Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 727 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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727 Aus unserer Wühlarbeit. Massenversammlungen in Königsberg und Tilsit. Im ganzen Lande finden jetzt zur Wahl Auftlävungsversamm- Lungen n>nd Kundge'buniMn des Centv.al'oerems stallt. Zustizvat B r odnitz, Dr. H!v l! Ün d e r, Justiz rat S o n n e n f e -l d, Tr. Werner, Dr. Wertheim, Justizrar K i r s ch n e r , P a u l Nathan, Dr. Krombach (Essen), Dr. Regensburger (Braunschweig), Dr. Brunch Weil und viele -andere unserer Freunde reisen von Stadt zu Lkabt, um Wissen und Wahrheit zu verbreiten und den Judenhaß zu bekämpfen. Ueberall zeigt sich in.erfreulicher Weise der Wille zur Aufklärung durch den Massenbesuch der Versammlungen, und inan kann beobachten, daß gerade solche -Kreise, die noch im vorigen Wohlkamps es abgelehnt hatten, sich ausklären zu lassen, diesmal in unsere Versammlnngien strömen. In O st Preußen, der am stärksten nationalistisch eingestellten Provinz, hat sich dieser Umschwung ganz klar in zwei Riesenversammlungen gezeigt, in denen Dr. Bruno Wert über die .„Jüdisck-e Internationale" fprach. Riesenplakate hatten in Kö nigsberg und Tilsit zum Besuch dieser Versammlungen eingeladen. An einigen Svellen waren sie abgerissen, an anderen mit völkischen Klebezetteln beklebt worden — aber der Besuch von über 2000 Personen in Königsberg und etwa 700 in Tilsit zeigte, daß diese Versuche, unsere Versammlungen zu sabotieren, nutzlos 'waren. In Königsberg nahmen gleich zn Beginn des Vortrages etwa 100 bis 2 00 Stahlhelm- und Wehrjw o l f l e u L e in d e r Nähe des V o r st a n d s t i s ch e s Platz -und versuchten die Versammlung zu stören. Die Polizei hatte ein großes Aufgebot entsandt, Schupoleute in grüner Üniform stellten sich in die Nähe der Störenfriede, und der geschickten Leitn-ng unseres hochverehrten G e h e i m rats Falkenhe im.gelang es, die Ruhe soweit herzustellen, daß der Vortrag überhaupt stattfinden. konnte. Hin und wieder mußte sich der Vortragende, Dr. Bruno Weil, unterbrechen, weil die Schupo erst einige Störenfriede aus dem Saal 'entfernen mußte, aber der Redner verstand ech in geschickter Weise ans die Zwischenrufe nicht nur der Völkischen, sondern auch der jüdischen und der besonnenen nichtjüdischen Teilnehmer einzugehen, so daß die Versammlung ihm in seiner etwa eineinhalbstündigen Rede folgte und sogar den zweiten Teil der Rede ohne Storungen anhörte. Die völkischen Diskusfionsredner hatten nur wenig Erfolg; Vertreter der politischen Parteien, zwei Zentrumsleute, je ein Angehöriger der Ü. S. P.D., der MehrheitsSozialisten, der Kommunisten und Demokraten gaben in der Aussprache sehr befriedigende Erklärungen ab, und die Stahlhelm»- und Wchrwolfleute zogen schließlich ruhig ab, nachdem auch sie dem Vorträge sehr eifrig gelauscht hakten. Ansammlungen, die sich vor dem Saale bildeten, konnten ohne Zusammenstöße von der Schupo, die sich in vorbildlicher Weise benommen hatte und sich dafür sagen lassen mußte, daß sie zu judeufreundlich fei, auseinandergetrieben werden. In Königsberg wie in Tilsit setzte sich die Zuhörerschar aus Mittelständlern, auch einigen JntelkeLtuellen, m wesentlichen aus Christen zusammen. In Tilsit waren zwar auch die Völkischen geschlossen anin a r s ch i e r t unter Leitung, eines V a n k b e a m ten, aber hier gelang es dem Versammlungsleiter Dr. Artur Ehrlich, die Ruhe sofort herzustellen,, so daß vom ersten bis zum letzten Wort die Rede Dr. Weils ungestört augehört, wurde. Daß gerade in Tilsit, der Stadt, in der der berüchtigte Hauptmann Ammon die Massen monatelang aufgewühlt hatte, eine solche Versammlung unter großer Anteilnahme der christlichen Bevölkerung so ruhig verlaufen und, wie nur von unseren Freunden dort hören, so nachhaltig wirken konnte, läßt uns hoffen, daß auch in dieser so stark hakenkreuzlerisch verseuchten Provinz nunmehr die Vernunft gesiegt haben wird. ßu4j der Scherl-Verlag! Eine judengegnerische Wahlkorrespondenz. An die Provinzpresse verschickt die W i p r o (W i rtschaftsstelle der P r o vinzpresse, G. m. b. H.) eine Wahlkorrespondenz. Diese Wipro befindet sich, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, in Berlin SW 68, Zimmerstraße 35—41, und ist telephonisch zu erreichen unter Amt Dönhoff 4105. Das ist in allem genau die g l e i ch e Adresse wie die des Verlages A u g u st Scherl, G. m. b. H. In dieser Maternkorrespondenz liest man folgendes „geschmackvolle" Stückchen: Vertraulicher Gedankenaustausch. Nach der Rede Seiner Exzellenz des Generals der Infanterie v. Deimling aus dem Demokratentrubel im Sportpalast: Jtzig: Hat er gered't, sag' ich. Hat er gered't, wie wenn er hätb gefitzt in unserem Abraham sein Schoß! Schmul: Nu! Gott der Gerechte! Sitzt er denn nich? usw. Wir kennen keinen Jtzig oder 60)111111, der so widerwärtiges Deutsch spricht und solche Albernheiten von sich gibt, und sie sind wohl nur in der Wipro vorhanden. Ernster ist die Frage, ob der Verlag August Scherl, in dem der „Berliner Lokalanzeiger", die „Woche", das Berliner Adreßbuch erscheinen, solche Gosfenerzeugnisse deckt. Darauf Hütten wir gern eine Antwort. mm t