Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- Seite 746 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Erneute völkische MMofsschLnörmg. Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert. Nachdem, wie wir unlängst meldeten, das Kriegerdenkmal i n P u d e r b a ch höchstwahrscheinlich von völkischer Bubenhand beschädigt und heilige Geräte der Synagoge in Hersfeld entweiht wurden, wird leider jetzt erst bekannt, daß auch, aus dein jüdischen Friedhof z u H ü st e n (im Sauerland) völkische „Helden" den „Le nt scheu" Geist leuchten ließen. Am Sonntag, 2. November, wurde entdeckt, daß die Grabsteine, des Friedhofes mit Hakenkreuzen beschmiert und mit Aufschriften besudelt worden sind, die nach Mitteilung der Hagener ,.W e st deutschen V o l k s z e i L u n g" (Nr. 260, 2. Blatt) nicht wied-erzug.eben sind. Die Jüdische Gemeinde in Husten sichert dem, der die Later namhaft macht, eine Belohnung von 100 Mark zu. Die genannte Zeitung sagt in dem Bericht über diese unerhörte Rohheit: „Am Allerseelentage, an welchem wohl ein jeder Mensch seiner lieben Verstorbenen mit Wehmut gedacht hat, muß es einen Jeden gesitteten Menschen schmerzlich berühren, wenn er hört, daß die Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert worden sind" usw. ' Es scheint, daß man in völkischen Kreisen aus die Selbstverständlichkeit, ein gesitteter Mensch zu sein, einen Anspruch nicht erhebt. Wie erinnerlich, hatte am Derfassungstage dieses Jahres der Reichsbu'nd jüdischer Frontsoldaten sich in Göttingen bei der Enthüllung des Denkmals für die gefallenen 91er beteiligt und hatte an dem Denkmal einen Kranz mit einer w e i ß e n Schleife niedergelegt. Der Heizer Kraft aus Göttmgeu hat diese Schleife e nt fe rn t, sie dann in gemeinster Weise beschmutzt und sie schließlich in den Luftschacht eines Zigarrengeschästes geworfen. Nachdem das Schöffengericht Kraft zu ZOO Mark Geldstrafe verurteilt hatte, legte sowohl der Angeklagte als auch der Anwalt, der den Neichsbuud jüdischer Frontsoldaten vertrat, Berufung ein. Irl der Hauptverhandlung vor dem Landgericht wurde der Angeklagte, der noch vor dein Schöffengericht sich in den schwersten Beleidigungen gegen die jüdischen Frontsoldaten ergangen hatte, auf einmal ganz kleinlaut. Er suchte mit allerlei Mittelchen die Milde des Gerichts zu erlangen. Die Verhandlung zeigte ihn dann auch in einem recht eigenartigen Lichte. So kam zur Sprache, daß sich der Angeklagte, der noch am 3. August als Fahnenträger der Göttinger Nationalsozialisten tätig war, später zu Spioneudiensten angeboten hatte. Der juristische Vertreter des N. j. F., unser bewährter Freund, Herr R-echtsauwatt P r o s k a u e r , .wies auf die hinterhältige und feige Art dieses politischen Kämpfers hin, A-wd der Vertreter der Staatsanwaltschaft, O b e r st a a t § n n w a l t Schütze, war gleichfalls der Ansicht, daß eine scharfe Bestrafung durchaus angebracht sei. In der Urteilsbegründung wurde darauf hingewiesen, daß die Tat derartig gemein sei, daß eine Geldstrafe nicht i n F r a g e käme/ Deshalb wurde der Nebeltäter mit einem Monat Gefängnis bestraft. Wieder ein schönes Bild der „Kämpfe für arische Reinheit". Denkm-alsschäudungen. Syn-agogeneinbrücho, Friodho;s-venvüftnugen — solche Gesinnung soll das „völkische" Deutschland hinaufführen. Unser Beileid! ösr Große» Ein heiterer Abend in K a r l s r u h e. Die Fehde der Völkischen untereinander beginnt nunmehr immer komischere Formen anzunehmen. Wenn Lächerlichkeit tötete, würde wahrscheinlich Reiuhold Wulke oder der Knüp Per- K u nz e allein auf weiter Flur stehen, während sich die anderen Völkischen wie die Löwen in der Erzählung gegenseitig bis auf das letzte Schwanz-' spitzlein verschlungen hätten. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet von einem „heiteren Abend", den der frühere völkische Privatdozent Arnold Auge'veranstaltete, der bekanntlich wegen sinnloser Beschimpfungen der philosophischen Fakultät von der Heidelberger Universität entfernt worden ist und dann in Oberschlesien in ein Fehme-Mordversahren verwickelt war, schließlich von einem bayerischen Gericht wegen Aufreizung zum Morde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden ist. Man wird sich gerade jetzt in der Wahlzeit daran zu erinnern haben, d a ß Rüge in dem F u ch s - M a ch a u s - P r o z c ß z u g e st and, französisches Geld für „nationale Z w e ck e " g c - nominen zu haben. Nach dem Bericht der „Frankfurter Zeitung" vernahmen die staunenden Zuhörer aus Auges erhabenem Munde: „Nur ein politisches Rhinozeros erwarte, die Erneuerrrng DeutfchLands werde von Bayern ksurmen!", eine Aeußerung, so fährt der Berichterstatter fort, die lebhafte Zustimfim dem Wafjltampfl mung Lei einem Teil der Anwesenden fand. Geradezu schauerlich aber' war es den Zuhörern zumute, als sie erfahren muhten, daß die dunklen Elemente, a l s da sind Juden, Freimaurer und Jesuiten, auch schon die Führung der völkischen Bewegung s e l b ft in die Hand bekommen hätten, daß Siegfried-Hitler am 9. November von den eigenen Freunden umgarnt worden sei und Ludendorsss Stern zu verbleichen drohe, daß nur noch ganz wenig Aufrechte aus den Neichstagswahllisten der Völkischen, aber dafür „Dunkelmänner" und „Regenwürmer" zu Massen darauf stünden. Als in der Diskussion ein solch getretener „Regenwurm" sich erhob und im Namen seiner Freunde Dr. Arnold Rüge als Ai a n d a t s j äg e r und Verräter bezeichnete, da sprach der arme, überall von Juden verfolgte Mann das große Wort: „Diese WatimmlsoziaLisierr find noch frecher als die Zmderr!" Etliche „Sturmtrupps" verließen daraufhin mit Gepolter den Saal, die Zurückgebliebenen aber dankten dem Redner „mit langanhaltendem schallenden Gelächter". .. die heLLte In de$t letzten Zugsrr liegt. Völkische Selbstbekenntnisse. Alfred N v t h, der Hauptagitator und Gründer des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, ist bereits vor längerer Zeit von Hamburg nach Stuttgart überge sied eit. Er hat dort versucht, dem völkischen Gedanken in der etwas zähen württembergischen Erde Boden zu verschaffen und ist schließlich trotz jahrelanger Verfluchung des Parlaments und des Parlamentarismus als deu'tschnationaler Reichstagsabgeordneter in das Parlament eingezogeu. Für dieses Mal hat er zu kandidieren verzichtet. Die „D rutsche Z e i t u n g" vom 21. November d. I., Nr. 624, enthält nun im Anzeigenteil den folgenden Ausruf: Deutsche MLrrner mib FraneZUN Alfred Roth hat den mutigen Entschluß gefaßt, nicht mehr Zu kandidieren, um sich voll un d ganz der v o l k i s ch e n Beweg u n g, die herrte irr Herr Letzten Ztzüp.LN Utqtp zu widmen. Alfred Roth steht vorerst mittellos da s a m L s e i n e r F n un l i e. Wir rufen alle guten deutschen Männer und Frauen aus, Herrn Roth durch sofortige Bestellung seiner Wochenzeitung „Die Reich ssirrrm sahne" zu unterstützen. Bestellung kann nur durch die Post erfolgen. Man bestelle bei dem Briefträger! Monatlich 1 Goldmark. Dieses Opfer ist nicht groß, und doch trägt das Opfer große Früchten Wer es vermag, der bringe es und trage damit dazu bei, Alfred Noths Schaffenskraft zu fördern. Deutsche Männer und Frauen! nicht vergeblich sein. Deutscher! Zeige Opfermut! - , U m d e s Vaterlandes willen! 'S Frennde nRd GönNSv von Alfred Roth. ' Zwei Tatsachen sprechen aus ihr eine deutliche Sprache: Erstens, daß die v ö l k i s ch c Bewegung, soweit sie äußerlich sichtbar ist, in den letzten Zügen liegt, und zweitens, daß die Völkischen nicht einmal' den Anstand besitzen, zu verhüten, daß mau für Alfred Roth ösfentlichVettel- Pfennige s a m m e I n m u ß. Es ist nichts Neues, daß sich die „arische Nibelungentreue" darin zeigt, Führer der eigenen Bewegung am Hungertuchs nagen zu lassen. Es soll sogar „jüdischen Schachergeist" geben, der erst unlängst der ins Elend geratenen Frau des Rektors aller Deutschen, Herrn Ahlwardt, die gewiß für die Tollheiten ihres Gemahls nicht verantwortlich zu machen ist, Linderung in der Not brachte. Frauen! Es gilt. Lassen Sie die Bitte Gsch Sie „terrtGe" Einigkeit! „P o st c i! i a a er ü b e I st er S o r t e — G r n ndfatzl 9 fe Öffiziere — S ch a n d b u b e n." Wir hatten in den letzten Nummern unserer Zeitung wiederholt berichten müssen, wie die völkischen -Führer übereinander herfallen und 'sich gegenseitig die größten Beschimpfungen an den Kopf werfen. Der „Vorwärts" vom 23. November teilt einen Brief mit, den böig- Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Charlottenburg des Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverbaudes für das Deutsche Reich, E. S ch m i d t, an den völtischen Landtagsabgeordneten Anton D r e x l e x in Vcünchen gerichtet hat. Da wir die Spalten unserer Zeitung für zu sauber hatten, um all den völkischen Schmutz, den Völkische über Völkische Zusammentragen, Zu veröffentlichen, begnügen wir uns mit einigen wenigen Auszügen aus der „Fülle des Materials" des Briefes. . Der bekannte völkische Agitator V o l ck * in Lüneburg wird bezeichnet als „der sattsam bekannte und berüchtigt^