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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. Seite 723

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 723 (sequence 7)
Language
German
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Me den Watfltampf/ Der Dopkott -es Lan-bun-es. In der „Vosfischen Zeitung" vom Mittwoch, den 19. November, .befindet sich ein auffchlußrei-ä-er Aufsatz über den „Entschleierten Lan-dbuNd". Da ein Teil der Ausführungen unseren Verein mcht betrifft, rveil wir uns mit allgenieinpoliLffchen Fragen nicht zu befassen haben, so beschränken wir uns darauf, die folgenden Ausführungen wörtlich wiederzugeben: „Der Herr Reichswirtschaftsminister könnte wohl einmal erwägen, ob nicht das Kartellgesetz in Anwendung zu bringen sei, z.B. gegen den P o m m e r s ch -e n L a n d b it n d, 'der u. a. in den Kreisen Lauenburg, Stolp und Köslin seinen Mitgliedern unter Androhung einer Konventionalstrafe bis zu mehreren tausend Mark verboten hat, mit' . anderen Händlern als den von ihm konzessionierten zu arbeiten. Der 'mit einer solchen Konzession begnadete Getreide-, Kartoffel-, Kunstdünger-- oder Pferdehändler oder Müller, usw. hat dafür von seinem Umsatz oder seinem Verdienst gewisse Prozentsätze oder jährliche .Pauschalbeitrage an die Kaffe des Reichsbundes abzuführen und 'seine VucUührung der Kontrolle der zuständigen Landbundorganisation zu unterwerfen/ Diese Verordnungen sind nämlich nichts weiter als der planmäßige Versuch, die jüdischen Händler von den Geschäften mit dem Landbund, der heute in Pommern sehr großen' Einfluß besitzt, auszuschließen. Daß bei diesen rücksichtslos geführten Versuchen manche Herrischen Juden bereits schweren materiellen Schaden erlitten haben, ft st leider festzustellen. Wenn Landbundkreise solcher Art in der Regierung das Uebergowicht erlangen, ss würden sie jede Rücksicht fallen , lasten. Das merke man sich für den kommenden Wahltag , j Die vier VerleuMörmgesr öes Dr. Rtstz. So kämpfen Völkische. Der Redakteur der früher in Nürnberg erschienenen völkischen „Weiße Fahne", Dr. Hellmuth Klotz, stand kürzlich wegen -fortgesetzter V e r l e u m d n n g in vier F lil len vor Gericht. 3m ersten Falle hatte er zwei angesehenen jüdischen Nürnberger Bankiers schwere Ve-vsehlungen rMchgesagt. Sie sollterr Geld .gegeben.chaben, xm Landsriedensbrüche zu ermöglichen; sie hatten öffentlich gelogen und sich bei der Verwaltung einer Goldbankaufsstelle unredlich benonnnen. In der Verhandlung mußte Dr. Klotz erklären, daß'die lwn ihmr ausgestellten Behauptungen der tatsächlichen Unterlagen entbehrten. Er mußte deshalb diese Behauptungen als unwahr mit dem Ausdruck des Bebau-! .erns zurücknehmen und die Kosten des Verfahrens übernehmen.! Jru zweiten Falle war dem Anwalt der beiden Bankiers, ' Justizrat Graf Pestalozza, der Vorwurf gewacht worden, er : Hütte sich bei der Verfolgung dieses Falles unwürdig benommen. Er spiele den Anwalt gegen seine christliche UebeMUHung und lediglich aus materiellen Gründen. Äußerem enthielt der Artikel pöbelhafte Angriffe auf di-e Familie des Grafen Pestalozzi. Auch hier blieb Dr. Klotz den Wahrheitsbeweis schuldig und zog es vor, eine öffentliche Ehrenerklärung ebenso wie im voriger Fall' abzu geben. - i Im dritten Falle hatte Klotz sechs Nürnberger fcdcrmtts Per- . sönlichkeiten angegriffen, nährulich die Herren Jusbizrat Gallinger, - Justi-zrat Erlanger, Rechtsanwalt Berlin, Bankier Dr. Kohn, Verlagsdirektor Meyer und Prokurist Crämer. Gegen diese Herrerr hatte Klotz in der „Weiße Fahne" unter der Spitzumrke „D i e j ü - dis che Exekutive" einen Artikel veröffentlicht, der durch die gewollte BloWellung ehrenwerter Bürger nicht zuletzt in jüdischen Kreisen höchste Entrüstung auslöste. Auch hier mußte Dr. Klotz! er Mären, daß er nicht im geringen in der Lage sei, einen WcchchMs-! Levaeis anzutreten. Da die Mve-rverletz^en Privatkläger sich mit j der üblichen EhkeneMä^ung uat-urgemäß nicht Zuftü-sderr geben i konnten, ^Miote der AngMagte noch, er wolle die Privatj klüger noch besonders um Verzeihung bitten, und s beteuerte, nicht die geringen Anha-M^rrMe für feme Bchaup-! tunKSn zu haben. Arrf dieser GvmMage kam m\ Vergleich zustande.; Im vierten Falle hatte sich bei Ern AffMnmeKftsß ZüVffcheu NationaHsziMsten und Ordnun-BßVmrnden in Erlangen bei der pKzMchsrr WPMrng des national-stAmMMsrr MnVmkmpPfWers ein MGvMMWdms ergAm. Mches WWerMMM nWte KDtz in einem W«Äl in der „HMe Ksi^e" daZu aus, eSvsn KZu^nurM^etär ausZ schoMte in sckner ÄMmisuch.'vö M M&ii. Er warf Du z. B. LewHte Lüge vor, die BsmrÄ^Haft sei von derartigen Mmenten wie mefer KPmmrs^WM>r, der das Mz-vEdid des Beanchen in den Dr-eck gezogen WU, zu veimgen rchw. Auch in dWer VerhanMmg muWe Motz edSffetm daß er für seine schwer ehrenkMnkmiden Bchc^i-ptunaen nicht den geringsten Anhal t hafte. Klotz wurde Zu 160 Mark Geldstrafe verurteil. Ein strahlendes Beispiel für die Kampsesweise völkischer Führer. Sie nnrß im Wahlkampf gebührend beleuchtet tverden. Das Judentum als Religion. Ein Vortrag Professor Greßrnanns. In der Vortragsreihe der Berliner Lessing-Hochschule über „Die Weltreligionen" sprach der Professor de Theologie, Hugo Greß - m a n n von der Universität Berlin über das Judentum. Daß das Judentum noch heute eine so starke geistige Kraft besitze, verdanke es seiner Wandlungs- und Entwicklungfähigkeit, die es vor der Stagnation bewahrt habe und es dauernd mit frischem Leben erfülle. Wie das Meer nur an seiner Oberfläche bewegt sei und in seinen Liefen in unerschütterter Ruhe verharre, so sei auch das Judentum in seinen Grundgedanken das gleiche geblieben durch die Jahrtausende. Aus der Stärke seiner Grundideen beruht die Kraft seines Lebens. Als die drei Grundpfeiler der jüdischen Religion bezeichnet Greßmann: 1. den ethischen M o n o t h e i s nt u s, 2. das Gesetz, 3. den Glauben an ein Zukünftiges Leben. Der monotheistische Gedanke, der auch bei anderen Völkern der Zeit angetroffen wird, ist doch nirgends mit der Klarheit und Eindeutigkeit ausgesprochen und durchgesetzt worden wie im Jndentum. Mit einer letzten Folgerichtigkeit, einer Unerbittlichkeit des Denkens, die er als ein besonderes Merkmal des jüdischen Menschen ansieht, ist der Gedanke der Einheit und Einzigkeit auf das ganze menschliche Leben ausgedehnt worden. Auch das Judentum blieb nickst frei von f r e m den Einflüssen. Aber sowohl das babylonische Exil wie die starke hellenistische Welle, die es zu überfluten drohte, wurden überwunden durch diese Fähigkeit zur Konsequenz der Gedanken und Gefühle, für die es kein Korrrprvmiß gibt. Und dieser Wille zur Ganzheit, die in seinen Propheten seine höchste Auswirkung fand, gab ihm feine stärkste Lebenskraft. Die zweite Kraftquelle des Judentums ist das Gesetz, das B u ch, das es auch nach dem Ende des Staates vor dem Untergang bewahrte. Nicht wie andere Völker an seine Kultstätten und äußeren Einrichtungen gebunden, konnte es, gestützt auf ferne Lehre, der Vertiefung seines geistigen Gehaltes seine ganze Kraft widnren. Die von strenger Wissenschaftlichkeit getragenen Ausführungen des Vortragenden gipfelten in dem Wunsche, ein Beitrag zu sein zur Förderung des Verständnisses und der Verständigung. — Fritsch und Greßmarm — dort der blutige Laie, der keinen hebräischen Laut lesen kann und den die Wissenschaft für einen Ignoranten schlimmster Art erklärt, hier der allgemein anerkannte, abgeklärte Gelehrte und ausgezeichnete Kenner des Hebräischen in seinem Urteil über das religiöse Judentum. Kann es für einen redlich Gesinnten zweifelhaft sein, wessen Urteil für ihn rnaßgebend ist««. G. A. Wann speichest Grotz-Berlmer und Brandenburger Mitglieder zahlen auf Postscheckkonto des Ceuirawereins Berlin itssoi (SonderkoniH, an Dresdner Bank/ WeBselsiube 6, Berlin SW HS, ^Ündensiraße 7f oder an das Bureau Berlin SW 68, Lindenstraße 23. Die anderen Mitglieder hei ihren Ortsgruppen.

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