Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 49 (4.12.1924)
- Date
- 1924-12-04
- Page
- Seite 770 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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flu$ dem WatjKampf! Die Pflicht öes -Zutschen Juden. Von R ei ch s t a g s k an d id at I u sti z r a t Falk (Köln). Vor dem Kriege . hätte ich es sür ausgeschlossen gehalten, daß ich Jemals in einer Jüdischen Zeitung zu Wahlzeiten und zu Wahlzwecken meine Stimme erheben könnte. Ich bin mir stets der Wicht bewußt gewesen, die ich dem Judentum schulde; zwischen Judentum und Wahlen zum Deutschen Reichstag bestand aber sür mich niemals ein innerer oder auch nur ein äußerlicher Zusammenhang. Leider muß ich heute erkennen und bekennen, daß ich mich in dieser Ausfassung getäuscht habe. W i r Juden haben besonders auch im Kriege und nach de.m Kriege unsere Pflicht gegen Volk und Vaterland in vollem Maße erfüllt. Wir haben uns von niemand an Opferwilligkeit und Hingabe an die deutsche Sache übertreffen lassen. Und doch macht sich in unserem Vaterland ein Judenhaß geltend, der uns, um das Wort Jacob Löwenbergs zu gebrauchen, nicht als Juden, sondern als Deutschen die Röte der Scham in die Wangen treibt. Als Juden sehen wir voll bitterer Enttäuschung, aber auch mit tiefer Verachtung auf dieses Treiben, aber gerade als deutsche Staatsbürger und deutsche Patrioten müssen wir diese moralische Entartung bekämpfen, die das deutsche Volk herabzuwürdigen und herunterzuziehen droht. Der Judenhaß schreit nach Entrechtung der deutschen Juden. Mit Bismarcks Wort: „Do lach' ich öwer" könnten wir hieran achtlos vorübergehen, wenn diese Forderung sich nicht mit' den schmählichsten Angriffen auf die Ehre und auf den sittlichen Wert der deutschen Juden verbände und aus diesen Angriffen ihre Begründung suchte. Das ist es, was mich in diesen Tagen aus die Schanze ruft: Die Ehre der deutschen Juden gilt es zu verteidigen. Die Methode unserer Widersacher ist „verwünscht gescheit". Bei näherem Zusehen erkennt man, daß sie nicht aus deutschem Boden entstanden und aus deutschem Geist erwachsen ist. Was aus den Völkischen und Nationalisten spricht, ist ein AbklatschderSchmäh ungen, denens ich dasdeutsche Volk zu unserer Qual immer noch ausgesetzt sieht. Die Stimmen im gegnerischen Ausland, dre den „Boche" oder den „Hunnen" sür alles Unglück, das über die Welt gekommen ist, verantwortlich machen, sind nnmer noch nicht zum Schweigen gebracht. Die furchtbaren Bestimmungen des Versailler Vertrages werden immer noch mit der „Schuld", mit der sittlichen Minderwertigkeit des deutschen Volkes begründet. Der „Boche" der französischen Nationalisten nt der „Jude" ihrer deutschen Geistesverwandten, ^xhre zügellose Phantasie erfindet ein Zerrbild, das sie „Jude" nennen.- Alle schlechten Eigenschaften dieses Homunculus werden als „Jüdische" bezeichnet. Wir Juden werden herabgewurdigt und verleumdet. Auch das wird uns in unserer Liebe zum deutschen Vaterlands und in unserem Deutschbewußtsein nicht irre machen. Nicht um zu beweisen, daß man uns bitteres Unrecht tut, sondern aus nationalem Pflichtdie WahLspende! Grotz-Berlirwr rrnd Brandenburger Mitglieder zahlen aus Postscheckkonto des Centralvereins Berlin 115 501 (Sonderkonto), an Dresdner Bank, Wechselstube O, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, oder an das Bureau, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Die anderen Mitglieder bei ihren Ortsgruppen. bewußtsein, aus vaterländischer Leidenschaft; weil wir überhaupt gar nicht anders können, werden wir in Treue dem deutschen Volke, das unser Volk ist, dienen. Wir bekennen uns zum Deutschtum, wir bekennen uns aber auch als Juden. Verdeutsche Jude, der nichtmit ganzer Seele, mit ganzem Herzen und mit all seinem Verm ö g e n f ü r d a s d e u t s ch e V a t e r l a n d e i n t r i t t, i st e i n s ch l e ch t e r I u d e. Der jüdische Deutsche, der sich nicht gegen die Beschimpfungen des Judentums mit aller Kraft zur Wehr setzt, ist ein schlechter Deutscher. Wir wollen und müssen uns zur Wehr setzen. Das wollen wir auch bei den Wahlen, zu denen das Volk jetzt berufen ist, beherzigen. Jeder, muß wissen, daß er zu wählen hat, und muß sich prüfen, w e n er zu wählen hat. Nationalsozialisten unö DeutjchsoZiale. > Eine feine Familie. Nachdem zwischen den Völkischen in der na-tional-sozialistischon Freiheitsbewegung und -den'Völkischen in der Groß deutschen Volksgemeinde, nachdem weiter zwischen den Völkischen nationalsozialistischer Prägung und den Völkischen deutschsozialer Prägung der Bruderkamps tobt und die Führer nach dem Vorbilde homerischer Helden .abwechselnd vor das Publikum treten und den jeweiligen Gegner mit Schmühreden zu erschlagen versuchen, läßt dieser Ruhm auch Knüppel-Kunze nicht schlafen. In einem Leitaussatz seiner ..Neuen Zeitung" vom 26. November d. I. (Nr. 264) rechnet er gründlich mit den Nationalsozialisten ab. Er schreibt: „Als man endlich einsah, daß Richard Kunze nicht zu bewegen war, die deutschsoziale Bewegung der absterbenden Frerheitspartei zur Auffrischung einzuverleiben, ließ man die Maske der völkischen Brüderlichkeit vollständig fallen und suchte die jüdische Gemeinheit in der persönlichen Beschimpfung und Verleumdung des politischen Gegners noch zu überbieten. Wir erinnern nur an das niederträchtige Flugblatt im oberschlesischen Wahlkampfe mit der aus jüdischen Kloaken entnommenen Verleumdung: „Wollt ihr Richard Kunze wählen, der den Sekt aus Stiefeln gesoffen hat?" Unser Führer hat noch nicht betrunken unterm Tisch gelegen, hat sich noch nicht nach der Polizeistunde gewaltsam aus dem Lokal errtfernen lassen, hat noch nicht wichtige Aktenstücke in Lokalen sehr zweifelhaften Rufes vergessen, wie das von Führern der Freiheits- Partei berichtet wird." Danach scheinen sich ja erbauliche Dinge im nationalsozialistischen Lager abgespielt zu haben. Bemerkenswert ist, daß Kunze feine Behauptung, Wulle habe iw Jahre 1919 höhnend von ' dem Absterben der Arbeiterkinder gesprochen, aufrecht erhält, und daß er einige bemerkenswerte weitere Enthüllungen zum besten gibt. So habe Dr. Hosfmann-Ku tschke, eine andere Leuchte der Nationalsozialistischen Freiheitspartei, im Frühjahr dieses Jahres in einer Versammlung bei Dresden gesagt: „Was ist der deutsche Arbeiter, ein Kretin, meist von seinem Vater im Suff erzeugt." Und Herr v. Ramien, der in Ostpreußen im Mai gewählt wurde, hat sich nach Kunzes Angaben im Verlause eines Disziplinarverfahrens geäußert: „Ein .Lehrer hat doch nicht die Ehrbegrisfe eines Offiziers." - ,, Die nZuöeutschZn Longobaröen. Bazille und Conti. In der Berliner völkischen Bewegung spielen seit langem die Gebrüder Conti eine gewisse Rolle, die Halbdeutsche sind, da ihr Vater Vollblut-Italiener war. Aus entsprechenden Hinweis entgegneten sie, sie seien aus edlem l o m b a r d i s ch e n^oder longobardischen Blute. Dieses schöne Beispiel hat schule gemacht, und der d e u t s ch n a t i o n a l e w ü r t t e m b e r g i s ch e Staatspräsident Bazille, dessen Vater ein Vollblut-Franzose war, der nach seiner Gefangennahme im Kriege 1870/71 in Deutschland verblieb, läßt nun durch seine Getreuen verbreiten, er sei ein Longobarde, weil nämlich die Familie Bazille von Oberitalien nach Frankreich eingewandert äst. Da die Longobarden um das Jahr 570 von Deutschland nach Oberitalien wanderten, so sei Bazille danach ein Longobarde bzw. ein Deutscher. Es ist richtig, daß das longobardische Blut ursprünglich germanisches Blut war. Seit dem Jahre 570 aber, also seit 1% Jahrtausenden, hatte es sich millionenfach mit welschem Blute vermischt, mit dem Blute der Benetianer, Florentiner, Römer und anderer italienischer Städter. Somit gehören die Longobarden seit Hunderten von Jahren denr Volke an, das mag auch der Friede die Wunde langsam vernarben lassen, an dem Unglück Deutschlands mitschuldig ist Hätte Italien im Jahre 1914 seine beschworenen Bundespslichten erfüllt, so hätte voraussichtlich der Krieg einen ganz anderen Verlaus und keineswegs einen für Deutschland ungünstigen genommen.