hals gelegt haben, würden triumphieren. Bei der Reichstagswahl muß jede Stimme der vaterländisch-national gesinnten Wähler und Wählerinnen denjenigen Parteien zu fallen, die m den Wahllisten unter den Nummern 2, 5, 6 und 11 verzeichnet sind. Ter Wahlkampf steht unter der Parole: National oder international! Gerade wir. die wir uns vor Verallgemeinerungen sorgsamst hüten, weil das deutsche Judentum unter diesem Uebel stark zu leiden hat. haben das m-oralisckze Neckst, flammenden Protest dagegen zu erheben, daß die Volkspartei sich nicht gescherzt hat, dem Judenhaß in ei ne m so, übl e u Flug b l a t t N echnu n g z u t r a g e iv w re w r r es unseren Lesern zeigen könne n. Wnkragen diejenigen in der Leitung der Deutschen Volkspartei, die nichb nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.