Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 49 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- Seite 775 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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775 SpKKgsgen-Vorrräge» Rabbiner Dr. Jacob in Mülheim (Ruhr). Schon wiederholt ist in dieser Zeitung, zuletzt von Herrn Rabbiner Dr. Straßburger in Ulm, darauf hingewiesen worden, von welcher großen Wichtigkeit es ist, unsere christlichen Volksgenossen über das Judentum in religiöser und anderer Hinsicht leidenschaftslos und sachlich a u f z u k l ä r e n. Von Rabbiner j Dr. Paul DRieget. (Stuttgart, früher Braunfchweig), von Herrn Rabbiner Dr. Jacob in Dortmund, von Herrn Professor Wölbe in Berlin und anderen sind Anfklärungsvorträge in Synagogen über das Judentum, hier und da verbunden mit Besichtigungen, vorgenornmeu worden. Mit besonders großem Erfolge hat unser hochgeschätztes Vorstandsmitglied, Herr Rabbiner Dr. Jacob, am Bußtag in der Synagoge v o n M tfe i h e i m (R u h r) einen Vortrag über „D ieZe h n Gebote" gehalten. Der Bortrag war nachmittags um ^6 Uhr angefetzt, und als eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrages die Pforten des Gotteshauses geöffnet wurden, war die Synagoge sofort überfüllt. Die Zahl der Besucher, die wohl annähernd 80"Prozent aus christlichen Kreisen kennen, wird auf 800 bis 900 Teilnehmer geschätzt. Einer großen Anzahl konnte der Zutritt nicht mehr gestattet werden. Herr Rabbiner zDr. I a c o b führte in feinem einundeinhalbstündigerr Bortrag folgendes aus-. Der in Preußen als Bußtag eingerichtete Weihe tag sei ein besonders passender Termin, nun sich mit dem Herzstück der Heiligen Schrift/dem allen Nationen und Religionen zürn Gemeinbesitz gewordenen Dekalog, einmal näher Zn befassen. Seine große Popularität verdanke "er der Wertschätzung eines Au-g,u.stm und L-ucher, die von ihm als dorn Herzen des gesamten Gesetzes gesprochen hätten. An dieser allgemeinen Wnrdichnng hätte auch'die moderne Kritik und das Vorgehen eines dmrtschvvlkischen Antisemitismus nichts ändern können, der allzugern das kostbare Gut des Alten Testaments als einen fremdartigen orientalischen Einschlag in unserem Kulturleben abtun und an seine Steile eine neue Germanenbibel setzen wolle. Er sprach zunächst von dorn im ersten Gebot geschlossenen Bund zwischen Gott und der Menschheit weit über alle territorialen und nationalen Schranken hinaus, setzte die Energie des göttlichen Gesetzgebers in dein Bestreben ins rechte Licht, jeden Bildkult in einer rein geistigen Verehrung völlig ans- Zuschalten, und widmete der Einrichtung des göttlichen Ruhetages nach den sechs Tagen der Arbeit warme Worte. Hierdurch erst werde die Freiheit des Menschen und seine Erhebung über sklavische Fron in einer sozialen Großtat ein für allemal dokumentiert. Das Gesetz der Elternliebe bilde den Uebergang von der Religion zur Moral und stelle die einzige von Gott gewollte Abhängigkeit des Menschen dar. Wenn die nun folgenden Gebote der Nächstenliebe in lapidaren Worten ohne jeden erläuternden Nachsatz daständen, so wollten sie die Achtung des Menschentums unter genauester Kenntnis des Menschenherzens unter den Gesichtspunkt der Gegenseitigkeit stellen und die Normen geben, die zu einen: Bestände einer Letzensgememschast einfach unerläßlich seien. So gaben die zehn aus zwei Tafeln ausgeschriebenen Gesetze des alten Bundes die Grundnormen von Religion und Moral als ein ehrfurchterweckendes GotteZwerk und zeigten, daß Religion nnd Moral als sich ergänzende und bedingende FaLkonm unzerr-eißba-r zusawMNHchmckerr irrud nicht v-onernander zu trennen seien. Der Dekalog sei nicht allein für das Volk Israel gegeben worden, sondern er mache die Sittlichkeit zu einem Gemeinsitz für alle Welt und für alles Volk. Die Gebote seien nicht der autonome WiÄensausdruck des Menschen, sondern die Sittlichkeit trete hier als gottgewollter Wille an die Menschheit heran, indem sie der einzelnen Perfönttchkeitt erst ihren wahren Adel aast drücke. Ninchdrucksvoü stehe das Gebot der Elternliebe als Angelpunkt, des ganzen Dekalogs in der Mitte, von ihm aus gebe es ein Aussteigen Zu Gott und ein Hinabsteigen zum Menschen. Nie und nimmermehr forme Menschenwitz das ideale Gotteswerk dieses Dekalogs aus den: Leben verdrängen, geschweige denn durch etwas gleich Imponierendes oder Gleichwertiges ersehen. Die gewaltige Zuhörermenge Lauschte den Worten des Rabbiners in andächtiger Ehrfurcht. Dis gpsnmdsleiter. W o ch e n b e t r a ch t u n g. „Und er träumte, und siehe da, eine Leiter stand aus der Erde, und ihre Spitze reichte gen Himmel, und siehe, Engel Gottes stiegen an ihr auf und mWderst Welcher Jüngling hätte nicht den gleichen Traum geträumt, wie einst der jugendliche Jakob! . _ Himmelwärts strebt der Jugend Blick. Sie glaubt, die Sterne mit den Händen greisen zu können. Doch wie bald folgt die Ent- 'täuschlMig-? Die einen-verlieren den Boden unter ihren Füßen, indem sie glauben, die Erde nach dem Himmel zu gestalten, das Himmelreich auf Erden schassen zu können. 'Andere wieder kehren, das Vergebliche ihres Bemühens eingehend, ganz zur Erde zurück und lachen und spotten des Himmels. Uns e r I u de rt t u rn f ch t ä g t, w t e a u s ) o v i e l e n Gebiet e n , a n chh i e v d i e g o I d e n e Nt i >t t e I * st raß-e ein. Es steht mit festem, sicherem Fuße ans der Erde. Es vergißt niemals, daß der Mensch eben der Erdensohn ist, daß irdische Wünsche und Vegehreu ihm eingop stanzt sind. Es läßt dern Irdischen sein Recht. Gewiß ist diese Erdenwett nur wie eine Vorhalle zu einem herrlichen Palaste. Aber diese Vorhalle ist für längeren Ansenth-alt und längeres Warten eingerichtet. Gewiß ist diese Welk mir wie der Nüsttag'znm Sabbat der Ewigkeit. Aber auch der Rüsttag ist ein voller Taumit S-ormc-ns,chün und Btüt-eng-lanz. Unser Jnd-cmurn stcht nrrf der Erde und schaut Zinn Himmel! imd wartet seiner. Hiuunel nnd Erde sind ihm nicht getrennt, keine Gegensätze. Beide sind von Gc-tt geschnssen, verschiedene ^Stufen des Göttlichen. Eine Leiter führt vom Himmel zur Erde. Es gibt eine Verbindung zwischen beiden. Das Himmlische läßt sich herab und tut sich der Erde kund. Es gibt eine O fs e n 1> a r u n g. Des Irdische steigt empor, vo-erur auch recht langsam und allmählich. Es gibt eine V ml l e u d u na. ... Engel Gottes steigen auf m\h nieder. Das Göttliche im Menschen steigt chmpor in Liebe und Güw und treuer Pflichterfüllung. Das Hirmnil-ische steigt hernieder in Gnade, Berzeihu'Ng und Barne- Herzigkeit. Jakob erwachte von seinem Schlafe, sagt die Schrift, nicht von .seinem Traume. Er muß also nach seinem Traume wieder in festen Schlaf versunken sein. Und doch war die Wirkung des Traumes so stark, daß er sich seiner erinnerte. Ist es nicht auch uns, seinen Nachkommen, so ergangen? Durch Jahrtausende haben wir ihn geträumt, den göttlichen Traum von der Himmels!eiter, und. waren glücklich, und dieser Traum war unser Leverd. Nun kam die neue Zeit. Wir gbanbten zu erbrachen, aber nein, wir waren fest eingeschlafen. und hatten den- Traum und damit unser Glück und wahres L-obe.ns.ziel vergessen. Möchte es uns doch gelingen, gleich Jakob zu erwachen und uns der vollen Bedeutung unseres Traumes zu erinnern. Dann tritt eine Wendung ein in 'unserem Lust. Wir singen das Lied des Aufstiegs auf der Himmelsleiter und freuen uns auf neuen Göltestraum. Hoff m a u n. SiO's Hämorrhoiden, plagt dich die Galle Sckft du vTLftYvfr. wird d!r dein Feit zur: Luft, Bad H o su* g e r Salz!) ü H in $ e e tu Fülle, vorausgesetzt d « du das e^te h a ft. verlange aber stets das OerginaLprodukt, hergefteM aus dem derühurteN Slifrivethrn - Brunnen. Heilquellen G. m. b. H., Bad Homburg. Anzeigen -Annahme Kudolf 33So ss©, Aa2oi§ea-Aanahaie für sämtl. Zeitung*©» ÖeutioliUad» üo» Berlin 8>V rs, Jerusalemer Straße 46-49 /Breslau / Chemnitz I Dresden! Tüssetdors / Ersurt | Franks urt a. M. j Halle (Saales / Hamburg I Hannoysy ilcUi a. Rh. j Leireoi Magdeburg j Mannheim / München [ Nürnberg i Stuttgart / Amsterdam / Prag | Wien / Budapest / Warschau ( Basel | Zürich. r\ t §»€i^©ti mg^keigagfi Wfomif CfiSSp"