Wissen und Waffen
- Journal
- Wissen und Waffen
- Volume
- [2. Folge] (1924)
- Issue
- 3 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 Woran erkennt man dann die Zugehörigkeit Zu einer Nation? Ist es Die Sprache? Ganz gewiß ist die Sprache das wichtigste äußere und kraft der KulLurwerte, die in ihr ruhen, eins der wichtigsten inneren Bindemittel einer Nation. Aber die Sprache allein tut es auch nicht. Trotz der gleichen Sprache gehört der kanadische Franzose nicht zur französischen Nationalität, trotz der gleichen Sprache ist der-Jrländer vom Engländer national getrennt. Die Gemeinsamkeit der Sprache bildet erst dann eine Nation, wenn zu ihr die Gemeinsamkeit Der Kultur und Wille und Bewußtsein, mit anderen Worten, die nationale Gesinnung hinzukommen. Schon lange hatte Deutschland, dank unseren Klassikern, eine gemeinsame G e i st e s k u l t u r und doch scheuten sich deutsche Fürsten nicht, durch Gunst und Gnade Napoleons I. als Angehörige des Rhernbundes Großherzöge und Könige zu werden. Das nationale Zusammengehörrgkeitsgefühl, der Wille zum Deutschtum, fehlte eben. Er fehlte bei ihnen, wie er bei jenem Manne gefehlt hat, der, zu den wenigen nachweislich aus germanischem Uradel stam- , wenden Deutschen gehörend, es mit seiner Abstammung und .j seiner Vergangenhect als Preußischer Gardeossizier vereinen! konnte, imWeltkriege an der Spitze eines dentschlandseindlichen! Staates zu stehen: Ferdinand von Hohenzollern, < König von Rumänien. Diesem Mann fehlte das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Deutschen genau so, wie es den „echt preußischen Männern" der „Kreuzzertung" gefehlt hat, die in den Jahren der Revolution von 1848, als die Sehnsucht nach Einheit durch das gesamte deutsche Volk ging, von dem „gottlosen Nationalitätensch Windel" sprachen und schreiben konnten: „Von einem natürlichen, im gemeinsamen Blute wurzelnden Angehörigkeitsgefühl des einen Deutschen zum - andern ist in Deutschland gar nicht die Rede." l Und damit vergleiche man jenen jüdischen Abgeordneten Levh aus Landau in der Pfalz, der im Jahre 1870/71 durch die Wucht seiner Rede gegen den ‘ Widerstand sogenannter „weibischer Patrioten" die Bayerische Kammer zum Anschluß an das gesamte Deutschland und zur Beteiligung am Kriege mitFrankreich fortriß. Was sein Blut und welches seine Abstammung gewesen sein mag, er hatte die rechte Gesinnung. Aber, so wird vielleicht eingeworsen, das sind Einzelsälle. Die Juden als Gesamtheit gehören nicht zum deutschen Volk, sie gehören auch nicht zu den verschiedenen anderen Völkern, in deren Mitte sie leben, allen Völkern gleichmäßig fremd, untereinander gleich, bilden sie ein Volk für sich, einen Staat innerhalb und überhalb der Staaten. Ist das wahr, was Theodor Fritsch in seinem Handbuch der Judenfrage sagt: „Die Wahrheit ist: die Juden bilden trotz * ihrer Zerstreuung über alle Länder eine besondere Nation, ja, ernen besonderen Staat"? Es ist nicht wahr. Zie deutMu Mm haben ihre Heimat in Deutschland. Es ist nicht wahr, daß sie in verhältnismäßig junger Zeit eingewandert sind. Bis in die frühesten Zeiten deutscher Geschichte, in die ersten Jahrhunderte der jetzigen Zeitrechnung, geht ihre Ansässigkei.t an Rhein und Donau, ttt Köln, in Worms und Regensburg zurück, j Gewiß, die Juden, die damals nach Deutschland kamen, waren;! anderen Blutes als die Germanen. Das sind aber die Kelten, Romanen und Slawen, die mit den Germanen zusammen die;s Vorväter der heutigen Deutschen sind, auch gewesen, und in V jenen alten Zeiten waren die Gegensätze noch nicht vorhanden, > die später die Vermischung behindert haben. Bis in die Zeiten der beginnenden Kreuzzüge sind gar nicht selten Ueber-; tritte zum Judentum vorgekommen. Wie will man sich Denn die merkwürdige Tatsache erklären, daß bis vor wenigen Jahrzehnten die nngehenre Mehrzahl aller Inden bis tief nach Rußland und Ungarn hinein einen deutschen Dialekt, Das sogenannte Jiddisch, als Mnttersprache gesprochen hat? Heute wissen wir, daß dieses Jiddisch kein verdorbenes Deutsch, sondern eine von der späteren Umbildung der deutschen Sprache, die mit Luther begann, unbeeinflußt gebliebene Abspaltung des Mittelhochdeutschen ist, die ihr Seitenstück im Pennshlvaniadeutsch und im Kapholländisch findet. Die jüdischen Massen, die mit den deutschen Kolonisten nach Osten zogen und die nach den Verfolgungen des \ Schwarzen Todes von 1348 nach Osten flohen, haben die Sprache der deutschen Heimat ihrer Vorväter durch die Jahrhunderte bewahrt. Hier hätte eine verständige „nationales Kulturpolitik" Eroberungen für den deutschen Gedanken., machen können. Im Weltkriege hat ein L u d e n d o r f s es verstanden „zu die Jidden in Paulen" freundliche Worte zu finden, heut hat man das vergessen. Ein deutscher Gelehrter vom Range Karl Lamprechts mußte nach Amerika fahren, unk dort im Jiddischen Theater zu der Erkenntnis zu kommen, was hier doch dem Deutschtum verloren gehe. Denn die zweite Generation der nach Amerika Ausgewanderten spricht bereits englisch. Das sind Tatsachen, die mit der Vorliebe oder Abneigung gegenüber dem Ostjuden von heute nichts zu turf haben. Der hat seine eigene Kultur und ist gewiß kein Deutscher. Aber keine Kultur hat ans ihn so tief eingewirkt wie die -deutsche Kultur der Heimat seiner Vorväter. Der Jude, der in Deutschland geblieben ist, hat aber seinen vollen Anteil an deutscher Kultur behalten. Steht seinem Deutschtum entgegen, Daß seine Religion eine andere ist, als Die christliche Der Mehrheit Der Deutschen? Der jüdische Deutsche ist durch seine Religion dem christlichen Deutschen, der mit ihm die gleiche Heilige Schrift teilt,- noch näher verbunden, als das gewisse Völkische sind, die'- die christliche Religion über Bord geworfen haben und das'' altgermanische Heidentum wieder herausbeschwören wollen und die sich in Beschimpfungen des Christentums, insbeson-' dere seiner katholischen Form, nicht genug tun können. Diese; Leute sehen-schon längst nicht mehr den „Feind in Inda", schon lange lautet ihre Parole „gegen Juda und Rom". Aber vielleicht ist die Kultur ein Produkt reingermanischen Geistes, daran die Juden Anteil zu nehmen „von Rasse wegen" unfähig sind? Aber die Völkischen behaupten selbst nicht, daß die/ deutsche Kultur rein germanisch sei. Sie wollen sie ja selbst erst durch Ausmerzung aller fremden Bestandteile rein germanisch machen. Viel hätten sie dann auszumerzen. Sie hätten auszumerzen das ganze Christentum — und das wollen ja auch viele von ihnen — sie hätten auszumerzen die gesamte klassische Bildung, alles, was von Griechen und Römern stammt, und wie wir dann noch! den Weg zu unfern klassischen Dichtern, zu! Lessing, Schiller und Goethe, die im Griechen- und' Römertum wurzelten, finden wollen, ist dann die Frage. Wir werden sie wohl absetzen müssen. Die ganze wirkliche deutsche Kultur wird durch derartig engstirnig-völkische Gedankengänge in Frage gestellt. .. So wie kein heutiges Kulturvolk ungemischter Rasse ist, sondern das Blut verschiedener Völker in sich trägt, so gibt^es auch keine reine nationale Kultur in dem Sinne, daß nur Kulturbestandteile, die von einer einzelnen Rasse herstammen, in ihr wirksam sind. Mt Recht sagt der hervorragende Geschichtsforscher Hans Delbrück, von dem bekannt ist, daß/ er die Juden nicht besonders liebt: „Drei Völker des Altertums sind es, von deren geistigem Dasein wir heute noch zehren, so sehr zehren, daß wir., sagen können, sie seien ein Teil unseres geistigen Selbst,/ die Juden, die Griechen und die Römer." Wenn die heutigen Deutschen, darunter auch die Nachkommen alter Germanen, imstande gewesen sind, sich das' Kulturerbe der Juden, Griechen und Römer zu eigen zu machen und es mit dem gernrawschen Bestandteile der deutschen Kultur zu einem Ganzen zu verschmelzen, warum soll dann der jüdische Teil der Deutschen, der zu dieser Kultur auch das Seine beigetragen hat, unfähig sein, an dem Ganzen dieser Kultur so teil zu haben, wie die übrigen Deutschen. Die EeMnuug und der Wille zum Deutschtum Md hier 1 so wie der Mangel dieser Gesinnung und der böse Wille für jene Leute deutscher Herkunft entscheidend gewesen ist, die sich zu anderen Völkern, Russen und Rumänen, gewandt haben. Ein christlicher Mann, der verstorbene Pfarrer Dr. Friedrich/ Naumann, faßte von seinem Standpunkt aus: „Der Schützengraben ist ebensogut wie die Taufe". Mehr als' X 0637^6