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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · p. Seite 751

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
Seite 751 (sequence 11)
Language
German
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751 Die Richtigkeit -er jüdischen Gefallenenziffer. Eine Statistik über die Kriegsopfer allein unter dem Gesichtswinkel der Konfession auszumachen, ist ein Unsinn, denn dabei wird der Grundsatz jeder vernünftigen Auszählung vernachlässigt, nämlich der, daß ein Vergleich nur bei gleichartigen Gebilden zulässig ist. Abgesehen von der Altersgliederung, sind die Bekenner der verschiedenen Konfessionen Deutschlands nicht gleichmäßig über Stadt und Land verbreitet, und ihre Beschäftigungsart weicht sehr voneinander ab. Die deutschen I u d e n z. B. wohnen zum allergrößten Teil in der Großstadt und nähren sich in der Regel vom Handel und der Industrie, während die übrige Bevölkerung noch zu einem großen Teil aus dem Platten Lande wohnt und von der Landwirtschaft lebt. Diese wesentlichen, ins Gewicht fallenden Momente haben der Hamburger Statistiker May und Professor Dr. Franz Oppenhermer ins Tressen geführt, als die Antisemiten aus der famosen amtlichen Judeisttatistik des Kriegsjahres 1916 die gewagtesten Schlüsse zogen und die Opsersreudigkeit der deutschen Juden verhöhnte n. Bei der geistigen Einstellung der Judengegner kann es nicht wundernehmen, daß sie ans die Vernunstgründe ihrer Kritiker nicht eingingen, zumal diese jüdischer Abstammung sind, und hätten sie selbst mit Engelszungen geredet, die Verstocktheit eines Otto A r m i n (alias Roth) und anderer völkischer Größen wäre nicht zu überwinden gewesen. Wie berechtigt aber die Einwände der genannten Kritiker waren, beweist am besten die amtliche S t a t i st i k, die das PreußischeLandesamt vor nicht allzu langer Zeit für die einzelnen Regierungsbezirke ausgemacht hat. Aus Grund seines reichen Materials hat es die Kriegsverlnste aus den Bestand an 18- bis 45jährigen Männern bei Beginn des Weltkrieges bezogen und kommt dabei zu folgenden interessanten Ergebnissen: Der Durchschnitt der Kriegssterblichkeit für ganz Preußen beträgt 129,10 aus 1000. Dieser Satz sinkt aber für Berlin auf 105,58 und st e i g t für Köslin aus 189,27. Der Unterschied zwischen Berlin und Köslin ist augenfällig, und ebenso sind die Verhältnisse zwischen den rheinischen Großst ä d t e n' und den sonstigen agrarischen Bezirken. Nicht also die Konfession, sondern der Wohnort und die Beschäftigungsart sind ausschlaggebend — für die Gröste Der Kriegsopfer der betreffenden Bevölkerung. Das sagt auch die B e g r ü n d u n g des Preußischen Laudesamts. Berlin und die rheinischen Großstädte weisen, abgesehen von der Militärtauglichkeit der männlichen Bevölkerung, deshalb so wenig gestorbene Militärpersonen auf, weil infolge der kriegswirtschaftlichen Industrialisierung dieser Bezirke viele Männer in den Fabriken und Werkstätten zur ü ckg eh al t en werden mußten. Ueberdies haben wir errechnet, daß die Kriegsopfer der Berliner Anden im Berhültuis die gleichen find, wie die Der übrigen Berliner Bevölkerung, und sich nur um unwesentliche Bruchteile unterscheiden. Auch die Gesamtzahl von mehr als 12 000 jüdischen Gefallenen entspricht verhältnismäßig der Gesamtzahl aller gefallenen Deutschen. Die hier wiedergegebene graphische Darstellung*) zeigt deutlich die Verschiedenheit der Kriegsopfer in den einzelnen Regierungsbezirken, je nachdem, ob diese überwiegend industriellen oder ländlichen Charakter haben. n Dr. I Iili u s Nothholz. >1 Die graphische D a r st c 11«it j ist der Broschüre „Die deutschen Juden in Zahl und Bild" entnommen, die im Philo-Verlag, Berlin SW 68, erschienen ist. Zahl 180 170 160 150 140 130 120 110 100 90 80 JO 60 3 Auf 1000 männliche Personen im Aller von 18 bis 45 Jahren bei Beginn des Weltkrieges entfallen in den einzelnen preussischen Regierungsbezirken im Kriege Gefallene si ' 6 L_7 1 j i 4 q 213 f q 5.16 17-ua_ n 02 1 a 22 4 _ ß Durchsi hl??« 1 0^i / 33 % Eöslin Allenstein Gumbinnen Stralsund Stettin Königsberg 7 Stade 8 Hildesheim 9 Breslau 10 Frankfurt 11 Merseburg 12 Liegnitz 13 Marienwerder 14 Lüneburg 15 Minden 16 Oppeln 17 Erfurt 18 Magdeburg 19 Bromberg 20 Danzig 21 Aurich 22 Schleswig 23 Hannover 24 Posen 25 Cassel 26 Coblenz 27 Münster 28 Aachen 29 Arnsberg 30 Trier 31 Wiesbaden 82 Cöln 33 Düsseldorf 34 Potsdam 35 Berlin

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