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Central-Verein-Zeitung · 1924-10-31 · 44 (31.10.1924) · p. Seite 669

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
44 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
Seite 669 (sequence 13)
Language
German
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Ö09 Wen z. B. zeigt das erfreuliche Resultat dieser Bestrebungen. Kein jüdisches Bauwerk dürste heute errichtet werden, ohne daß die Mitteilungen der Gesellschaft oder diese selber zu Rate gezogen werden. Es brauchen keine seelenlosen Nachahmungen zu entstehen, wenn der Künstler sich von der Forscherarbeit des Kunsthistorikers anregen läßt und diese frei vewvertet. Allen Künstlern stehen die Bildersammlungen der Gesellschaft zur Verfügung, und erfreulicherweise wird von dieser Möglichkeit häufig Gebrauch gemacht. Neben dem Sammeln von Abbildungen wurde das Sammeln von Gegenständen und Büchern, soweit es die bescheidenen Mittel erlaubten, eifrig betrieben. Die Eröffnung eines eigenen Museums war der Gesellschaft nicht möglich, weil sie keine paffenden Räume fand. Verschiedentlich stellte sie EinZeloöjekte bei Ausstellungen aus, und 1906 konnte auf der dritten deutschen Kunstgewerbeaus» stetlung einmal ein ganzer Raum gezeigt werden. Eine eigene Ausstellung erfolgte 1998 im Kunstgewerbemuseum Zu Düsseldorf, wo die wertvollen Bestände bis dahin untergebracht waren, und wo sie bis zur Eröffnung des jüdischen Museums in Frankfurt bleiben mutzten. Anfänglich bestand die Absicht, den ganzen Besitz im Historischen Museum zu Frankfurt auszustellen und dafür entsprechende Räume in dem damals geplanten großen Erweiterungsbau zu schaffen. Die durch den Krieg veränderten Zeitumstände machten den Plan zunichte, und es war mit Freuden zu begrüßen, daß sich endlich 1922 der Sammlung ein würdiges Unterkommen in dem ehemaligen Geschäftshaufe der v. Rothschildschen Familie — dem jetzigen Wischen Gemeirrdehaus-e — bot-). In diesem Museum fand die fast 3900 Nummern nur fassende Bildersammlung und die wertvolle Handbibliothek der Gesellschaft ebenfalls einen geeigneten Platz, und seitdem (Sommer 1923) sür die wissenschaftliche Bearbeitung und die Werbetätigkeit ein eigener Beamter zur Verfügung steht, beginnt sich die Institution langsam von den Schädigungen der Kriegs- und Nachkriegszeit zu erholen. Leider ist das Vermögen der Gesellschaft ein Opfer der Verhältnisse geworden, es ist aber zu hoffen, daß die Opfersreudigkeit der Juden die Lücken bald schließen wird. Fürs erste leidet die Arbeit noch schwer unter dem Geldmangel, der nur durch reichliche Werbung n e u e r Mitglieder -behoben werden könnte^). Von den reichen Beständen der Bildersammlung konnte bisher nur weniges der Oeisferrtlichkeit zugänglich gemacht werden: hier harren dringende Aufgaben, die vielerlei Bedeutung haben: 1. Sollen die jüdischen Kunstdenkrnä^r um ihrer selbst willen und als ein wichtiger Teil der Wischen Gesamtkultur erforscht werden (Forschungsarbeit). 2. Sollen diese Forfchungsarbeiten sowohl die Künstler bei Neuschopfungen anregen als auch der Allgemeinheit ein vollständigeres und in mancher "Beziehung reizvolleres Bild der jüdischen Vergangenheit geben, wie es durch das geschriebene Wort allein geschehen kann (Volksbildung und Kunstpslege). 8. Wird die Kenntnis der künstlerischen Leistungen unserer Gemeinschast den Nichtjuden Achtung für uns abringen, mehr als es Reden und Schreiben allein vermögen. (Positive Abwehr.) Gerade in dieser Hinsicht lassen sich bei Unterredungen mit mchtjüdischen Besuchern interessante Feststellungen wachen. Wie wir gesehen haben, wurde im Laufe der Zeit der Kreis der Tätigkeit erweitert. Im Anfang galt es nur, passende Vorbilder für die schaffenden Künstler zu sammeln, später wurde es nötig, der wissenschastl-icheu Be-aribeitung der gesammelten Vorlagen näher zu tretenh. Diese Bearbeitung war zuerst mehr enzyklopädisch 2) lieber das Museum wird in eurer der nächsten. Nummern berichtet werden. *> Der Jahresbeitrag, rou Mindestens 10 Mart ist an den Kassierer der Gesellschaft: Herrn Julius Hermann, Postscheckamt Frankfurt a. M. 00 275 zu entrichten. 4) Bisher sind folgende reich illustrierte „Mitteilungen" erschienen: 1. 1909: „Zweck und Ziel der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdeulmäler". 2. 1901: „Heber Bau und Ausschmückung alter Synagogen". Z./4. 1993.: „Ueber alte Kultus gegen stände in Synagoge und Haus". ,1/6. 1909: „Verzierte hebräische Schrift und jüdischer Buchschmuck". 7./8. 1915: „Deutsche, böhmische und Polnische Synagogentypen uom XI. bis Anfang des III, Jahrhunderts". „Notizblätter" 1 bis 13, die neben den Berichten über die Tätrgkeit der Gesellschaft die Abbildungen und Notizen enthalten, die wegen ihres geringen Amfanges für eine „Mitteilung" nicht ausreichtsn. später ging man dazu über, auf Grund besonderer Forschungen Teilgebiete gründlich zu bearbeiten. Sobald es die Mittel wieder erlauben, werden neue Abha.ndll.Mgen über einzelne, eng umrissene Themata hera^usgeMbeu. Daneben Norden die Ausstellungen- und Wanidervorträge wieder ausgebaut, die bereits im vergangenen Jahr mit einer Haggadah-Ausftellung im Kunstgewerbemuseum in Frankfurt a. M. und mit Zahlreichen Lichtbildervorträgen in Logen und anderen jüdischen Vereinen des In- und Auslandes begonnen wurden. Daneben wird die Summe!- und Forscherarbeit nicht vernachlässigt, die zur Erforschung bisher unbekannten Materials unbedingt erforderlich ist. Die Ergebnisse dieser Tätigkeit werden aufs sorgfältigste wissenschaftlich katalogisiert, um, sobald genügend Mittel Zur Verfügung sind, veröffentlicht zu werden. Soll die vielseitige Arbeit der Gesellschaft erfolgreich sein, so müssen finanzielle und die ideelle Unterstützung und Mitarbeit von allen Seiten größer werden. Es müssen auch an anderen Plätzen rührige Mitarbeiter gefunden werden, die, wie der unermüdliche Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Julius Goldschmidt, stets bereit sind, fördernd zu wirken. Außerdem sollten alle Institutionen und Privatpersonen durch Hinweise und Nachrichten^ durch Uebersendrmg von Photos und anderen MbiLdungon und der einschlägigen Literatur (einschließlich Broschüren, Festschriften, Zeitungsausschnitten iffim.) die wissenschastLiche Arbeit unterstützen^. Nur. wenn alle Juden sich an den wichtigen Aufgaben der jüdischen Kunstsorschung beteiligen, kann das Werk gelingen. Neue Hücher. Lsrenz Dürr, Die Stellung des Propheten Ezechiel in der isruelitisch-jiidischcn Apokalyptit. Münster, Aschendorff 1923. In diesem Buche Prüft der katholische Gelehrte in erschöpfender Untersuchung und in Heranziehung der gesamten umfangreichen Literatur die Behauptung nach, daß Ezechiel „der Vater der Apokalyptik^ sei. d. h., daß sein Buch schon zu jenen Literaturerzeugmssen überleite, welche besonders in der MakkabäerzeiL entstanden und in den letzten Teilen der Bibel (z. B. Daniel) und in den nichtkanonischen Schriften (z. B. Buch Henoch) erhalten sind. Ezechiel habe schon wie diese sein Hauptinteresse dem Ende der Zeiten zu gewandt und habe zum erstenmal die geheimnisvolle Form der Darstellung ausgebildet. Dürr lehnt diese These insoweit ab, als sie die Bedeutung des Propheten herabmindern will und ihn als einen Epigonen anjpricht. Ezechielzeige allerdings diese apokalyptischen Züge. Aber diese seien nicht erst von ihm geschaffen und nur gebraucht, weil die Zeitverhältnisse von den Propheten etwas anderes verlangten als früher. Ezechiel will nicht mehr drohen, sondern trösten. Er ist der Seelsorger des jüdischen Volkes in der Verbannung. Angenehm berührt bei Dürr die achtungsvolle Haltung, mit der er im Unterschied von manchen protestantischen Theologen an die Bibel und ihre Probleme herantriLL. Interessant sind die gründlichen Ausführungen über die traurige Lage der Juden im babylonischen Exil, wo es ihnen durchaus nicht so gut ging, wie. uns Delitzsch in seinen großen Täuschung glauben machen wollte. Ein anregendes Buch für jüdische Theologen, und Bibelsreunde. E. J9 5) Alle Anfragen sind an die Gesellschaft Zur Erforschung jüdischer Kuirst. denkmäler, Frankfurt a. M., Fcrhrgasse 116, „Jüdisches Museum", zu richten-. ttic tr ^umn^r^ FRBIflN OIE DEUTSCHE UJERT-ZIGflRETTE

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