Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 704 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277509--01601-2280857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
704 Dinier gegen Luöen-orff. Verrat! — Die völkische Bewegrmg zirur Tenfel! — Der Fvontbaan. — Esser als Duzfreund Kudendorffs. - Im -Aufträge von Jesuiten und Freimaurern. — Die Zuchthäusler in der Fraktion. — Ludendorffs Chancen verloren. — Den Nationalsozialisten keine Stimme! Ueber den gehässigen Streit, der gegenwärtig im völki - scheu Hause tobt, haben wir bereits in der letzten Nummer dieser Zeitung berichtet. Auf der einen Seite stehen die Ludendorff. S t r a s s e r und Gräfe mit ihrer Nationalsozialistischen Freiheitbewegung, auf der anderen Seite die S t r e i che r, Esser und Dinier mit ihrer Großdeutschen Volksgemeinschaft. Die einen wollen vom Parlamentarismus, den sie bis ins tausendste Glied verflucht haben, nicht lassen, die anderen, mit denen Adolf Hickler zu gehen scheint, sehen im Parlamentarismus, im Auftreten in den Parlamenten den Tod der völkischen Bewegung. Nunmehr hat A r t u r Dinier in München anr 10. November d. I. eine Anklagerede gegen Ludendorsf und seine Richtung gehalten, deren rücksichtslose Offenheit die moralische Fäulnis bloßlegt, die die gesamte völkische Bewegung durchzieht, selbst wenn man von den Worten des „großen" Artur ein erklecklich Teil abzieht. Dr. D i n t e r sagte: „Vor ernenn Jahre wurde der Verrat geübt von unseren Gegner«, heute wird er geübt von nuferen eigenen Führern. Heute steht die Sache so, daß der Kamps aller gegen alle entflammt ist, und die zwanglänfige Folge ist die unabweisbare Niederlage der Bewegung. Hitler hatte seinerzeit besohlen, daß sein Vertrauter Rosenberg au seiner Stelle die Geschäfte verwalten soll. Aber ein gänzliches Versagen dieses Führers trat ein. Die Gesinnung Nosenbergs anzuzweifeln, liegt sehr viel natürlicher Anlaß vor. Diese Führung führte zu einem Chaos. Wir atmeten auf, als Ludendorff die Stellvertretung übernahm. Unser Vertrauen zu ihm war grenzenlos. Aber die erste Enttäuschung erlebten wir, als dieser große deutsche Mann trotz des gegenteiligen Rates Hitlers sich ins Parlament wählen ließ. Nun war auf einmal die Fraktion die Hauptsache geworden, und die ganze Bewegung schlief ein. Die Führer hatten keinen Blick mehr für das, was außerhalb des Parlaments vorging, und so ging die ganze völkische Bewegung derber zunr Teufel. Die Parole Ludendorffs konnte in Arbeiterkreise u nicht wirken, denn, auf diese Kreise wirkt der Name Ludendorsf heute n o ch w i e e i n rotes Tuch aus b c n Stic r. Es war eine Kurzsichtigkeit und Instinktlosigkeit und der erste Beweis für die gänzliche politische Unfähigkeit dieser Reichsführerschaft, daß sie diese erste Parole ausgegeben hat. Die Reichstagsfraktion mit ihren 32 Mann entsprach ganz und gar nicht den Wünschen Hitlers. Er hatte ganz bestimmte Direktiven gegeben, ganz bestimmte Namen genannt. Diese wurden aber zum Teil unterschlagen, aus ausdrücklichen Befehl Hitlers auf die Liste gesetzt, dann aber hinterrücks gestrichen. Mit Erbitterung und Wehmut sah Hitler den weiteren Verlauf der Dinge. Er legte die Führung nieder, weil er die Verantwortung nicht mehr tragen konnte für alles, was gegen seinen Willen geschah. Er zog die Vollmachten Zurück, weil er sah, welcher Schwindel damit getrieben wurde, wie die Günstlingswirtschaft einsetzte, wie nur noch nach egoistischen Zielen gearbeitet wurde. Als Hitler die Führung niedergelegt hatte, trat das Chaos ein. Als Esser dann eingrisf, setzte die Verleumdung gegen ihn ein. Man wollte Hitler einfach nicht aus dem Gefängnis heraus haben, weil er in diesen ganzen parlamentarischen Sumpf mit eisernem Besen hineing e s a h r e n w ii r e. Als die einzig berufenen Führer dann zur Seite geschoben und das junge Strebertum damit in die Höhe gehoben wurde, da faßte uns alte Vorkämpfer die Verzweiflung. Dann kam ein neuer Schlag: Man gründete den Frontbann. Diese kurzsichtige Gründung und ihre Proklamationen waren schuld, daß unser Führer Hitler im Gefängnis bleiben mußte. In gänzlicher Verkennung der Tatsache, daß nach bcm 9. November 1923 bk alte Methode nicht mehr Ziehen konnte, daß sich von da ab nnr auf Grund der verfasinngsmätzigen Nechte Arisklanrrrg betreiben laste, hat man diesen Frontbann gegründet. Das war -eilt derartig schwerer politischer Fehler, daß das Vertrauen zur Führerschaft auf das schwerste erschüttert worden ist. Hitler ist so vornehm, einen Wasfengenossen Ludendorfs nicht bloßzustellen, aber er hat es abgelehnt, die Leute, die mit dem Frontbann zu tun hatten, nach dieser Sache noch einmal zu empfangen. Man fragt sich, wie es möglich ist, daß Ludendorff seinen Namen hergeben konnte, eine solche Gemeinheit zu decken, daß er von allen guten Geistern, von den: naivsten politischen Blick so verlassen sein konnte, daß er seinen Duzfreund Esser, dessen Trauzeuge er war, für dessen Kind er Pate gestanden hat, so vor den Kopf stoßen konnte! Da kommt einem elenmentar der Gedanke, daß H i t l e r s e l b st getroffen werden sollte. Ist Ludendorff das ahnungslose Werkzeug von irgendwelchen unsichtbaren Instanzen, die das größte Interesse daran haben, daß die völkische Bewegung in Grund und Boden vernichtet wurde? Es drängt sich einem der Gedanke auf, daß in der bayerischen Landtagsfraktion selbst die Verräter sitzen, daß in der Fraktion Elemente sind, die ein falsches Spiel treiben im Auftrag von Jesuiten und Freimaurer«. Ich achte Ludendorsf als Feldherr, aber was den politischen Führer Ludendorsf an langt, so mußte ich aus eigenstem Erleben meine Ansicht aufs gründlichste revidieren. Bei dem Wahltanrpf in Bremen erteilte Lndendorff den Nationalsozialisten den Befehl, sich aufzulösen. Das ist dasselbe, als wenn der Feldherr zu Beginn einer Entscheidungsschlacht den Befehl gibt, die alte Garde solle sich auflösen und Zum Feind übergehen. Einem Führer, der ganz sichtbar Befehle gibt, die zum Ruin der Bewegung führen, weigere ich mich, zu gehorchen. Wie kann ich Vertrauen zu einem Führer haben, der, obwohl er erst spät in die fertige Bewegung gekommen ist, obwohl er keinen Heldenmut gezeigt hat, obwohl er einer der größten deutschen Männer sein will, die alten naturgewachsenen Führer in Schmach und Schande aus der Bewegung heraustreibt! Einem solchen Manne, der die Grundsätze einer Bewegung erschüttert, kann ich nicht vertrauen ich muß ihm mißtrauen und ihn bekämpfen. Man hat Zuchthäusler i« die Fraktro« geivcihlt, Konzessionsarbeiter. Liegt da nicht Methode und System darin? Wer sind die Arbeiterführer in der Reichstagsfraktion? Da sitzen nur Generale, Majore und andere Offiziere, Leute, die sicher nicht in der Lage sind, in Arbeiterkreisen zu werben. Glaubt man denn, man zieht die Arbeiterschaft mit Obersten und Majoren zu uns herüber? Wenn diese hohen Herrschaften wirken wollen, dann sollen sie in Arbeiterversammlungen gehen, wo Stuhlbeine und Bierseidel fliegen! Da können sie beweisen, ob sie Arbeiterfreundlichkeit besitzen! Die Leute, die da in der Fraktion sitzen, lassen sich wie eine Ziehharmonika auseinanderziehen, weil sie sonst die Gelegenheit verlieren, im Harmonikazug zu reisen. Luveudorff hat «Ke Chance« als «nveeinflirszbarer Führer verloren, nachdem er sich denr Parlamentsklüngel ausgeLiefert hat. Wir haben noch keinen Beschluß gefaßt über die Wahlparole: aber das steht fest: Diesem NeichskmrdidaLen der sogenannten Nationalsozialistischen Freiheitspartei nicht eine einzige Stimme! Kann man Vertrauen zu Führern haben, welche dert V e r r a t an Hitler begangen haben und Hitler am liebsten ewig im Ge» fängnis haben wollen? Die 17000 Leute, die hinter uns stehen, sind alte, echte Nationalsozialisten. Sie sind ja viel mehr wert als die halbe Million von dem Gelichter des Völkischen Blocks unter Führung von Straffer und Ludendorff. Wir drei (Esser, Streicher, Din t er) wissen ganz genau, was wir wollen, und wenn wir auch heute noch nicht darüber reden. Wir sind entschlossen, den Kamps durchzuführen, weil wir die Ueberzeugung haben, daß die Reichsführerschaft und die Fraktion mißbraucht wird, die Hitler-Bewegung zu vernichten." Deutsche Minnen! Auch Ihr wählt alle am 7. Dezember!