Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 45 (7.11.1924)
- Date
- 1924-11-07
- Page
- Seite 680 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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680 Ms -em Wahlkampf. Der evangelische Gberkirchenrat in Saöen an -ie Geistlichen. E i n e r f r e u l i ch e r W a I) I e r I a §. Der E van gel i sche Ob er ki rchen r a t in Baden richtete an die Geistlichen einen Erlaß, in dem die Erwartung ausgesprochen wird, sie mögen sich der rednerischen Betätigung in der Wahlbewegung enthalten und alles unterlassen, was geeignet sein könnte, die Klassengegensätze zu verschärfen. Es wäre recht wünschenswert, wenn dieser Erlaß auf das ganze Reich ausgedehnt würde und insbesondere denjenigen evangelichen Pastoren, die in maßloser Weise gegen das Judentum arbeiten, diese Tätigkeit untersagt würde. Vielleicht wissen die kirchlichen Behörden nicht, daß bereits eine „Völkische Vereinigung evangelischer Geistlicher" besteht. Unmöglich aber kann ihnen entgangen sein, das; Leute, wie Pfarrer I 0 h n s 0 n in Gauerstadt, der Führer des „Bayerischen Juugdo", in Wort und 'Schrift die Juden als die schlimmsten Feinde Deutschlands bekämpfen' und mit noch Schlimmerem bedenken möchten. Daß Geistliche, die sich „Diener der Liebe"' nennen unddie in Ausführung des biblischen -Gebotes „liebe deinen Nächsten, wie dich selbst" statt Versöhnung Kamps und Hatz gegen die Inden'predigen, im Reiche für die völkische Bewegung auch sonst tätig sind, ist bekannt. Ob durch solche zerstörende Arbeit das Ansehen der Kirche in den breiten Volksmassen befestigt wird, wird man füglich bezweifeln müssen. was ist völkisch? Wertvolle Fe st st ell ungen für den Wahlkamps. Bekanntlich behaupten die Völkischen, daß bet ihnen alles entsprechend ihrer „arischen" Hochzucht und Eigenart sittsam, heldisch und rein fei-, während sie all-os' andere als mn-nderüvertig bezeichnen und mit Dreck und Schmutz bewerfen. Wie es tatsächlich im völkischen Lager aussieht, beweist nachstehender Abschnitt aus dem „8 - Nh r - A b e ndbl a t t": Der Vorsitzende der von E s s e r und S t r e i ch e r geführten Grotzdentscheu Volksgemeinschast teilte in einer Versammlung mit, daß die Ortsgruppen Augsburg, Dammberg, Nürnberg, Lindau und Memmingen- sowie die Ortsgruppen der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung (also der gegnerischen -Organisation) in Brennen, Erlangen und Stuttgart mit 12 Sektionen zu-r Gvoßdeutschen VoMgemeinschast über g e tr e ten s eieni, während sich die ins andere Lager abgeschwenkte Gruppe gespalten hätte. Herr Streicher gab die gegen ihn von dem völkischsn Landesführer Straffer erhobenen Vorwürfe mit doppelter Münze dann zurück und warf den: Völkischen Block vor, daß dieser nur ein Name sei und Das; hinter ihm. der Diebstahl der nationMozialistischen Bewegung. stehe. Die Einsetzung eines Ehrenger-ichtshofes lehnte Herr Streicher ab. Für ihn existiere nur sein Gewissen und Adolf Hitler. Er beruft sich aus diesen, der ursprünglich gegen die bayeriischen Parlamentarier Dr. Gläser, Dr. Roth und Dr. Buttmann gewesen' sei und nur auf seine, Streichers Bitte, es unterlassen habe, öffentlich gegen diese- Herrn vorzugehen. Er bezeichnet weiter das Vorgehen des Landtagsabgeordneten Drechslerseines ehemaligen Freundes -und Gründers der ganzen nationalsozi-Mstischen Bewegung, als niederträchtig. Esser, der nach Streicher das Wort ergriff, erklärte, datz er gern bereit sei, Herrn Straffer vor Gericht zu beweisen, daß das, was er in der Ver!'>awm-lungj des Völkischen Blocks sagte, leichtfertige, nubegründete, verleunrderische VerdachLigurr-gen und Gemeinheiten wären. Er werde Herrn Straffer schon beibringen, was das Wort Fälscher heißt. Er werde das dartun, datz die Herren! vom Völkischen Block Fälscher seien. Er fürchte, daß Exzellenz Ludendorff eimnal auf weiter Flur von allen verlassen dastehen werde. Zum Schluß erklärte Esser, datz die Großdeutsche Gemeinschaft weiter kämpfen werde, nicht gegen Ladender fst sondern gegen die Kräfte, die diesen mißbraucht Hütten. In einer anderen Versammlung, des Völkischen Blocks teilte Dessen Münchener Vorsitzender mit, daß dev frühere Reichstags- - abgeordnete Dr. Dinter, gleichfalls eine Leuchte der völkischen Bewegung, fern Wort, das er Ludendorff gegeben habe, gebrochen habe. In den nächsten- Tagen wird eine Anzahl weiterer vMischer Versammlungen stattsmden, die sich ausschließlich mit diesen schweren Konflikten beschäftigen werden. — Leichtfertigkeit, Verleumdung, Verdächtigung, Gemeinheit — wir wissen nun aus völkischem Munde, was völkisch ist. Der „Fränkische Kurie r" vom 2. November meldet hierzu ergänzend: „Die Großdeutsche! Volksgemeinschast hatte am .30. Oktober abends im Löwenbräu-Keller eine außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung einberusen. Streicher nahm eingehend Stellung zu den Ausschußbeschlüssen und erklärte, wer Glaube aus Verrat ausbauen zu können glaube, der täusche sich. Das Recht sei aus Seite der Großdeutschen Volksgemeinschaft. Aus der anderen Seite aber stehe das Verbrechen und die Quertreiberei. General Ludendorfs habe einen offenen Brief erhalten, daß Streicher für die völkische Bewegung schon unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit gekämpft habe, als Lndendorss noch gar nicht wußte, daß es eine völkische Bewegung gibt. Hierauf sprach Esser, der dem General Ludendorff den politischen Instinkt absprach und erklärte, er sei jederzeit bereit, sich einer Reichssührerschaft zu unterstellen, die ihrerseits verspreche, sofort zurückzutreten, wenn Hitler dies wolle. Er erlebe aber, daß Ludendorsf eines Tages allein und verlegen aus weiter Flur dastehen werde, und daß Ludendorsss Ansehen schweren Schaden erleiden könne, wenn er mit seiner Unterschrift Dinge decke, die nicht mit Recht und Ordnung übereinstimnieu." Die „Allgemeine Z e i t u n g", München, vom 30. Oktober, berichtet von einem im „Völkischen Kurie r" veröffentlichten Ausruf des Kreisverbandes Oberbayern und des Landesverbandes der Nationalsozialistischen Frei he itsbewegung, in dem es u. a. heißt: „Wer heute noch zur Fahne Essers und Streichers schwöre, kenne nicht die schweren Borwürse, die unwiderleglich gegen diese beiden Männer erhoben unb von der Reichssührerschast, von General Ludendorsf, als stichhaltig erkannt seien. Die Rücksichtnahme ans die freie Willensäußerung Hitlers habe Reichssührerschaft und Landesleitung davon abgehalten, Ester und Streicher nicht schon längst auszuschließen. Ob dadurch nicht vielfach der Eindruck einer allzu großen Duldsamkeit gegenüber Persönlichkeiten entstanden sei, dre der Bewegung seit Monaten planmäßig mit den verwerflichsten Mitteln der Lüge und Verleumdung Schaden zugefügt hätten, stehe dahin." pfui, Teufe!! Ein „schöner" Beginn des Wahlkampfes. In Bremen ist dieser Tage ein Flugblatt: Eltern, hütet Eure jungen Söhne! aus die Straße geworfen worden, das den verdienten Vorsitzenden unserer Bremer Ortsgruppe und Mitglied des Hauptvorstandes Julius Bamberger in der ekelhaftesten Weise mit Schmutz bewirft. Der Unterzeichner des Flugblattes H. Behrens (Bremen, Kleine Krankenstraße 13) untersteht sich, zu verleumden, er habe Herrn Bamberger in Gesellschaft von jungen Leuten gesehM, die „sich abgeküßt Hätten". Es handele sich dabei uw „Flagellanten", die sich selbst ,,K l u b de r perversen Leute" nennen. Solche und ähnliche Scheußlichkeiten werden dann noch weiter aufgetischt. Es bedarf erst nicht der Feststellung, daß alle diese ungeheuerlichen Behauptungen die s a 11 st d i cksten L ü g e n a u s Gottes Erdboden darstellen. Polizei und Staatsanwaltschaft sind sofort eingeschritten; die noch vorhandenen Flugblätter sind beschlagnahmt. Der Verfasser des Flugblatts, Herr Behrens, ist vorsichtigerweise, als die Staatsgewalten sich nach ihrn erkundigten — verduftet. Von welcher Seite dieses Schmutzblatt stammt, deren Gemeinheit bisher wohl einzig dasteht, ist unschwer zu vermuten. Jedenfalls ist das ekleMeschmiere eine Einleitung zum Wahlkampf, die „vielversprechend" ist. Möge sie dazu dienen, unseren Freunden schlagend darzutun, welche schmutzigen Angriffe aus die Männer wie Bamberger niederprasseln, die zu unseren Besten im Lande zählen und den Kamps in vorderster Linie erfolgreich führen. Solche wutschnaubenden Ausfälle, die kein Maß und keine Grenze mehr kennen, sind die besten Belege dafür, wie die Hiebe gesessen haben, die unsere Bremer Freunde austeilten. Unsere Mitglieder in Bremen und im Lande mögen daraus die ernste Verpflichtung herleiten, in Opfer Willigkeit denen zur Seite zu stehen, die für sie und unsere deutschjüdische Sache sich nicht scheuen, die schwersten persönlichen Verunglimpfungen auf sich zu nehmen.