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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-04 · 49 (4.12.1924) · p. Seite 774

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
49 (4.12.1924)
Date
1924-12-04
Page
Seite 774 (sequence 10)
Language
German
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774 Wir Sanken schön! Der „Völkische Kurier" lobt den C. V. Der Münchener „Völkische Kurier", das führende süddeutsche Blatt der nationals ozialistischen Freiheitsbewegung, berichtet (Folge 252 vom 29. November): „Der ZentralvereindeutscherStaatsdürger jüdischen Glaubens ist eine Organisation, von deren Existenz in der Tagespresse selten etwas verlautbart. Dieser VereKn (er hieße richtiger der ,,Verein der in Deutschland lebenden Angehörigen -der jüdischen Rasse zur Vertretung ihrer Interessen") tritt in den letzten Jahren zielbewußt und mit großer Energie für die Belange des Judentums in Deutschland ein und ist seiner ganzen Natur nach ein Todseind jeder deutschvölkischen Bewegung. Wo immer er eine Position des Judentums durch Aufklärung über jüdisches Wesen gefährdet sieht, bringt erin allen gelesenen Zeitun gen Gegenerklärung em die den Angriff abzuschlagen suchen, hat auch in Verfolgung seiner Ziele in letzter Zeit mehrfach die Hilfe der ordentlichen Gerichte in Anspruch genomnren, meistens mit Erfolg. Er betont grundsätzlich, daß die deutschen Juden genau so gute Deutsche seien als alle die anderen Deutschen, von denen sie sich lediglich durch ihr religiöses Bekenntnis unterschieden, mimt also eine verfolgte Glaubensgemeinde. Aus diesen alten jüdischen Trick pflegt der „gerecht denkende" Michel gewöhnlich prompt hereinzufallen. In diesen 'Bahnen bewegte sich auch die Rede des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Weil (Berlin), die er am Montag abend im Zoologischen Garten (in Frankfurt a. M.) über das Thema „Die jüdische Internationale" vor einer Versammlung von schätzungsweise 2000 Juden hielt. In außerordentlich gewandter und durch die Form bestechender Art führte er aus, es gebe usw." Nur eine kleine Anmerkung, wir sind nicht von vornherein „der Todfeind jeder deutschvölkischen Bewegung". Sofern völkisch arbeiten -das Bestreben bedeutet, eine Volksgemeinschaft aller vaterlandAiebenden Deutschen herbeizuführen, Einfachheit in Lebensführung, Redlichkeit im Handel und Wandel zu betonen, die Schätze deutscher Literatur und Kunst zum Gemeingut aller zu wachen, dem verstaubte Städter Wald, Wiese und Feld zu erschließen —- werden die jüdischen Deutschen mit Herz und Hand dabei sein. Wenn aber völkisch, wie leider bisher, nichts weiter enthält als zügellosen Judenhaß, dem jedes Mittel von der Verleumdung bis zur Maschinenpistole recht ist, das deutsche Judentum unterschiMos zu bekämpfen, werden wir allerdings jedes erlaubte Mittel einsetzen, um solcher völkischen Bewegung mit der größten Entschiedenheit zu begegrren. Um des Judentums, mehr aber noch um unseres deutschen Vaterlandes willen. Sonst wären wir nicht wert, Port deutscher Muttererde getragen zu werden! Eine Ioröeeung völkißher Lehren. Die „Entjndung der christlichen Kirche". Der Bund völkische« Lehrer Deutschlands hat neun .allgemeine Grundsätze ausgestellt, deren letzter lautet: „Wir bejkämpfen keine Glaubensgemeinschaften, legen uns auf keinen kon- 'sesfionellerr Standpunkt fest; wir verlangen aber von unseren Mitgliedern, daß sie für die Entjuvung der christlichen Kirche einjtreten!" - Es wäre neckisch, zu wissen, was mit dieser En-Ljudu-ng der christlichen Kirche eigentlich aemeint ist. Soll der Stifter der christlichen .Religion aus der Kirche und aus den heiligen Schriften verbannt .sein, oder sollen die heiligen Schriften als jüdische GeistesprodukLe sin Acht und Bann getan werden? Oder soll der Glaube an einen einzigen Gott Überhaupt als ein „jüdisches Machwerk" durch Beschluß des Bundes völkischer Lehrer außer Kraft gesetzt werden?! Wir beneiden nicht die völkischen und deutschnatio- ..3inlen Pastoren, die mit diesen „Gesinnungsgenossen" parteimäßig Zusammengehen und denen durch solche Forderungen die Fundamente abgegraben werden, auf denen sie ihre -religiöse Tätigtest cmsüben. M t . £. T' ' r In einem Flugblatt der Deutschnationalen Volkschar Lei Nr. 247 lesen wir die wundervolle Stelle: Nicht anders als Marxisten und Atheisten wenden sich die völkischen Splittergruppen von der Kirche ab. Sie verleumden den -Apostel Paulus als „Phrasendrescher", „TollhauZler" und „Satan s- ' apoftel" und rufen: Los vom Christentum, los von Christus, denn fbeide sind vom Judentum nicht zu trennen! ' Die Deutschnationalen erleben jedenfalls an den Völkischen innerhalb und außerhalb ihrer Partei, die nur durch ihre Unterstützung .so einflußreich geworden sind, Helle Freude. Die Schlange im Mosenbeet! >. Achtung! tVahlfthwknöeN Die „jüdischen Mitbürger" werben für die Demokraten. Schon zur Zeit des Kaiserreiches tauchten kurz vor den Reichstagswahlen F l u gblätter u n d Inserate auf, in denen sich nicht nennende „jüdische Mitbürger" ihre „Glaubensgenossen" auf* forderten, unbedingt für die Deutsche demokratische Partei ein- - zutreten, weil dort „ihre jüdischen Interessen" am besten aufgehoben seien. Dieser plumpe Schwindel wurde auch bei den Nationalersarnnelun>gswahlen angewendet; ebenso bei den jimgsten Bürgerschaft sw ahllen in Hamburg, und jetzt sind wiederum" L n einer Berliner Druckerei Plakate bestellt worden, die den gleichen -oder einen ähnlichen Lügentext enthalten. Obwohl wir annehmen, daß ein halbwegs vernünftiger Deutscher aus solche elende Fälschung, die übrigens tageshell den politischen Anstand gewisser rechtsstehender Kreise beleuchtet, niemals hereinfällt/seien diese niedrigen Versuche hiermit zur Warnung an den Pranger gestellt. Wir machen aber auch diejenigen, die dieses schmutzige politische Fälschergewerbe treiben wollen, darauf aufmerk, faan, daß es den Bemühungen des Centralvereins bei den NationalVerfamlmluri'gAwahlen gelang, einendieserSchwindlex namentlid) sestz u st e l l e n und ihn den Gerichten zu übergeben. Er wurde zu einer exemplar i s ch e n S t r a f e bau r teilt. Vielleicht wirkt - wenigstens diese empfindliche Strafe abschreckend. G Min, keine „jüdischen" ßäljchungen. D a s B i l d v o n d e r H e l d e n g e d ä ch t n i s f e i e r. Die „D eu t s ch e Z e r tu n g" bellt einmal wieder die bösen Juden an! Die „Mundo Argentino", so berichtet sie (Nr. 549), eine illustrierte Zeitung, habe zwei Bilder veröffentlicht, in dem einen sei der bekannte „Deutsche Tag" in Halle in den fünften Jahrestag der deutschen Republik umgesälscht worden. Das andere Bild zeigt im Mittelpunkt einen evangelischen Geistlichen im Ornat. Ihm folgen Chargierte in Wichs und ein Zug schwarzgekleideter Mümrer mit Zylinder. Außer Zweifel: die Aufnahme der Beerdigung eines evangelischen Akademikers, der, zum besseren Verständnis folgender Text beigegeben ist: Während der Erinnerungsfeier der jüdischen Gemeinde im Friedhof von Weißensee zum Andenken an ihre im Kriege gefallenen Glaubensgenossen. Soweit die „D e u t s ch e Z e i t u n g", nachdem sie in einer giftigen Schlußbemorlung die übliche judenfeindli-che Schimpferei losgeworden ist. Der Zufall ist ein neckischer Geselle. Die^SchUdmmcht", die Bilder-. beilage des „Friderüuö" veröffentlicht die beiden Bilder mit den entsprechenden hetzerischen Fußnoten. Was das erste Bild anlangt, so haben wir uns in dieser Zeitung damit, weil'außerhalb unseres Arbeitsgebietes liegend, nicht zu befassen. Im zweiten Bild aber ist der „evangeli sch e Geistliche" der bekannte Berliner Rabbiner Dr. G o t t s ch a l k vom Friedenstempel in Berlin-Halensee, die Chargierten sind K. C.er und andere Wische Studentenverbindungen und die schwarzgekleideten Herren in Zylinder sind die stattlichen Reihen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der zusammen mit der jüdischen Gemeinde die Heldengedächtsnisscicr in Berlin-Weißensee abhielt. Worin liegt, gute „Deutsche Zeitung", die Fälschung? Urrd was ist an dieser Fälschung „jüdisch"? Wir müssen leider auf Grund vieler bitterer Erfahrungen diese verhetzende Methode nicht deutsch, wohl aber deutschvö lkisch nennen. Merkt's Euch, Ihr Irrüustriellen! „Wirbekäwpfen denKapitalismus." In einem für die nationalsozialistische Freiheitsbewegung vom Reichswart (Graf Ernst. Reventlow) herausgegebenen Flugblatt Nr. 10 heißt es: > . . . Eine Lüge ist die Behauptung: die nationalsozialistische Freiheitsbewegung bekämpfe die kapitalistischen Juden, nicht aber einen von Deutschen geübten Kapitalismus. Im Gegenteil haben wir stets betont und bestätigt, daß wir den Kapitalismus bekämpfen, wo und wie auch immer verkörpert er vorhanden ist, ob deutsch oder jüdische Eine Lüge, und zwar eine sehr dumme,-ist d^halb auch die Behauptung: Die. nationalsozialistische Freiheitsbewegung habe Geld von deutschen oder jüdischen Kapitalisten erhalten. . . (Und die 20 000 Dollar von den „deutschen" Nürnberger Industriellen? Die Schrift!.) Zu den Maiwahlen und besonders im Jahre 1923 sollen schwerindustrielle und Großgrundbesitzerkreise namhafte Summen Hitler und seinem Anhang zugesührl haben. Diese Quellen sind ersichtlich versiegt, und es bestehen für die Nationalsozialisten keine Anstände, sich offen als Bekämpser des Kapitalismus zu empfehlen. Ob die mecklenburgischen Großgrundbesitzer, v. Graefes Freunde, nicht darüber ein schiefes Gesicht ziehen werden?

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