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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. Seite 721

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 721 (sequence 5)
Language
German
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Auch K unze will nicht, fehlen („Die Neue Zeitung", Nr. 257.) Kunze schwingt seinen berühmten Knüppel nunmehr auch gegen die abtrünnigen „Parteifreunde", die Abgeordneten Stock und Kurth, die zu den Nationalsozialisten überliefen. Er wirst ihnen und besonders Kurth aber n u r vor: „Seine Handlungsweise ist jüdisch, nicht völkisch.. . . Sie haben die Ihren betrogen!... Der Schritt, den Sie taten, . . . ein Wortbruch ... All die andere schmutzige Wäsche, ^sonders auch die ihres Herrn Kurnpanen, wollen wir hier nicht noch einmal der Oeffentlichkeit Zeigen." Hakenkreuz unö Sowjetstern. Wichtiges Wahlmat er i a l. ' Man soll die Auseinandersetzung zwischen Völkischen und K o m m u n i st e n nicht übermäßig tragisch nehmen. Hackpack schlägt sich, Hackpack verträgt sich. Daß es dabei besonders laut zugeht, will wenig besagen. Streitigkeiten unter Brüdern werden immer besonders erbittert geführt. Daß sie aber z u s a. m m en g eh ö re n, hat die nun vorzeitigbeendete Legislaturperiode deS Reichstages bewiefen. Beschimpft haben sie sich genug, aber in allen ernsten Fragen standen sie so treulich Schulter an Schulter, daß man schon scherzhaft sagte, der Gruß an Ludendorff müsse lauten „Schalem alechem". Schon am 28. Mai erklärte Herr v. Gräfe, daß er und seine Partei -für die Freilassung aller verhafteten Abgeordneten ohne Unterschied eintrete, und deckte sich damit, daß das System Severing wahllos zupacke. In der Tat haben die Völkische n auch zunächst 's ü r die Freilassung der k o m m u n i st i s ch e n Abgeordnete n gestimmt und sich erst eines anderen besonnen, als die Kommunisten nicht Gleiches mit Gleichem vergalten. Als aber diese im Reichstage verlangten, daß die Beschlagnahme ihres Materials, die im Reichstage von der politischen Polizei vorgenommen worden war, wieder aufgehoben werden sollte, haben die Hakenkreuzler ihnen wenigstens durch Stimmenthaltung zu helfen versucht. Bei allen größeren Reden der einen oder anderen Partei verzeichnet der stenographische Bericht lebhafte Zustimmung bei beiden. Wenn Frau Gohlke, bekannter als Ruth Fischer, sich gegen das .internationale- Kapital wandte, so wurde sie von Herrn D. Gräfe und Genossen auf das lebhafteste unterstützt. Ebenso umgekehrt. Besonders ergreifend war die Einmütigkeit bei allen Vorstößen gegen die Demokratie. In den eigenen Reihen fand Herr Koenen keinen stürmischeren Jubel als bei seinem Freunde Wulle. Ebenso standen sie bei jeder Obstruktion zusammen. Sie widersprachen abwechselnd gegen die Vornahme dritter Lesungen selbst bei den harmlosesten Gesetzen, so bei der Thermometerverordnung im deutsch-polnischen Abkommen über oberschlesische Grenzverhältnisse oder über Quartierleistungen bei der bewaffneten Macht und der Strandordnung. Ging es darum, die Tagesordnung zu ändern, um Sabotage zu üben, so erhob sich Herr Lud endorfs gemeinsam mit Herrn Scho lem. Selbst Tirpitz hat dem General deshalb Vorhaltungen gemacht, wie man von der Tribüne aus genau wahrnehmen konnte. Und als der Demokrat Dr.V r o d a u f aus formalen Gründen gegen einen nationalistischen Antrag Einspruch erhob, stürmten Hakentreuzler und Sowjetgestirnte gemeinsam gegen ihn vor. Herr v. Gräfe hetzte, Herr Jacob, der Völkische, hielt ihm die geballte Faust unter die Nase, während die Kommunisten zuschlugen. Die Gemeinsamkeit äußerte sich auch im Prügeln. Noch weiter -ging Graf R e v e n t l o w, der sogar ein militärisches Bündnis mit Sowjetrußland verlangte (25. Juli). Worte machten ihn, wie er selbst sagte, nicht bange. Bei allen namentlichen Abstimmungen von Belang waren sie vereinigt. So be>i dem Mißirauensantrag gegen die Regierung vom 26. Juli, so vor allem bei den D a w e s - G e s e tz e n und dem letzten Mißtrauensantrag von Gräfe am 29. August, so auch bei dem kommunistischen Antrag, die Verkündung der Dawes-Gesetze auszusetzen. Am 28. August fanden acht Abstimmungen statt. Beide Parteien stimmten gleichmäßig sechsmal mit nein und zweimal m i t j a. Man hat Mühe, im Protokoll sie auseinanderzufinden. Gleickze Brüder, gleiche Kappen. Der Kommunist Dr. Rosenberg antisemitelte unter dem stürmischen Beifall der Nationalsozialisten mindestens ebensogut wie Herr Schröder, Mecklenburg. Es soll der Wulle mit dem Schalem geh'n. Sie wandeln beide auf der Menschheit Höh'n. Die Deutfthnationalen 1919 sind 1924. Peinliche Erinnerungen. Die Gegenüberstellung deutschnationaler Erklärungen von 1919 und 1924 besagt mehr als 1919. Die Breslauer Deutschnationale Dolkspartei erklärt zu den Wahlen zur 9ta t io u a lv er] am ntlung: Breslau, den 7. I a n. 1919. Don seiten jüdischer Mitbürger gehen uns noch immer verschiedene Anfragen hinsichtlich unserer Stellungnahme gegenüber den jüdischen Deuts ch e n ZU. Hierzu erklären wir: Wir sind keine konfessionelle Partei, anerkennen alle B e k e n n t n i s s e i n -gleichem M atze und wünschen für alle freie Betätigung oh ne j e d e E i n s ch r ü n k u n g. Wir betonen ganz besonders, daß wir eine neue Partei mit neuem Programm sind. Da wir unserem Programm gemäß jede Klassenherrschaft verwerfen und freie Entfaltung aller geistigen Kräfte wünschen, sind wir auch gegen jede Zu r ü ck st e l l u n g der jüdischen Religionsgemeinschaft gegenüber der christlichen Kirche. Dementsprechend sichern nufere Forderungen' hinsichtlich des Schulunterrichts, die sich ans dem naturgemäß allgeineinchristlichen Charakter des Staates ergeben, auch der jüdischen Religion volle Freiheit. Wir legen ganz besonderes Gewicht auf die Erhaltung der Familie und aller mit dieser Frage zusammenhängenden Forderungen, ein Wunsch, bei dem wir uns mit jedem religiös gesinnten Juden einig sein werden. Feder jüdische Deutsche, der auf demselben deutschirationalen Standpunkt wie unsere Partei steht, kann demnach ohne Bedenken unsere Partei vertreten und bei den kommenden Wallten für sie stimmen. Um irgendwelchen Verdächtigungen von vornherein die Spitze abznbrechen, wird erklärt, das; das jetzt vielfach verteilte antisemitische grüne Flugblatt „Deutsches Volk sehe klar" wie älznliche Veröffentlichungen von unserer Partei weder verbreitet noch irgendwie gebilligt werden. Deutfchnationale Volkspartei, Breslau. lange Leitartikel. 1924. Der Aufruf der Deutschnationa. Ten i m Oktober 1 924 lautet: Unsere Partei bleibt wie sie war: m o n q r ch i st i s ch und völkisch, ch r i st l i ch u n d sozial. Unsere Ziele bleiben wie u n s er Name: deu'tsch u nd na11 onal. Unsere ruhmreichen Farben bleiben: schwarz-weiß-rot. Und unser Wille ist fester denn je: ein Deutschland zu schaffen, frei von Jndenherrschnft und Franzosrnherrschaft, frei von parlamentarischem Klüngel und demokratischer Kapitalherrfchaft, ein Deutschland, in dem wir und unsere Kinder wieder aufrecht und stolz unsere Pflicht tun wollen. In dem zweiten Aufruf vom 28. Oktober heißt es: Auch in diesem Kampf bleibt unsere Parole: chri-stlich-völkischnational-fozial. - Sie verlangen dann für das ganze Reich „im deutschen und völkischen Geist Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft", fordern „ein christliches Schulgesetz" und stellen schließlich fest: Der Wegweiser, vor dem das deutsche Volk am 7. Dezember im Reich und in Preußen steht, hat nur zwei Arme. Der eine zeigt nach rechts, der andere nach links. Rechts: Christentum, Vaterland, gesunde Wirtschaft -- links: Unglaube, revolutionäre Wirrnis und wirtschaftliche Ruinen.* Und der Humor dieser Mauserung besteht darin, daß sich unter den gegenwärtigen Deutschnationalen tonangebende Männer wie Rein hold Georg Quaatz und Oscar Maretzky und andere befinden, die infolge ihrer jüdischen Abstammung berufen sind, als „waschechte Arier" für die Parole „christlich und völkisch" einzutreten.

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