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Central-Verein-Zeitung · 1924-12-04 · 49 (4.12.1924) · p. Seite 771

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
49 (4.12.1924)
Date
1924-12-04
Page
Seite 771 (sequence 7)
Language
German
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Me den Wafjltampft Die Conti und Bazille sollen lieber mit ihren albernen Stammcheorien mäuschenstill sein. Fest steht nur. daß die deutschen Juden, die mehr als tausend Jahre im Westen Deutschlands sitzen, stammäßig weit mehr Recht haben, sich wirkliche Deutsche zu nennen als solche völkische und deutschnationale Führer, die kaum seit einem halben Jahrhundert in Deutschland wohnen. $0 000 2000. N ernhold Wulles Rechenkünste. Der „Amtliche preußische Pressedienst schreibt: Zu dem eisernen Rüstzeug der Rechtspresse bei ihrer Arbeit gegen Minister Severing gehörte von je das Schlagwerk von , seiner Protektion der o st j ü d i s ch e n Einwanderung. Enbsprochend der Siedehitze, in die sich allmählich die radikalen Redner bei den Reichs tags w ahw e r f amu llungen Hineinreden, wächst in ihren Köpfen auch die Zahl der von Minister Severing nicht etwa nur nach Deutschland hineingelassenen, sondern sogar auch noch naturalisierten Ostjuden ins Phantastische. Herr Wulle von der Deutsch- .Völkischen Freiheitspartei hat es sertiggebracht, in einer Wahlversammlung zu behaupten, daß Minister Severing „in einem Jahre 90000 Ostjuden naturalisiert habe!" Diese Ziffer, die sehr deutlich zeigt, was ein rechtsradikaler Agitator seinen Hörern zumuten kann, macht mm natürlich schleunigst die Runde durch den Teil der rechtsradikal eingestellten Presse, dem jedes Mittel in der Polemik gegen den preußischen Innenminister xecht isst Um diesen Lügen und Entstellungen entgegenzutreten, hat Minister Severing dem „Deutschen Tageblatt", das als erste Zeitung in seinem Bericht über die Wulle-Rede die Ziffernangabe dieses Redners brachte, die folgende Pressegesetz liche Berichtigung zugehen lassen: „Es ist unwahr, daß ich in einem Jahre 90000 O st - juden naturalisiert habe. Wahr ist vielmehr, daß in Preußen eingebürgert worden sind: im Jahre 1921 insgesamt 6963 Ausländer, davon fremdstanunig-e O st ausländer 757, im Jahre 1922 insgesamt 10 895 Ausländer, davon fremdstämmige Ostausländer 638, im Jahre 1923 insgesamt 17 847 Ausländer, davon fremd- Mmmige O st ausländer 309. Die Zahlen der Einbürgerungen des Jahres 1924 stehen noch nicht fest, jedoch halten sie sich noch unter den im letzten Jahre .Eingebürgerten/' Statt 96 609 nach Angaben Wulles also höchstens 2666 in den letzten vier Jahren eingebürgerte rem d stämmige Ost auslände t", die sicher wieder auch nur zu einem Teile Juden sein werden. So sieht es mit diesen und 'ähnlichen schwindelhaften Angaben über den „Ostjudenzustrom" aus! Daß solche Feststellungen die Deutschnationalen und Völkischen nicht Andern, täglich in Zeitungen, Flugblättern und Versammlungen unterschiedslos über den gar nicht vorhandenen Zustrom der „ostjüdischen Ausbeuter" herzufallen, wundert einem nicht bei Parteien, die nicht zuletzt mit ihrem Rassenantisemitismus auf die Instinkte der Gasse spekulieren. Die Schwindeleien über das Zrankfurter israelitische Krankenhaus. Der völkische Agitator Windmeier verurteilt. Unsere Leser erinnern sich vielleicht einer Notiz in dieser Zeitung aus dem Jahre 1922, wo wir berichtig haben, daß ein antisemitischer Agitator G u st a v Windmeier in Frankfurt a. M., damals Herausgeber eines antisemitischen Wochenblattes und Wanderredner des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, in öffentlicher Versammlungen einer Reche von Orten Hessens und Hessen-Nassaus fob-. gendes Märchen erzählte: Er sei Antisemit geworden-, seitdem er als Insasse »des Dereinslazaretts des israelitschen Krankenhauses irr Frankfurt a. M. im November 1918 mit angshört habe, wie ein anderer jüdischer Lazarettkranker beim Tode eines christlichen Dienstmädchens geäutzert habe: ^Schadet nichts, wieder ein Christenschwern weniger auf der Welt." Er, Windmeier, habe sich sofort wegen dieser Bemerkung beschwerdeführend KU die Aerzte, Saniitatsrat Dr. Günzburger und Dr.-Ansbacher, gewandt; diese aber hätten sich gegenseitig angeschaut, gelacht und seren fortigegangen, ohne einzu schreiten. Wogen dieser Beh-auptung haben die genannten Aerzte schon im Sommer 1922 Klage bei den für die einZelnen Versammlungsorte Mstündigen Gerichten: Fürth inr Odenwald, Altkirchen (Westerwald), Ranschenbevg und LiMburg a. d. L. erhoben. Herrin Windm-eier gelang! eS jedoch immer le.ader, durch Aeugen-benennung im letzten Augenblick die HauPtvierhanidlunMn hinauZZuzichen^ di^schließlich zur ge-memsamen Durchführung nach Limburg aus Entscheidung des Reichsgerichts angeorduet wurden. Infolge der langjährigen Besetzung Lünburgs durch die Fr^rnzosen und der hierdurch sich ergebenden Cchlvierigkeiten für die Einreise der Parteien und Zeugen wurde zuletzt Frankfurt a. M. als V>erh>andlu'n.g!sort bestimmt. Am 25. November d. I. fand nunmehr die Hauptverhandlimg statt. Die Privatkl'äger waren durch llbechtsanwalt Dr. Martin M a r x (Frankfurrt), Syndikus dos Landesverbandes Hessen-Nassau des C. vertreten. Durch die Verlesung der Protokolle über die Aussagen von mehr als 20 in allen Teilen Hessens und Hessen-Nassaus vernommenen Zeugen wurde festgestellt, daß an den Behauptungen Windmeiers auch nicht ein wahres Wort ist. Dabei ist von besonderem Interesse, daß das Urteil gerade der nichtjüdischen Zeugen (Justizinspektoren, Hauptlehrer, Polizeibetriebsassistenten usw.) über den Eindruck der Versammlungsreden Windmeiers dahin ging, daß seine Rede „einen durchaus tiesstehenden, ja gemeinen Eindruck machte"- „daß man etwas Derartiges an Judenhetze nicht für möglich gehalten habe", „daß die Rede eingegeben war von artsgesprochenem Judenhaß", und ähnliche scharfe, abfällige Aeußerungen. Nach mehr als dreistündiger Verhandlung wurde Windmeier wegen vier selbständiger Vergehen der üblen Nachrede und eines Vergehens der Beleidigung zu je 75 und 20 Mark, also insgesamt 320 Mark Geldstrafe verurteilt. Bei der Begründung des Urteils erklärte der Richter wörtlich, die Verhandlung habe den Eindruck ergeben, daß der Angeklagte sich die von ihm verbreiteten Behauptungen aus den Fingern gesogen habe, es sei frivol, angesehene Aerzte in einer Weise zu kränken, wie dies durch den Angeklagten geschehen sei; für den der Beleidigung Zugrunde liegenden Vorfall sei auch nicht der geringste Beweis erbracht. Schließlich wies der Richter darauf hin, wie gefährlich das Treiben des Angeklagten gerade in kleinen Orten hätte wirken können. Wenn es nach der Rede Windmeiers in einem der kleinen Orte zu einem Pogrom gekommen wäre, Hütte der Angeklagte die Verantwortung für das strafbare Handeln der Täter auf sich geladen. Heuchelei. Die Partei Halb und H a l v. In der „D e u t s ch n a t i o n a l e n W a h l z e i t u n g f ü r D o r * Pommer n" (Nr. 1 vom 19. November d. I.) findet sich eine Notiz „Die Juden", in der unter anderen Verleumdungen sich folgende befindet: „Die Verarmung der Völker ist ihr Gewinn. Die Banken, die jetzt am Londoner Abkommen verdienen, sind sämtlich jüdisch (größte: Kuhn, Loeb u. Co., New Jork). Auf die 720 Millionen, die „ Deutschland nur erhält, muß es 120 000 Millionen dem internationalen Judentum hingeben." Wer hat die infolge des Dawes-Planes fällige Anleihe von 800 Millionen für Deutschland besorgt? Folgende Bankhäuser: I. P. Morgan, National City Bank, GuaranthTrust Company, Bankers Trust, First National Bank of the City of New Nork, ferner die Bankhäuser Harris F o r b e s u. C o. und Kuhn, Loeb u. Co. Nur die letzte von all den genannten Vanksirmen hat jüdische Teilhaber. Die führende Firma unter diesen Banken I. P. Morgan gilt als ausgesprochen judengegnerisch und hat weder jüdische Teilhaber noch jüdische Angestellte. Und zweitens. Vom 29. August bis 21. November sind noch nicht drei Monate vergangen. Die kleinsten Kinder wissen es, daß daS Da-wes-Gutachten, das die An leih? zwang-läufig h-erbeiführte, von der Hälfte der D eu t s ch n a t io n a l en angenommen wurde. Warum also diese schändliche Heuchelei? Daß die Hälfte der deutschnationalen Neichstagsabgeordneten etwa jüdisch ist oder im jüdischen Solde steht, wie es immer so schön heißt, wird doch wohl selbst der dümmste Vorpommer nicyt glauben wollen? & Der Münchener „Völkische Kurier" ist aus dem Häuschen. Selbst der frühere Reichskanzler Cuno, den die Völkischen als einzigen bisher gelten ließen, hat bei einer Universitütsseier in Hamburg die Worte gebraucht: „Das Da wes-Gu lachten sei ein Versuch in der richtigen Linie". Empört fragt das nationalsozialistische Blatt, ob -das der Kanzler war, von dem ein Teil des nationalen Deutschland die Befreiung aus französischem Joche erhoffte. Diese seine Worte erklären, warum er den Ruhrkampf a.bdrosieln ließ . . . (Folge 250. 27. November.) Also ist wohl auch C u n o schon der Scherge des „jüdischen Großkapitals."

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