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Wissen und Waffen · 1924-11-21 · 3 (21.11.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[2. Folge] (1924)
Issue
3 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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Wissen und Waffen Veilage der „C.V.-Zei!ung" Tatsachen für den Wahlkampf 2. Folge Nr. 3 21. November 1924 Die Zabel von -er „Mölschen Internationale"- Unter den Schlagworten der völkischen Judenfeinde nimmt i eine der vordersten Stellen die Behauptung ein. daß die Juden aller Länder über die Landesgrenzen hmweg eme fest ge- [ g* "llossene Gemeinschaft bildeten, die, zielbewußt geleitet, auf die > eltherrschaft hinstrebe und schon seit langem bei allem Unglück. das die Völker befalle, die Hände im Spiele habe. Der internationale Jude soll der Drahtzieher sein, der, selbst unsichtbar bleibend, das ganze Getriebe der Welt lenkt. Diese phantastische Vorstellung ist ein Ammenmärchen für politische Kinder, aber die Ereignisse der legten Jahre haben gezeigt, daß die Zahl der Politisch Unmündigen, die aus derartiges hineinfallen, immer noch betrübend groß ist. Ein Schwindelbuch, die sogenannten „Geheimnisse der Weisen von Zion", hat gläubige Leser gefunden. Dabei bedarf es nur einiger ruhiger Ueberlegung und der Besinnung auf eine Anzahl von der Wissenschaft längst festgestellter Tatsachen, um das Unsinnige aller dieser Beschuldigungen einzusehen. Der Jude soll in seinem ..Wirtsvolk" ewig ein Fremder sein, er soll gar nicht national sein können und deshalb international sein müssen. Was bedeutet überhaupt national und tuteruational? Für die völkischen Judenfeinde liegt die Frage, was national ist. äußerst einfach. Im Kernpunkt ihres Denkens steht die Lehre von der Rasse. Wer deutsch ist. gehört der germanisch-arischen Edelrasse an und hat teil an allen ihren Eigenschaften. Nur der Rasse ngenosse kann deutsch, nur er kann national sein. Den Juden, der unter ihnen wohnt, halten sie für einen Rassefremden. der. von anderer Rasse stammend, ihnen ewig fremd bleibe und unfähig sei. als Deutscher zu fühlen. Es ist leicht, diese Vorstellungen zu widerlegen. Was macht eine Nation aus? Es ist nicht wahr, daß Raste und Nation zusammensallen. Alle großen Völker der Gegenwart sind aus Rassenmischungen hervorgegangen. Kelten. Römer und Germanen haben zum Aufbau des englischen Volks beigetragen. Auf dem Boden Frankreichs haben sich Kelten und Römer. Germanen. Griechen und A r a b e r vermischt. Das so einheitliche Volk der Spanier ist seiner Abstammung nach ein Gemisch des hhberischen Urvolks mit Puniern. Römern. Arabern. Goten und gar nicht wenig Juden. Es gibt kaum ein Volk des bewohnten Abendj landes. dessen Vorfahren nicht als Gefangene oder als Eri oberer nach Italien gekommen sind und dort zum Aufbau des heutigen italienischen Volkes beigetragen haben. Kelten und Germanen. Araber und Deutsche. Arier und Semiten haben zum Aufbau dieser Nation beigetragen. Die amerikanische Nation, deren einheitliches Nationalgesühl uns so stark und deutlich entgegentritt, ist ein Produkt der Zusammenschweißung unzähliger anderer Völker, darunter solcher, die sich in ihrer Heimat als grimmige Feinde gegenübergestanden haben. Engländer n.nd Iren? Deutsche. Italiener. Franzosen, Skandinavier. Polen, Russen und Ostjuden sind hier in der zweiten oder spätestens dritten Generation zu einer einheitlichen neuen Nation verschmolzen. Ist es in Deutschland anders? Ist das deutsche Volk einheitlich derselben Abstammung? Das ist nicht der Fall. Wohl sind unter den Vorfahren der heutigen Deutschen die alten Germanen aus der Zeit des Taciüis vertreten, aber der Deutsche von heute hat neben diesen noch andere Vorväter. Im Westen und Südwesten ist eine starke Beimischung von Kelten und Römern vorhanden, während der ganze Osten, von der Elbe und Saale ab. Koloniälland ist. dessen früher slawische Bevölkerung — noch heute zeugen davon die Wenden des Spreewalds und die Masuren in Ostpreußen — im Laufe der Jahrhunderte germanisiert worden ist. Ganz mit Recht sagt Dr. Dora Menadier in den deutschnationalen „Eisernen Blättern" des Pfarrers T raub: „Und doch können wir einfach nichi auch mm alle Deutschen, die von fremdem Blute nachweislich in sich haben, auSschalten, denn dann würden unsere Webstühle stille stehen, unsere Aecker unbebaut sein, unsere Städte verwaisen und eine kleine Schar bliebe im weiten Deutschland vielleicht übrig." In Europa und Amerika gibt es in der Tat keinen einzigen Staat, der aus einer unvermischken, reinrassigen Bevölkerung gebildet wäre. Wenn nur Leute gleicher Abstammung ein Volk und einen Staat bilden könnten, so würde mancher Staat auseinandergerissen werden. Die Schweizer deutscher, französischer und italienischer A b st a m m u n g haben das gleiche schweizerische Nationalg e f ü h l und denken nicht daran, sich a n Deutschland. Frankreich oder Italien staatlich anschließen zu wollen. Die französischen Kanadier haben trotz französischer Abstammung und Muttersprache, trotz her gemeinsamen katholischen Religion nicht das geringste ratt Frankreich gemein. Sie sind ihrem Nationalgefühl nach vollständig Angehörige des englischen Weltreichs geworden, ihnen entstammte der bedeutende kanadische Ministerpräsident Sir W i l l f r i e d L a u r i e r. Und endlich hat ihre deutsche Abstammung, ihre deutsche Sprache und ihre protestantlsche Religion große Teile des Adels im Baltikum nicht gehindert, dem russischen Staat jahrzehntelang Beamte und Feldherren, und dies auch noch im Kriege gegen Deutschland, zu stellen. Sie fühlten sich eben trotz allem, was an ihnen deutsch war, im entscheidenden Augenblick als Russen. Was nisufjt eine MjöNlM nus? Die Raffe kann es nicht sein. Wollte man auf den ursprünglichen Bestandteil der Nation zurückgehen, so würde man die heutigen Nationen auseinandersprengen müssen. Auch Sie Religion ist nicht Das entscheivende VinDegliev für eine Nation. Gewiß sind manche Völker, wie die Spanier und die Iren, wie die Polen, die Russen oder die Skandinavier, ihrer Religion nach einheitlich. Aber wer will behaupten, daß die Verschiedenheit der Religion bei Franzosen und Deutschen und Engländern einen Unterschied für die nationale Zugehörigkeit ausmacht. In England und in Frankreich gibt es katholische Minderheiten, an der Spitze des englischen Adels steht seit Jahrhunderten das katholische Herzoghaus Norfolk und die französische Republik hat heute einen protestantischen Präsidenten. Das deutsche Volt zeigt, daß die Verschiedenheit des Bekenntnisses keinen Einfluß auf das Nationalgesühl hat. Es ist eine Ueberhebung. wenn dem katholischen oder dem jüdischen D e u t s ch e n , wie das so oft geschieht, eine mindere Festigkeit des Nationalgesühts nachg e s a g t w i r d. Zar dringende« Veachtnng! Oie zu den vorigen Wahlen erschienene Folge 1 der Beilage,/Wissen und Waffen" erscheint in neuer, durchgesehener Auflage. Zu beziehen durch den philo Verlag, Berlin SW68, Vindenstr. 13 m

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