Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 730 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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730 machte sich auch schon an die Konstruktion einer Dampfturbine, die erst heute im Reiche der Technik zur Geltung gekommen ist. Vor allem schwebte ihm bei der Konstruktion seiner Erzeugnisse, besonders der Dainpsmaschineir, der Gedanke vor, daß diese Maschinen auch Wirtschaftlich vorteilhaft sein müßten. Er kam sich fast wie ein Betrüger vor, wenn er sich sagen muhte, die Maschinen arbeiteten nicht so ökonomisch, wie er es'sich gedacht hatte. So kam es, daß er innerlich ganz froh war, als er nach dem Sturm der Gründer-- fahre sich von diesem Unternehmen zurückziehen konnte. Er fühlte in sich die Befähigung zum großen Konstrukteur. Er hatte die technische Phantasie, die durch intime Kenntnis der maschinellen Praxis weise gezügelt wurde. Doch der Gelderwerb war ihm nur eine Begleiterscheinung der Arbeit und ein äußeres Zeichen sür ihren Erfolg. So \wä}k er wieder das Ausland aus. Diesmal war es nicht England, sondern Amerika, das schon damals als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten galt ... An die großartige Verbindung und ihre gegenseitige Befruchtung der Maschinentechnik und der Elektrizität, die Rathenau zu seinem ureigensten Schaffensgebiet mit der größten Leistung seines Lebens führen sollte, dachte er aber damals noch nicht. In Amerika be-ovachtete er mit kritischem Blick die Fortschritte der Technik, die er auch in Deutschland einführen wollte. Die Weltausstellung in Philadelphia hatte es ihm angetan; hier sah er Telephon und Mikrophon, eine dem Gedanken nach deutsche Erfindung, zuerst praktisch brauchbar ausgeführt in überzeugender Wirksamkeit. „Das Telephon und das fast gleichzeitig mit ihm erfundene Mikrophon haben vielleicht in ihrer verblüffenden Einfachheit die Bewunderung niemals erregt, die minder bedeutsamen Errungenschaften der Technik zuteil geworden war. Mich elektrisierten förmlich die ingemeusen Apparate . . Aber aus dem Plan, sür Berlin eine Telephonzentrale zu schassen, wurde zunächst noch nichts, da der sonst so weitsichtige Generalpostmeister Stephan versagte. (Freilich hat eine spätere Nachprüfung ergeben, daß Stephan sewst an diesem Versagen schuldlos war.) Später kam Stephan selbst auf die Idee zurück und bot Rathenau an, die Einftihrung des Telephons im öffentlichen Postdienst aus Reichskosten zu leiten. Ehrenamtlich führte er dreien Auftrag aus. Aber sobald er die grundlegende Organisation geschaffen hatte, verließ er das Arbeitszimmer im Rerchspostamt, um nach kurzer Uebung auf dem Gebiete des Schwachstroms zu der durch die Elektrizität veredelten Technik zurückzukehren. Ern Besuch in Paris, wo er auf der Elektrizitätsausstellung (1881) die Edisonsche Glühlampe erblickt hatte, ließ ihn sofort die ganze Zukunftskraft dieser Erfindung erfassen und wies ihn auf die rechte Bahn. Mit Recht betont Oskar v. Miller, der Schöpfer des deutschen Museums für Meisterwerke der Technik und Naturwissenschaften, der mit Rathenau von 1883 bis 1890 gemeinsam Direktor der Edison- Gesellschaft, der späteren A. E. G., war: „Einen besonders bedeutungsvollen Allsgang für die so erfolgreiche Tätigkeit Emil Rathenaus bildete die elektrische Glühlampe. Sein sicherer Blick zeigte ihm die Bedeutung dieser Erfindung bereits zu einer Zeit, in der einer unserer größten Gelehrten die Edisonlampe noch als das „Pseudo-Gaslicht" bezeichnete und darin einen unverzeihlichen Rückschritt sah. War es doch bereits gelungen, in der Bogenlampe eine dem Sonnenlicht ähnliche Beleuchtung zu erzielen. Rathenau förderte mit allen Mitteln die Glühlampensabrikation. Er hatte damals nicht nur die gesamten bestehenden Patente erworben, sondern er hatte selbst die Vervollkommnung der Lampe durch Aenderung der Glühkörper, durch Verbesserung der Evakuierung usw. angeregt. Seiner persönlichen Arbeit war zum größten Teil die lech ms che Verbesserung, vor allem aber die weitgehende Verbilligung und damit die Verbreitung der elektrischen Glühlampe zuzu schreiben. In einein kurzen Jahrzehnt — die deutsche Edison-Gesellschaft war inzwischen gegründet worden — gelang es dem bauenden Genie Rathenaus, aus einer eng begrenzten Spezialfabrikation trotz aller technischen und vertraglichen Fesseln ein großes universelles Fabrik- und Gesckstiftslinternehmen zu machen. Mit der Einführung der elektrischen Glühlampe, dem Bau elektrischer Zentralstationen und der Errichtung von Ueberlandwerken war das weite Arbeitsfeld Rathenaus noch nicht erschöpft. Er erwarb sich die größten Verdienste auch um die Vervollkommnung der elektrischen Bahnen und um die Begründung elektrochemischer Betriebe. Aber dieser Techniker, dessen Hauptinteresse zu allen Zeiten der Herstellung von Maschinen und Apparaten galt, und der er fortgesetzt einen sehr erheblichen Teil seiner persönlichen Arbeit widmete, hatte sich auch selbst zum Kaufmann herangebildet und sich hierbei Fähigkeiten erworben, wie sie selbst dem beruflich geschulten Finanzmann nur selten eigen sind. Wenn Werner Siemens sür Deutschland der Wissenspionier der Elektrizität gewesen ist, so wurde Rathenau ihr industrieller Vorkämpfer. Sein Finanz- und Organisationsgenie kannte keine Umnöglichkeiten. Im volltönenden Latein hat ihm einst die Berliner Universität als Erich Schmidt Rektor und Gustav Roethe Dekan der philosophischen Fakultät waren, die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie verliehen. Die Auszeichnung wurde — in deutscher Uebertragung — wie folgst begründet: „Ihm, dessen Verdienste um die Naturwissenschaft, ihre Lehre und Anwendung, in aller Munde sind — Dem lichtspendenden Prometheus unserer Stadt — Dem fußbeschwingten Merkur unserer, die Lust erfolgreich durchfliegenden Daedalussöhne — Dem um die Mehrling des allgemeinen Wohles, Glückes und Reichtums unseres Vaterlandes hochverdienten Manne." Mögen alich diese Worte der Anerkennung halb vergessen sein, Emil Rathenau, der arn 20. Juni 1915 im 77. Jahre seines an Arbeit und Schöpfung reichen Lebens dahin geschieden ist, er lebt in dem fort, was er sür das deutsche Volk, ja, für die ganze Kulturwelt, geleistet hat. ■ Erklärung. Adolf Hitler hatte gegen mich einen Prozeß angestrengt, weil ihm in einem Artikel der „C. V.-Zeitung" der Vorwurf des Vaterlandsverrats gemacht wurde. Er ließ die Strafverfolgung verfahren, und das Verfahren wurde auf seine Kosten deshalb eingestellt. Neuerdings erklärt der Anwalt Hitlers der Presse, daß Hitlers Verhaftung diesem Veranlassung gab, von der Fortführung der Prozesse Abstand zu nehmen, und daß ich selbst die Möglichkeit gehabt hätte, den Prozeß fortzuführen und Beweise für meine Behauptungen zu erbringen. Hierzu stelle ich folgendes fest: 1. Hitler ist in Nr. 16 der „C. V.-Zeitung" ein Vaterlandsverräter genannt worden. Er hat diese Bezeichnung aus sich sitzen lassen und hat den Versuch, sich durch ein öffentliches Gerichtsverfahren hiervon zu reinigen, fallen Lassen. 2. Durch Urteil des Volksgerichts München vom 1. April 1924 ist Hitler des Hochverrats schuldig gesprochen. Hierdurch ist der Beweis des Verrates in aller Öffentlichkeit gegeben. Diese Tatsachen genügen, um das Verhalten Hitlers zu kennzeichnen. Dr. Ludwig Holländer, j Direktor des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, E. V. Korpulenz - Fettleibigkeit Dr. Hoffbauers ges.geuh. 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