Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 706 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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706 Antisemitismus und höhere Schulen. Leitsätze für Schüler und Lehrer. I. Was ein jüdischer Schüler beherzigen sollte: 1. Es ist nicht alles Antisemitisnms, was dir im ersten Augenblick so erscheint. 2. Der Jude ist nicht die Revolution, die Revolution ist nicht der Jude. Wenn es auch viele glauben, du hast keinen Grund, diesen Glauben zu nähren. Außerdem ist er falsch. 3. Vergiß nicht, daß auch nichtjüdische Schiller mißliebig werden, wenn s i e m i ß l i e b i g w e r d e n! Das Urteil darüber steht nicht dem Mißliebigen zlr. 4. Man braucht nicht immer beliebt zu sein. 5. Plato sagt, der Weise tritt bei einem Gewitter unter 'das Vordach seines Hauses. 6. Den Toren überzeugt keiner, der nicht zuvor von seiner Torheit mitißt. 7. Du bist allein. Es ist deine Stärke, wenn du es nicht zu deiner Schwäche machst. 8. Wo du offenkundig im Recht bist, kämpfe dein Recht durch! 9. Aber nur auf dem Wege des Rechts. 10. Für die anderer: und mit dem Willen zum Frieden! IL. Ergänzung für den Lehrer guten Willens: 11. Bist du unterrichtet? 12. Eine Aussprache, die du beginnst, kann dem Antisemitismus Jünger Zufuhren, eine Aussprache, wozu die Klasse den Anlaß gibt, entzieht ihm welche, wenn du unterrichtet bist. 13. Die beste Belehrung ist die absichtslose. 14. Die absichtliche wird immer bemerkt. 15. Habe keine Scheu vor Kollegen, es gibt mehr anständige Menschen in der Welt, als du glaubst. III. Nachbemerkungen. Die Regeln für den Schüler bedürfen wohl kaum einer Erläuterung. Nur die achte begegnet vielleicht einem gewissen Zweifel, ob es immer gelingt. Kein Stand ist gegen Untaugliche geschützt und gegen — Narren. Im allgemeinen habe ich bisher an antisemitischen Kollegen bei der Beurteilung der Leistungen eines Schülers den Willen zur Objektivität nie vermißt. Urteil über die Lei st u n gen ist aber im Schnlleben das Entftheiderü)e, nicht ob ein Lehrer den Schüler sonst menschlich nimmt oder nicht, so wertvoll und allein entscheidend dies sonst unter Menschen bleiben muh. Ferner wird zeder Anstaltsleiter, schon wegen der in solchen Fällen leicht aufmerksamen Oefsentlichkeit jede Beschwerde über den Antisemitismus mit peinlicher Genauigjkeit erledigen, es müßte denn die zweite Regel mit Hineinspielen. Dann, muß aber -der Irrtum restlos aufgedeckt werden. Die Frage in 11 an den Lehrer ist nicht ohne Grund. Der Lehrer, der helfen will, sündigt, wenn er es ohne Kenntnisse oder ungeschickt tut. Zunächst nach Regel 6 sich im Antisemitismus umsehen! Kommt es zu einer Aussprache, klar den Kernpunkt herausheben, den Lehrsatz des Antisemitismus, daß der jüdische Mensch als solcher eine Pest ist. Dann ist die Verbindung nach dem „Boche" sehr schnell gegeben. Die Fragen noch der Rasse: Hoffentlich darf man heute überall soviel Wissen bei der Schale voraus sehen, daß bekannt ist, daß die Wissenschaft weder der Völkerkunde noch der Sprachvergleichung sich bei der Entdeckung der indogermanischen Verwandtschaften beruhigt hat, daß nmn längst darüber hinaus nach Zusammenhäugen oder Aehnlichkeiten sucht. Die Frage nach der Leistung: Jetzt erst wieder der Luftschiffbauer Arnstein. Jeder Tag bringt Neues. Die Leistungen für unser Volk: Ich bin überzeugt, .daß die Vertiefung des Deutsch- und Geichichtsunterrichtes nicht erfolgen kann, ohne auch die großen Leistungen jüdischer Mitbürger dem Volksbewußtsein, soweit die Schube bei seiner Entstehung beteiligt ist, näherzubringen. Wer verkennt den Wert ders „Wunderhorns" für die Neubelebung des -deutschen Liedes, wer den des -deutschen Liedes für das Neuerwachen der deutschen Seele? Brentano aber, Arnims Freund und Herausgeber, ist er nicht der Sohn eines italienischen Inden? Wievieh Juden-hat Bismarck mit den allerwichtigsten Ausgaben betraut! 'Ich denke z. B. daran, wie er Dunker verwandt hat. Ich will -hier keinen Katechismus und keine Hermeneutik des Philo? semitismus schreiben. Es wären sonst rasch aus Prosa und Poesie des 19. Jahrhunderts imgählipe Stücke beisammen, die vorurteilsfreie Urteile der -deutschen Dichter über die Juden geben. Nicht zuletzt wären auch solche Dichtungen wie Dehmels Hafenfeier z.n nennen, die Vallins Bedeutung noch unterstreicht, des Ball in, der wirklich Treue hielt. Wer sich umsteht, findet genug allein. Die Schäden: Wir bekämpfen Schäden, weil sie Schäden sind. Wir kommen zum Anfang dann zurück: wenn die Minderwertigkeit ohne Untersuchung, die Verdammnis aller daraus gefolgert werden soll, dann ist das die Methode unserer 'Feinde gewesen, die wir ablehneu. Dr. Theodor Bohner, Studiendirektor (Magdeburg). Die Stimmen -er Volker. Professor Dr. Wilhelm D o e g e n, der Schöpfer und Leiter der Lautabteilung der preußischen Staatsbibliothek, Berlin, hielt am 28. und 30. Oktober und am 6. November 1924 irn Verband Grotz-Berliner Ortsgruppen des C. V. drei Vortrüge über: „Stimmen der Völker." Professor Doegen hat während des Krieges die Idee gehabt, in den Kriegsgefangenenlagern die Gefangenen der verschiedenen Stämme in Grammophone sprechen zu lassen. Mehrere Hundert verschiedene Sprachen konnten so zur Aufnahme gelangen. Durch technische Erfindungen und Verbesserungen der Grammophone ist es möglich geworden, den Rhythmus der Sprachen bildlich festzuhalten und das Grammophon jederzeit an jeder beliebigen Stelle die Worte wiederholen zu lassen, auch genau die Geschwindigkeit des Grammophons, der Schnelligkeit des Apparates bei der ursprünglichen Aufnahme anzupassen, so daß nicht nur die Worte, sondern auch der Tonfall der Sprache ganz genau wiedergegeben werden. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Aufnahmen ist klar: es ist heute möglich, in der Lautabteilung der Berliner Staatsbibliothek über 800 Sprachen zu hören und zu studieren. Professor Doegen brachte reichhaltige Beispiele aus den germanischen, englischen, russischen, afrikanischen und astatischen Sprachen und ergänzte die Grammophonvorführungen durch Lichtbilder, die teils Vertreter der Völkerschaften, teils die Texte, teils die graphischen Darstellungen der Mundarten zeigten. Die Vorträge, in denen die ostjüdischen Mundarten besonderer: Beifall fanden, werden allen denen, die an ihnen teilnehmen konnten, mannigfache Anregung und Belehrung gebracht haben. ¥ „Die Legende vom jüdischen Bolschewismus." Zu unserem Aufsatz in der „C. V.-Zeitung" vom 23. Oktober teilt uns der Verfasser der „Ostrundschau", der von Bulaschow zitierten „Königsberger Allgemeinen Zeitung", Dr. Ernst Seraphim, mit, daß er die von Bulaschow verwendeten de Vrwsschen Zitate berevts am 10. Oktober seinerseits verwertet habe. Wir bringen diese Feststellung gern zur Kenntnis, bemerken aber hierzu, daß die Arbeit von Bulaschow bereits am 3. Oktober bei uns eingegangen ist und nur wegen Raummangels so spät veröffentlich wurde. Das echte Hamburger Sal; Wer's qebraucht, wird dir's saaerr — Hikrt bei ErkrankÄNg von Gcräe, Dnrnr und Magen. Verlange aber stets das Originalpradnkl, hergefteM - aus dem berühmten Elisabethen -> Brunnen. Heilquellen G. rrr. b. H., Bad Homburg. fab mn DIE DEUTSCHE UUERT'ZIGRRETTE V>