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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · p. Seite 753

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
Seite 753 (sequence 13)
Language
German
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753 Könnte Lachen töten, dann müßte diese. Bewegung an ihrer Lächerlichkeitschon Zugrunde gegangen sein. Es ist leider nicht so, es liegt ein tiefer Sinn in diesem kindischen Spiel. Der Mensch von heute, auch wenn er unkritisch ist, will wenigstens kritisch sein. Er will Beweise haben. Zahlen beweisen. Tatsachen beweisen. Da wird ihm in unendlich vielen Broschüren von dem Streben der Juden nach Weltherrschaft erzählt, da bringt man ihm das Märchen von den „Weisen von Zion" ins Haus. Das genügt nicht, er muß die tatsächlichen Beweise haben, daß die Juden überall wirklich vorherrschen. Und dazu dient nun das Verfahren der Ernennung zum Juden. Man macht sich selbst die Juden, aus deren Vorhandensein man s i ch nachher beruft. Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode! In dieser wahnwitzigen Judenriecher ei, in 'dieser systematischen Überschwemmung der Massen mit ganzen Listen angeblicher Juden liegt eine der Hauptwurzeln des Anwachsens der ju den feindlichen Stimmung in den letzten Jahren. Sieht man sich nach einem Seitenstück um, so muß man weit in der Kulturgeschichte Zurückgreisen, um im Hex enwahn eine ähnliche Verzerrung der kritischen Funktion des Menfchenhirns zu finden, wie sie der heutige Judenwahn darsrellt. Es ist höchste Zeit, diese Dinge einmal systematisch unter die Lupe Zu nehmen. Geduldiges Achselzucken führt zu nichts. ptfüo Möe» Sin Vortrag von Kaplan F a h s e l. _ lieber religiöse und philosophische Probleme spricht Kaplan F a h s e l in einer Reihe von öffentlichen Vorträgen. An drei Abenden war die griechische Philosophie in ihren Entwickluugsstadien geschildert worden. „Philo der Jude" war das Thema des vierten Vortrages, oder besser gesagt „der Weg vom natürlichen zum übernatürlrchen Wissen", von der Philosophie zur Theologie. Das natürliche Wissen, die Philosophie, kommt bei Erforschung der Welt an die Grenze, wo sinnliche Wahrnehmung und logisches Denken keine Antwort mehr zu geben vermögen auf die letzten Fragen des Seins. Die Frage nach Gott, der nicht sinnlich wahrnehmbar ist, kann vom Verstände nicht gelöst werden. An seine Stelle tritt die religiöse Intuition, und damit begibt sich die Philosophie in das theologische Element. Der tlassisckje Vertreter dieser Entwicklung ist Philo, der, in der griechischen Philosophie ebenso wurzelnd wie in der jüdischen Religion, aus einer Verquickung hellenistischer und jüdischer Gedanken ein eigenartiges Gebäude theologisch-mystischer Spekulation errichtet. Gott ist chm das einzig wahre Sein, und alles außer ihm das Nichts. E r ist das e i n z i g e Ziel allen Strebens nach Erkenntnis, und Aufgabe des Menschen ist es, den Weg zu Gott zu suchen. Auf dem Wege des natürlichen Wissens ist Gott nicht erfaßbar, denn er ist von der sinnlichen Welt so weit entfernt, daß man nicht einmal etwas Positives von ihm aussagen kann, außer das; er „ist". Der Mensch muß sich daher von allen: Sinnlichen befreien, sich Gott völlig hingeben und versuchen,'gleich ihm Geist zu werden, uur ihn intuitiv erfassen zu können. Da es aber nur wenigen Menschen möglich ist, zur Intuition Gottes zu gelangen, so sind die anderen Menschen durch den Glauben an das diesen Auserwählten Geoffenbarte in der Lage, Gott nahe zu kommen. Um die ungeheure Spannung zwischen Gott und der Welt zu überbrücken, stellt Philo neben Gott die Güte und die Macht, den Herrn und den König, die gleichsam Vermittler zwischen dem reinen Sein und dem Nichts find, und schasst damit eine seltsame Form der Dreieinigkeit. (Der Logos, das Wort Gottes, wird zum Urbild des Gottessohnes.) Das natürliche und das übernatürliche Wissen! Mit der gleichen Freiheit des Geistes führte der Vortragende seine Hörer durch beide. Gebiete, durch das lachende Land griechischer Philosophie, wie durch die verschlungenen Pfade theologischer Spekulatton. In hinreißen" der Darstellung erstand der kristallklare Bau griechischen Denkens, über dem sich die Kuppel der religiösen Intuition wölbte. Eine geistvolle Auseinandersetzung zwischen Glauben und Wissen bildete den Schluß. Hsscks „Wsserr öes Judentums". Eine Zuschrift. In der letzten Nummer der „E. V.-Zeitung" berichteten Sie über einen Vortrag des Universitätsprofessors Dr. Hugo Greßmann über das Judentum als Religion. Sie begrüßten dabei das erfreuliche Bestreben eines christlichen Gelehrten von der Bedeutung Greßmanns, der jüdischen Religion Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Gestatten Sie mir, daß ich Sie auf einen anderen Versuch gleicher Art des genannten Gelehrten Hinweise. In der letzten Nummer der „Deutschen ' Literatur-Zeitung" (45. Jahrgang, Heft 33), die von Professor Paul Hinneberg herausgegeben wird, befindet sich eine ausführliche Besprechung Greßmanns über „Das Wesen des Judentums" von Dr. Leo Baeck. Darin schreibt der erwähnte Gelehrte: „Das Wesen des Judentums läßt sich auf mannigfache Weise darstellen: Man kann ausgehen vom jüdischen Menschen oder von der jüdischen Religion, man kann das Thema historisch oder systematisch angreisen, man kann die ganze Fülle der Erscheinungen umfassen oder sich auf das Wesentliche, in allem Wandel Gleichbleibende beschränken, und immer werdest die Antworten verschieden lauten, je nach dem Standpunkt, den der Beurteiler einnimmt. In den: vorliegenden Buch ist das Wort „Judentum" in dem Sinne der jüdischen Religion verstanden; obwohl der Blick beständig auf die Geschichte gerichtet ist, ist der Stoff doch systematisch geordnet: Der Charakter, die Ideen und die Erhaltung des Judentums sind die drei großen Kapitel, unter denen sein Wesen begriffen wird. Der Verfasser ist selbst Jude, gläubig und doch modern-humanistisch geschult und mit der ganzen geschichtlichen Bildung unserer Zeit getränkt, ein Standpunkt, der auch den christlichen Forscher sehr sympathisch anmutet. So ist die Lektüre des Buches auch für ihn ein großer Genuß, weil hier geschichtliche Betrachtung, tiefe Gedanken und formvollendete Sprache einen innigen Bund miteinander eingegangen sind, so daß man sich trotz einzelner Anstöße willig belehren läßt." Und zu in Schluß sagt er: „Nimmt mau das Buch, wie es ist, so spürt man nicht nur die begeisterte Liebe, sondern auch den tiefsittlichen Ernst, mit dem das Religionsideal des modernen Juden geschildert wird, eine Frömmigkeit, die alles erdhast Sinnliche und Völkisch-Beschränkte getilgt oder wenigstens in den Hintergrund gedrängt hat und die statt dessen die kosmisch-universalen und geistig-sittlichen Züge starker hervorhebt. Stolz bekennt sich der Verfasser zu dieser Religion, die er über alle anderen erhöht, für die er wirbt und deren inneren Gehalt er jedem seiner Volksgenossen in die Seele Prägen möchte: „Jeder Jude ist dazu berufen, durch feinen Lebensweg davon Kunde zu geben, was seine Religion bedeutet" (S. 295). Man möchte wünschen. daß auch die Protestantischen Deutschen sich so stolz zu ihrem Luthertum bekennten, dann — würden sie die Juden besser 'verstehen." Paul Frank (Chartottenburg). Ois§» W o ch e n b e t r a ch t u n g. Der Verkauf der Erstgeburt durch Esau an Jakob hat in neuester Zeit mannigfachen Anlaß gegeben zu gehässigen Angriffen ans die Persönlichkeit des Erzvaters und die Moral der Heiligen Schrift überhaupt. Ju den schwärzesten Farben wird die Heimtücke des Listigen geschildert, der die Schwäche des Harmlosen und Einfältigen ausnutzt. Eine eingehende Analyse der Charaktere der beiden Brüder würde" uns zeigen, daß die Heilige Schrift uns völlig unparteiisch zwei Menschenbilder zeichnet mit Schwächen und Vorzügen, es -dem Leser überlassend, sür sich eine Nutzanwendung zu ziehen. Der Vorgang des Verkaufs bietet jedenfalls keine Möglichkeit, gegen Jakob einen Vorwurf zu erhebe». Ich möchte ihn als eine Art Neckspiel zwischen den Heranwachsenden Knaben betrachten, in dessen Hintergrund doch ein tiefer Ernst lauert. Es kränkt den stillen Knaben, der grüblerisch im Zelte zu sitzen liebt, daß der ihm eigentlich mehr wesensDerwandte, nachdenkliche Vater den Aelteren, den wilden Kraftmenschen und Jäger, bevorzugt. Den Vater mag vielleicht gerade der Gegensatz ungezogen haben. Tour Sohn schien es, als ob vielleicht die bloße natürliche Tatsache der Erstgeburt dem Aelteren des Vaters Liebe eintrug. Er konnte natürlich nicht im Ernst glauben, daß man ein solches Recht verkaufen könne. Er wollte aber dem Vater beweisen, wie wenig sich Esau aus diesem hohen Rechte im Grunde seines Herzens machte, so daß er also.der besonderen Liebe des Vaters gar nicht würdig sei, daß er vor allem nicht geeignet sei, die heiligen lleberlieserungeu des Hauses fortzupslÄNZen. Die Worte Esaus kennzeichnen den Naturmenschen in seiner unbeherrschten Gier. Dem Naturmenschen sind das Erste die Bedürfnisse seines Körpers. Sie müssen unbedingt befriedigt werden. Die vornehmste Aufgabe des abr aha mi tischen Hauses war es, zu lernen, den Körper zu beherrschen. Die Forderungen der Natur dürfen erfüllt werden, aber nur mit Einschrankun-g, und niemals auf Kosten der Forderungen des Ideals. Indem Esau, wenn auch nicht im vollen Bewußtsein des Ernstes seiner Handlung, die Erstgeburt firr ein Linsengericht dahingab, zeigte er sich den Ausgaben des väterlichen Hauses nicht gewachsen. Er durste auch im Spiel nicht die- Erstgeburt so geringschätzig behandeln. Jakob und Esau verkörpern hier den Gegensatz zwischen der Forderung des Naturtriebs und der des Sittenaesetzes. Dieser uralte Kamps tobt auch harrte noch im Innenleben der einzelnen und zwischen den Gruppen und Parteien. Die Masten rufen in blinder Gier: Laßt uns schlingen von dem Roten, dem Roten; sie stürzen sich ohne jede Hemmung aus den Genuß. Was man ihnen weigert, nehmen sie sich mit der brutalen Esaus-Faust. Schwach nur ertönt die Jakobs-Stimme der sittlichen Forderung. Die geringe Schar ihrer Vorkämpfer scheint im Gewühl des öffentlichen Lebens zu unterliegen und zu verschpvinden. Und doch sprüht aus ihnen die Stimme des Ewigen, die Gottesstimme. Und kommen wird wieder der Tag, an dem die Gottesstimme mit Kraft Md. Majestät erklingen und das Erstgeburtsrecht der von Jakov vertretenen sittlichen Forderungen von allen Menschen anerkannt werden wird. Hoffman n*

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