Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- Seite 668 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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668 Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Runftöenkmäler. Von Erich ToePlitz. Am Ende des 19. Jahrhunderts erwachte wieder das Interesse am jüdischen Eigenleben, und im Zuge dieser Entwicklung tag -auch der Wunsch, die durch die Assimilationsepoche und aus allgemeinen Ursachen unterbrochene jüdische Kunsttradition von neuen: aufleben zu lassen. Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts hatte die aus der klassizistischem Schule Goethes und Wtnlelmanns hervorgegangene Ansicht noch Geltung, daß man durch Kopie 'alter Vorbilder hervorragende Kunstwerke schassen könne. Dieser Ueberzeugung und dem Wunsch, das Kunsthandwerk zu heben, folgte man, als man in Kunstgelverbe-Bibliotheken und -Museen Abbildungen und Originale alter Kunstdenkmäler sammelte. Im Sinn dieser Kunstsörderung suchte die von Direktor Frauberger und Charles Hallgar Len gegründete Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu wirken, lieber ihre Entstehung berichtete Frauberger auf der ersten Hauptversammlung 1903: „Am 1. Dezember 1895 machte ich die Wahrnehmung, das; die Vorblildersammlungen von Kunstgewerbemuseen versagen, wenn Muster alter jüdischer Kunstwerke begehrt werden, und faßte den Plan, diesen: Mangel abzuhelfen. Am 15. Januar 1896 erhielt ich aus rneine Bitte von Herrn Hall garten einen Betrag, um Vorstudien zu machen. An: 17. Januar 1897 legte ich ihm und einen: Krckise von Interessenten das gewonnene Dcateriät vor; es wurde ein Komitee zur Gründung einer Gesellschaft gebildet. Die Gesellschaft selbst trat gelegentlich der ersten Publikation mit einen: Statut im Herbst 1900 auf und erhielt in: Jahre 1901 juristische Rechte durch Eintragung in das Vereinsregister." Wie schwer es damals noch war, Abbildungen zu beschaffen, geht aus den weiteren Ausführungen des verdienstvollen wissenschaftlichen Leiters der Gesellschaft hervor. „Ich hatte gehofft, das; ein paar Briefe an die großen Photographiegeschäfte in Deutfckj-- land, Oesterreich, Italien, Frankreich und England die Gesellschaft mit einem schlage in den Besitz einer großen Sammlung von Abbildungen alter Synagogen und Kultusgerüte bringen würde. Allein, anstatt der erhofften Pakete, empfing ich bloß einzelne Blätter." Auch von den Bearbeitern der altchristlichen, der romanischen, der gotiichen und der renaissanoistischen Kunst de nkin-äler war kein jüdisches Material! zu erhalten. Ten Herstellungen von Neuaufnahmen stellten sich große Schwierigkeiten entgegen, von denen Frauberger sagte: „Ich harte gehofft, daß es mit bescheidenen Mitteln gelingen würde, photographische Aufnahmen der alten Synagogen Herstellen zu lassen, mußte aber gar bald erfahren, daß diese zumeist weit ab vom Verkehr, oft Tagereisen weit von einer Eisenbahnstation entfernt liegen, in Gegenden, wo weit und breit kein Photograph zu finden ist, oder doch kein solcher, der^ es versteht und in: Besitz der erforderlichen Apparate ist, um in den wenig erleuchteten Synagogen brauchbare Aufnahmen herzustellen. Ich hatte mich verrechnet in bezug auf die künstlerischen Vorkenntnisse derjenigen, die, durch meine Absichten begeistert, bereit waren-. Aufnahmen machen zu lassen. Ich erwartete Abbildungen alter Kunstwerke und empfing unverwendbare, kunstlose, späte Werke in Abbildungen/ ' Jüdische Kunstdenkmäler gibt es nur wenige, und diese Sammlungen sind sehr Zerstreut in kleinen Abteilungen der größten Museen und bei einzelnen größeren Gemeinden untergebracht. Wohl mit beeinflußt durch die Existenz unserer Gesellschaft, sind an verschiedenen Plätzen kleinere Sammlungen entstanden. In Paris ist die Sammlung Strauß in einem Raume des Musae Cluny aufbewahrt. In London, wo seinerzeit die Anglo Jewish Historical Exhibition stattfand, haben die beiden führenden Museen schöne Kunstgegenstände aus der Renaisfaneezei-t. Das Museum in Washington hat eine meist aus sephardischen Stücken bestehende jüdische Sammlung; verschiedene kleinere sind beiden amerikanischen Univerfltätssämmlungenuntergebracht. In Prag sind in: Museum des Gemeindehauses eine Reihe jüdischer Kultusaegenftände ausgestellt. In Wien ist das Museum der Gesellschaft zur Konservierung jüdischer Altertümer in mehreren Räumen untergebracht., ein Raum ist' in eine ländliche jüdische Bürgerstube aus der Biedermeierzeit rungewandelt. In den üvrigen Zimmern sind Kultusgegenstände aus älterer Zeit ausgestellt, ferner alte Kupferstiche von Kultusbauten, jüdischen Friedhöfen und von Porträts berühmter Rabbiner. Eine' Reihe geeigneter Kul-tusgegenftände befindet sich wohlgeordnet in der Synagoge in Worms; in echem Raum in der Synagoge zu Braunschweig ist ein Grundstock für eine lokale Sammlung dieser Art. Der Besitz des um die Geschichte jüdischer Künstler hochverdienten Dresdner Rentiers Albert Wolf ist in der Berliner Gemeindebibliothek zur Aufstellung gekommen. Die Stiftung des verstorbenen Philanthropen F. D. Mocatta in London ist der Anglo Jewish Historical Society zur Gründung des Mooatta- Museums übergeben worden. Der um die Erforschung jüdischer Kunst de ukruäler verdiente Matthias B-ersvhn hat seine wertvollen indischen Kultusgegenstände der Synagoge zu Warschau und Herr Gieldzinsky hat seine mehr als 80 Nummern enthaltende Sammlung der Synagoge zu Danzigzu-r dauernden Aufbewahrung überwiesen. Das historische Museum in Frankfurt (die Gegenstände sind jetzt im Museum jüdischer Altertümer ausgestellt) und das Bayerische Nat-ionalmuseum in München enthMen ern paar Schränke mit alten jüdischen Gegenständen. Einzelne schöne Stücke chesitzt das hamburgische Museum für Kunst und Gewerbe und ebenso fast jedes Museum den einen oder den anderen jüdischen Gegenstand. Besonders hervorzuheben ist das Luitpold-Museum in Würzburg, das neben ein Paar Schränken mit jüdischen Altertümern der ausgemalten Holzshnagoge aus Kirchheim Unterkunft gewährt*). Diese und verschiedene andere auf die Erhaltung jüdischer Altertümer gerichteter: Schritte find mit der Propaganda in'Zusammenhang zu bringen, die die Gesellschaft und besonders ihr verstorbener Leiter gen:acht haben. Es ist wohl nicht unberechtigt, diesem das Verdienst zuzusprechsn, daß mansich heute mit größerem Eifer der Sammlung und Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler zuwendet. Illustrierte Handschriften in großer Anzahl besitzen das Britische Museum -in London, die Nationalbibliothek in Paris, die Bodleian Library in Oxford, die Nofstana. in Wien, die Staatsbibliotheken in Berlin und München und die Stadtbibliotheken in Frankfurt a. M. und Hamburg. Photographische Ausnahmen aus den Beständen dieser Institute gemacht und damit das Interesse und das Verständnis für den Bilderschmuck hebrmscher Handschriften gefördert zu haben, ist das Verdienst der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler. Auch die praktischen Erfolge der Gesellschaft sind nicht ohne Bedeutung, denn ihr darf man es Zuschreiben, daß heute die jüdische Oeffentlichkeit den jüdisch-künstlerischen Aufgaben mehr Verständnis entgegenbringt und den Wunsch hat, daß auch ihre Kultbauten und -gerate eigenartiges Gepräge Zeigen. Nach gelegentlichen Versuchen (die wohl als mißglückt angesehen werden müssen), freie jüdische Erfindungen zu verwerten, ist man mit gutem Erfolg zu den von der Gesellschaft gewiesenen Wegen gekommen. Die Synagoge in *) Die Synagoge in Kirchheim wurde 1740 von EIieser, Sohn des Kantors Salomo gef. And. in Brod. -Susi mann, ansgemalt. Vom gleichen Meister stammt die Bemalung der Synagoge in Bechhofen bei Ansbach, die schönste und reichste der bisher bekannten Arbeiten des Künstlers (1733). Die einfachste Ausführung zeigt Horb, jetzt im Museum in Bamberg (nach der Lesung des verstorbenen Vezirksrabbiners Dr. Goitein vor der Renovation 1707). Näheres über diese interessanten Werke siehe in meinem Aufsatz in Milgroim- Nimon. darf man mit Ramogen vergleichen; Ramogen bat 16lf2°lo Fett und zeigt deshalb so wunderbare Erfolge, well die zur Verwendung kommende Sahne völlig frei von den so schädlichen niederen Fettsäuren ist. Allein ige Anze igen-Ännahme Rudolf Iffosse, Änzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungreu Deutschlands und des Auslands SSerlin SW 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau j Chemnitz / Dresden | Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. [ Halle (Saale) j Hamburg / Hannover Köln a. Nh. j Leipzig / Magdeburg l Mannheim I München | Nürnberg j Stuttgart / Amsterdam / Prag f Wien | Budapest j Warschau i Basel j Zürich. PARFÜME R I E B E R L 1 N + 'W 15 JOACHIM STH A LE R STR. 9 äf Q> enDein >enho