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Wissen und Waffen · 1924-10-31 · 1 (31.10.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[2. Folge] (1924)
Issue
1 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gezogen werden tonnen. Es handelt sich, schließlich um ein literarisches Erzeugnis von Politischer Wirksamkeit und Politischer Bedeutung, dessen Ursprungsgeheimnis zu lüften Verfasser und Verfechter das größte moralische und Politische Interesse haben. Der Ursprung i st d e r M'a ke t an diesen: Buche, von de m a u s die Skepsis über seine Wahrhaftigkeit und Ehrlich k e i t w e i t e r f r i ß t. Haben die Herausgeber des Buches diesen seinen Makel beseitigt, so haben sie die Untrüglichkeit ihrer Beschuldigungen und die Echtheit der Protokolle restlos erwiesen. Alle sonstigen Zweifel haben dann zn schweigen. Aber sie bemühen sich gar nicht um Sicherstellung ihres Merkes nach dieser Richtung, sie begnügen sich mit theoretischen, sophistischen Konstruktionen und „Beweisen" sür die Rechtlichkeit ihrer Anschuldigungen und die Echtheit der Dokumente. Ein tiefes rr«durch- -vrn^Liches Geheimnis waltet über diesen: Werke. Nicht nur erschöpfen sich die Reden der Weisen in allgemeinen Phrasen und ungenauen Angaben, sie neuner: kein bestimmtes Datum, keinen bestimmten Namen, keiner: bestirnmten Ort, schwelgen in vagen Allgemeinheiten, die im Hinblick auf ihren Charakter als Rechenschaftsberichte durchaus ungenügend find auch die Namen der Helden, der Retter, der wahrhaft mutigen und großen Männer, die unter Lebensgefahr eine Tat vollführt haben, die durch Jahrtausende keinen: gelungen ist, die die Geheimnisse der Weisen durchbrochen haben, damit die Welt endlich von einer drückenden und unermeßlichen Gesahr befreit, die Christenheit vor einer schweren Katastrophe bewahrt werde, die Namen dieser Männer oder Frauen, die zu neunen im Anblick ihrer bewunderungswürdigen Ruhmestat jeder Anlaß vorläge, sie werden uns verschwiegen. Nilus ist der Name jener Dame, der Suchotin den Besitz der Dokumente verdankt, entfallen. Ihr Ruhm sollte die Welt erfüllen, statt dessen vergißt der heilige Nilus entgegen den: Branche sonstiger Schriftsteller und Gelehrter, die denen Dank wissen, welche ihren Geist mit Ideen erfüllen, ihn zu Taten erwecken, den Namen seiner Muse. Und diese Muse ist durchaus keine ganz gewöhnliche Muse. Ihr ist nicht nur Nilus, sondern die ganze Menschheit zu Dank verpflichtet — w e n n d i e D o k u mente nicht gefälscht sin d. Also warum sind alle diese, in erster Linie an der Entdeckung des Geheimnisses beteiligten Personewund Namen in solch mystisches Du n k el getaucht? i Ist Die Geschichte der Herkunft der Protokolle geeignet, berechtigten Zweifel an der Echtheit der Dokmnente zu wecken, ja, die Annahme direkter Fälschungen zu begründen, so wird dieser Zweifel und diese Annahme bestärkt durch die Ekritische Analyse des. Inhaltes. / Zunächst einmal, wer ist es, dessen Reden in dieser: Protokollen medergelegt sein sollen? Es ist schon oben erwähnt worden, daß die ganze Redeweise und der ganze Gedankengang, die sich hier manifestieren, derart den wahren Zielen der zionistischen Bewgung, derart dem empirischen Charakter der uns und Bw Mitwelt bekannten beteiligten Personen entgegengesetzt sind, daß wir vor einen: metaphysischer: Geheimnis stehen, wenn wir nicht annehmen wollen, daß diese ganze Geschichte freie Erfindung eines oder mehrerer bösartiger Individuen ist. Den Inden braucht niemand zu sagen, daß diese Dokumente gefälscht sind, sie wissen es, wenn sie nur einen Blick Hinei n w e r f e n. Der Geist, der aus diesen Reden spricht, ist kein jüdischer. Er ist gewiß nicht ein solcher, der im Judentum eine hervorragende, eine führende Rolle s p i e l e n t ö n n t e. Ihr Inhalt und ihre Form sind .dem Wesen des. Judentums, dem Wesen der jüdischen Lehre und der jüdischen Tradition in solchem Maße fremd, ja feindlich, daß jeder Jude, mag er selbst mit den kirchlicher: Lehren des Judentums. nur in losem Zusammenhänge stehen, von Gefühlen des Abscheues gepackt wird, fo er diese Protokolle zu Gesicht bekommt. Jeder, auch jeder Nichtjude, der sich ernsthaft n.tjt der Lehre des Judentums und mit der Psyche des jüdischen' Menschen befaßt hat, muß erkennen, daß hier nicht jüdischer Geist und jedenfalls nicht führende jüdische Männer sprechen. H Die Annahme steigert sich zur Gewißheit, wenn wir vergleichend und prüfend die Einzelheiten, die in den Protokollen ausgeführt' sind, beleuchten.- Es würde' zu weit führen, in dieser zusammenfassenden und lediglich einführenden Betrachtung den ganzen Stoff kritisch zu sichten, auf all die vielen Widersprüche mit der Wirklichkeit, die in diesen Protokollen feststellbar sind, im einzelnen aufmerksam zu machen. Wir wollen bloß, darauf Hinweisen, daß unzählige solcher Widersprüche konstatierbar sind, daß der, der diese Reden verfaßt hat, nicht nur in vollkommener Unkenntnis über das Wesen des Judentums befangen war, daß diese, ganze Schilderung nicht nur wesentlich übereinstimmt-mit den Karikaturen und Zerrbildern, wie sie-von judenfeindlicher Seite über das Judentum entworfen wurden und werden, sondern daß Anachronismen Vorkommen, Hinweise aus Begebenheiten, die erst nach dem Jahre 1897, dem Datum, an welchem die Reden gehalten worden sein sollen, stattgefunden, haben. Will man dem Oöerweisen von Zion nicht divinatorische Kräfte Zutrauen, so bleibt nichts übrig als die mit -äußerster Gewißheit' ansgestattete Vermutungdaß diese Rede« sehe -viele Jahre nach dem Zionistenkongretz verfaßt und erdichtet worden sind. Es bleibt der Nachweis übrig, daß diese Reden mit dem Zionismus und mit dem Judentum auch nicht die geringste Verwandtschaft, nicht den geringsten positiven Zusammenhang haben. Dieser Beweis ist sehr schnell geführt, indem wir auf die Queller: aufmerksam rrurcheu, aus denen die wirklichen Verfasser geschöpft haben. Das ganze Werk der „Protokolle der Weisen von Zion" ist ein Plagiat. Die „Limes" veröffentlichten an: 16., 17. und 18. August 1922 drei Artikel ihres Konstantinopeler Korrespondenten, die nachher in Broschürenform unter dem Titel „T h e -Truth ab out the Protokols, a lilerary forgery“ herauskam-err. Ter Verfasser war in den Besitz eines abgegriffenen französischen Büchleins gelangt, das einem russischer: Ochrana-Offizier gehörte. Das Buch datiert aus dem Jahre 1865 und fein Inhalt bestand aus Zwiegesprächen, die in der Unterwelt zwischen Mach rav elli und M onLesq u i e u geführt wurden. Es enthielt deutliche Anspielungen satirischer Art auf das Regime Napoleons III. Der Verfasser heißt M a u r i c c Jo ly» Zwischen der Schrift des Maurice Joly und den: Inhalt bn Protokolle bestehen weitgehende Uebereiustimmungen. Es gibt Dielten, an denen geradezu wörtliche Gleichheit des Textes konstatiert werden kann. Ganze Abschnitte sind regelrecht abgeschrieben, geringfügig verändert oder der:: Sinne nach übernommen. Graf R e v e n t l o w , der Eideshelfer der Fälschung' und des Fälschers, ist nicht verlegen um eir:e Ausrede. Kaurn ist der Geiftesdiebstahl erwiesen, so hat er auch schon eine für einen solch vornehmen Antisemiten würdige Erklärung zur Hand. Maurice Joly, so betet er dem englischen Antisemiten Lord Douglas nach, ist eirr Jude, der in die Geheimniste der jüdischen Weiser: eingeweiht war, ein Kommunist, der die uapoleonische Monarchie stürzen wollte, um den: jüdischen Weltreich die Wege zu bahnen. Diese Behauptung ist unwahr. Daß Maurice Joly kein Jude war, geht daraus hervor, daß er in seinem Buche die Juden beschimpft; zu mindest geht daraus hervor, daß er nicht in solchen: Matze für das Judentum begeistert war, um in: Kampfe dafür seine Lebensaufgabe zu erblicken. Es ist aber weiterhin eine Fälschung, zu behaupten, das Buch verfolge a n t i n: o r: a r ch i s ch e und k o m in n nisti s ch e Idee n. Im Gegenteil, es verteidigt durch den Mund Montesquieus die l e g i t i n: e verfassungsrechtliche Monarchie gegen die usurpatorische und despotische Gewaltherrschaft Napoleons IIT., der in seiner Negierungspraris machiavellistischen Methoden huldigle. Die gestohlenen Stellen in den: Buche der „Weisen von Zion" sind hauptsächlich den Repliken Machiavells entnommen. Zuweilen allerdings, wohl aus Verständnislosigkeit, hat man auch einen Satz, der Montesquieus Ausführungen angeschlossen ist, abgeschrieben. Das ergibt dann gewisse recht dunkle Stellen innerhalb der Protokolle, die drrrch allerhand mystische Verklausulierungen und Interpretationen von seiten der antisemitischen Kommentatoren, oder bester gesagt Verfasser, nicht klarer gestellt werden. — Aber solche Stellen fördern den n: y st i s ch e n C h a r a k t e r des G e s a n: t e i n d r u ck s. Und das ist ja schließlich auch ein Gutes für die wahren Verfasser und Ausbeuter der Protokolle. Denn das mystische Dunkel gestattet die dicksten Lügen, und diese Lügen gehören zun: unentbehrlichen Arsenal derer, die diese ganze Geschichte erfunden und erlogen haben. Ein Musterbeispiel für Die Fälschung. Einen sehr deutlicher: Einblick in die Arbeitsweise der Fälscher gibt folgende Stelle: M acht av elli fragt (in: 7. Dialog, Seite 67): „Wer ist es, der die Souveräne einsetzt . . Darauf antwortet M o n t e s q u i e u „Die Völker sind es." M ach iav elli erwidert: „Es steht aber geschrieben: Per me reges regnant. Das bedeutet wörtlich: Gott setzt die Könige ein." Montesquieu: „Das ist eine Uebersetzung für den Gebrauch deines „Prrneipe", o Machiavelli . . . aber die Heilige Schrift meint es nicht so. Gott hat die Souveränität eingesetzt, aber er setzt nicht die Souveräne ein. Seine allmächtige Hand hat sich hier Zurückhaltung auferlegt, denn hier ist es, wo die freie menschliche Willensbestimmung ansängt.' Die Könige regieren' auf Grund meines Gebotes, sie sind verpflichtet, nach meinen Gesetzen zu regieren, das ist der Sinn des göttlichen Buches. Wäre es anders, so müßte'man ja sagen, daß die guten wie die bösen Fürsten von der Vorsehung eingesetzt sind; man müßte sich vor Nero ebenso beugen wie vor Titus, vor Caligula ebenso wie vor Vespasian. Nein, Gott wollte nicht, daß Regentschaften, die eine Schändung des Heiligen sind, seine Protektion anrufen, daß die verwerflichsten Tyranneien sür sich in Anpruch nehmen dürfen, er habe sie eingesetzt." Der Plagiator versteht den Zusammenhang rächt, erkennt nur, daß das Zitat der Bibel entlehnt ist, glaubt, es stamme von den Propheten, und verwertet es in den Protokollen folgendermaßen: „Per me reges regnant — durch mich herrschen die Könige. Die Propheten haben uns gelehrt, daß wir von Gott selbst zur Herrschaft über die ganze Welt auserwählt wurden. Gott, selbst hat uns die nötige Begabung verliehen, damit wir uns dieser großen Ausgabe gewachsen zeigen. Selbst wenn im gegnerischen Lager ein Geistesheld erstände, der sich mit uns in einen Kampf einließe, so nrüßte er dennoch unterliegen, da der Neuling sich mir den Alteingesessenen nicht messen kann. Der Kampf zwischen uns ' wäre so schonungslos geworden, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, auch wäre der Geistesheld zu spät gekommen." Dieser ungereimte Widersinn wird in Anknüpfung an das Vibelwort einem Juden in den Mund gelegt, ohne daß der Fälscher' bemerkt, wie unnatürlich es erscheint, daß ein Jude Stellen der Bibel nicht in hebräischer Originalsprache, sondern in der Uebersetzung der

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