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Central-Verein-Zeitung · 1924-10-31 · 44 (31.10.1924) · p. Seite 666

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
44 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
Seite 666 (sequence 6)
Language
German
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066 -. Jüdischer Marxismus. Von Dr. B. Al a h. Welcher Jude hätte diesen Ausdruck nicht scholl Zu Dutzenden Malen an den Anschlagsäulen aus den Plakaten der Völkischen gelesen. Die meisten Leser denken: Marx war also ein Jude. Was er ■■■«>• gelehrt hat, weiß unter tausend Juden vielleicht einer. Gewiß, Karl Marx war von jüdischer Abstammung. wenn auch bereits irr seinem sechsten Jahre seine Tause vollzogen war. Karl Marx, der den Mut halte, nur einer idealen Theorie willen, Ruhe und Heimat aufzugeben und ein unstüter Wanderer 31t werden, in der Fremde zu leben und Tag und Nacht über das Ergehen von Millionen im Elend schmachtender Menschen nachzudenkeu, ist Jude insofern, als sich sein Bewußtsein empört gegen die b e st e h e n d e n Mißbräuche, sein Charakter nicht Duldergesinnnng verträgt, sondern k ü m pfen und h 0 f s e n w i l l und stark genug zu sein glaubt, die neue Zukunft zu bauen — aber wo das beginnt, was von der Wesenhaftigkeit in die Erscheinung tritt, da rächt sich, so sagen wir als Juden, seine logische Theorie in furchtbarer Weise: die absolute geistige Entfremdung, in der Marx denr Judentum gegenüberftand. Der Marxismus i st a l s D e n k t h e 0 r i e das kont r ä r st e G e i st e s P r 0 d n ü t, d a s d e ur I u d e n t u in g e g e n - ü der möglich ist. Die Grundstirnmung, von der alles jüdische Denken getragen ist, von der vor allem seine soziale Ethik durchdrungen ist, ist der Glaube an die Macht der Ideen, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und ähnlichen Gedanken. Es ist der t r a n s z e n - deute Gottes glaube, der durch den Menschen als göttl-.ches Ebenbild im Kampfe mit der eigenen-und der äußeren Natur als Ku lt Urzustand in Erscheinung treten soll, der freilich auch niemals als „Seins"--Iii-stcm'd, sondern irnmer nur als ein Werden, selbst im wahrhaften Zeitalter der Kultur, tut messtanischen Zeitalter gedacht werden kann. Die Theorie des Marxismus dagegen ist ans einem Shst-etn ausgebaut, das nicht nur von den naturalistischen Gedanken eines Rous fe a u und Helvetius beeinflußt ist, sondern sie steht unter denr unmittelbaren'Einfluß jenes edlen Lt. Simon, der des Glaubens lebte, alle Erscheinungen des geschichtlichen Vökkcrlebens rein kausal deuten zu können; für den Geschichte die Wissenschaft war, die mit sortzeugender Macht den Artgehalt und die Entwicklungstendenz der übrigen Kulkurgebiete: der Religion, Moral und Politik bestimmt und den Einfluß anderer Kräfte zwar nicht beseitigt, aber doch als untergeordnet erscheinen läßt. Aber St. Simon geht auch bereits einen Schritt weiter rrnd saßt die intellektuellen Tatsachen auf als solche, die in ihrer Eigenart durch ökonomische Prinzipien bestimmt werden. Diesen Gedanken eben aber macht sich Marx, der gelehrige und überzeugte Hegelianer, so sehr zu eigen, daß er int Vorwort zu seiner „Kritik der politischen Oekonömie" geradezu erklärt: „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr -Lein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Lein, das ihr Bewußtsein bestimmt." Niemals hätte Marx, wäre auch nur ein kleines Teilchen jüdischen Wissens, j ü d i s ch e n Geisteslebens ihm zu eigen geworden, zu einer solchen, in ihren Folgerungen furchtbar verhängnisvollen Theorie kommen können. Das Wort Marxismus als Theorie auszuprägen unö dann mit dem Attribut jüdisch zu verbinden, ist ebenso passend, wie von einem jüdischen Spinozis-m-us oder einem christlichen Wilhelm in ismu-s zu sprechen. D i e Wesensart mag für den Charakter u n d d e s s e n A e u ß e r n n g s a r t m i t b e st i m m e n b sein, der Inhalt der G e f i n n u n g ist von den E r z i e h u n g s m o m e n t e n - und der 1k nt g e b u n g , i n d er je m a n d a u s w ä ch st, vorzugsweise b e st i m m t. Marx hat nie die Lehre, nie das jüdische Leben, nie die jüdische Geschichte, ja ich möchte sagen, nicht einmal das Elementarste, die jüdische Bibel, kennen gelernt. Seine religiösen Kenntnisse schöpft er unter anderem aus den kritischen Lchristen Feuerbachs, der ja nicht davor zurückscheut, Religion schlechthin als „Spiegelung des menschlichen Wesens in sich selbst" zu definieren, ein Urteil, das jedenfalls durch keinerlei psychologische Sachkenntnis getrübt ist. Marx aber übernimmt es ungeprüft und verdammt unentwegt alles Religiöse, speziell die Religion des Juden, als Allsdruck seines Egoismus. Nach ihm kann seine Religion o h n e d i e k a p i ta l i st i sch e G e s e t l sch a f t gar nicht bestehen, denn sein weltlicher Gott ist das Geld. In den „geistigen" Haß. mit dein er die ganze bestehende Gesellschaftsform bekämpft, schließt er daher das Judentum ein, das bei aller Betonung des Wertes der Einzelpersö-nlichkeit doch nicht an die „Verwirklichung der Freiheit aller" in dem marxistischen Zukunftsreiche glauben kann. Z u m M a rxis nt u s st e h t die j ü d r s ch e W e l i a u f - - s a s s u n g in schroff st e m Gege n s a tz e. Uns stellt sich die Seele einer Kultur als ein vielfaches W e ch se l s p i e l d er Kräfte dar, lind in den K-reis dieser Kräfte ist auch das Wi rtfch.af't sieben mit einbezogen. Aber, so urteilen wir mit Muckke („Jüdische Kultur" S. 42), ihm schlechthin eine besondere Stellung etwa gegenüber der K u n st oder R e l.i g io n zuzuweisen., gleichsam, als ob hier die alles übrige „verursachenden". Kräfte sprudelten, läßt sich nur erklären aus einer seelischen Verfassung heraus, die cs unmöglich macht, das Leben zu betrachten als eine in allen Gebieten sich entfaltend e^ll rgewalt, die jeder Erklärung spottet und vom Geheimnis umwallt ist. Eine derbe Kraftäußeruug, in der )vir /lediglich ein Abgeleitetes, dem Urphänomen Entströmendes7eMicken,,.' erhebt Marx zum Range einer Grundmacht. Das geheiinnisvolle Leben der Seele der Kulturen wie der einzelnen Menschen, die versuchen, in den verschiedenstell Formen sich ringend im Leben zu behaupten, ist ihm verschlossen. Aber noch mehr \vk ihm, der wenigstens einem Ideal zustrebte, ist dies Geheimnis der Seele einer Kultur denen verschlossen, die von dem „jüdischen Marxismus" die Welt befreien und dabei noch nicht einmal den Mut besitzen, über die Ausführbarkeit dieses Wollens, lvir wollen gar nicht sagen, über die Haltlosigkeit und Schädlichkeit. Nachzudenkeu. lieber die Aussührbarkeit! Haben wohl die völkischen Befreier schon einmal darüber nachgedacht, daß, wenn sie sämtliche Juden der Welt umgebracht hätten — und auf brutale- Gewalttat sind ja-zumeist ihre Instinkte eingestellt —.. sie damit auch nicht einen kleinen Bruchteil derjenigen beseitigt hätten, die die wirklichen Gläubigen des „jüdischen Marxismus" sind. Denn unter den j ü d i s ch e n M a s s e n kennen viele den „Marxismus" noch nicht einmal dem Namen nach, und der größte -Teil der jüdischen Intellektuellen verwirft ihn. aus den angegebenen und anderen Gründen. Hier kann also brutalste Gewalt nichts Helsen. Hier heißt es, d c n K a tu Pst mit geistigen Waffe n . den Waffen der A u s k l ä r u n g führen!. Bei .solchem geistigen Ringen aber würden diese „Vaterlandsretter" auch die Lchädlichkeit ihres Wollens erkennen müssen. Man kann diese Tatsache etwa so formulieren: Ebenso, luic es das größte Unglück für die Welt um re. den Tag zu erleben, an dein die Gruudsorderungen des „Kommunistischen Manifestes" zur Wirklichkeit würden, so wäre, wie es kürzlich MacDon-ald für England zum Ausdruck brachte, das größte Unglückfür Deutschland der Tag, an dem wir alle gleich würden. E s w ä r e der letz t e T a g. de s m e n s ch l i ch e n F 0 r t ° j ch r 111 c §! Die stärke eines G e m e i n uv e se n s liegt in seiner AI a n n i. g f a 11 i 9! c t f, in seinen verschiedenen Individualitäten; und der Mann, der versuchen wollte, diese Unterschiede zu verwischen, erhöbe seine Hand gegen den Fortbestand und die Existenz dieses großen Staatswesens. Gerade aber das wollen' die verhüten, die weder Anhängerdes „jüdischen 'Marxismus" noch des „völkischen Tcutonis-m-us" sind, sondern' die Idee ll Hastigkeit der g r 0 ß cu P r 0 phet e n mit den Ideen eines Goethe und Kant in sich zu vereinen suchen, aber auch von Rousseau und Marx sich anregen lassen, darüber nachzudenkeu: nüe kann das soziale Leben in Dentschkand so v 0 r b i l d l i ch und m e u s ch - ste i t s b e g l ü ck cnb gestaltet werden, daß dieses Land an der Spitze der Knlturstaaten uvar sch irren kann. In solchem Denken uns selbst treu, glauben wir Juden allerorts, wo lvir wohnen, mit die besten Patrioten zu sein. Man kann sie nicht für voll nehmen. Der „Stürmer" in Nürnberg zu hohen Gelbst rase n v e r u r teilt. Unseren Lesern ist als emes der wüstesten antisemitischen Hetzorgane „Der Stürmer" in Nürnberg bekannt. Schon einmal hatte das Gericht in diesem Jahre Gelegenheit, sich mit dem Herausgeber des „Stürmer", dem ehemaligen Lehrer Streicher, zu befassen. Streicher hatte damals schwere Beleidigungen gegen den Oberbürgermeister Luppe in Nürnberg veröffentlicht und^ wurde deshalb verurteilt. Diesmal stand sein Sitzredakten r, der Medizmalpraktikant Hüls, vor Gericht. Im „Stürmer" war behauptet lvorden, einer der angesehensten jüdischen Anwälte Nürnbergs, Rechtsanwalt Dr. Masse rt r ü d i n g e r , hätte in einem Prozeß, in dem er als Zeuge vernommen wurde, einen Meineid geleistet. Vor Gericht fürchte sich Hüls damit herauszureden, daß es nicht so bös gemeint gewesen sei. Er mußte sich aber sagen lassen, daß es ein besonders st a r k es St ü ck ist, gegen einen der b e st b e l e u m beten Staatsbürg e b, der noch dazu deutsches Recht bei G e r i ch t z u h ü t en h a b c, den V 0 r w u r f d e s Meineid s I z u e r h e b e n. Das Gericht erkannte aus 400 Goldmark Geldstrafe! eventuell 20 Tage Gefängnis. Es hat in der Begründung hervorgehoben, daß von einer Freiheitsstrafe trotz der S ch w e r e der Beleidigung und der Vorstrafen des Angeklagten nur deshalb Abstand genommen wurde, weil Hüls ein in feine Ideen verrannter Fanatiker sei, dessen A e n ß e - r ü nge n nicht g a n z für voll z u n e h rn e n sind. Am selbe« Tage kaut gegen den gleichen. Angeklagten noch ein zweiter Prozeß zur Verhandlung. Hüls hatte einen Artikel veröffentlicht, in dem einem angesehenen jüdischen Kaufmann namens Schloß - vorgeworfen wurde, daß matt ihm einen b e w u ß t e n M e i u e i d wohl z u trauen k ö n n e. lieber die Herktrnft des Artikels verloeigerte Hüls die Aussäge. Ein als Zetlge vernommener Beamter, gegen den ein Disziplinarverfahren eingelcitet ist, verweigerte die Aussage. Das'Urteil latltete. mit derselben Begründung auf 300 Goldmark Geldstrafe, hilfsweise 15 Tage Gefängnis. Wir hoffen, daß diese schweren-Strafen Hüls nunmehr deutlich machen werden, wie man mit der Ehre feiner Mitmenschen-umzugehen hat! *

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