Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- Seite 795 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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795 V-m SDefsn der fü Zischen ,.NslksgsmsiKde"^ Von einem genauen Renner der ostMifchen FuftLnde erhLllen wir den folgenden Aufsatz, den wir hm so eher uerösfentLichcn, «ls er kür die bevorstehenden Wahlen Z u nt prcußischen Landes« verband Indischer G e m e i n d e n wertvolles Material enthält. Die S ch r i f t l e i t u n g. Obwohl die Zrsniston m\to Nütronaliften versicherNv daß mn der Nrmv.andLung der bestehenden jüdischen Gerrremde m eine V ii I f § g e m ß inde das Wohl und die Zutun ft des Judentums irnd der Judercheit abhLnge, halnen sie es bisher uuierlasseu, in ihren deutschen Organen uns näher hierüber cmfZMaren. Es ist nicht Zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß sich die Zionisten selber über diesen praktisch so wichtigen Punkt ihres Programms nicht mt klaren sind. Für die meisten genügt es, daß der Punkt zmn Programm gchöve, also einen integrierenden Bestandteil des Zionismus bilde. Und Max Nordau, der es ja wissen umßte, hat ja schon vor mehr als eirrem Vierteljahrhunderh Mrfichert: „Das Judentum wird Zionistisch sein, oder es wird nicht sein!" Wer also das Judentum will, muß auch d-en Zionismus, demnach auch die „Volksgemein de" wollen. Die Forderung der VoWMnei-n.de wurde zuerst auf der Petersburger zionistischen WelkkonferenA im Sommer 19/.7 gc-narc formuliert und seither hat sie Geltung. Uber über diese Konferenz brachten die mntlicherr zimüstischon Organe in deutscher Sprache nur sehr unvollständige Berichte. Die „Volks- -gezne'mde" ist eigentlich eine Forderung des toufequenLen jüdischen ■)l ationalismus, welcher in pDaktischer BeKiLhu-ng von der inächtigsten Fraktion im - Zionismus vertreten wird, nämlich den P o a it - Zioni st c u (Arbeider-Zionistens, die in Afrika, in Osteuropa und in Palästina ausschl-aggellend sind, und in j^zug «nf Siedlmrgsarbeit und OrHanisation m Wirklichkeit das meiste in der Partei geleistet baden. Innerhalb des deutschen Zionismus, tritt der Koale-ZisrNZmus weniger in den VovdrrgruAd. Jur ersten Jahr nach dem Kriege, als die Zionistisch-NQtivüaliftisth? Flut chochging, hatterr di? Hoake-Zionisten ihr ^HauptorMN für ErnDpÄ in WLew, es hieß: „D e x j ü b r s ch c Arbeite t*. Die Partei besaß mehrere Zweigniederlaffungm in %kxlm und in mehreren Städten Deutschlands und stand mit der entsprechenden Organgstion Amerikas in engster Verbindung. Das genannte Organ vertrat am energischsten die Forderung der jüdischen nationalen Autsrwwie. der ..Volksgeurernde" und der des „jüdischen Kongresses". Im Dezember 191-8 veröffentlichte das Blatt eine Reihe von ProHvamMnrtikelm Der Artikel in der Nummer 2Z vom 13. Dezember hat die Iwöerschri-fft „D i -e N u f g a b c n it n serer Genossen i n d t x K e h i l l a." Wir wollen die Hauptsätze Wiedergaben: ,Lüas müssen unsere Censsten in der Kehilla durchsetzen? Wir - brarrchen wicht erst Zu betonen, daß rms-em V-ertrepr kein Kompromiß rmt irgendeiner bürgerlichen Gruppe ein gehen dürfen oder WuneZu sondern sie müssen eure konseqiNnte jüdiM-sozialisLischs Politik treiben; den Kampf, 'den wir seit Jahren gegen die waitionärL .^hillaLZ-erw-M'Ung führen, müssen unsere Genossen jetzt in das JmZer-L der Boratungssturbe hiueintr-agen. In ollen unfern Erklarr-MWn und ständigere öffentlichen 'VersLnr.mIungeu müssen wir den religiösen Charakter der jüdischen Gemeinde bekämpfen, mir muffen die Forderung einer demo-kratischen, ivEtlichen Volks ge me i n de vertreten. Tie Migrös-en Äuge- ' legenheiten müssen aus dem Programm der EeMeinden außscheiden, sie dürfen nur Privat fache des einzelnen oder der Gruppen werden, welche ein Interesse und ein Bedürfnis wach ÄckWm; h-abLN. Mögen die Fronunen für sich - Bereite Gründen, rmr die Nübbiner, DaMwM, ShuagVgenLiener und die ganze heilige Sippe ausAuhalten. . SLLer jener Teil der jüdischen VoMmafsen, und insbesondere dos jüdrßhe PvoLeLüriar. die Lein Interesse für Religion , f) aben, für welche die r ekigi ö sen Satzungen jeden Wext verkorev. haben, denken nicht daran, ihre wcimn Groschen unb ifyvt geringen Kräfte m Menschru und IwMtuüvrdm zu vorgeuden, welche mix dazu dienen, die Hirne der jüdischen VolMmasseu zu verfinstern und den jüdischen ArLeiter vom rrchti-Wn Weg im sran-pst um eine bessere Welt aLZu-llnÄen. An Stelle' aller dieser übers i ü f f i gen religiöse n A n ge legen her te n urüMn in das TäNgkeiksprogra-runr der jüdischen WimrsiMmr wichtige soziale und nationale AröSiten' übernmumen werden. . . Äls solche gelte-rr: Hilfe für die ünzahliMr KrieKwiiwen und -lvaiM. Leitung der GMigrMon, BesEders der EMigration nach Palästina, wo -ein RatisN'alhLLM auf gesunder Grundlage auMbant werden soll, jetmx SchafstMg jüdischer Wcüfen- 'häus-er ufto. Zunächst aber gilt es, eine beArrkratifche Mühlreform für beiLe'Geschl^hier durchzusÄH-ren/. .. Das ist klar und deutlich. Plötzlich heben danach für die Ponle-ZwnPen alle religiösen Satzungen und Institrrtimren jeden Wert verloren. Nnsiere MMruex und Lehrer, die Profeffaren cm den Lehranstaltm Kr die Wipensthrrst des JudentuMs dienen mir dazu, die Hirne der WdischeL! VoWuraffen Zu .Derftnstern und den jüdischen Arbeiter vom richtigen Wege im KanZpfe um eine bessere Welt aLzr-!lenken. Alle religiösen AttgeleMcheUen sind auf eüMal übErflüssig geworden; die jüdische! Gemeinde darf sich mit ihnen nicht mehr b-esMen; sie hat jetzt die Aufgabe, die Auswünderrmg der jüdischen Massen nach Palästina Zu lenken. In dem hier dargelegteu Süme forderte das gcnmmte Blatt eine rastlose AgitaLion in"Wort und Schrift; „So werden mir endlich, die Gemeinde den Händen des kleinen Häufleins von Versorgern lParnofsim) eritrerßen, die Gemerndeaugolegenhelten nwrden in Zir-- krmft das ganze Volk iulereffieren, das Volk wird dadurch reif mexbzn, die deumkratische, weltliche, jüdische V o l k Z g e rn e mr d e aufzubauen, die die Grundlage unserer nationalen Autonomie bildet . . Jedes Wort der- Erläuterung oder der Kritik Zu diesem Programm wäre überflüssig. Es war nur nötig, es ausführlich darzulegen. Diese „n aLionaLe Üutono nt t e", als bmn Grundlage die jüdische „Volksgemeinde" gedacht ist, bedeutet Zweierlei: ein jüdWer Staut im Staate soll gegründet mib in diesem jüdischen Staat soll die Lrenmmg von Staat und Kirche durchgeführt werden, wie eZ der wirkliche der uichtjüdische Staat gemacht hat. Da es aber eine jüdische „Kirche" eigeuilich nicht gibt, so soll die jüdische Religion aus der repräsentativen jüdischen Körperschaft, der Gemeinde, also mis dem Judentmm lstnanögenwrseu werden. Welches llnheil, welche Gefahr die ,,Bv lks gemeind e" für alle religiösen Richtungen innerhalb des JudenftunZ bedeutet, ist klar. Wer es mit dem religiöseu Iud eu t u m gn L meint, wird daher die Propagierung der „Volksgemeinde" rrud alle, die sie mehr oder weniger offen erstreben, entschieden be^ kämpfen müssen. „VörökLchTS gegen öss VsLevlaKL". S i e v e r l t u in d e n und verzichte n a n f den SB a h r h e i t s b e w c i s. Wir haben türKich schon berichtet, daß Arthur Wollnzihrt wegen seiner Behauptung, die jüdischen Ä-erzte g-mgen planrnäßig damit uw, das deutsche Volk Zn verseuchen und "§u vergiften, und cs seien Ta-usende von Fällen bekmmt, in denen jüdische Aerzte deutsche Frauen und Mädchen mißbraucht hätten, verurteilt worden ist. Wir Bringen aus der nunmehr voriiegenden schriftlichen Urteilsbegründung folgende bemertenswerwu Sätze: „Der ZUngeklagte hat übe r h a u p t rr i ch t d e n Säersuch gemacht, den Beweis für die Wahrheit seiner Behauptung gu erbringen, sich vielmehr lediglich in der Redewendung bewegt, daß dies ja allgemein bekannt sei. Er mußte daher nach § 186 St. G.B. bestraft werden. Er ist emschlägiZ wegen BelLidigung der züdifthen Richter'mit einer geringen Geldstrafe vorbestraft, die, als sie ihm vorgehalten wurde, er Zu belächeln nicht mKerlafsen konnte. Eine Geldstrafe, die er überdies schwerlich aus eigener Tasche bezahlen würde, war daher nicht am Platze, es mußte vielmehr auf eine Freiheitsstrafe erkannt werden, die der Schwere der Beleidigung anzupassen war. Z'rr der hcrrtigen Seif, die gebieterisch ein einiges derrtsches Bslt vrrlarrgt, und in der Einigkeit des Bottes rnrs bitter net int, stellt sich esWe derartige Verhetzrmg, von der bis znm Pogrom gerade noch ein Schritt ist, direkt als ein Verbrechen gegen das BMctimiü Var. Das war dem Anactlagtcrr nachtzrüFlich zre Gemrite Zn führen." Mil dieser Begründung hat das Gericht auf eine Srvap von drei Monaten G e f ä n g n i s erkannt. Noch ein zweiter völkischer Verleumder mußte die ganze Haltlosigkeit seiner leichtfertigeri Verleumdungen Zugeben, in dem Augenblick, da man von ihm einen Wahrheitsbeweis verlangte^ Der völkische Schriftsteller T a n z m a n n in Hellerau bei Dresden hatte am 12. April in der völkischen Zeitung „Reichswart" in einem Artikel mit der Ueberschrift „Der Fall Arnhold, die sächsische Steuerpolitik und die natimmleu Parteien^ nicht nur gegen den Inhaber des Bankhauses A r n h o l d ^Dresden), sondern auch gegen den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Grad n a uex schwere Beleidigungen erhoben. So hatte er u. a. behauptet, daß zur Zeit, als Dr. Gradnauer Ministerpräsident war, die staaLlichen Arsenale von Radeöerg geradezu an Arnhrüd verschenkt worden seien. Dr. Gradrmuer erhielt von diesem Aufsatz erst im Juli Kenntnis und stellte Strafantrag gegen Tanzmann, schloß sich auch dem Verfahren als Nebenkläger an. Tanzmaun gab bei dem Versuche eines Vergleichs eine ganz ungenügende Erklärung ab und sollte nun den WahrheiWörweis für seine Behauptungen bringen. Tanz m a n u v e r z i chtete a b e x a u f de rr V er jn ch, w ei! er W a h r h e i t s b e w e i s e ü b e x * haup t n ich t b e f a ß, sondern hielt nur eine Rede mit lauter leeren, phrasenhaften Entschuldigungen. Dr. WolMng Heine, der Verteidiger Dr. Gradnauers, nannte in ferner Verteidigungsrede die Handlrmgsweise -des Angeklagten eine bewußte Verlemndung, bezeichnete dessen Judenhaß als „bormTeidenswürdiKe 'GeisteNrauksistck^ und stellte fest, daß Lanzmann die ganze Haltlosigkeit der fraglichen Vehauptungru schon vorher durch den Dresdener Rundschau-Prozeß gekannt haben muffe. Der StaatbünwM betonte gleichfalls, daß die Fassung des Artikels auf einen hämischen, persönlichen Angriff schließen lasse. Es sei der volle Beweis für d r e q ä n 31 i ch e U n b g r ü n b c 11) e i t des schwe r e n Vor w u x fserb r'a ch t u n dein o n Wahrheits - Leweis habe der Angeklagte nicht einmal angetreten, geschweige denn gebracht. Tanzmann wurde zu^1000 Mark Strafe oder 20 Tagen Gefängnis sowie zur Tragung aller Kosten verurteilt.