Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- Seite 756 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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756 Der MtkZMpftr.; (Sin Wahlfondsgedicht. Paul Ehrlich als Menjch uuö Mbmter. Von Rabbiner Dr. H. Auerbach (Göttingen). Wenn hier ein Freund unseres C. V. die poetische Geißel gegen eine bestimmte Art vor: Mitgliedern schwingt, — wir sind sicher, wie der letzte Vers sagt, daß nur ganz wenige „solcher" MitkLmpser in den C. V.-Reihen vorhanden sind. Die Schriftleitung. „ . . . Und was verschafft mir den Besuch?" Der junge Mann sagt seinen Spruch Von Ehre, Abwehr, Opfersinn — Sein Gegenüber hört nicht hin. Die Sache dauert ihm zu lange, Bedenklich zwackt er sich die Wange Und — jedes Wort steht wie gemeißelt —* Ön Strenge den C. V. er geißelt Mit den bekannten, ernsten Klagen: „Nun wer ich Ihnen mal was sagen, — Wir wollen hier ganz friedlich sein —, Was Lut denn schließlich der Verein? Das meiste machen sie verkehrt, Erst neulich Hab-' ich mich beschwert. Ja, ja. Sie drucken auch Broschüren, Soll ich das ganze Zeug studieren? Ob Wnll-e oder sonst wer spricht, Versammlung . . . ich?, grundsätzlich nicht! Ich stell' mich keinesfalls heraus, Ich bleibe konsequent zu §cm?. Ich Hab' den ganzen Tag Geschrei, Die Wahl geht schließlich auch vorbei. D i e Leute sind nicht zu bekehren. Das werden Sie von jeden: hören! Persönlich Hab' ich's nie gemerkt. Die Tatsache hat mich bestärkt. Ich weiß schon. Sie sind angestellt. Und deshalb wollen Sie mein Geld! Warum denn ich?, das ist es eben, Die andern Leute sollen geben! Mich streichen Sie nur ganz entschieden! Wa — as. Sie sind noch nicht zufrieden? Fünf MGk ist heute allerhand!" — Der Jüngling hat sich abgewandt. Er ist schon lange nicht mehr dort. Das Mustermitglied zetert fort . . , Den Vorgang liest der Redakteur, Und ernst zu bleiben Mt ihm schwer. „Papierkorb!" er mechanisch spricht, „Nein, solch ein Mitglied gibt es nicht!" Der Barde. „Paul Ehrlich, als Mansch und Arbeiter." Unter diesem Titel ist vor kurzem in der D e n t scheu Verlags a n st <r l t Stuttgart ein Buch von M art h a Al a r q >n a r d t erschienen. Die Sekretärin des großen Forschers und Gelehrten schildert dessen menschliche Eigenschaften; denn er war auch als Vien sch bewnnderungsloürdig. Mit Recht bemerkt Richard Koch in der vorzüglichen Einführung, daß Paul Ehrlich nicht bloß für die Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften, sondern auch für unsere „allgemeine Geschichte" Bedeutung habe. Bescheidenheit war eine seiner hervorstechendsten Charaktereigenschaften. Auf seine wissenschaftliche Größe war er nicht eingebildet. Er war von ihr nicht durchidiumgen. Er blieb der schlichte Manu, der sich zu den niederen Ständen hingezogen fühlte. Es machte ihm Freude, sich mit den einfachen Leuten zu unterhalten. Die Droschlentutscher, die ihn kannten, halten ihn lieb, denn er sprach mit ihnen wie M'lt seinesgleichen. Wohl wußte er, daß er Gedanken bei sich berge, die für die Wissenschaft bahnbrechend wären, aber das ließ ihn nicht ruhmredig werden, sondern nur klagen: „Es wäre ja eigentlich schade, wenn so vieles, was ich im Kopfe habe, sang- und klanglos verschwände." Er half gern. Er gab jedem, der seine Unterstützung erbat. Doch war es ihm, dem Feinbesaiteten, peinlich, wenn ihm gedankt w'Nvde. Der zartfühlende und bescheidene Mann girng Tankesausbrüchen möglichst aus dem Wege und geriet bei ihnen in Verlegenheit. Ein Ehepaar trat in sein Zimmer. Die Frau stürzte Ehrlich schluchzend zu Füßen. Ihr Mann sei durch die Entdeckung des Salvarsans gerettet und wieder arbeitssahiig geworden. Ehrlich stand einer solchen Szene hilflos gegenüber. Seine Bescheidenheit ertrug sie nicht. Er drängte in seiner Seele alles zurück, was an Genugtuung und Befriedigung anssteigen mochte. Seine Mahnung, nicht darauf zu bauen, daß die Gesundung vollständig sei, und sich weiter sachärztlicher Behandlung zu unterzichen, war" die Selbstwehr der ihm angeborenen Bescheidenhei-t. Ihm, der so weich war, daß er ein Ki-nd nicht leiden sehen konnte, .und beim Tode eines Freundes in Tränen aulsbr-ach, war es unmöglich, schroff zu sein. Ans die unsinnigsten Anfragen erteilte der beschäftigiste Mensch der Welt imnuer liebensroürdige Antworten. Cr stellte geringe Ansprüche an das Leben; er vernachlässigte sich. Außer der Zigarre, die er nicht entbehren konnte, gönnte er sich wenig irdische Genüsse. Aus die Diaetel-Leucon-BröicheR, unbegrenzt haltbare Weissbrötchen, ärztlich begutachtet und verordnet, 10 Beutel ä 4 Brötchen M. 3,—, 100 Beutel M. 36,— franko. Diaetei-Priinärbroi. Gl-eschmack herzhaftwie richtiges Schwarzbrot. 1 Brot M. 0,75. Diaetei-Primärmehl zur Herstellung des Primärbrotes im eigenen Haushalt. 1 Beutel — 2 Brote M. 1,25, 15 Beutel M. 18,75 franko. 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