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Central-Verein-Zeitung · 1924-11-14 · 46 (14.11.1924) · p. Seite 703

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
46 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
Seite 703 (sequence 7)
Language
German
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$üt den Waffltampfi sich unterfangen, mit Juden Handel zu treiben oder der Juden zu kaufen. Bei d e n deutschen Juden, die genau wie die Gutsbesitzer ihre Söhne in die Schützengräben Manderns und auf die rusjsifchen Schlachtfelder geschickt haben und sie zu Lausend e n in das kühle Grab legten. Wir vermissen bisher durchaus, daß dre volksparteiliche „Allgemeine Zeitung" sich über diese unerhörte Boykottdurchführung Deutscher gegen Deutsche (und diesen Ehrentitel kann uns keiner nehmen!) entrüstet und daß sie diese deutschen „kultivierteren Formen eines „ritterlichen" Kampfes einer vielfachen liebermacht gegen eine Minderheit" an den Pranger stellt, ebenso wie die verdammenswerten polnischen Kampfessormen gegen die posenschen Deutschen, unter denen sich gewiß auch jüdische Deutsche befinden. Solange man nicht vor seiner eigenen Tür gekehrt hat, soll man sich vorsichtigerweise nicht um des Nachbarn Lüreingana kümmern. Er könnte eines Tages sonst recht peinliche Vergleiche ziehen. Iüößfche flieget. Von DberUlezrLmmt a. D. Siegelt, ehern. Inspekteur der Fliegertruppen. Das Buch von Dr. Felix Theilhaber „Jüdische Flieger r m Weltkrie g" erscheint in den nächsten Tagen im Verlage „Der Schild". — Wir sind durch die Freundlichkeit des Verlages schon beute in der Lage, aus dem Geleitwort die nachstehenden Ausführungen des Oberstleutnants a. D. Siegert, der auf Grund seiner militärischen Stellung während des Krieges in erster Reihe berechtigt ist, über die Taten der jüdischen Flieger zu urteilen, wiederzugeben. In dem Buch hat -Herr Dr. Theilhaber authentisches und wohlgeprüftes Material zusam-mengetragen, das der großen Oessentlichkeit zum ersten Male Kenntnis gibt von dem Anteil der Inden an der Entwicklung und nicht zuletzt an den Opfern der Fliegerwaffe. Herausgegrrssene Beispiele nennen uns die Namen der im Schulbetrieb 'wie vor dem Feinde Gefallenen. Sie alle fanden ihren Tod in Frieden und Krieg auf dem Flugfeld der Ehre. Nie hat je das gemeinsame Band eine Kampfgruppe inniger umschlungen und gefesselt als die Flieger. Von diesem großen Horizont aus gesehen schrumpfen Politische, soziale und religiöse Gegensätze^innerhalb der Zunft in ein „Nichts" zusammen. Der Gedanke, etwa einem der frühesten Vorkämpfer im deutschen Flugwesen, Willy Nosenstein, Jablonffy oder Äbramowicz, den ihm gebührenden Ehrenplatz nicht zu gönnen, entstammt lichtscheuen Maulwurfsnaturen, aber nicht Fliegerherzen. Der gefallene Jagdflieger Leutnant Frankl trug als einer der ersten im Kriege den hohen Orden „Pour le Märkte Diese Auszeichnung war — Gott sei es geklagt — auch am Schreibtisch zu verdienen. Aber stolz dürfen wir darauf sein, daß kein Kaiser und König, kein General oder Führer das Fliegerabzeichen anlegen durste, der nicht dem Feind und Tod auf nächste Entfernung ins Auge geblickt. Die Kombination beider Auszeichnungen beweist wahrhaftes Heldentum. Weiter sind wir in unseren Reihen in höchstem Maße stolz auf den Senior der deutschen Jagdflieger, Herrn Jacob Wolfs, Hamburg. Heute noch am Leben — ist er unverwüstlich und unermüdlich tätig dafür, daß der Fluggedanke in Deutschland nicht untergehe. Die vorliegende Sammlung umfaßt nur einen Bruchteil jüdischer Flieger. Schon dieser kleine Ausschnitt ist so lehrreich, daß man ihn der Oeffentlichkeit vorlegen soll. Die schlichten, ansprechenden und bedingenden dokumentarischen Auszeichnungen geben eindeutige Antwort auf die Frage, mit welchem Rechte eine kritiklose und hammelherdenähnlich geführte Masse bewährten Kriegsteilnehmern Schimpf und Schande antut, anstatt in stiller Erkenntnis eigener Inferiorität das Haupt zu beugen. Die Anerkennung der Kriegstaten unserer jüdischen Mitbürger muß um so höher und uneigennütziger eingeschätzt werden, als sie nach chrer Friedensgrundlage und ökonomischen Verteilung auf Schreibtisch-, Bureau-, Ladentätigkeit, wissenschaftliche Forschung eingestellt waren, somit eigentlich keine Vorbedingungen für kriegerische Betätigung und gar für das Flugwesen mit sich brachten. Ich habe Gelegenheit gehabt, Einblick zu nehmen in die vorbereitendM Arbeiten, devm Ergebnis die BerH-ffen-tlichung von 12 000 Namen tim Kriege gefallener 'jüdischer Soldaten sein wird. Diese Statistik auszuwerten ist nicht meines Amtes. Ohne dem Ergebnis vorzugreifen, glaube ich, daß sie unbeschadet des für die Fliegerwaffe seststehenden Anteils auch in anderer Beziehung aufsehenerregende Ergebnisse erzielt. Mölsche Nobelpreisträger. Seit dem Jahre 1901 ist der Nobelpreis 98 mal verteilt worden, und zwar an 124 Personen und drei Institute. Unter den 124 Personen befinden sich 15 Juden. Es erhielt 1907 den Nobelpreis für Literatur Rudyard Kypling, den Nobelpreis für Physik erhielten 1907 Albert A. M ich e l so n , 1908 Gabriel L i p p m a n n und 1921 Mbert & Infi ein. Den Nobelpreis für Chemie erhielten 1916 Otto Wallach, 1915 Richard Millstätter und 1918 Fritz Haben, der allerdings getauft ist. Den Nobelpreis für Medizin erhielten 1908 Paul Ehrlich, 1914 Robert B a r a n y und 1922 O. M e y e rhof f. Endlich erhielten den Friedenspreis 1911 gemeinsam der holländische Staatsminister Asser und Alfred H. Fried. Ferner sind noch bei den Nob-ckpreislrügern folgende Halbs uden zu nennen: Panik H a y s e (Literaturpreis 1910), Niels B o h r (Physik 1922) und Adolf v. B a y e r (Chemie 1905). AatiMslkSMUs» W o ch e n b e t r a ch i u n g. In fruchtbarer, wasserreicher Ebene, wie ein Garten Go'tes, denk Paradiese, gleich, lag Sodom da. Hatte man nicht erwarten sollen, daß ein Volk, wohnend in so üppigem, gottbegnadetem Lande auch gut und menscherrsreun'dlich sein werde? Müßte sich nicht hier eine Zustuchtsstätte erheben für alle Armen und Gedrückten, alle Elenden imd Bedrängten? Aber gerade im Gegenteil ward dieser schöne Erdenstrich eine Brutstätte des krassesten Egoismus. Das MoiniM ist mein und auch das Deiu-ige ist mein-, war der Grundsatz Sodoms. Und die Wurzel dieses persönlichen Egoismus war die nationale Ueberhebung. Das Glück und der lieber stutz machte dieses Volk nicht gut. In feinem grenzenlosen Hochmut wollte es keirr Glied eines anderen Volkes an seinem Segen teilnehm-en laßen. Keines Fremden Fuß sollte dieses Land betreten. Der Fremde war ihm nicht nur ein Mensch mebeter Art, er galt ihm überhaupt nicht als Mensch mit Menschenrecht. Er war vogelsrei. Jegliche Gewalttat war ihm gegenüber erlaubt. Verlies sich doch ein Wanderer in die menschen'f-enMnche Gegend, so ersuchte man ihn mit Gewalt zu assimilieren, und wenn er nicht in das D-urchschnittsmaß der nationalen Eigenart paßte, so preßte oder streckte man ihn so lange, bis er seinen Geist aufgab. Unter Spott rmd Hohn ließ man ihn verhungern. FcuÄ> sich doch eine mitleidige Socke, die sich seiner erbarmte, so wurde sie unbarmherzig zu Tode gequält. Ter überspannte Nationalismus, der sich gegen die Fremden wrmdte, mußte schließlich auch zu unseligen Folgen für das eigene Volk führen. Der Nationalismus mußte zur Klassenherrschaft führen. Die Führer des Volkes, welche das Schlag- Wort der Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit gegen die Fremden predigten, waren leicht geneigt, auch im eigenen Volke sich ein Uebungsfeld Zur Durchführung ihrer Lehren zu suchen. Es darf also nicht wundern-chmen, daß in Sodom auch der Einheimische kein Recht finden konnte, daß eine brutale Klassenherrschast das Land regierte. Nationaler Egoismus und Klassenegoismus werden immer enge Verbündete sein. Aus den herrlichen Zeiten, zu denen auch die damaligen Führer das Volt führen wollten, wurde ein Feuermeer der Vernichtung, der Untergang Sodoms durch das furchtbare Gericht der strafenden Gottheit. Der Geist fodomitischer Selbstsucht hat aber weiter die Geschichte der Völker beherrscht. Er ließ die Griechen die Fremden als Barbaren behandeln, die Römer nur den römischen Bürger als Vollmenschen ansehen. Auch der Menschen verbrüdernde Geist des Christentums vermochte bis aus den heutigen Tag nicht den einseitigen Nationalismus zu überwinden. Noch ist die uralte Forderung des Judentums aus gleiches Recht für den Fremdling unendlich weit von ihrer Erfüllung entfernt. Muß erst ein furchtbarer Untergang des neuen v ölkischen Sodom und Go mo r a Raum schaffen für eine neue reine Menschheit auf glücklicherer Erde? Hoffman rr.

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