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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. Seite 724

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 724 (sequence 8)
Language
German
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724 die -rutschen Iu-en als Sol-aten im Rriege. ' Von Dr. Paul Nathan. Das Arsenal antisemitischer Waffen ist armselig genug ausgerüstet. Immer holen sie die nämlichen Anklagen hervor, und wenn man näher zusieht, findet man, das; sie längst widerlegt.sind. Was bleibt in solchem Falle zu tun übrig, als entsprechend der milden Weisheit . Goethes zu handeln: „Der Irrtum wiederholt sich immerfort . . „ daher muß man das Wahre unermüdlich Lu Worten wiederholen/' Freilich „Irrtum" Märe eine zu milde Annahme, — für die antisemitischen Führer wenigste. Sie irren nicht; sie wollen ihr Anhänger absichtlich rr'cesühren. Sie tun es jetzt in der W a h l b e w e g it n g wiederum, indem sie von den Juden behaupten, sie seien schlechte Soldaten; sie Hütten inr Kriege als Vaterlandsverteidiger ihre Pflicht nicht getan, und wie es von den Bauern an den Strömen hieß: Wer nicht null deichen, der muß weichen, so müßten auch die Juden aus Deutschland weichen, die der Neberflutung unseres Vaterlandes durch Feinde sich nicht als Soldaten wie ein Wall entgegengestellt haben. Wie steht es mit dieser Behauptung, die als erlogen längst erwiesen ist, und gegen die daher nur einige wenige, knappe Tatsachen angeführt werden mögen. Es gibt zwei Veröffentlichungen, die diese Verleumdung widerlegen; die eine nennt sich „Die Juden als Soldaten^); sie behandelt auf Grund historisch Zuverlässigen Materials, insbesondere die preußisch-deutschen Kriege des neunzehnten Jahrhunderts; sie stamm!: von dem Verfasser dieser Zeilen. Die andere ist eine „Statistische Studie" von Dr. I. Segall-'j, und sie führt den Titel „Die deutschen Inder: als Soldaten im Kriege 1914—1918." Weder die eine noch die andere Schrift hat die Kritik, die antisemitische Kritik, zu erschüttern vermocht. Und was ergibt sich nun? Hier wenigstens einiges aus der Fülle dieses Materials. Der preußische Staatskanzler F ü r st Hardenberg war weder Jude, noch kann er als Judenknecht abgetan werden. Er schrieb an den Grasen Grote am 4. Januar 1815 das Folgende: .Auch hat die Geschichte unserer letzten Kriege wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinem Schoß airfgenornmeu, durch treue A n h L n g l i ch k e i L würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir * .haben auch unter ihnen Beispiele des w a h r e n Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegesgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Ein >w o h n e r, namentlich die Frauen, in A u f o p f e r u n g jeder Art, den Christen sich anschlossen . . In den Verhandlungen des Vereinigten Landtags von 1817 wurde alsdann eine „Denkschrift des preußischen Ministers des Innern über die Ausdehnung der Militärpflicht der Juden" vorgelegt, in ihr heißt es: . » Erwägt man nun, daß die Juden, nachdem sie von Sr. Majestät, dem Könige, durch die Verordnung vom 9. Februar 1813 und das Gesetz vom 3. September 1814 in Gemeinschaft mit der christlichen Bevölkerung zum Kriegsdienst berufen worden, in der Zeit der Gefahr nicht hinter den christlichen Einwohnern z ur ü ckg eb lieb e n sind . . daß sie seitdem im Friedensdienst sich überall zur Zufriedenheit geführt haben . . so muß man sich für die allfeitage Ausdehnung der Militürpflicht aussprechen." Die allgemeine Militärpflicht mit Einschluß der Juden wurde dann auch in Preußen restlos dnrchgeführr, und es gab hierauf in den Kriegen von 1864, 1866 und 187O keinerlei Beanstandungen geger: die jüdischen Soldaten. In den Jahren 1870/71 erhielten, um nur eines anzuführeu, 373 jüdische Soldaten das Eiserne Kreuz oder die entsprechenden Auszeichnungen der deutschen Bundesstaaten. Für den Weltkrieg 1914—1918 aber sei die folgende dokumentarisch belegte knappe Zusammenfassung aus dem Buche von Segall angeführt: 1. Zirka 160000 deutsche Juden haben au: Feldzug teilgenommen, das heißt, die jüdische Bevölkerung in Deutschland hat restlos den auf sie entfallenden Anteil von Kriegsteilnehmern gestellt. 2. Zirka 80 0O0 jüdische Kriegsteilnehmer sind an der Front gewesen, das heißt, vier Fünftel aller jüdischer: Feldzuasteilnehmer. 3. Zirka 12 000 jüdische Kriegsteilnehmer sind gefallen. 4. Zirka 85O00 sind kriegsdekoriert, 23 000 befördert worden, darunter rnehr als 2000 zu Offizieren. Diese Zahlen sollen keine Tafel der Ruhmredigkeit sein, aber sie sind ein Beweis jener schlichten Pflichterfüllung, die Christen wie Juden geübt haben, und die je derma :rn für selbstverständlich und für gegeben anerkennt — ausgenommen die unwahr-- hastigen antisemitischen Agitatoren, die der'Verleumdung sich nicht enthalten können. - . s) Berlin 1896, Siegfried Lronbach- *) Philo-Verlag, Berlin, 1921. SchwnrZ-weiß-Rot im „Mischen Grunöwalstr"' Völkische Versamrnlungsblüte n. Die nationalsozialistische Freiheitsbewegung führt seit kurzem den Wahlkampf rühriger. Wer dem Tamtam in Plakaten und Zeitungsnotizen entspricht im allgemeinen ein sehr kärglicher Versammlungsbesuch. Dafür wird dann um so hemmungsloser auf die Juden gehetzt. Sv fielen in -einer Versammlung, die am 17. November in Berlin-Friedenau stattfand, von dem "Redner, Professor Danicke. Worte wie: die gemeingefährlichste Presse wäre die Centra!- vereins-Preste. Der Ccntrawerein mutz arrsgerottet werden-. Hetzereien, die daun prompt durch Zurufe wie „wir werden die Juden am bester: totschlagen, wo wir sie immer finden", dankend quittiert wurden. Daß in diesen Versammlungen selbstverständlich jede den Völkischen unangenehme Persönlichkeit in der Oesseutlichkeit zum Juden abgestempelt wird, ist ein bekanntes Manöver. Der General D a w e s ist natürlich der Jude David, und er war nach völkischer Schmähung selbstverständlich niemals General. Recht niedlich aber ist die Behauptung, daß nunmehr a u ch die D e u t s ch n a r i o u a l e n einschließlich der vaterländischen V e r b ä n ö e völlig unter j ü d i s ch e m E i n - s l u ß z n st e h e n scheine n. So jagte der völkische Hauptredner in einer Berliner Wahlversammlung an: 16. d. M„ der preußische Landtagskandidat Oberjustizrat Dr. K ö r n e r , der < es also wissen ' muß, die völkische Parte i k ö n n e sich de m s ch w a r z w e i ß r o t e n B l o ck n i ch t a i: s ch ließen, wer l e r i i: j ü b i f ch e m G r u u d w a s s e r st e h e. Unö öu, EVer? Ein christlicher Freund schreibt uns: Der erste Blick morgens und abends gilt den: Briefschlitz an der Flurtür: in dieser Zeit' nie vergeblich. Wem: uns die Post im Stich gelassen hat. so quellen doch aus dem schmalen Spalt Zeitungen, Flugschriften und Handzettel, die siir die politischen Ziele der verschiedensten Parteirichtungen werben. -— Liebe Freunde, weshalb macht ihr das nicht auch? Gibt es schlagenderes, beweiskräftigeres Material gegen die entsetzlich stumpfen Lügen des Antisemitismus, als z. B. die Aufsätze in der letzten, so schlagkräftigen Nummer eurer Zeitung? Steht euch nicht eine überreiche Fülle von Flugschriften usiv. zur Verfügung, in denen die Wahrheit gegen die Lüge sicht? — Die Massen kommen nun einmal der Wahrheit nicht entgegen, sie muß sich ihnen wieder und immer wieder ausdrängen. Drum frisch ans Werk! Jetzt ist Wähler und Wählerin. eingestellt auf Aufklärung; machsts wie die Parteileute, die unermüdlich treppauf, treppab eilen und für ihre Ideen werben. Hinein in die Häuser mit eurem vorzüglichen E. V.-Ausklärungsmateriah und ihr werdet eurer gerechten Sache so manchen Freund werben, und den Heilungsprozeß unseres Volkes von der Seuche der Judenhetze zum Segen unseres'öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens beschleunigen. Des Vsters höchste ßreuöe. W o ch e n b e t r a ch t u n g. Ein reiches und glückliches Leben war das unseres Stammvaters A b r a h a tu. Wohl blieben auch ihm die Prüfungen des Leides nicht erspart. Aber aus jeder Prüfung ging er gestärkt und gefestigt hervor. Eine jede ward ihm eine Vorstufe höheren Glückes. Und doch muß in seinen letzten Lebensjahren ein besonderer Glücksfall für ihn eingetreten sein. Denn die Schrift bemerkt: Und Abraham war alt und hochbetagt. Gott hatte den Abraham mit allem gesegnet. Unsere Alten äußern verschiedene Meinungen darüber, welches dieser Glücksfall gewesen sei. Besonders sinnig erscheint uns die Meinung, Abrahams Glück sei vollendet worden durch die Kunde, daß sein Sohn Jsmael Buße getan habe. So finden wir ja auch Isaak und I s m a e l in brüderlichem Verein beieinander, als der Vater in hohem Alter, satt an Jahren, zu seinem Volke eingesammelt wurde. Und in der Tat. Jsmael war doch immerhin des Patriarchen Kind gewesen. Tief hatte es ihn geschmerzt, als er dieses Kind, in dessen weltlichem Gebaren der prophetische Sinn der frommen Gattin eine Gefahr für die Zukunft des eigenen Sohnes sah, mit der Mutter verstoßen und in die feindliche Fremde senden mutzte. Mußte er da nicht einer werden, dessen Hand gegen alle und gegen Den die Hand aller gerichtet war? Abrahams echte Nachkommen sollten nicht vom Spruche des Schicksals abhäugen. Der Segen, der ihnen zuteil wurde, sollte ein geistiger sein. Jsmael aber trat in den Kampf des Daseins, des Ringens der eigenen Gewalt mit anderen Gewalten. Sein Schicksal wnr also von der Gewalt, von dem Rechte des jeweilig Stärkeren abhängig. Mußte da nicht tiefe Bekümmernis des greisen Vaters Herz erfüllen? Und können wir wiederum die Höhe seiner Freude ermessen, als er sah, daß der Sohn den Weg zu den Traditionen des Patriarchenhauses znrückfand? Auch heute gehen-viele Söhne unseres Volkes den Weg Jsrnaels. Sie glauben, auf den Wegen der Macht und Gewalt zu ihrem Recht kommen zu können. Sie bedenken nicht, daß auf diesem Wege die Hand aller gegen sie sein wird und die Uebermacht ihnen neues Unrecht zufügen wird. Mögen sie gleich Jsmael den Weg wieder zurückfinden zum Vater Abraham und feinen erhabenen Idealen. Hoffman«,

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