Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- Seite 665 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Anbeter geschrieben. Niebergall fragt: „Was hat Israel der Welt als seinen Beitrag z u ihrer Kultur zu - gebracht?", und er führt weiter aus: „Es 'ist nichts Geringeres als die Moral, die religiös gegründete und sozial und geistig gerichtete Moral. Daß wir fromm und gut nicht auseinanderreihen, daß wir Unrecht als Sünde und Sünde als Unrecht empfinden, stanunt aus diesem Erbe Israels." Die Wahrheit dieser Erkenntnis, die dieser berühmte christliche Theologe ans seinem Studium gezogen hat, kann nichts besser beweisen, als das; man die oben erwähnten Werke in ihrem Inhalt möglichst in sich verarbeitet und kritisch Prüft. Ein a u f er st a n d e n er Neuiahr s ch e r z. Gemeint ist die Landkarte von Europa, welche die Juden entworfen haben, und auf welcher genau verzeichnet steht, wie dieser unglückliche Erdteil nach dem Weltkriege a u s s e h e n w i r d. Das haben die Inden schon im Jahre 1 8 90 veröffentlicht, also volle sieben Jahre, bevor sie in den „Protokollen der Weisen von Zion" den Plan zur Begründung ihres Weltreiches entwickelt haben. Diese merkwürdige Landkarte wird, wie im „S t r a X f u ix b c r Tageblatt" vom 8. Oktober zu lesen steht, alsbald in einer billigen Ausgabe ztt erhalten sein, die ein leider nur bitrcX) die Anfangsbuchstaben seines Namens, D. K., bekannter Professor in Bälde veranstaltet. „Man erschauert," schreibt das Blatt, „wenn man sieh!, wie alles, was die Karte darstellt, zum größten Teil einge troffen ist, und rnan erkennt, daß es höchste Zeit ist, daß das deutsche Bolk erwacht und Front macht gegen die jüdische Räuberbande, die der Todfeind unserer staatlichen Einheit ist." Aber der Leser, der das Gruseln lernen will, braucht nicht erst ans die Ausgabe des gelehrten Professors zu warten, denn'diese Karte ist in den Geheimnissen der „Weifen von Zion" von Gottfried zur Beek Seite 215 veröffentlicht. Die Karte erschien, wie wir aus der Angabe in dem genannten Buche ersehen, in der von Labou - ch 6 x c in London herausgegebene Zeitschrift „Truth" zu Weihnachten 1890 und stellt offenbar etwas Spaßhaftes vor, wie es die englischen Zeitschriften ihren Lesern zu Nettjahr mitsamt einen Kalender zu bieten pflegen. Es ist eine Satire auf die Staatsoberhäupter Europas. Links oben sieht man in einer Gruppe die stark verkleinerten Karikaturen der europäischen Monarchen, wie sie sich vor einen: Arbeitshaus drängen, während ganz Europa in Republiken aufgelöst ist. . Großbritannien, Schweden und Norwegen, Dänemark, Spanien, Italien, Serbien, Bulgarien sind ebensogut Republiken wie Frankreich, die Schweiz itnb Deutschland. Rechts am Rand fängt Rußland an und man best die Worte „Bussina Desert" (russische Wüste), wie das damals im Westen noch so wenig bekannte Zarenreich von sorglosen Publizisten in: Scherz genannt wurde-. Man muß schon so vollkmnmen verblödet und zugleich unwissend und dummdreist sein, wie der Herr Zur Beek, um diese nicht sonderlich geistreiche Bildsatire mit den Juden irgendwie in Zusammenhang zu bringen. Das Spaßigste an der Sache ist folgendes: Jener Henry Labouchöre, Besitzer und Herausgeber der „Truth", zeitweise Mitglied des Unterhauses, war nach der Versicherung des Herrn zur Beek und des „Stralsunder Tageblattes" ein Freimaurer. Das läßt sich schwer seststellen. Aber eins ist sicher, er war ein e i s r i g c r A n tise m i t, damals der einzige Antisemit im ganzen Britischen Reich. Er tat sich darauf sehr viel zugute, der einzige dieser Art in Großbritannien zu sein, war aus diese Ausnahmestellung sehr eifersüchtig; in London sagte man scherzweise, Labouchäre wäre bereit, jeden Engländer totzuschlagen, der sich ebenfalls zur antisemitischen Gesinnung bekenne und ihm dadurch das Monopol streitig machen würde. Das alles weiß jeder, der sich in den literarischen und politischen Verhältnissen des damaligen London ein wenig auskennt. Man braucht - übrigens dazu nur ein paar Jahrgänge des „Truth" aus, jenen Zeiten dnrchzublättern. Die Berufung -aus die Entlassung Bismarcks ist besonders erschütternd. Sobald die Juden merkten, daß Wilhelm II. Bismarck entlassen wird — und das wußten sie natürlich schon lange bevor der Plan im Kopse des jungen Kaisers ausgetaucht war —, beauftragten „die Weisen von Zion" den Antisemiten Labouchäre, ihren Plan der 'T-ei-llmg Europas der Welt in einem ulkigen Bilde mitzuteilen. Es hätte sich nicht gelohnt, diesem albernen antisemitischen Schwindel Aufmerksamkeit zu widmen. Allein die „Adische Landkarte" wird, gleich wie ähnliche völkische Geisteserzeuguisse, die sich auf den „Protokollen der Weisen von Zion" aufbauen, in dem bevorstehenden Wahlkampf eine große Rolle spielen. Das soeben erschienene Buch „Die Protokolle der Weiser: von Zion kritisch untersucht, eine Erledigung" von B. Segel, bietet dem Leser Gelegenheit, dieses ganze Gewebe von verlogenen Phantastereien nach Gebühr zu würdigen. Wahrli-u es ist höchste Zeit, daß das deutsche Volk erwacht und Front macht gegen diese Bande gemeingefährlicher Narren, die ihm ' beharrlich und unverschämt einen Dunst von albernen Schwindeleien vorgaukelt, Syma. $öa$ man uns MrauSl L u st i g Es M i ß v erstü n d n is de s „S t itr m". Im „Sturm", der, Zeitung des sattsam bekannten Herrn Q u i n d e l, konnte rnan nur 25. Oktober folgendes lesen: Tie „C.-V.-Zeitung" — das offizielle Organ des „Central- Verbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" — hont 17. Oktober 1924 (als Wochenzeitung bestimmt bereits am 15. als Manuskript fertig) veröffentlicht folgenden Ausruf: , „C.-B.-Mitglieder in Preußen, tragt Euch in die Wählerlisten ein! Ihr müßt am 7. Dezember wühlen." In einer Zeit also, in der die Parteien noch verhandelten und fein Mensch außerhalb der herrschenden Gewalten des „C. B." wußte, was aus dem politischen Kuhhandel werden würde, waren sich „die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" darin einig: „Reichstag und Landtag werden ausgelöst und am 7. Dezember nettgewählt!" Die Beziehungen der im C. B. organisierten Zeitgenossen ztt. höchsten Würdenträgern scheinen also vollkommen ztt sein. Ein Schauer rieselte die Rücken der biederen Sturmleute entlang. Also doch! So unverhüllt hatte es sich nie herausgestellt, daß wir in einer Judenrepublik leben. Aber da läutet in der „SturnG-Redattion das Telephon. „Hier Syndikat Hannover des C. B. Ihnen ist gestern eür kleines Mißverständnis passiert. Der Ausruf bezieht sich ans jüdische G e m e t h dewahle n." „Ja, gewiß!" Plötzlich war eine Störung in der Leitung. In der Nummer Vota 26. Oktober aber las man: Zu der von uns gestern veröffentlichten Zuschrift wird uns rnitgeteilt, daß der betreffende Aufruf: „C. V.-Mitglieder .. . . Ihr müßt atu 7. Dezember wählen" sich auf die Wahlen zur jüdischeu Genteindevertretuug bezog, was ans dem Aufruf selbst nicht ersichtlich war. Also, mau hatte es d o ch geglaubt. Armer „Sturm" . . . - Bielens. W o ch e u b e t r achtu n. g. Eine der grbräuchlichsteu Redewendungen bei den modernen Juden Westeuropas ist die Betonung der Notwendigreck, mit der Zeit mitg-ehen, sich den Anforderungen des Zeitgeistes anpassen zu müssen. Es gibt nicht unbedeutende Gruppen in unserer Mitte, die allzeit renmi novarum eupicli sind. Jede neue Mode und Modetorheit auf allen Gebieten des materiellen und geistigen Lebens findet in ihnen warme Vertreter und eifrige Vorkämpfer, schon eben weck sie neu sind. Gewiß ist nicht zu leugnen, daß auch manche gesunde neue Idee ans diese Weise zu ihrem Rechte kommt. Aber ineist handelt es sich doch um Dinge, die heute entstehen und morgen vergehen. Viel Lärm und Geschrei wird um ein eitles Nichts gentacht. Sicher ist, daß diese Neuerungssucht viel dazu beiträgt, uns bei den an ererbten Sitten, Gewohnheiten und Anschattungen sesthaltenden Kreisen des Volkes unbeliebt ztt machen. Ohne die persönliche Freiheit des einzelnen einzuschränken, wäre doch gerade hier aus diesem Gebiete m ehr Z u r ü cf h a l t u u g geboten. Es wäre überhaupt eine würdige Ausgabe für den Geschichtsforscher, einmal eine Geschichte dieses sogenannten Zeitgeistes ztt schreiben, einmal all die Torheiten, Widersinnigkeiten, Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten festznstellen, welche die Menschen in fetneni Namen begehen zu müssen glaubten. Alles Große und wahrhaft Gute ist im Gegensätze zum Zeitgeist und im Kampfe mit ihm dnrchgeseht worden. "Der itr sich geschlossene Charakter, der wirklich denkende Mensch wird nicht mit der Zeit mitgehen, sondern wird versuchen, die Zeit mit sich fortzureißen. Der Zeitgeist ist etwas Richtiges und Eitles, etwas Vergängliches, oft Verderbliches. Der wahre und echte Geist steht über der Zeit und außer der Zeit. Er ist^ der Träger der ewigen und unvergänglichen Ideen, deren Verwirklichung allein das Heil und das Glück der Menschheit begründet. Der dieswöchentliche Schriftabschnitt gibt uns in kurzen mtb kernigen Worten die Schilderung eines solchen Zeitgeistes. Die Erde war verderbt von Gott, und die Erde war voller Gewalttat. Es war modern und zeitgemäß, sittenlos und gewalttätig zu sein, höchst unmodern aber, sich gerecht unb untadelig zu zeigen. Das Laster hatte die ganze bestehende Welt ergriffen. Die Söhne der Mächtigen gingen mit dem bösen Beispiel voran, und das gemeine Volk folgte un t Freuden ihrem Bei Kiel. Nur einer wagte es, anders zu sein. An der Wiege schon hatte man es ihm gesungen, daß er der Trost der Welt sein werde, und er wurde nicht nur der Trost. nein bn Retter und Erhalter des Mettschiengeschlechts, indem er der UnMenschlichkeit der Welt und des Zeitgeiistes entgegentrat. Und als er sah, daß diese Welt sich nicht retten lassen wollte, sondern blind Per Macht des Zeitgeistes verfallen war, da flüchtete er sich und die Seinen, dem R u f e d e s Göttlichen folgend, auf die e i n - s ct nt e A rche, die ihn in eine nette b ech s e r e Zeit führen sollte. Gleiches hat sich immer von neuem ereignet im Kreislauf der Geschlechter. Der Gerechte und Untadelige, der getreu seinetu Gotte wandelte. mußte sich stets der Lockungen eines versührerischen Zeitgeistes erwehren. Noch immer aber hat sich eine Arche gefttnden, die den Träger des Göttlichen barg und aus der Sünde und den: allgemeinen Znsümtnenbruch in eine schönere Welt rettete, wo er feinem Gotte nette Altäre errichten konnte. Hossmann.