Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- Seite 749 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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schimpsungen des Judentums hat es wenigstens gereicht. Das attestieren wir auch unsererseits Herrn Nosenberg. S \) c l u n f e n g c r ü ch t e nennt Nmenberg, alle diese Verdächtigungen. Aus einmal wissen Sie, Herr Nos'enoerg, daß es solche gibt? S e haben ja die Spelunken der Politik selbst mitgeschasfen, aus denen diese Düste strömen. Haben Sie nie gedacht, als Sie, der L a n d j r e m d e, nach Deutschland f nuten, mn einen Beo öl kenn na steil, der seit ei n e m I ah rta u send auf De u t s ch - l a n d s E x d c w o h n t, lwiinatlos zu machen, daß jemand, der so im G l a Z h a n s sitzt wie ^ie, auf andere keinen Stein werfen soll? Hoffen Sie denn, die Verbenmdungett, die man gegen Sie erhebt, durch Erklärungen und Prozeß zu erledigen. Sie, der Sie sich niemals durch die gleichen Maßnahmen haben davon abbringen lassen, uns immer von neuem zu beleidigen? Sie streuten die Saat, aus der Bosheit nach einer Richtung nur sprießen sollte, die nun aber sich nach allen Seiten wendet. Und gegen den Kehrichthaufen mit seinen Gerüchen .anzukommen, ans dem'nun diese Früchte faulen, vermag nicht einmal ein N o s e u - B e r g. ' N i d e n s. Die Mrswirksmg öes RmsgLs mf Zas üsutfche Judentum«.?T u f o e 5 e t ö t an einer Landes ft atistik. Nickt allein die Kriegsgefallenen, sondern auch der Rückgang d e r E h e s ch l i e ß u n g e n u n d de r G e b u r t e n haben den j i! b t s ch cu Voltsteil i n Deutsch I a n d ganz erheblich geschwächt. Einen Beleg hierfür geben uns die Daten, die im st ai i ft t s ch e n H andbuch j ü r W ü r 11 e m h ctg s tt r d i e Jahre 1014 b i8 1921 veröffen! licht werden. Im lebten Friedensjahre 1913 haben in diesem Freistaat Paare mit gleichen: Neligi onsbekenntnis Ehen geschlossen: Bei den Evangelischen 11549 „ Katholiken . 4337 >, Inden ... w 75 /' „ sonstigen christlichen Bekenntnissen . 29 Ueberhaupt 15990 ' ' Tie rein jüdischen Ehen betrugen ungefähr vier bis fünf Prozent von deu gesamten obigen 15 990 Ehen, was deu: Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung entspricht. Wie verändert sich aber das Bild in den Kriegsjahren! Zwar nehmen die Ehen insgesamt bei der Gesamtbevolkerung ab, aber nicht in dem rasenden Tempo iuic bei den jüdischen Württembergerm Im ersten Kriegsjahre 1914 zahlte ümn in Württemberg nur.rund 14 000 Eheschließungen, gegen 1913 macht sich ein Rückgang von rund 15 Prozent bemerkbar, bei den Juden? fallen die rein jüdischen Ehen von 75 aus 37, also mn über die Halste; famb die rückläufige Bewegung setzte sich in den Jahren 191546 im ^erhöhten Maßstabe fort. Die Heiratszissern fallen aus 13 und 12, hteils, weil die jüdischen jungen Männer im Felde standen, teils, weil äste die Gründung einer Familie nicht wagten, itnb selbst in den -Jahren von 1917/18 wurden rein jüdische Ehen nur in der geringen Zahl von 29 und 26 geschlossen. Eine wesentliche Erholung trat dann in den Friedensjahren 1919/20 ein. Im elfteren Jahre zählte •annn 121 rein jüdische Eheschließungen in Württemberg, und im solhgenden sogar 164, womit die Friedenszahlen um das Doppelte über- ,troffen werden. si " Unter diesen Umständen wird es nicht überraschen, daß die . natürliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Württembergs l d r g g e l i t t e n h a t. Nach den Veröffentlichungen der israelitischen Gemeinden in Württemberg wurden von 1913 bis 1918 geboren und starben: Jahr Geburten Sterbesälle Totenüberschuß 1913 165 167 2 1914 158 169 11 1915 120 143 23 1916 108 177 69 1917 80 154 74 1918 79 236 157 zusammen: 710 1046 336 Die kleine Uebersicht zeigt, in die Augen springend, wie erschreckend die G e b u r t s h ä u s i g k ei t bei den jüdischen /Süddeutschen während des Weltkrieges zurück-! 'g e g a n g e r: ist, während gleichzeitig die Sterbes'Z i f s e r n f a st o h n e S ch w a n k u u g e n z n n e h m c n. Die selbstverständliche Folge dieser Verhältnisse war, daß die natürliche Ver- ,mehrung der württembergischen Juden beim Abschluß des Welt- 'Zrieges ein Minus von 336 Köpfen aufweist, was bei ihrer kleinen uZahl ins Gewicht fällt. Aber die Auswirkung des Krieges macht sich /Noch in den Friedensjahren 1919/20 bemerkbar; die St erbefälle r": b e r t r es f e n n o ch immer die Geburten, wenn auch nicht in solchem starken Ausmaße, wie in den Kriegsjahren. Diese kleine Betrachtung zeigt, wie sehr die Entwicklung des deutschen Judentums durch die Kriegsverhältnisse geschädigt wurde, und es ist ein starkes Unterfangen der Judengegner, vor diesen Tatsachen die Augen zu verschließen. I. R. Eyangelischb Geistliche gegen Dinier. Sein Buch „nicht wert, besprochen zu werden". Von einem Leser unserer Zeitung erhalten wir folgende Zuschrift: „In Nr. 45 der „C. V.-Zeituug" berichten Sie über einen völkischen Vortragsabend, der das Thema ,Dr. Dinter und das Alte Testament' behandelte. Wie Dr. Dinter in manchen Kreisen der christlichen Geistlichkeit beurteilt wird, zeigt am deutlichsten eine Besprechung der Zeitschrift „Mut und Kraft", Zeitung für evangelische Kirchen gem-ein-den. (Mjeiinrnt Dr. L ü t - gers, Professor an der Universität Halle, schreibt im ersten Jahrgang Nr. 5 dieser Zeitschrift unter der Ueberschrift „Das Wort vom Hakenkreuz" über Arthur Dinkers Buch „Das Evangelium unseres.Heilandes Jesus Christus" n. a. folgendes: „Wir haben es also, wie cs ja von Arthur Dinter nicht anders zu erwarten war, mit einem fanatischen Antisemitismus zu tum der sich _ in blinder Wut gegen das Alte Testament richtet, ohne das geringste Verständnis für das Evangelium, welches sich 'im Alten Testament befindet. Mit einem oberflächlichen, durchsichtigen Schleier von Wissenschaft, in Wirklichkeit mit willkürlicher Gewalttätigkeit, wird alles, was irr dieses Evangelium des HakenkrenZes nicht hineinpatzt, als FäLschung gestrichen oder ganz beliebig nnh ohne jeden Beweis verändert«. Von einem wisienfchaftlichen Wert kann also kerne Rede sein. Der Futter von Büchertiteln und griechischen Worten kann nur Unkundige täuschen. Das Buch wäre also nicht wert, besprochen Zn werden, immt es nicht in hohem Matze charakteristisch wäre für das religiöse und politische Ehaos unserer Zeit» Ern solches Machwerk kann in erster Auflage in zehntausend Exemplaren gedruckt und verbreitet werden — ein bedenklicher Beweis für die UrLeils- LoftgkeiL weiter Kresse Unseres Voltes in christlichen und relrgrosen Dingen, ein Zeichen dev Zeit rrrrd ihrer Berwirrnng." vKtLk Ighl. , 6 i n w a Ij r e r j ü disch e r Deutsch e r. Am 1. Januar 1924 veröffentlichte die „Neue Badische Laudeszeitung" in Mannheim eine Rundfrage: Welches die Verdienstv ollste Tat sei. die von einem Badener in seinem Lande geleistet worden ist? Eine ganze Anzahl von Einsendern, sprach Julius Zahl in Mannheim den Kranz zu, der ihm bei der Entscheidung, die wiederum beim Publikum lag, auch zuerkauut worden ist. I u l ins Zahl, dessen Name in Baden 31t einer gewissen Zeit in aller Munde lebte und der in weitesten Kreisen als „Vater Zahl" befannt ist, ist bewußter und stolzer Jude. Bei Ausbruch des Krieges stellte sich Zahl in die vorderste Reihe der Helfenden. Er opferte seine Gesundheit und scheute weder Mühe noch Geld. Als während einer Phase des Krieges die Absendung von Liebespaketen an die Front verboten wurde, ließ er bekauntmachen, daß die Gaben bei ihm abgeliefert werden sollten. Mit vier Autos, vollbeladen mit Lebensmitteln und Liebesgaben aller Art, ging es auf die Fahrt, und nach Ueberwiuduüg größter Schwierigkeiten und Fährnisse brachte Iaht deu Transport bis zur Kampstruppe. Nach Beendigung des Krieges galt seine Fürsorge den Kriegsgefangenen, die zu Tausenden, erschöpft an Leib und Seele, der Heimat zuströmten. Niemand vermag zu zählen, wie oft und wie vielen Vater Iaht treuer Helfer und Berater gewesen ist. Tausende hat er in Mannheim "und au der Rheinbrücke empfangen, verpflegt und weitergeleitet. Vielen hat er in seinem Hause die erste gute Heimstätte auf deutschem Boden geboten. Nicht nur unter seinen deutschen Mitbürgern erfreute sich Iah 1 aus Grund seiner opferbereiten Gesinnung der höchsten Achtung und Beliebtheit, auch das Ausland und die Besatzungs- Mächte zollten ihm größten Respekt. „Im Februar 1923 kam aus sein Wirken hin der letzte Kriegsgefangene aus Frankreich", so schreibt ein begeisterter Verehrer in der „Neuen badischen Landeszeitung". Seiner Wirksamkeit und seinen Bern ü h u ngen i ft es g r 0 ß e n t e i l s zu verdanken gewesen, daß i m B e g i n n e der Besetzung die Brücke L u d w i g s h a s e n — M a n n h eim , entgegen den: u r - s p r ü n g l i ch e n Befehl, s ü r d e n zivilen Verkehr zeitw e i s e s r e i g e a e b e n w u r d e, daß die F r i e s e n h e r m e r I n s e l b e f r e i t w u r d e und daß di e R ä u m l i ch t e i t e n des badischen B a u b u n d e s im Schloß w i e d e r u n: d e r A r b e i t erschlossen wurde n." Seine Autorität stieg auf Grund seiner wahrhaft sozialen und nationalen Gesinnung so hoch, daß ein großer Teil der heimischen Bevölkerung sich in allen Notlagen gewohnheitsmäßig m: „Vater Zahl" um Hilfe wandte. Und wo er kann, wirkt er auch heute noch helfend, stützend und fördernd, ein Repräsentant des echten und edlen deutsch-jüdischen Geistes. Dr. Ludwig F r c u n b (Karlsruhe).