Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 728 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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728 HQiiSii, dea 24. Nsvember; Spichernsäle, W 59, Spldiernstrasse 3 Donnerstag, den %7, frie^embers Schweller Garten, HO 43, Am Friedrichstiain 29-32. Es sprechen: Rabbiner Dr. Braunschweiger, Oppeln Justizrat Dr. Brodnitz, 1. Vorsitzender des C V. Staatsrat a. D. Dr. Ludwig Haas, M. d R Dr. Ludwig Holländer, Direktor des C V. Rabbiner Dr. Jacob, Dortmund Dr. Paul Nathan, Berlin Rechtsanwalt Dr. Regensburger, Vizepräsident des Braunschweiger Landtages CU«! Ih ist alle eniiit Mn öie -eutfchvölkifche Jugenö. Bon Cs-ttstantin Brmmer. Im Verlage von Gu-stav Kiepenheuer in Potsdam erscheint soeben ein Buch Consta ntin Brunners: „Vom E i n s r e d I e t L o n stantin Brunner". Wir geben in folgendem die ergreifenden Ausführungen aus dem letzten Kaprtel: „Das Unglück unseres deutschen Volkes und unsere Völkischen", gerichtet an einen lugendlichen Völkischen, wieder. Die S ch r i f t l e i L u n g. IH mag nicht wiedergeben, was du redest über die gefallenen Juden. Der schlechteste von den gefallenen Juden ist höher zu beklagen aks der beste von den gefallenen Nichtjnden; denn er hat für Untiere und Feinde, w-ie du bist, sein Leben hingeopsert, statt für sein Land. Du machst deine Vaterlandsliebe zum Feind deines Vaterlandes, du machst dein Vaterland an dem Gefallenen Zum Betrüger, du nimmst deinem Staat sein höchstes- Recht. Denn der Staat, das ist die Ordnung und die Freiheit; der Staat garantiert Sicherheit des Besitzes und der Ehre einem jeden Staatsbürger, und dafür schuldet dieser im Falle der Not sein Leben seinem Staate. Aber niemand schuldet seinem Staate oder irgendwem im Staate das Opfer seiner Ehre, vielmehr hat der Staat einzustehen dafür, daß niemandem seine Ehre ungestraft angetastet werde. Unterläßt der Staat diese seine wesentliche Pflicht, so verwirkt er auch sein höchstes Recht, das Opfer des Lebens zu verlangen; und schützt er nicht die Ehre seiner gefallenen Krieger, so ist er an diesen nachträglich Zum Betrüger geworden und verwirrt die Gemüter. Was sollen die andern fühlen, die gekämpft haben und noch leben; was sollen die Hinterbliebenen derer fühlen, die gestorben sind, — wie sollen sie ihren Gram fühlen, zu dem ihnen Schmach hinzu gegeben wird; was sollen sie fühlen, deren Leben dereinst wiederum vom Vaterland gefordert werden kann? Sie fühlen Widersprechendes und wissen nicht, was sie fühlen sollen. Das Vaterland sge fühl ist in ihren Herzen bewölkt; und es ist bedroht, wenn das Vaterland sie betrügt, und grinst sie an und läßt sagen im Lande: das wäre VäterlandsgefüM, sie -betrügen, um Ehre und Leben! Es ist weit gekommen mit dem Patriotismus eines Landes, wo die gefallenen Krieger ungestraft geschändet werden und ihren Hinterbliebenen, zum Elterntroft, zum Witwentrost und Waisentrost, der Balsam des Hohns gespendet wird von denen, die am Leben geblieben find. Wir hätten solches nimmer geglaubt und nicht gedacht dereinst glauben zu müssen, was bis aus diesen Tag in der Welt noch nicht gewesen; aber wir glauben es heute dir. Du bist am Leben geblieben, und in dir steht der Patriotismus am höchsten. Und darum strafe ich deinen Patriotismus und Idealismus und will von ihm nichts hören. Tu aus deinem Munde die großen Worte über das Vaterland, als warst du die einzige idealistische Jugend. Der Idealismus unserer anderen Jugend ist unweit idealer; denn ihre subjektive Begeisterung kommt besser überein mit dem wirklich objektiven Ideal, und ohne Ideal ist besser als sein wie du, der den Begriff und das Gefühl des Ideals verloren hat bis zutiefst in sein niederträchtiges Gegenteil hinein, bis zu ruchlosem Menschenhaß, hintertückisch feigem Mord am edelsten Arbeiter für dein Volk und Leichenschändung der Krieger, die für dich geblutet haben. Dein Versprechen, daß du ein anderes Mal auch selber Leiden und Tod aus dich nehmen willst, und deine wirkliche Bereitschaft dazu, berechtigt dich noch nicht zu Verbrechen. Das ist schön für die Jugend wie für das Alter, Leiden und Tod nicht zu fürchten, die doch nun einmal an das Dasein geknüpften, nnd beidem sich darbieten für eine gute Sache der Allgemeinheit, die besser ist als ein junger oder ein alter Mann mit seiner Sache und als der Tod im Bett. Mer alle sollten das Böse fürchten, aus dem nimmer Gutes kommt und wodurch Unglück nur verschlimmert wird; alle sollten sich fürchten. Unrecht zu' tun und anderen Leiden und Tod Zu bereiten. Das bedenkst du wohl nicht, mein Kind; aber es ist dir not, das zu bedenken, und es ist unserem Lande not. Hör, was ich dir sage'; ich sage dir dasselbe, was dir deine Hetzlehrer sagen, — auch ich sage: Auf dir beruht das Heil des Landes; du mußt dich ändern, damit es kommen kann. „Jugend hat keine Tugend", das gilt nun heute wahrlich von dir. Aber es liegt in diesem Wort auch die Hoffnung gebende Wahrheit: Jugend hat keine Tugend, weil sie noch erst auf dem Weg zur Reife ist, noch Verwandlungen zu erwarten stehn, ihre Gedanken noch wässern müssen; wert in ihr doch das Jntellektive überwogen wird von dem Sensitiven und Affektiven, und weil sie mit ihrer ungefügen, sich leicht übersteigernden Heftigkeit ebenso leicht irre gehen kann, ablenkbar und verführbar ist. Du bist verführt von argen Verführern, bestochen, berauscht vom Schlagwort, dem Glauben und Nichtdenken, und von der tatverheißenden Romantik, die aber die Romantik des bösesten Wahnwitzes. Man hat für dich diesen Wahnwitz verknüpft mit dem Spiel der Kraft, das dir wohl ansteht und Freude macht, und mit den größten Versprechungen, zu deren Erfüllung nichts nötig sei als deine heroische Tat. Und so hat man deinen Kopf und dein Herz weg, so bist du entstelltet und übervökkischt und in ein schnelles Tempo gelangt Zu solchen Taten, von denen ich dir gesprochen habe. Und schämst dich nicht, weil du nicht weißt, was du tust, und nicht fühlst, was du