Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- Seite 754 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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754 Ms unserem Leserkreis. Zuschriften an dre Scher stleitrmg. Der beste Beweis, daß eine Zeitung gelesen wird, ist der Widerhall, der sich in Briefen und Zusendungen an die Schrift- Leitung ausdrückt. Jeden Tag erhalten wir von befreundeter, wohlwollender, von gegnerischer Seite Briese mit Anregungen und Kritiken, mit Lob und mit Tadel, mit Beschimpfungen und Drohungen. Bei dem beschrankten Raum, der uns für die Behandlung selbst wichtiger Fragen gut Verfügung steht, ist es nicht möglich, regelmäßig solche Zuschriften zu veröffentlichen. Wir greifen heute einige dieser Briese heraus inib teilen sie unseren Lesern mit, weil sie manche Fragen betreffen, die uns jetzt kurz vor der Wahl von großen! Interesse zu sein scheinen. Die S ch r i s t l e i t u n g. Die MfW§rLrmgsfmge. Sehr geehrte Schriftleitung! Mit Recht beschäftigt die A u f w e r t u n g s f r a g e nun schon seit Jahren Millionen von Gemütern im Deutschen- Reich. Aus einerkleinen Gruppe von Kämpfern gegen ein erdrückendes Anrecht ist eine große Volksbewegung geworden, die nicht früher zur Ruhe kommen wird, als bis endlich die drille Steuernolverord-nung aufgehoben oder doch so .ab ge ändert wird, daß es den Schuldnern nicht mehr möglich ist, unter Ausbeutung der Geldentwertung ihre .Gläubiger zu unterdrücken und zu berauben. Was das den C. B. angeht? Doch sehr viel. Wer im Kampfe gegen das größte öffentliche Verbrechen steht, das je in einem Kulturland vorkam, der weiß, Uüc die Ursache von Geldentwertung und die Beraubung des Eigentums vieler Millionen Volksgenossen gerade oft genug „den Juden" zur Last gelegt wird. Und doch, wie oft hatte ich Gelegenheit, das zu betonen, sind die Sünder überall zu suchen, ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse. Wie auch die Opfer des Verbrechens der Ausbeutung ohne Wahl des Glaubens ihrem Schicksal verfielen. Hier ist nicht der Platz, das Problem der Auswertung, dessen Lösung von sachverständigster Seite schon lauge als möglich und wirtschaftlich unbedingt nötig erkannt wurde, auseinauderznsetzen. Nur die uns Juden berührende ethische Seite ist hervorzuheben; denn was ist geschehen und geschieht noch? Während schon zahlreiche Hausbesitzer oder Inhaber von Geschäftshäusern sich hypothekenfrei ihres Besitzes, ihrer Sachwerte erfreuen und davon Vorteile schon lange wieder genießen, wahrend sie nach Abstoßung ihrer Schulden mit wertlosen Scheinen dem Staat und Reich nur wenig zu seinen Lasten beitragen, sind die rechtmäßigen Besitzer, denen sie Haus und Hof verdanken, ihres Vermögens beraubt. Die fleißigsten Sparer, Witwen und Waisen, die auf ihr Erbe Anspruch machen können, Arbeiter jeder Art, geistig und körperlich schwer arbeitende, deren Alter vor Not geschützt werden sollte oder deren Kindern eine Ausbildung zugedacht war, alle sollen sich eine Entrechtung gefallen lassen, wie sie noch niemals in einem Kulturstaat geduldet war und zur Ausführung kam. Anstatt des ihnen zukonnuenden Rechts sollen sie höchstens aus Almosen von: Tisch ihrer reichen Ausbeuter angewiesen sein. Was das Reich und die Staaten gesündigt haben, als sie nicht rechtzeitig dem unsinnigen, durch keine Wissenschaft oder volkswirtschaftliche Notwendigkeit als möglich und gerechtfertigt zu beweisenden Verfall der Mark Einhalt geboten, soll hier nicht zur Sprache kommen. Auch nicht, daß zahlreiche Kommunen, die alle wohl noch ihr sogar glänzendes Vermögen an Sachwerten und Steuerkraft ausweisen können, mit dösend Beispiel vorangingen und ihre Anleihen, den festen Besitz des nicht Spekulierenden, sondern nur in reellster Weise sein Hab und Gut Verwaltenden, zur Zeit der schlimmsten Geldentwertung kündigten oder sich jetzt aus das Unrecht des denkbar schlimmsten und unglückseligsten Zwangsgesetzes, der dritten Steuernotverordnung, berufen. Das allertraurigste Zeichen des moralischen Verfalls unserer Zeit ist ja aber die Tatsache, daß der private Besitz, gleichgültig, ob an Häusern, Grundeigentum der Bauern, Großagrarier und der Jndustrieherren, sich seiner Schulden billig entledigen durste. Daß die Pest der Ausbeutung sich seuchenartig verbreitete, nicht weil ein Zwang vorlag, den Besitz schuldenfrei zu machen, nein, nur weil man die Zeit für gekommen hielt, sich mühelos zu bereichern, ohne auch nur im geringsten das Gewissen mitsprechen zu lassen und sich zu fragen, welche Folgen die Ausbeutung einer nur vom Wahnsinn oder Verbrechen geschaffenen Geldentwertung bei denen zeitigt, die zu den Verlierern dieses unwürdigen Kampfes von Mein und Dein gehören. Mit. den wärmsten Worten, mahnend und hinweisend aus die materiellen und moralischen Folgen der Ausbeutung der Inflation und den Irrtum und das Unrecht der dritten Steuernotverordnung, schrieb der Fürstbischof von Breslau, Kardinal Bertram, an den Reichskanzler. Nicht etwa nur im Interesse der Kirche, sondern auch für das gesamte dMtsche Volk, für sein Recht und seine Ehre, besonders aber für das Recht der unschuldig Verarmten setzte sich der Kirchenfürst ein, um die Negierung an die Pflichten für all die von ihren eigenen Volksgenossen zu Unrecht kure Famflienanzeigen in die CV.-Zeifufftg! Beraubten zu erinnern. Auch die evangelische Oberkirchenbehörde folgte diesem Beispiel, um wenigstens für die der größten Not Verfallenen ihr Wort einzulegen und an die Pflichten von Recht und Gerechtigkeit zu erinnern. Sicher wird das Judentum nicht zurückstehen; denn Nächstenliebe und Gerechtigkeit sind die Fundamente seines Glaubens; Nächstenl'iebe-. und 'Gerechtigkeit sind schonvor Jahrtausenden von unseren Vorfahren gelehr i und geübt worden. Möge daher, wenn von neuem den Reichsboten das Vertrauen geschenkt und 'ihnenein Geleitwort mitnegeben wird für ihre verantwortungsvolle Arbeit, es ihnen zur P sticht gemacht werden, im deutschen Vater lande Ehrlichkeit und Gerechtigkeit wieder einrehren. zu lassen. Mögen sie, das muß uns gerade unter jüdischer Geist und nufer jüdisches Pflichtgefühl sagen', alle Kruste daran setzen, die Harten rind Ungerechtigkeiten eines Notgesetzes zu beseitigen, das gerade erst recht -den materiellen und moralischen Verfall des Vaterlandes begünstigte, wenn es auch recht vielen unverdienten Vorteil brachte zum. Schäden der überlisteten und ansgebouteton Nebemuenschen. Scheinen doch die Zeiten wiedergekehrt zu sein, in denen der Prophet Jesajas zum Volke sprach, in denen: er mit Flanunenworten seine mahnenden Reden an die Nation hielt. An jene Zeiten soll sich auch das Judentum erinnern, wohl wissend, was israelitischer Glaube und israelitische Pflicht ist, immer wieder jene Worte Jesajas hören: ..Schaffet das Unrechte ans der Welt, helfet den Unterdrücktem führet der Witwe Streit und schaffet Recht den Waisen." Dr. mcd. E. Hirsch, Gera (Thüringen). Wir geben dieser Zuschrift gern Raum, da auch wir der Ansicht rn.d, daß es der jüdischen Ethik entspricht und stets entsprochen hat, ich besonders der Firmen und >m Not Geratenen anzuuchmen. Wir bemerken aber ausdrücklich, daß wir damit keineswegs in die parteipolitische Auseinandersetzung über die Aufwertungssrage eingreise!- 10 ollen. * Die Schri stier tu ng. Der INeal-BüstenIMtsr für die starke Dame! Flacht jede stärkere Büste in überraschender Weise ab und überbrückt starken Magen sowie Fettpolster in Taille und Rücken. 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