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Central-Verein-Zeitung · 1924-10-31 · 44 (31.10.1924) · p. Seite 663

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
44 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
Seite 663 (sequence 3)
Language
German
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663 Au den Reichstagswshlen! Die völkische Krage in öen Wahlaufrufen. Erst wenige Parteien haben ihre Wahlaufrufe ZU den Reichstagswahlen an: 7. Dezeruber erlassen. Zn den Landtagstvahlei: fehlen die Aufrufe noch ganz. Als erster erschien der Aufruf der Deutschnatioualen Reichstagsfraktion am 21. Oktober, also unmittelbar nach der Auflösung. des Reichstags. Dieser Aufruf erschien den Dcntschnationälen etwas -übereilt und. sie ha-ben deshalb einen Zweiten'endgültigen. Aufruf erlassen. Die S t e l l n n g n a h m e gegen ü b e r d e m I u d e u t u in ist in beiden die gleiche. In den: Wahlunsrus vom 21. Oktober, ist sie klar und eindeutig ausgesprochen: „Unsere Partei bleibt wie sie war: monarchisch und völkisch, ch r i st l i ch und sozial. Unsere Ziele bleiben wie unser Name: deutsch und national. Unsere ruhmreichen Farben bleiben: schwarz-werß-rot. Und unser Wille ist fester denn je: ein Deutschland zu schaffen, frei von Judenherrschast und Franzoseuyerrschafch, frei von parlamentarischem Klüngel und demokratischer Kapitalherrschaft, ein Deutschland, in dem wir und unsere Kinder wieder aufrecht und stolz unsere Pflicht tun wollen." In dem Zweiten Aufruf vom 28. Oktober heißt es: „Auch in diesem Kampf bleibt unsere Parole: christlich-völkischnational -sozial." Sie verlangen dann für das ganze Reich „im deutschen und völkischen Geist Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft", fordern „ein christliches Schulgesetz" und stellen schließlich fest: „Der Wegweiser, vor dem das Rutsche Volk am 7. Dezember . im Reich und in Preußen steht, hat nur zwei Arme. Der eine zeigt nach rechts, der andere nach links. Rechts: Christentum, Vaterland, gesunde.. Wirtschaft — links: Unglaube, revolutionäre Wirrnis und wirtschaftliche Ruinen." Die Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands rufen gleichzeitig zum Wahlkampf auf. Sie wollen „diesseits der vom Reichsbanner SchwaM-Rot-Gold durch das deutsche Volk gezogenen Grenzlinie, an der' eine Befestigung und Verbesserung der Reichsregierung scheiterte, und die wegen der Zugehörigkeit von Partei und Gewerkschaftsführern des Zentrums zum Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rvt-Gold mitten: ' durch das Zentrum geht, alle christlich und vaterländisch ge- - stnnten Volksteile zu einem einheitlichen Vorgehen im Wahlkampfe gegen die dem Auslande gefälligen nndentschen und entweder r e.l i g i o n s l o s e n oder direkt religionsfeindlichen Kräfte znsammenfassen". Die Vereinigten Vaterländischen Verbände behauchten dabei, überparteilich zu sein, deshalb haben sie auch „bereits einen überparteilichen vaterländischen Wähldienst eingerichtet, mit den: sie das deutsche Volk zur Erkenntnis seiner . traurigen Lage aufrütteln, und de:: letzten Wühler für den christlich vaterländisch und national "gesinnten schwarz-weiß- : roten Block an die Wahlurne heranbringen wollen." Herr Kunze erklärt anläßlich der Wahl in seiner „Neuen Zeitung": - >„Der. jüdische . Kapitalismus holt jetzt zum tzrosten . Schlage aus. Er will eine Regierung der Mitte schaffen, in der alle Parteien vertreten sind, die nur durch Judas Geld und Judas Geist bestehen. Der v ö lk i s che n B e w e g u n g droht daher insbesondere die größte Gefahr. Wir Deutsch-' sozialen wollen deshalb noch einmal alle Kräfte ausbieten, um für Reichstag und Landtag Vertreter zu entsenden, die furchtlos für die Rechte des deutschen Volkes kämpfen werden ..." In dem offiziellen Wahlaufruf seiner Derrtschsozialen Partei heißt es bann: „Am 4. Mai hattet Ihr Euch wiedereinmal betören lassen, Widder einmal den „großen" kapitalistischeu Parteien vertrant, die sämtlich, von >den Sozialdenwkraten über Zentrum und Volksparei hinweg bis zu den Deutschrmtionaleu, von jüdischen Auf- . sichtsraten und Logenbrüdern gebeitet werben, den großen Parteien, die soviel leisten könnten, aber nur groß im Betrügen sind. Daru m: Nie wieder I udenparteien!" .Er spricht dann von dem „Judenkönig" Pierpont Morgan und von der „jüdischen Zwickmühle -des unerhörten Zinswuchers", . Das Zentrum betont in seinem Wahlaufruf, daß es „als Partei der Mitte, stehend auf dem festen Grundsitz echten Christentums und lebendigen Volkstums" bewußt alles beiseite setzt, „was unser ohnehin zerrissenes. Volk noch mehr zerklüften könnte. Wir ''kenne:: : nicht" Klassenvorurteil und Klassenhaß, nicht den. Standes- oder Rassenradißal'isWuA. An diesem uimfassenden, . gleichenden und einigenden Charakter wird die Deutsche Zentrums- Partei unverrückbar festhalten." ~ .Einer - gewissen Paraltele wegen seie n auch die Sätze er.wähnt: ' - „Vetsuche, die Katlh-oli'ken' äls Staatsbürger zlveiter"Masse zu behandeln, bekämpfen wir aus Grundsatz und aus geschichtlicher ' Ileberlieferung.' Wir 'verlangen keine Bev.orzü.g-ltt:'g,'^ abäb volle Gleichberechtigung. Den konfessionellen Hader in: pol i tischen Letzen beklagen und vernrteilen wir." ' Reichstagssraktion und Vorstand der Derttschdemokratischen Partei wenden sich n:it einem Aufruf an die Wühler, in dem sie i:: folgenden Sätzen zur völkischen Frage Stellung nehmen: „Die gründliche Schwächung der Kommunistischen und Dentschvölkischen Partei muß in diesem. Wahlkamps erreicht werden. Jede kommunistische und jede dentschVöMsche Stimme ist für die praktische Politik verloren. Di e s e P a r t e i e n nute r g r a b e n b e lv n ß t und a b s i ch t t i ch A n s e h e :: und Arbeitsfähigkeit der Volksvertretung." Nachden: sie dann ihre Stellung zu.den anderer: Parteien tlargelegt hat, stellt sie fest: „Unsere Politik im Innern ist durch unsere staatspolitischen Ausgaben klar umschrieben: die Sicherung der Republik, die Festigung der Demokratie, die Ueberwindttng des Klassenkampfes, die Ausschaltung des Rässenkampfes, die Wiederherstellung der Konsumkraft aller Volksschichten als Grundlage der Stärkung unserer Wirtschaft, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Deutschlands Wiedereinflechtung in die Weltwirtschaft, die Linderung der Not in allen von Krieg, Revolution, Friedensvertrag und Inflation betroffener: Volksschichten . . . Wir kämpfen für eine wahre Volksgemeinschaft, die ans staatsbürgerlicher Gemeinschaftsgesinnnng beruht! Für ein freies Deutschland unter freien Völkern Europas." Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands stellt fest, daß sich die Deutschnationalen mit den Völkischer: und den Kommunisten verbündet hätte;: zu ihrer verlogenen Hetze ge geil das Gutachten. „Lernt daraus," so ruft sie ihren Wühlern zu, „daß die Kommunisten und die Völkischen nnr dis Schildhalter der dentschnationalen Reaktion sind und euch nicht helfen können'" Die SürgSrschaftswshlZn in hsMburg» Ir: Hamburg haben am 26. b. M. die Bürg.erschass-wahlen stattgesunden. Ihre Ergebnisse sind bernerkenslvert für die Voraussagen zu den Wahlen am 7. Dezember. Ausfallend stark ist der Rückgang der r a d i k a I e u P orteten. So schmolzendie Völkischen von 37 737 Stimmen, die str am 4. Mai erzielt hakten, auf 14 343 zusammen.. Die Deutschnationale Volkspartei erreichte nur 92 167 gegenüber 122 064 im Mai, - die Kommunisten 81 224 gegen 114 865. Auch wenn'man berücksichtigt, daß die Wahlbeteiligumg diesmal allgemein eine prozentual schwächere war als bei den letzten Wahlen, so bedeuten die Ergebnisse doch einen hoffnungsreichen Ausblick in die Znklmfk, die uns ein ve r a n tw o rtun gsbewußtes, ve r sa ss: i ng sch-ü tzende s Pa r t a men t bringen kann. ' Wer istchchernnationa! unö charakterlos"! De r Wah la u fr uf der Nat io n aIs o z i alrst i sch e n F r e i h e i t s b e w e g u n g. Das „Deutsche Tageblat t" des Herrn Wulle veröffentlicht in seiner Nummer 246 vom 24. Oktober den „Ersten Wahlaufruf der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegu n g". In ihm wird eingangs das Verhalten der Parteien bei der Annahme des Dawes-Gutachtens gewürdigt, die teils internationäl-kapitalistisch, teils auf ein blutiges, kommunistisches Chaos hinarbeitend, teils eine „scheinnationale, charakterlose Taktik". befolgend, abgezeichnet werden. Da die D e u t s ch n a t i o n a l e n bis zur letzten Minute vor der berühmten Abstimmung Stein und Bein schworen, sie würden sich lieber vierteilen lassen, als den „Versklavungsplan" annehmen, so kann wohl kein Zweifel obwalten, .daß die D eu tsch n a ti o n a l e n es find, denen von ihren „völkischen. Brüdern" s ch e i n n a k i o n a l e u.n d ch a r a k t e r l o s e T a k t i k öffentlich ins Stammbuch geschrieben wird. Sie müssen sich ja am besten kennend . .

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