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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · p. Seite 755

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
Seite 755 (sequence 15)
Language
German
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7LL Sruöergeift! Es L«LOvf fönet BetmrmW, Laß uns nichts ferner Nest, als in diesen Spalten uns mit dem Verhältnis der Leiden christlichen Konfessionen irgendwie zn beschäftigen. Das Zi-ei der Anschrift aber erschien uns so beachtlich, daß wir sie unseren Lesern nlcht vorenthalten wollten. Die Schriftleitnng. Sehr geehrte Schriftleitung! Altem Brauche ßolgend versammeln sich am Luther-Tage überall die evangelischen Schüler um ihre Lehrer, die evangelischen Kirchgänger um ihre Prediger, um die Wiederkehr jenes Tages zu feiern, an dem Luther durch den Thesenanschlag öffentlich den Kamps um Glaubens- und Gewissensfreiheit aufnahm. Es ist üblich, dann Luthers Mannesjugend in den Mittelpunkt der Festbetrachtung zu stellen und die „Knechtung der Geister" durch das römische Dogma stark zu betonen. Jugendliche Hörer verlassen dann den Saal mit dem Bewußtsein, selbst zu Kämpfern für jenes Ziel berufen zu sein, und der katholische Mitschüler wird für sie das bemitleidenswerte Opfer geistiger Sklavenhalter, wo nicht der minderwertige Mensch. Selbst wenn der Lehrer sich bemüht, sachlich zu bleiben, schon das Zusammensein evangelischer Schüler schafft in ihnen jenes schwer zu bezeichnende Gemeinsame, das beim Dazukommeu andersgläubiger Kameraden (die s o n st widerspruchslos geduldet oder sogar anerkannt sind) in heftige und lärmende Ablehnung ausbricht. Die Reformation — so glauben wir evangelischen Christen — hat vielen Menschen zu freiem kritischen Denken und Urteilen über die Tatsachen ihres Glaubens verhöhen. Sie verpflichtet uns — so möchte ich wertersprechen — z u der Erkenntnis lt n b dem Bekenntnis, daß d e r G e g e ncha tz von d a m a l s keiner! G e g e n w a r t s s i n n mehr hat:' infolge des freier gewachsenen Geisteswesens wird uns klar, daß jede Ansicht und Glaubensform, die wie die lutherisch-evangelische vor eigner Gewissensverantwortung bestehen kann, unsre Achtung verdient, daß also der moderne Katholik nicht nur, sondern der Jude, der Buddhist und der Konsej.sionslose als unser Bruder gilt, den höhere Gemeinsamkeiten mit uns verbinden. Gewiß bleiben die Schranken der Religionsgemeinschaften, wir werden sie nicht wegleugnen wollen: doch sie ftiib nicht mehr Kampfwehren, sondern — nur, mit einem gemütlichen Bilde: die Gartenzäune zwischen getrennten Besitztümern, durch die man durchblicken, über die hinweg man sich die Hand reichen kann und die, durch eine Pforte für nachbarliche Besuche nicht zerstört, fast in ihrer Bedeutung noch betont werden. Man muß von dem Reformator auch den Mut lernen, überholte Urteile endlich zu begraben und die höhere Gemeinsamkeit, die uns verbindet, zu erkennen. Und wenn überhaupt in einer Schule mit Kindern verschiedener Religion skr eise die evangelische Reformation gefeiert werden soll, dann soll man die B e z i e h u n g dieser T a >t f r e i g ei st i g e r Männlichkeit z u r l e b e n d i g e n G e g e ritt) a r t freudig betonen und zur Toleranz — ein mißdeutbares Wort —, lieber: zum Brudergeiste erziehen, soll zeigen, wie dieser Geist in der edelsten Form nicht allein in den Gleichnissen Jesu, sondern auch in den Schriften desIudent u m s lebt. Dann bauen wir mit an dem großen Tempel der Versöhnung, dessen Umrisse kaum erst geahnt werden, nach dem sich aber unser aller Hände verlangend strecken. Helfen wir unfern Kindern, zu ihm den Weg zu finden. SLudienrat Dr. R u d o l s Z w e e tz (Berlin). „Die Aryas, wie man zu sagen pflegt, oder die Jndogermanen, wenn man dies lieber hört, bieten uns kein gemeinsames ethnisches Charakterbild, und die Juden haben ihnen keinen MenschentypuS von bestimmter Prägung entgegenzustellen. Die Ethnographie unterscheidet die Menschen nach der Schädelsorm und teilt sie in Dolicho-- kephale und Brachhkephale, Langschädel und Kurzschädel. Nun sind aber die spanischen, portugiesischen, italienischen, provenzalischen Juden dolichokephal, die polnischen, russischen und deutschen brachhkephal. Die Juden bilden folglich keine Nasse. Allein es genügt, daß man sie für eine Rasse hält. Don Quixote sah Weinschläuche für Räuber an und durchbohrte sie mit seinem Schwert. Man glaubt, die Juden seien eine Nasse, und sofort heißt es gleich: eine feindliche Nasse.... Tatsächlich gibt es nicht einen, sondern mehrere, leicht erkennbare jüdische Typen. Mehr braucht es nicht, damrt.es im Sprachverkehr heiße: die jüdische Nasse. Alle menschlichen Rassenseindschasten gründen sich aus ähnliche Scheinwahrheiten. Die wirkliche Ursache des Antisemitismus ist der Fremdenhaß, der noch immer so tief im Meuschenherzen wurzelt. Die Juden gelten als Fremde. Allenfalls sagt man nicht, daß sie eine Rasse bilden, denn eine Rasse, niemand weiß, was das ist, aber ein Volk bilden sie mit ihren Sitten, ihrem Glauben, ihrem Gemeingeist, ein Volk, das zerstreut unter anderen Völkern lebt. Ich kenne Israeliten, die ihr Dasein der Wissenschaft geweiht haben und mit ihren Werken den Ruhm Frankreichs vergrößern. Der eine ist einer von den ersten Hellenisten der Welt (Theodor Reinach), der andere hat auf dem Gebiet der Asshriologie große Entdeckungen gemacht (Jules Oppert), ein dritter mit bewunderswerter Methode die Gesetze der Sprache erforscht (Joseph Halevy). In allen Bezirken des Menschenwissens findet man Juden, und diese stehen dem Goldhandel ebenso fern als Abulasia, der Kabbalist, der sich in die mühevollsten Rechnereien vertieft, nicht um seinen Vermögensstand festzustellen, denn er besaß nichts, sondern um den numerischen Werk des Gottesnamens wissenschaftlich zu erkennen." Frau Emilie Levy (Hamburg,). Die Angaben über „Dre Jüdische JErurrtiorr^Le" in „Wissen" und Waffen", 2. Folge Nr. 3 (Beilage zur „C. V.-Zeitung Nr. 47), waren dem Buch „Die Jüdische Internationale" von-Dp. Bruno Weil, Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin SW. 48, entnommen. Das Buch ist auch zu beziehen durch den Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. An unsere Mitglieder! Wir -bitten um Nachsicht, wenn! Schreiben', die nicht mit Wnhlaugelegenheiten zusammenh äugen, nicht so pünktlich wie zu gewöhnlichen Zeiten erledigt werden. Unsere -Freunde werden verstehen, wenn die dringliche Wühlarbeit, die alle 70 Angestellten und Aushilssiräfch der Zentrale Tag und Nacht in Anspruch nimmt, vorgeht. Central-Berein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. - was ftnatole ßrance noch ssgte» ■ ': Sehr geehrte Schriftlei tun gl Der auf die Höhen führende Aufsatz Arthur Eloessers über Anatole France in der vorletzten Nummer der „C.-V.-Zeitung" veranLaHtre mich, in alten Papieren zu kramen. Und stehe da: Die Beute. Einen- Ausschnitt, aus der Wiener „Neuen Freien Presse" vom 3. April 1904. Anatole France spricht darin von. der JnLenfeindschaht also: Hl a c S & SS # körperlicher u. geistiger Bei iPi 1 w ü 1 I» Ül S Abspannung? Blutarmut Dr. HofflMBeB ges.gesell. IMW'WMM in Pillen- und Pulverform. Aus reinstem, dem Hühnerei entzogenem Wahrstoff oder Lecithin bestellend, -daher eine natürliche, vollwertige Ergänzung -des im Xörpex verbrauchten Nervstoffes. — Ausführliche Literatur gratis. Elefanten-Apotheke, Berlin SW19, Leipziger Strasse 74 Jhr.i Zentrum 7192. (Dönhoffplatz). PA R E RI E I. I \ + W 15 JOACHIM STH A LE R STR. 9 "

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