Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 725 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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725 Wie lange wohnen -ie ^uöen in Deutschland t r' Je seichter und 'oberflächlicher das Wissen vieler Menschen ist, um so mehr bedienen sie sich der S ch l a g w orte, und verfügen sie dabei noch über eine gewisse Redegelällfigkeit, dann iist es ihnen ein Leichtes, die Masse zu ködern und sich für eine vorübergehende Zeit einen Anhang zu verschaffen. In dieser beneidenswerten Lage befinden sich die meisten Hetzapostel der judenfeindlichen Parteien und der deutschsozialen und ähnlicher Zwerggruppen. Sie gehen auf ihren Wanderzügen mit dem Schlagwort „reines Raff ent um" hausieren, das wissenschaftlich nicht eindeutig feststeht, und es ist ihnen wirklich gelungen, die biederen Mecklenburger und etwas derberen Pommern, die ein typisches Mischvflk aus Slawentum und Germanentum bilden, in ihre Netze einzufangen und bei ihnen, den reinen Germanen, wie sie sie darstellen, gewisse Erfolge zu Erzielen. Nicht anders verhält es sich mit dem anderen Schlag- Wort „Gastvolk und Wirtsvolk". Die antisemitischen Demagogen reden dem Volke ein, Deutschland drohe, eine große Gefahr, von den Scharen der Ostjuden überschwemmt zn werden, und in düsteren Farben schildern sie, welche Gäste sich mit diesen Elementen in den deutschen Gefilden breitmachen wollen. Da die Antisemiten im Generalisieren groß sind, lassen sie auch tdurchblicken, daß sich der deutsche Jude auch nur als Gast des deutschen Volkes betrachten dürfe. Dabei verschweigen sie mit Wissen, oder gelinde gesagt infolge ihrer Unwissenheit, die historische Wahrheit. Um diesen Ignoranten den Star zu stechen, bringen wir eine Karte von Deutschland mit den ältesten Niederlassungen der Juden li n Deut s ch l a n d. Wahrscheinlich.. sind die ersten Iuden nach Deutschland mit den römischen Legionen gekommen, als dieses noch mit Urwald und Sümpfen bedeckt war. Aber streng wissenschaftlich haben deutsche und jüdische Forscher nach den Regesten, den chronologisch geordneten Urkundenvwzeichnifseu, festgestellt, daß Juden sich am Rhein und. der Donau i n d e n ersten Jah r h u n d e r t e n unserer Zeitrechnung niedergelassen haben. Köln wird als älteste Kolonie angesehen, lange, ehe das Christentum zur' Macht gelangte. Am Rhein befanden sich schon Juden in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt, aus dem 10. und 11. Jahrhundert sind jüdische Gemeinden in Süddeutschland und der Provinz Sachsen nachweisbar. Die Juden lebten mit der anderen Bevölkerung jahrhundertelang. im besten Einvernehmen, bis fanatisch angehauchter Rebigionshaß sie zwang, ihre Bodenständigkeit aufzugeben und ihre Znflllcht nach dein Osten zu nehmen, wo sie aber ihre deutsche Muttersprache, im erfreulichen Gegensatz zu deutschen Volksteilen, die, zur Auswanderung gezwungen, sich in nicht allzu langer Zeit mit dem Wirtsvolk assimilierten, boibehielten und von Geschlecht zu Geschlecht, wenn auch vermischt mit jüdischen-' Worten, fortpflanzten. Unsere Karte bringt den unumstößlichen Beweis, daß Juden in Deutschland wohnten,^ seit von ihm historisch gesprochen werden kann, und daß sie, die tausend Jahre auf deutscher Erde wohnen, mit dem «deutschen Vaterlande Ln Glück und Unglück immerdar Verb u n d e n sind. Dr. I u l i u s Roth h o l z. '*** < Die unterstrichenen Städte mußten infolge des unglücklichen Ausganges des Weltkrieges abgetreten werden. Oft!. I3n&<» V^v.6r»en w Ich^