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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-12 · 50 (12.12.1924) · p. Seite 793

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
Seite 793 (sequence 5)
Language
German
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Lund den Spuren Pöhn-ers solgt und in einem'von Justizrat ' v. Zezschwitz gezeichneten Aufruf trotz einiger Vorbehalte ' hegen d ie n a L i o n a lle Z u v e r l ä f s i g k e i t d e r Deuts chn akion alen den Anschluß an diese Partei erklärt. .H.Diesen allzu menschliches Zugen in der „Adels-, Offiziers- und.Doktoren Partei" läßt sich'auch bei dem proletarischen Flügel, der "unter der Führun g Hermann. Essersdie Großdeutsche VolL-sgemeinschast gebildet tzüt,- ein ergötzliches Gegenstückgegenüberstelleu. Der aufmerksame 'Leser der seinerzeitigen Berichte über den Hitler-Prozeßerinnert sich noch, wie als Zeuge der persönliche Adjutant Hitlers.'der?Freibankmetzger Ulrich Gras, auftrat und den einen der Verteidiger, Rechtsanwalt Holl, Zu dem. pathetischen- Ausruf - hinriß: „So stelle ich mir die deutsche Treue vor." .Graf wurde von der Esser- 'Pärtei als Kandidat für die gleichzeitig mit den Neichstagswahlen vorgenourm-enen Münchener Stadtraiswahlen. aufaestellt. Kurz 'darauf berichteten die völkischen..Blätter, daß er unter Einwirkung Ludendorfss feine Zustinnnung hierzu widerrufen habe, um 'wenige Tage nachher zu melden, daß er auch diesen Widerruf wiederum widerrufen habe und doch kandidiere, und das Wahlglück war ihm hold, so..daß er in den Münchener Stadtrat einzigen wird. Wirklich, so stelle ich mir die deutsche Treue vor. Der Umstand, daß die G r o ß d e u t f d) c n bei den Stadtr a ts w ah l e n eine eigene Lifte aufstellten, während sie au den ReichsLagswahlen sich nicht beteiligten, gestattet Einblicke in die Stimmenzahlverschieüung, aus denen man mit ziemlicher Sicherheit .fol-gern kann,, daß rund 6000 Anhänger Essers bei der Reichs- LagZw-ahl für die Kandidaten - d-er Gr oßde wischen gestimmt haben. -Das sind die Früchte völkischer Erziehung. Wie sich die Genre indem aMen an anderen bayerischen Orten auZgewirkt haben, läßt sich im Augenblick noch nicht übers-chen. Zumal an vielen Orten die unter dem Namen „Nationale Wahlgenreinschaft" gebildeten bürgerlichen Koalitionen auch die Völkischen mir umfaßt haben. Im ganzen darf man sagen, die Völkischen als Partei sind Zerfallen. D e r H i t l e r - Ge i st i st a b e r n o ch l a n g e n i ch t t o t, er wird-weniger laut und aufdringlich, aber als eine der Erwähnung kaum werte Selbstverstaudlichkeit in den Parteien der Rechten gepflegt, die von dem völkischen Zusammenbruch den Gewinn ge- - zogen haben. Und diese viel weniger faßbare, in weiten bürgerlichem Kreisen zum guten Ton gewordene Judenfeindschaft auszurotten, ist die viel mühevollere Arbeit, die unser in den kommenden Jahren harrt. W. Levinger (München). Nürnberg. Nachdem es der katholischen Kirche gelungen war, einiges von den Überläufenden Wassern der völkisch kochenden bayerischen Volksseele in. Südbayern anfzusangen, war das protestantische Nordbayern die Hochburg der Hakenkreuzler geworden. So kenuZei-chuen die Maiwahlen zum Deutschen Reichstag über 54 600 Stimmen des Völkischen Blocks. , Allein die. Sozialdemokr-atische Partei mit T± 600 Wählern konnte diesem-.Ansturm standh-altsn. Alles andere wurde dewg-cgSNüöer zerriebene Mitte. - - . . Nach dem vorläufigen Ergebnis der-- jetzigen Wahlen hat sich nun das Bild in N ü r n borg wie folgt verschoben: - Parteien Reichstagswahlen 7. XII. 1924 Reichstagswahlen ' 4. V. .1924 Abgegebene gültige Stimmen 214 416 209 293 Kommunisten .... ... . . A. S. P. D. . . « . . . Sozialdemokratische Partei . Deutsche demokratische Partei . . Bayerische Volkspartei . . . * « « . Deutsche Volkspartei . . .. . . » . Bayerischer Mittelstandsbund . . . . Bayerischer Ba'uernn. Mittelstandsbund DeutschrmLionale Volkspartei . . . . Völkischer Block . . . . ... . . Frettvtrifd)aftöbunb. ..... . * . Äufwertungs- und Sparerpartei . . Häußerbund . . . V « » . > . Nepüblikanische Partei. . * . , « . Zentrum . . . . » -? » > 15 701 858 87 212 . -14161 16112 2 474 13 680 3 307 34 501 22 797 357 2 703 - ' 148 28 069 1213 71 851 7 846 13 365 ■> 917 13 531 15 280 54 461 443 104 368 1'844 Die Völkischen haben also auch hier über die Hälfte ihrer Stimmen verloren, die im wesentlichen den Deutschnatienalen, aber auch den Parteien der Mitte zugute kamen. Ebenso ist cs auf der anderen Seite der Sozialdemokratie gelungen, fast die Hälfte der früher tomm-uuistlfchen Stimmen Zusich -herüberzureisM; im ganzen -also ein Ergebnis, das mit-den: im übrigen Reich ziemlich'übereinstimmt: Abstoßung Dev extremen Flügel und Bildung zweier starker Kern« Parteien'. Es wird von der inneren geistigen Kraft der anderen Parteien abhangen, ob es ihnen gelingt, sich vor dem Schicksal, Zu bloßen Trabanten hcrabzusinken, zu bewahren und Deutschland'damit vor dem parlamentarischen Bürgerkrieg zu retten. In mancher Hinsicht interessant ist das abweichende Ergebnis Der Geme'mdewahlerr in Nürnberg, die gleichzeitig mit den Neichstagswahlen in ganz Bayern stattfanden. Parteien Gemeiudewahlen 7. XU. 1924 Reichstagswählen 7. XII. 1924 Abgegebene gültige Stimmen 205 235 214 416 Kommunisten.. 11. S. P. D. .......... . 14 421 15 701 932 858 Soziat0emotratische Partei. Deutsche demokratische Partei .... 80 400 12 865 87 212 14161 Bayerische Volkspartei . . . . . . . 14 587 16112 Bayerischer Btittelstandsbund . . . . 16 840 13 680 Bayerischer Bauern-- u. Mittelstandsbund -- 3 307 Deutsche Volkspartei.. — 2 474 Deutfchnationnle Volkspartei . . . . — 34 501 Völkischer Block.. . . 22 797 Bol ksgc met n schaft S chlv arz-W ei stllto t . 31 554 — Äufwertuugs- und Sparerpartei . ° . . 2 029 2 708 Streicher .. 24 972 — Gastwirte.. , . 712 — Cüristlicher Volksdienst ...... 5 027 — Die Liste der Volksgemeinschaft Schwarz-Weiß-Not rechnete mit den Stimmen der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und des Völkischen Blocks. Sie war außerdern verbunden mit der der Bayerischen Volks Partei, des Bayerischen M i t t e l st a n d s b n n d e s , der A u f w e ttungs -> u n d Sparerpartei und des Christlichen Dolksdienstes; obwohl sie vom Völkischen Block unterstützt war, ist es ihr nicht gelungen, die Stimmen der Völkischen Zu bekommen. Diese wählten den Lokaldomagogen Julius Streicher, über dessen menschliche und Politische Eignung sich sein Gesinnungsfreund Holzwarth jüngst im „Völkischen Echo" deutlich genug ausgesprochen hat. Von allgemein Politischer Bedeutung ist dieses rein örtliche Begebnis der Wahl Streichers nicht, zumal gegenüber den Reichstogswahlen im Mai, bei denen er noch brüderlich Hand in Hand mit den Männern des Völkischen Blockes ging, auch er über die Halste seines. Anhangs verloren hat. Der-Nürnberger Stadtrat wird ähnlich wie der bisherige Reichstag künftig mit schwankenden, Mehrheiten Beschlüsse fassen müssen. Zlksamrnenfassend ist das Ergebnis nicht nur nach dem Zustand der erreichten ZusanunenWung -der Parlamente zu würdigen. Zeigt es ja auch 'gewisse EntwicklmW- - kirnen für die Stimmung der Nürnberger Bevölkerung, einmal.in dem Abstrom der extrem radikalen Wähler Massen 'zur' Deutschnationalen auf der einen, Zn der Sozialdemokratischen Partei aus der anderen Seite, dann aber auch in dem seit Jahren Zu beobachtenden langsamen aber stetigen Anwachsen der Bayerischen Volks- Partei und vor allem in der Mprozentigen Erhöhung der demokratischen Stimmen seit den Maiwahlen. . m. Der fimzpmagmpfy m öer Schlaraffia. ' Ein völkischer R e i n s a l l. Grundfalsch u u d frei e r f u n b e it, so charakterisiert das amtliche Organ der Vereinigung „A l l s ch l a r affi a" die von der Zeitung des „Hakenkreuz" bzw. „Der lftationalsozialist" in die Welt gesetzte Groteske, nach welcher die Schlaraffia nur eine Art Vorhof im j ü d i s ch - f r e i m a u r e r i s ch e n Weltorden ist, ein Gcheimverband, der ein blindes Werkzeug in den Händen raffinierter Juden sei. Dabei hat es kaum je eine Vereinigung gegeben, in deren Reihen grundsätzlich jede Erörterung konfessioneller oder Politischer Fragen satzungsgemä'ß so unmöglich gewesen ist wie in der Schlaraffia, .die vor 65 Jahren in .Prag von Künstlern und Kunstfreunden gegründet wurde, lediglich zu dem harmlosen Zweck, Freundschaft, Kunst und Humor-zu pflegen. Die Zahl der jüdischer! Mitglieder dieser Vereinigung dürfte kaum den der Bevölkerung,szisfer. entsprechenden Prozentsatz überschreite!!. Von. den bei jeder Graduierung abzuckegendeu V-erschwiegenheitseiden hat außer, den Völkischen kein Sterblicher je etwas erfahren. Und weshalb die verleumderische Erfindung des ganzen Märchens? Weil beim 10. Konzil der Allschlarasfi-a in Heidelberg i-m vergangenen- Sommer die von einem tonischen, natürlich bayerischen „Reiche"- versuchte Anregung, den Arierparagraphen emzuführen, auf allgemeine Entrüstung st Pst und e i u st i in m i g z u r ü ck g e lv i e s e n wurde. ' Dr. I. L. .

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