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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. Seite 729

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 729 (sequence 17)
Language
German
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729 andern cmLust; gleichst, großer Junge du, dem kleinen Kinde, das Tiere quält, weil es von ihrem Schauerz nicht weiß. Das gehört nicht mit zu deinem Ideal, welches dich so ziert, das gehört ex officio nicht mit zu deinem Ideal, daß du dir seine Opfer auch einmal von innen denkst: Leid, Seelenkränkung, Menschentränen und die Frauen, die alle ihre Tränen vergossen haben. Du kennst nicht Ehrfurcht vor dem Unglück und schaust das von dir Gequälte mit dem gemeinen Tierblick nur von außen an. Du hast dein Herz so erkältet wie erhitzt. Emi! Ratheriau, öer Ingenieur. Von Kurt I o § L Nicht wenige, die dem technischen und wirtschaftlichen Leben Deutschlands sehr nahe stehen, werden bei dieser Ueberschrift ein wenig stutzen. Gewiß, der Name Emil Rathenau ist ihnen wohl vertraut. Wie kann man sich die A. E. G., die auch noch heute trotz des Niederganges von Deutschland mit ihren Leistungen fast ans dem ganzen Erdenball Erfolge erzielt, ohne Emil Rathenau denken? Auch jetzt noch, wo sich sein Todestag zum zehnten Male jührte, besteht sein stolz bescheidenes Wort zu Recht: „Die A. E. G. und ich sind eins." Aber man kennt ihn nur als den großen industriellen Kaufmann. Diese Anschauung weiter Kreise kann nicht wundernehmen. Hat doch selbst einst ein Mitglied des Aussichtsrats der A. E. G. gefragt, ob Emil Rathenau auch wirklich Techniker wäre. Diese Frage hat man stets mit vollem RE bejaht, und heute sieht man immer mehr ein, daß so wie die A. E. G. wurde, sie nur die Schöpfung eines weitschauenden, genialen Technikers, der aber zugleich industrieller Kaufmann war, sein konnte. Wennirgendeiner das Vorurteil widerlegen konnte, daß der Jude nur zum Geschäftsmann geboren sei, so war es Emil Rathenau mit seinem großzügigen Wirken. Henry Ford, der ein weit besserer Autornobilsabrikant als Volkswirt und Politiker ist, hat einmal geschrieben: „Der Jude ist bloßer Händler und Trödler. Er hat kein Bedürfnis au schaffen, sondern nur auszunutzen, was andere geschaffen haben." * Gegen diesen Fordschen Ausspruch hat sich der Begründer eines der ältesten elektrotechnischen Fabriken, Dr.-Jng. H. Voigts gewandt. Er hatte dabei eine verhältnismäßig kleine Maschinenfabrik von Wertheim in Frankfurt a. M. im Auge. Weit mehr noch als durch den Nähmaschinensabrikanten Wertheim wird durch Rathenaus weltumspannende Tätigkeit das Fordsche Urteil widerlegt. Werte zu schaffen, Bedürfnisse zu erzeugen, da8 war es ja, was Emil Rathenau immer von neuem zur Betätigung anspornte. Leicht ist es ihm nicht geworden, sich durchzusetzen. Als er am 11. Dezember 1838 in Berlin geboren wurde, da war gerade die erste Eisenbahn in Preußen vollendet. Sein Vater war noch in der Postkutsche aus der Uckermark nach Preußens Hauptstadt gekommen. In der üblichen Weise besuchte Emil das Gymnasium zum Grauen Kloster. Besondere technische Neigungen machten sich wohl geltend, aber gerade nicht überwältigend. Da Verwandte von ihm, die Industriellen Liebermanns, ein Eisenwerk mit Maschinenbauanstalt in Wilhelmshütte bei Sprottau befaßen, so wg er dort hin, um nach Vollendung seiner Gymnasialstudien sich praktisch als Maschinenbauer auszubilden. Die Lehre war hier, wie die väterliche Erziehung zu Haufe, streng, und das verwandtschaftliche Verhältnis zu den Inhabern der Fcckrik schaffte dem jungen Maschinenvauer in der Arbeit keine Erleichterung. „Proletarier in blauer Bluse, mit zerschundenen Händen", so bezeichneie er sich selbst eimnak später in Erinnerung an seine praktische Lehrzeit, und er dachte mit etwas wehmütigem Lächeln daran, wie oft er fich vor seinen vornehmen, schönen Kusinen drückte, wenn er in ihre Nähe ohne Kragen und in grober Arbeiterklerdung kam. Volle viereinhalb Aahre dauerte diese Tätigkeit in der Fabrik. Wie wenige unserer hervorragendsten Ingenieure können sich einer so langen praktischen Lehrzeit rühmen. Mit gründlichen handwerklichen Kenntnissen zog er auf die Technische Hochschule nach Hannover. Aber allzulange war hier feines Bleibens nicht. Er, der Berliner, fühlte sich hier aW guter Preuße, und das verschnupfte manchen Lehrer und nicht wenige Hörer, da damals die Hochschule eine Hochburg des welfischen Geistes war. So wänderte der junge preußische Student nach Zürich, und hier auf dem eidgenössischen Polytechnikum bestand er die Abgangsprüfung mit der besten Nummer. Der junge Techniker mit dem Diplom „eines richtiggehenden Ingenieurs" fand Anstellung bei B o r s i g. Zuerst wurde er im Zeichenbureau beschäftigt, meist mit Arbeiten untergeordneter Natur. Aber bald erkannte man seine Fähigkeiten, übertrug ihm die Konstruktion von Gitterbrücken, das Entwerfen von Lokomotiven. Das Gehalt betrug- 25 Taler monatlich. Bald hatte man erkannt, welch schätzenswerte Kraft man an dem jungen Ingenieur hatte, wenngleich die alten Maschinenmeister, die an ihrer empirischen Technik festhielten, von den neuen wissenschaftlichen Methoden nicht viel hielten. So nahm es denn nicht wunder, daß Rathenau sich hier nicht recht zufrieden, fühlte. Es zeigte sich, wie einer seiner Biographem Dr. Felix Pinner, mit Recht bemerkt, „die fruchtbare Unzufriedenheit des nach Großem strebenden Charakters, dem seine innere Entwicklung mehr wert war, als eine gesicherte Existenz". Der Durst nach weiter Welt trieb ihn aus Berlin fort, obwohl einer der leitenden Direktoren von Borfig ihn durch die Aussicht auf eine bessere, unabhängigere Stellung zu halten suchte. Nach dem klassischen Lande des Maschinenbaues strebte sein Sinn. Bald fand er auch in der Schisssmaschinenfabrik von John Penn u. Cie. in Greenwich Beschäftigung. Nach zweijähriger/Abwesenheit war er wieder in seinem geliebten Berlin. In seinem Grundgefühl war Emil Rathenau ganz bodenständig, in seinem Streben und Denken Kosmopolit. Jeder Fortschritt, jede Errungenschaft, jede Verbesserung der Verhältnisse, die er irgendwo draußen sah, waren ihm nie allein Inhalt genug. Er konnte sie nur in Verbindung mit der Heimat denken^ der er entstammte und für die er das Geschaute ausnutzen wollte. Außer den technischen Erkenntnissen gaben ihm die Auslandsreisen den freien Blick des. Staats- und Weltbürgers und eine ausgeprägte demokratische Anschauungsweise . . . Doch wir greisen dem Entwicklungsgang dieses eigenartigen Mannes vor. Als er nach der Reichshauptstadt zurückgekehrt war, versuchte er 3 selbständig zu machen. Er hatte sich inzwischen auch mit 'athilde Nachmann, der Tochter eines angesehenen Bankiers, verheiratet. Nun sollten die englischen Erfahrungen praktisch verwertet werden. Er erwarb die Berliner Maschinenfabrik von M. Weber in der Eha-ufseestraße, die zu ihrer Zeit in Fachkreisen äks ein glänzend geleitetes Unternehmen galt. Auch einen Kompagnon, der sich mn die geschäftliche Seite kümmern sollte, fand er in einem Jugendfreunde, Valentin. Das Unternehmen ließ sich gar nicht schlecht an, und Rathenau zeigte, daß er nicht bloß am Zeichenbrett ein tüchtiger Maschinenbauer war. Er erfand eine Zentrifugalpumpe, die für damals ganz Bedeutendes leistete. Er Mastei-l.sainm-Sr'Stoksn, unbegrenzt haltbare Weissbrötchen, ärztlich" begutachtet und verordnet. 10 Beutel & 4 Brötchen M. 3—, 100 Beutel M. 30 — franko. Diaetei-Primärbrot, Geschmack herzhaft wie richtiges Schwarzbrot. 1 Brot M. 0,75. Diaetei-Primärmehi zur Hexstellung des Primarbrotes im eigenen Haushalt. 1 Beutel ----- 2 Brote M. 1,25, 15 Beutel M. 18,75 franko. Biaetei-Fermeftt-Sdiokolade, ohne Saccharin. Höchster Wohlgeschmack. 1 Packung M. 1,25, 10 Packungen M. 12,50 franko. Ferner: Weizenmehl, Früchte, Marmeladen, Säfte. 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